On Air - Der Blasmusik Podcast
Podcast rund um das Thema Blasmusik. Andy Schreck, selbst u.a. Dirigent und Lehrer für Musik an einem Gymnasium trifft sich mit Musikern, Dirigenten, Komponisten und Visionären um über Musik und das Leben zu sprechen und andere für neue Ideen zu begeistern.
On Air - Der Blasmusik Podcast
Wie gewinne ich mein Publikum? (Live)
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Wie gewinne ich mein Publikum? Eine Frage, die sich jeder Dirigent, Vorstand und Verein immer wieder stellen sollte. Um dieser Frage nachzugehen, war ich beim "Festival der Orchesterleitung" in der BDB Akademie in Staufen eingeladen und durfte die dortige Podiumsdiskussion leiten.
Meine Gäste:
Oliver Nickel (Dirigent und Präsident der WASBE Sektion Deutschland)
Alexandra Link (Blasmusikblog)
Celine Pellmont (Dirigentin)
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Buffet Crampon:
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https://showroom.buffetcrampon.com/de/startseite/munchen/
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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes
Manchmal habe ich das Gefühl, dass auch die Leute, die vorne dran stehen. Und ich hatte auch so eine Phase, wo man ein bisschen neidisch auf andere guckt oder Angst hat, dass man selber kritisiert wird, weil natürlich die Position am Dirigierpult eine sehr exponierte ist. Ich glaube, dass man das einfach ablegen muss, egal auf welchem Level man da unterwegs ist. Es geht doch nicht darum, dass sich jeder kritisiert fühlt oder dass das, ne, ich habe so, manchmal glaube ich, es sind so viele kleine Inseln, die existieren, anstatt dass man zusammenarbeitet. Weil uns allen geht es um das gleiche Ziel. Und je mehr wir uns vernetzen und zusammenarbeiten, umso besser ist es doch eigentlich. Dass man so gewisse Eitelkeiten vielleicht ablegen muss und dann wird das vielleicht auch wieder besser.
SPEAKER_05Ja, also für mich ist zuerst das Publikum, muss man haben, sonst können wir nicht ein Konzert machen. So ist dieses Publikum. Das heißt, es braucht immer eine lokale Component im Programm, das the Publikum versteht oder kennt. Aber auch we müssen auch weiter, eine Erziehungsrolle für das Publikum, so etwas Neues.
SPEAKER_04Die Umfrage zeigt ganz klar, wir schaffen es nicht, im Publikum anzusprechen, was mit Persönlichkeiten auf der Bühne nichts zu tun hat.
SPEAKER_02Herzlich willkommen bei OnArdem Blasmusik Podcast. Mein Name ist Andy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge OnArd dem Blasmusik-Podcast. Heute gibt es mal wieder eine Live-Folge, denn ich wurde eingeladen, in die BDB-Akademie nach Staufen zu kommen, um beim Festival der Orchesterleitung die Podiumsdiskussion zum Thema, wie gewinne ich mein Publikum zu leiten. Die Fragestellung alleine ist ja schon gar nicht so einfach zu beantworten. Deswegen, wir haben versucht, in einer Stunde ungefähr alles Mögliche mal anzureißen, ein bisschen tiefer zu gehen, ein bisschen zu erläutern, aber ihr werdet merken, das Thema ist sehr komplex. Was mich an Live-Situationen am meisten mittlerweile reizt, ist natürlich die Atmosphäre, aber auch das hinterher und das Zusammenkommen. Ich habe mit vielen auch aus dem Publikum über dieses Thema noch bis tief in die Nacht weiter diskutiert und so soll das eigentlich auch sein. Und deshalb gehen wir gleich in die Folge rein, damit ihr auch hört, was wir gesprochen haben und vielleicht diskutiert ihr danach auch gerne auch mit mir. Viel Spaß jetzt hier beim Blasmusik-Podcast. Einen wunderschönen guten Abend. Ich darf meine Gäste ganz kurz vorstellen. Eigentlich sind sie ja alle bekannt, aber ich tue es trotzdem. Wir fangen mal ganz außen an. Sie ist Flötistin im Freiburger Blasorchester und ist die Grand Dame der Blasmusik, würde ich mal sagen. Sie hat seit zehn Jahren den Blasmusik-Blog Alexandra Link. Dann zu meiner Linken. Sie kommt aus Frankreich, ist Lehrerin für Flöte, hat Blasorchesterleitung in Basel studiert und dirigiert zurzeit den Musikverein Farnau und Geldern Kinden. Herzlich willkommen, Céline Pelmont. Und in der Mitte auch ein bekanntes Gesicht. Er hat lärmend studiert und dirigieren auch bei Pierre Keupers und Alex Schillings, ist Dirigent des Symphonischen Landesblasorchester des Hessischen Turnverbandes und Präsident der Sektion Deutschland von der WOSBI. Herzlich willkommen, Oliver Nickel. Wir haben das Thema heute, wie gewinne ich mein Publikum und ich habe mir als erste Frage mal so zum Einstieg überlegt, was war euer letztes Konzert, das ihr besucht habt? Am besten Blasorchesterkonzert.
SPEAKER_04Mein letztes Live-Konzert war bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten. Da habe ich drei Konzerte besucht und eins davon war das Sinfonische Blasorchester Tirol mit dem Bernhard Schlögl als Dirigent. Am nächsten Tag war das ein Tiroler Sinfonieorchester und Sonntagmorgen war das eine Musikkapelle aus Tirol, weil das war dann der Anfang vom Tiroler Tag bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten. Ich konnte nur die erste Kapelle hören, danach waren es noch drei. Das war mein letztes Live-Konzert. Danach war ich noch ein bisschen bei der Mit Europe in Schlatming. Da habe ich natürlich auch das ein oder andere gehört und selbst gespielt.
SPEAKER_00Mein letztes Live-Konzert war Konzert des Landesjugend Glasorchesters unter Jens Weißmantel, gespielt in Hanau und Aufführungen mit Ballett und auch mit Solo für Englishhorn und die musste auch tanzen. War ein sehr spannendes Programm und ein schönes Konzert. Das habe ich in Ulm gesehen. Ja, das Konzert wurde nochmal in Um gegeben, ich habe es aber schon davor gesehen.
SPEAKER_05Bei mir, also mein letzter Konzert war nicht Blasorchester, aber ich kam dazu, war Emmanuel Paus, natürlich als Statistin, das war Kammermusik, aber in Basel, also in Rien. Aber sonst war die Stadtmusik Basel mit der Sinfonie von Fauchet und ein cooles Repertoire in einer super Akustik in der Stadtcasino auch Basel, weil das meine Stadt ist und so nah und schöne Literatur war.
SPEAKER_02Jetzt ist meine Frage, warum waren es genau die Konzerte? War es die Formation, wo ihr gesagt habt, da will ich hin? Ist es aus freundschaftlichem Grund, weil man vielleicht in deinem Fall mit dem Jens gut befreundet ist? Ist es das Programm, wo ich sage, okay, das reizt mich, da hinzugehen? Oder ist es vielleicht auch das Konzertformat wie bei dir? Welche Gründe hat es gehabt, dass ihr genau in die Konzerte gegangen seid?
SPEAKER_04Ja, das war natürlich das Format, Innsbrucker Promenatenkonzerte kennt man. Es ist immer der ganze Juli in Innsbruck und jeden Tag ein Konzert, ganz viele Blasorchester-Konzerte und zwar nicht von Orchestern vor Ort, sondern wirklich von überall her. Und ich denke, jeder Blasmusiker sollte mal im Juli nach Innsbruck gehen und das ein oder andere Konzert da tatsächlich anhören. Das ist wirklich eine ganz besondere Atmosphäre in dieser Hofburg in Innsbruck. Das ist schon klasse. Aber mich hat tatsächlich das Format hingezogen und dass es eben gerade gepasst hat mit meiner Reise. Und es war dann gerade also einfach noch ein Glück, dass das erste Konzert dann gerade eben das Sinfonische Blasorchester Tirol war, wo man natürlich auch eine freundschaftliche Verbindung zum Dirigenten hat.
SPEAKER_00Bei mir waren es verschiedene Gründe. Einmal kenne ich Jens sehr gut und dann hat Huber Toche many Stücke selber dirigiert, die in the Programm aufgetaucht sind. Deswegen bin ich auch, weil ich mit Hubert auch gut befriend. But this orchestra had me out of the world. There are many Musikerinnen und Musikers, die ich personally kenne, or die auch in meinem Verein spielen. But I find this programming interessant and it had me interessiert. Also ich möchte schon gerne auch Stück, die mich interessieren. Also ich would just not unbedingt nurse, weil ich die gut kenne, sondern ich möchte schon auch was hören, was mich interessiert.
SPEAKER_05Ja, für mich ist auch eine Mischung. Aber ja, es muss auch von einem Programm reizen. Und ja, das muss eine Mischung sein. Begeisterung für das Repertoire oder ein Stück oder ein Spezialgäst oder es muss wirklich also. Weil ich so viel, also ich habe keine Zeit. Als Dirigentin, ich regere so viel. Um ein Konzert zu gehen, muss man schon Zeit nehmen. Dann muss man das gut auswählen, sonst ist die Zeit zu kurz.
SPEAKER_02Bleib mal als erstes beim Programm. Als erstes die Frage an die beiden Dirigenten. Du kannst das dann auch aus Spielerinnensicht ergänzen. Was macht für euch ein gutes Programm aus? Wie programmiert ihr? Welche Gedanken habt ihr? Vor allen Dingen dann auch im Hinblick, dass das Publikum auch kommt. Oder spielt das erstmal weniger eine Rolle? Und es hat ja erstmal musikalische Gründe oder vielleicht sogar auch pädagogische Gründe, wie möchte ich mein Orchester entwickeln?
SPEAKER_05Ja, also für mich ist zuerst das Publikum, muss man haben, sonst können wir nicht ein Konzert machen. So heißt das Publikum, muss gefallen. Das heißt, es braucht immer eine lokale Komponente im Programm, das das Publikum versteht oder kennt. Aber auch, wir müssen auch, wir haben eine Rolle, eine Erziehungsrolle fürs Publikum, so etwas Neues. Immer was, also nicht was alle spielen, aber genau, was wir suchen, also wir haben das mit Timo auch geredet. Und genau, das muss eine spezielle Komponente von Neuigkeit oder auch für die neue Generation oder was speziell das nicht gibt. Ja, also eigentlich, das muss auch abwechslungsreich sein. Programmgestaltung ist ein sehr spannendes Thema, da werden wir heute keine Zeit dafür haben.
SPEAKER_00Ja, da schließe ich mich an. Für mich steht erstmal als Dirigent auch der künstlerische Aspekt im Vordergrund. Also künstlerisch, pädagogisch, was ist für das Orchester gut? Und ich mache Programme, die auch einen roten Faden für mich haben. Also das muss jetzt nicht zwingend ein Thema sein, sondern die Stücke müssen auch zusammenpassen. Und trotzdem braucht es eine große Variabilität in Klang, in Struktur der Stücke. Und dabei versuche ich aber dann auch ans Publikum zu denken. Dass man schaut, okay, was muss schon auch ankommen, wobei man erzieht ja auch so ein bisschen sein Publikum. Und Orchester entwickeln in der Regel auch so einen Stamm. Und ich finde schon, dass man dem Publikum auch mal was zumuten kann. Da würde ich mich anschließen, das ist quasi der Auftrag, den wir haben als kulturtreibende Vereine, dass wir auch Kultur entwickeln müssen. Das ist auch unser Job.
SPEAKER_02Was macht ein gutes Programm für dich als Spielerin aus?
SPEAKER_04Für mich als Spielerin, also sagen wir mal so, ich bin dankbar und habe das große Glück, dass ich im Freiburger Blasorchester spielen darf. Und wir haben einen tollen Dirigenten und jedes Programm, was er eigentlich zusammenstellt, ist immer fantastisch. Das macht immer auch wahnsinnig viel Spaß. Er weiß schon ganz genau, was er uns zumuten kann. Und ich denke, er hat auch einen Masterplan, wie er das Freiburger Blasorchester weiterführen kann. Und das Schöne dabei ist, dass es natürlich von der Programmauswahl sowieso meiner persönlichen Leidenschaft entgegenkommt. Wir spielen fast nur Originalwerke. Und ja, vielleicht spiele ich auch genau deswegen dem Freiburger Blasorchester, ich weiß nicht, aber das ist genau meine Leidenschaft, meine Liebe und Miguel macht das immer ganz fantastisch.
SPEAKER_02Ich würde gerne bei einem Aspekt bleiben. Da ist ja auch vorhin schon mal gefallen, so diese Suche nach was Exklusivem, dass wir Dirigenten irgendwas haben, was jetzt vielleicht nicht die anderen Musikvereine schon gemacht haben. Und da ist die Frage, muss das denn immer so sein? Also weil wenn wir zum Beispiel in einen klassischen Betrieb gucken, wenn dann der Beethoven-Zyklus auf dem Programm steht, ist voll.
SPEAKER_05Ich glaube, wir haben diese Chance, in diese Blasmusik-Szene, also neue Companies zu haben. Und wir müssen diese, es gibt nicht so viel für klassische Orchester. Das ist sehr konservative und das ist auch die Classic immer spielen. Aber in diesem Medium, das Blassorchester hat so viel Potential und so viel auch lebende Companisten. And ich glaube, wir müssen dieses Netzwerk benutzen, um auch diese junge Generation von Companisten zu präsentieren in einem neuen Programm. Und das macht auch was Spezielles. Das ist auch wie Uraufführung. Das ist typisch für Blasorchester. Es gibt so viele neue Stücke, aber man muss die Stücke auch gut auswählen. Es gibt von alles. Also das ist auch ein Problem in Programmgestaltung.
SPEAKER_00Ja, ich sehe genau, so schließe ich mich sofort an. Ich meine, im klassischen Betrieb, die spielen viel Repertoire, die haben auch viel Repertoire natürlich. Und wir haben das aber auch. Das heißt, natürlich ist es auch gut, mal eine Holzfield wieder zu spielen. Das ist auch sehr, sehr sinnvoll fürs Orchester. Aber gerade bei der Gelegenheit, wo wir so viele Komponisten haben, jetzt war vorhin Timo gerade da und wir haben eine lebendige Szene. Also warum sollen wir das nicht nutzen? Und ich glaube, es liegt auch an uns und es ist unsere Verantwortung zu sagen, wir sorgen auch dafür, dass neue Stücke auf den Markt kommen. Ja, und dann sind von den vielen Stücken, dann wird man in 100 Jahren so zwei, drei, vier Highlights haben. Aber wenn wir die nicht bei den Komponisten einfordern, durch sagen, ich hätte gern das und das und mein Orchester sieht so aus und ich brauche ein Stück dafür. Ich glaube, da können wir in Zukunft noch mutiger sein, um einfach die Szene noch zu fördern, gerade in Deutschland.
SPEAKER_02Also ich habe auch eine Umfrage auf Instagram so ein bisschen gemacht bei den Hörern. Dann kam so die Frage, wie fordernd darf das dann auch fürs Publikum sein? Du hast ja schon gesagt, wir sind ja auch so ein bisschen dafür da, das Publikum zu erziehen. Kann man das erziehen? Sollte man das erziehen? Ich kann direkt, darf ich gerne.
SPEAKER_00Direkt antworten. Ich finde schon, also das wir haben einmal mussten wir für ein Wettbewerb ein Pflichtstück spielen und das war harte Arbeit. Also es war fürs Orchester anstrengend und für die Zugehörde auch. Das war Sweet für Harmonie-Orchester von Bob Foss. Schwer zu erarbeiten, schwer zu hören. Und da waren dann Leute im Publikum, die haben das dann dreimal gehört, also auf Konzert, nächstes Konzert, dann Wettbewerb, und ich erinnere mich immer an eine Frau, die dann am Ende sagte, heute hat es mir ganz gut gefallen. Das klingt so lustig, aber dann merkt man doch, dass ein Stücke, also da muss man sich dran gewöhnen. Und also wenn, ich sage immer, wenn Strawinski 1913 nicht den Mut gehabt hätte, so ein Stück zu schreiben mit Sacre du Printemps, und jetzt sind wir über 100 Jahre später und haben immer noch Probleme damit, das Stück zu hören, also dann ist es doch auch unser Job zu sagen, hey, wir gehen einfach weiter. Auch die Sinfonieorchester machen das auch. Da wird dann in Beethoven programmiert und trotzdem suchen die ihre Nischen, wo sie mal was ganz anderes programmieren können, um einfach das kulturelle Leben weiterzubringen. Also früher gab es kein Dur und Moll, irgendjemand musste das auch erfinden, um zu sagen, heute können wir eine schöne Terz spielen, wenn sie früher dissonant war. Aber man muss den Schritt gehen, auch wenn er wehtut. Und da muss man ein bisschen abschätzen, wenn man das Programm macht, in welchen Dosen man das zumuten kann. Das ist natürlich von Ort zu Ort und Publikum, von zu Publikum ganz unterschiedlich.
SPEAKER_04Also da möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, weil wir haben beim Deutschen Musikwettbewerb, beim deutschen Musikfest mitgespielt, beim Wettbewerb.
SPEAKER_02Dieses Jahr?
SPEAKER_04Dieses Jahr, ja. Und wir hatten davor, ein paar Wochen davor, hatten wir Vereinskonzert und diesem Vereinskonzert hat sowohl das Kinderblasorchester gespielt, als auch das Prelude, die Erwachsenenbläserklasse, also auch das Interlude-Orchester, unser Middlestufen-Blasorchester, and we have unsere zwei Stück gespielt. And we have this Konzert nicht groß ausgeschrieben. Im Publikum waren tatsächlich meistens die Familien, Freunde, Angehörigen von den anderen drei Orchestern, die uns als Freiburger Blasorchester eigentlich so noch nie gehört haben. Und wir hatten ja das Pflichtstück Turbulence von Alexandre Kosmicki und haben als Selbstwahlstück Poema Orchestre gemacht von Franco Cesarini. Und jetzt denkt man ja eigentlich, das Publikum ist euphorisch bei Poema. Aber bei Turbulence, was wirklich nicht leicht zu hören ist, war die Begeisterung im Publikum nochmal sehr viel größer. Wir dürfen unser Publikum nicht unterschätzen. Und es war ein Publikum, was nicht gewohnt ist, Werke im Grad fünf, sechs Originalwerke zu hören. Die haben sowas zum ersten Mal größtenteils gehört.
SPEAKER_00Also doch mehr Mut einfach. Ja. Habe ich auch so erlebt mit einem meiner vorigen Orchester und wir haben Variations on a Korean Folk Song gespielt von John Barnes Chance. Und im Orchester war die Meinung, ob wir das dem Publikum zumuten können, weil das sehr traditionell unterwegs war. Und von vielen kam am Ende vom Konzert die Rückmeldung, das war ein super Stück. Also da waren die Musiker vorsichtiger und waren sehr gespannt auf die Reaktion und die war aber durchaus positiv.
SPEAKER_02Aber habt ihr dann Tipps für Orchester, die sich jetzt so mal ein bisschen vorwaken wollen, wie man das macht? Also spielt man das einfach oder geht man Richtung Musikvermittlung, versucht das irgendwie auch in der Moderation einzufangen, vielleicht sogar mal wirklich herzugehen, Teile kurz vorzustellen, um dann das Ganze zu spielen.
SPEAKER_05Ich würde die Überraschung lassen. Ich habe das ein Muss. Das ist unsere Pflicht, also auch unsere Musiker zu begeistern, nicht nur das Publikum. Weil die Musiker sind auch manchmal, also wir sind ein traditioneller, also gewisse Verein sind mehr traditionell als andere. Aber wir müssen das wirklich so verkaufen und auch unsere Musiker motivieren dafür, um diese Musik zu spielen. Ich glaube, das ist unsere Hoffnung.
SPEAKER_00In erster Linie geht es darum, dass die Musiker das Stück verstehen, dass das Orchester das versteht. Also von daher hat das schon ein bisschen was auch mit Vermittlung in der Probe zu tun. Also man muss auch in den Sachen, die jetzt ungewohnt sind, die Musik suchen und das rausholen. Und ich habe auch schon alles erlebt und auch selber umgesetzt, also in wir überraschen sie oder wir präsentieren Themen, damit es nachher nachvollziehbar ist. Das hängt dann auch viel von der Moderation ab, ob man das dann geschickt einbaut. Also da kann eine Moderation dann packen und kann helfen. Also weil das Publikum einfach die Zeit, die das Orchester in das Stück gesteckt hat, die hat das Publikum nicht. Das heißt, so ein Orchester kann ja wachsen, wir proben das und dann wird es immer besser und dann sagt man, jetzt ist es ein tolles Stück, jetzt komme ich damit klar. Aber diese Zeitspanne, die das Orchester hat, die hat das Publikum nicht. Das heißt, die hören das einmal. Und dann kann eine gute Moderation auch helfen, wenn ich der Meinung bin, okay, das wäre hier nötig. Also man kann alles, man sollte über alle Möglichkeiten nachdenken und dann die raussuchen, die am passendsten ist.
SPEAKER_05Ja, und dann, also wenn sie noch Spaß, die Musiker so verlangen nach, ah, ich wusste nicht, dass da so etwas existiert. Ja, zum Beispiel, es gibt ja ein Stück so Electricity, dann spielt man im Dunkel. Oder ihr seht viele von Dogerty, die ein bisschen zeigen, aber das ist auch cool. Also es gibt einen coolen Effekt. Und das lieben auch unsere jüngeren Personen in unserem Publikum.
SPEAKER_02Your music can never be more or less than you are as a human being. Das hat Quincy Jones mal gesagt. Und wenn es euch auch so geht, dass das sehr mit euch resoniert und ihr euch weiterentwickeln wollt, damit eure Musik auch besser wird, dann empfehle ich euch meinen Newsletter. Der kommt einmal im Monat und beinhaltet Büchertipps, Hörtipps, News aus den Szene, Videotipps, Gedanken zur Musik sein, so dass ihr euch einfach weiterentwickeln könnt. Den Link findet ihr in den Shownotes. Und jetzt geht es weiter mit der Folge. Es geht ja heute auch darum, wie generiere ich Publikum? Und es kam eine ganz kluge Frage. Sollte man hier und jetzt denken, also gucken, dass die Konzerte jetzt voll sind oder denke ich dann auch aus Vorstandsschaftssicht oder so, sich zukünftig ein Publikum aufzubauen? Also ich kann ja auch sagen, okay, ich möchte meinen Verein ganz anders aufstellen, ich möchte weg von diesem traditionellen, wir wollen ein symphonisches Orchester sein und dann aber auch sagen, okay, dann kann das sein, dass wir noch ein paar Jahre brauchen, bis wieder die Halle voll werden oder so. Wie seht ihr das? Denkt ihr jetzt gerade nur, okay, Konzerte müssten jetzt voll sein? Oder ihr denkt ja auch mit, okay, einerseits der Erziehungsfaktor, aber natürlich, wir müssen uns Publikum auch erspielen.
SPEAKER_00Also ich glaube, jeder denkt schon auch perspektivisch. Also das wäre ja schlimm, wenn du nur im Augenblick denken würdest und sagst, okay, Konzert ist gut besucht, das war's. So ein Stillstand ist Rückschritt, musst du mal weiterdenken. Ich glaube, man kann schon ein Publikum erziehen. Und jetzt ist die Frage, ich habe, Hubert Hoch ist ja ein guter Freund von mir und er hat auch Orchester gehabt. Es gab eine Zeit, in der Blaswalkasse dirigiert hat. Und er war in seiner Programmgestaltung sehr progressiv. Und die Konzerte waren voll. Also weil die anderen Orchester wissen wollten, was spielen die wieder heute für verrückte Sachen. Also das kann auch ein Neugier-Effekt sein, wenn man sowas versucht. Ich glaube, man darf wirklich mutig sein. Und was Alexandra sagte, man, man darf das Publikum nicht unterschätzen. Dass man das wirklich, ja, die auch wirklich dann mal zuballern kann mit irgendwas total Verrücktem. Ich glaube, das geht schon, wenn man sie auch wieder besänftigt, das geht ja auch. Aber man muss auch wirklich perspektivisch dann überlegen, okay, und wenn man ehrlich ist, wir haben in den Konzernen in der Regel Freunde, Verwandte. So sieht das normalerweise aus. Ich sage auch immer, es ist immer schlau, und das ist ein Punkt, den ich nie verstanden habe, warum wir nicht unsere Komponisten, die wir haben und Komponistinnen auf die Plakate draufschreiben. Also jedes Sinfonieorchester macht das, egal wie gut oder schlecht es ist. Schlechteste Sinfonieorchester von Deutschland schreibt trotzdem drauf, wir spielen Mozart, GmbH-Symfonie und die Halle ist voll. Warum schreiben wir nicht drauf, was wir spielen? Also wenn man sagt, man kennt die Komponisten nicht, ja, aber so werden sie auch nicht bekannt, wenn ich es nicht draufschreibe. Also ob das jetzt ein Frühjahrskonzert ist oder ein Sommerkonzert oder ein Überlebenskonzert, interessiert mich persönlich jetzt nicht. Aber wenn ich weiß, die spielen das und das Stück und ich lese das, das finde ich interessant. Und das ist auch eine Frage von Erziehung vom Publikum, dass die dann sehen, hey, wir spielen Reed, wir spielen Gras. Und dann, ne, ich habe einen Bürgermeister meines Ortes, der war so begeistert von Arsenal von Jan van der Roost. Das heißt, sobald der Jan van der Rost auf dem Plakat sieht, geht er ins Konzert. Ja. Aber den habe ich erzogen quasi. Aber das ist so ein Punkt, wo ich immer denke, da machen wir uns kleiner als wir sind. Warum nicht? Lass uns die Komponisten, die wir haben, doch mehr feiern.
SPEAKER_02Ich weiß, Alexander, du hast ja mal einen Artikel geschrieben, spielen wir am Publikum vorbei und hast mal so eine Umfrage gemacht, wer im Publikum eigentlich sitzt. Wer sitzt denn da?
SPEAKER_04Also, ich habe vorher schon nochmal geschaut. Also die Auswahl, das war eine Kurzumfrage auf Facebook, was ich da gemacht habe. Und tatsächlich, also es war Mehrfachauswahl natürlich möglich. 23% haben gesagt, Familienmitglieder der Musiker. 19% Freunde der Musiker, 18% Musikerinnen anderer Blasorchester, 16% Persönlichkeiten der Gemeinde, 11%, nur 11% an Blasmusikinteressierte Menschen ohne direkten Bezug zum Orchester.
SPEAKER_02Also wir drehen uns quasi in der Bubble selbst.
SPEAKER_04Ja, wir kochen im eigenen Bratensong im Prinzip. Die Umfrage zeigt ganz klar, wir schaffen es nicht, ein Publikum anzusprechen, was mit Persönlichkeiten auf der Bühne nichts zu tun hat. Oder wenig zu tun.
SPEAKER_02Woran liegt das? Weil die Blasmusik einen schlechten Ruf hat oder schaffen wir es einfach zu wenig noch irgendwie klar zu machen, was wir da auf der Bühne tun?
SPEAKER_00Ich glaube, es ist ein Zusammenspiel von verschiedenen Dingen. Also diese in deinen Blase unterwegs sein, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Was ich vorhin sagte, dass wir zum Beispiel den Komponisten nicht so zelebrieren. Also ich habe auch das Gefühl, dass wir oft in Deutschland so aufschauen zu den großen Sinfonieorchestern, die wir haben. Wir haben eine riesige Tradition und dann ist gefühlt der Abstand immens. Also zwischen Berliner Philharmonika und dem Blasorchesterverein ist ein Universum dazwischen. Aber es muss gar nicht so groß sein. Ich finde, wir machen doch alle, egal auf welchem Level, eine gute Arbeit. Also jeder geht doch hin und will sein Bestes machen. Und das kann ich doch auch entsprechend, zumindest versuchen, professionell zu verkaufen. Das, was ich sagte, mit dem, was die Amateurorchester, die Sinfonieorchester quasi machen, warum sollen wir das nicht genauso machen, dass wir uns professionell vermarkten? Zumindest das können wir versuchen. Und klar ist es ein Nischenprodukt, das ist klar. Und ich glaube auch, dass dieses Vorteil Blasmusik im negativen Sinne, was es eigentlich nicht gibt, dass das so behaftet ist. Also wenn ich Kollegen von mir sage, was ich so in meiner Freizeit mache, den muss ich immer erklären, was es genau ist, weil die keine Vorstellung haben.
SPEAKER_02Ja, dass es das gleich mit dem Podcast hätte. Denkt jeder, ich rede hier die ganze Zeit darüber.
SPEAKER_00Blasmusik Bio und Bratwurst, das ist die erste Assoziation, die kommt. Und das ist so. Es ist einfach nicht so bekannt, aber da kann man beruhigt sein, wir sind nicht die Einzigen. So ein Mandolino-Orchester muss auch erklären, was es macht. Das heißt, wir haben natürlich ein begrenztes Einzugsgebiet für Kundschaft. Aber wir sollten versuchen, uns einfach so professionell wie möglich zu verkaufen. Und das sind das interessante Konzertprogramme, interessante Acts, die man holt, Solisten oder mal ein Konzert mit, keine Ahnung, mit einer Big Band, mit einer Band, Gemeinschaftskonzerte, wo man oder mit Tänzern, dass man einfach andere Gruppierungen hat. Ich kann mich erinnern, ich war einmal im Konzert, das war auch eine Aufführung von Orchester und Tänzer. Und da waren befreundete Leute von den Tänzerinnen dabei. Also die sind auch nur hingekommen, weil da Leute getanzt haben und die waren total überrascht, was Blasmusik kann. Die wären sonst aber nicht da gewesen. Aber das heißt, dass man einfach, wir haben einfach noch pädagogische Arbeit vor uns, um zu vermitteln, was hier eigentlich möglich ist.
SPEAKER_02Und die muss man annehmen. Crossover-Sachen nochmal.
SPEAKER_00Ja, also das ist zumindest eine Möglichkeit, um Leute hier reinzubekommen, die normalerweise nicht gekommen wären. Und denen die Augen zu eröffnen und vielleicht tragen dir das weiter und so kann man das Netzwerk von derer, die Blasmusik begeistert sind oder werden, vielleicht ein bisschen vergrößern.
SPEAKER_02Ich habe, weil wir ja auch eine Dienstleistung hier machen und Best Practice-Beispiele machen. Ich habe damals in meinem Antrittskonzert quasi eine Schule angeschrieben, weil wir das Konzert Porträt genannt haben. Und ich habe, weil in Schulen wird oft Porträtzeichnungen gemacht und dann dachte ich, wäre doch schön für Schüler, das da auszustellen. Und dann hat man eine ganze Ausstellung da und Schüler und Eltern, die sonst nie in unser Konzert gekommen wären, weil die natürlich stolz waren, das auch da zu präsentieren. Auch sowas ist natürlich denkbar.
SPEAKER_05Ja, ich glaube auch mit der Qualität auch der Blasmusik kann man auch Leute ansehen. Und ich glaube, das ist unsere Rolle auch. Jetzt die Dirigenten ausgebildet und früher war das nicht immer der Fall. Dann haben wir auch ein besseres Niveau und dann können wir uns besser verkaufen. Aber es war immer der kleine Bruder von dem Symphonieorchester. Aber Symphonische Orchester haben genau das gleiche Probleme mit jüngerer Generation anzuziehen. Aber ich glaube jetzt, es gibt auch zum Beispiel jetzt ein Symphonieorchester, jetzt hat zum Beispiel ein Konzert am Stehen, also ein bisschen moderner und vielleicht auch günstiger für Studenten und um wirklich diese jüngere Generation zu bekommen.
SPEAKER_02Ich fand ja den Ansatz letztes Jahr in München ganz schön, dass der BR hergegangen ist und hat gesagt, wir machen mal ein Konzert mit Musikvereinen und Brassband und so. Ich war zwar da, ich kann jetzt nicht so genau sagen, ob das Publikum wirklich außerhalb der Blasmusik-Szene war oder ob es dann doch wieder die gleichen waren, aber ich fand den Ansatz mal ganz schön zu sagen, okay, wir öffnen das. Leider hat es jetzt der BR wieder verworfen, das weiterzuführen, aber das fand ich schon mal den ersten Ansatz, einfach von dieser Trennung und von dieser Ebene, wie du sagst, auch ein bisschen runterzukommen, zu sagen, okay, wir machen zusammen einfach Musik. Und spielen als Blasorchester ein Werk auch, also ein klassisches Werk, zusammen mit einem Sinfonieorchester. Ich fand die Umfrage total spannend, weil mir hat jemand geschrieben, wenn wir ins Publikum gucken, ist es, und die Erfahrung habe ich tatsächlich auch gemacht, deswegen überrascht mich die Zahl ein bisschen, dass gerade Musikerkollegen aus dem Umkreis gar nicht so oft kommen. Die Zahl ist aber trotzdem relativ hoch, so im Vergleich zum Rest, deswegen war ich jetzt so ein bisschen überrascht. Aber woran liegt das, dass wir uns untereinander auch nicht so besuchen, sondern vielleicht auch eher, ja, weiß ich nicht, neidisch, kritisch auch gucken, gerade so im engeren Umkreis. Da sind wir ja dann auch doch wieder selbst schuld.
SPEAKER_04Ja, tatsächlich frage ich mich das auch immer. Ich weiß nicht, warum die Musiker nicht zu den Kollegen oder nicht so viel. Und wenn, dann sind es immer die gleichen, ne? Ich glaube, das liegt, also wir haben, bisher haben wir ja jetzt hier von Blasorchestern auf relativ hohem Niveau gesprochen. Wir müssen vielleicht mal so die goldene Mitte anschauen. Vielleicht ist dort noch eher so, dass die Nachbarvereine dann kommen. Aber bei der Goldenen Mitte ist es halt auch manchmal so, die Blasmusikerinnen und Blasmusiker, die machen Musik und denen ist ihr Heimatverein genug. Und ich habe da auch kein Rezept, wie man das ändern könnte, dass man über den Tellerrand rausschaut und guckt, was machen andere Vereine und so.
SPEAKER_02Aber wenn ich ja weggehe, kommen ja andere wahrscheinlich auch zu mir, weil die sehen, okay, ich bin auch immer da.
SPEAKER_05Liegt das an der Werbung auch? Wie können wir uns besser verkaufen? Ich glaube, das ist auch ein Thema, dass wir nicht immer Flyers oder nur in der Familie informieren. Also ja, das ist.
SPEAKER_04Also es gibt natürlich schon Ausnahmen. Also wir sind ja hier in Staufen und nicht weit davon entfernt ist Münstertal. Da gibt es die Schwarzwaldkapelle Münstertal und am Ostersonntag geht man zur Schwarzwaldkapelle zum Konzert. Also es gibt da auch die Ausnahmen. Und da ist die ganze Halle voll mit, da kann man jeden treffen, der irgendwo hier in der Szene sich.
SPEAKER_02Aber wie schafft man das? Also dass so eine Tradition schon da ist, okay, da geht man hin. Das muss ja von irgendwo kommen. Kannst du das zurückverfolgen, wann das angefangen hat?
SPEAKER_04Ah, schon vor Jahrzehnten hat es angefangen. Aber natürlich tatsächlich, und das ist das, was du vorher auch gesagt hast, Celine, tatsächlich hängt es natürlich auch mit der Qualität zusammen. Das war natürlich immer ein Blasorchester, ein Vorzeigeblasorchester hier in der Region. Früher schon beim Michael Stecher, die gehabt hat, dann Dennis Leile und das hat sich so fortgezogen. Tatsächlich, Schwarzwaldkapelle steht auch tatsächlich für Qualität.
SPEAKER_02Aber das heißt, ein Unterstufen-Mittelstufen-Ochester hat dann wenig Chancen. Das ist jetzt provokant von mir.
SPEAKER_04Ja, das darf auch gerne mal provokant sein. Ich denke ja schon auch, ich muss vorsichtig ausgedrückt sagen, es ist ja schon immer, also wenn wir jetzt über die goldene Mitte wieder reden, also nicht über die Top-Blass-Orchester, sondern die Goldene Mitte. Ah, so ein Jahreskonzert, das lockt halt schon keinen mehr hinterm Ofen vor, ne? Jahreskonzert, was heißt das?
SPEAKER_02Ich wollte gerade sagen, liegt es daran, weil es Jahreskonzert heißt? Ist es wieder das Programm? Ist es der Titel? Verkaufe ich es zu schlecht? Weil ich muss es ja nicht Jahreskonzert nennen. Ich kann das ja auch anders nennen.
SPEAKER_04Aber vorm Verkaufen steht ja, vor Verkaufen brauchst du erst ein Produkt, das du verkaufen kannst. Und ich denke schon, dass die Blasorchester sich hier mehr Gedanken drüber machen sollen, wie das Konzert gestaltet ist. Und gerade in unserer goldenen Mitte braucht man vielleicht auch so ein paar visuelle Anreize. Also ich habe da so eine Formel. Ich sage immer, es gibt vier Möglichkeiten, unsere Konzerte und Events attraktiv, kreativ und attraktiv zu gestalten. Also Variante 1 ist, und das machen viele von uns, Motothemenkonzerte. Es wird nicht immer, es wird natürlich nicht immer richtig durchgezogen, so mit allem, was dazugehört. Und es ist natürlich auch herausfordernd für den Dirigenten, weil Blasmusikerinnen und Blasmusiker lieben die Abwechslung. Variante und die Gebiet.
SPEAKER_02Was meinst du mit alles, was dazugehört?
SPEAKER_04Also alles, was dazugehört, ist natürlich auch Deko, Catering, das ganze Werbematerial darauf abgestanden.
SPEAKER_02Also quasi ein ganzes Event.
SPEAKER_04Das ganze Event, genau. Möglichkeit Nummer zwei ist, was der Olliforer schon mal angesprochen hat, Kooperationskonzerte. Sich überlegen, mit welchem Partner können wir ein Konzert veranstalten, der uns im Idealfall ein neues Publikum bringt. Und da hat der Olliforer schon gute Beispiele genannt. Andere Beispiele könnten sein eine Musikschule, eine Zirkussschule mit Artisten. Es können auch besondere Solisten sein, Tänzer, es kann ein Doppelkonzert mit einem Streichorchester sein, wo man auch noch was miteinander macht, also ein Kooperationspartner, der uns im Idealfall ein neues Publikum bringt, der eventuell noch nie in einem Blasorchesterkonzert war.
SPEAKER_02Darf ich da kurz reinkratschen? Ich bin vorher bei dir, ich stelle mir nur gerade die Frage, warum wird das nicht gemacht? Ist es fehlender Mut? Weiß ich es nicht, ist es zu aufwendig? Oder habe ich vielleicht auch als Dirigent, Dirigentin, wenn ich noch nicht so viel Erfahrung habe, plötzlich auch ein bisschen Angst, das Riesending dann auch zu leiten? Weil ich muss ja, wenn ich dann, keine Ahnung, ich habe einen Chor dabei, klar, ist eine Chorleiterin dabei, einer muss sich den Hut aufziehen. Das heißt, ich muss ja so ein bisschen Ahnung haben, wie funktioniert ein Chor. Und so, also das ist ja nicht nur, okay, wir rufen an und sagen, gut, wir machen was, sondern da müssen Noten geschrieben werden. Im Optimalfall wahrscheinlich gibt es dann schon was. Aber es ist ein Riesending. Du hast ja schon ein paar Sachen gemacht, deswegen.
SPEAKER_00Ja, also ich glaube, es fordert ja den Mut, einfach so Sachen anzugehen. Oft ist es, glaube ich, das Problem des Organisierens, dass man Termin abstimmen muss und gucken, dass es zusammenpasst. Ich glaube, was Celine vorhin sagte, dass wir gucken, es gibt immer mehr gut ausgebildete Dirigentinnen und Dirigenten und die sind dann auch in der Lage, sowas zu machen. Also ich glaube, darin scheitert es nicht. Aber da sind wir doch wieder ja bei den oberen. Also wir wollten ja auch ein bisschen über die mittleren und unteren sprechen. Aber warum müssen denn die mittleren, warum dürfen die keine gut ausgebildeten Dirigentinnen und Dirigenten haben? Dürfen sie schon. Eben, ja. Also, je mehr, und es sind ja auch viele jetzt hier in den Kursen, das heißt, die kommen ja auch hier, um sich vorzubilden. Das heißt, um genau die Leute geht es ja auch. Also das heißt ja nicht, dass jeder einen Masterabschluss haben muss, um die Arbeit gut zu machen. Aber die sollten, also man sollte sich ja, es ist, also da sind wir beim Dirigieren, das dauert jetzt ewig. Das ist ja auch irgendwie Lifelong Learning, dass man einfach den Mut hat, also Sachen anzugehen. Aber ich wollte auf einen Punkt nochmal zurückkommen an die, weil die Frage war, warum kommen andere Musiker aus anderen Orchestern nicht in unsere Konzerte. Und ich habe das bei mir beobachtet, weil in meiner Gegend hat jeder, jeder, jedes Dorf einen Verein. Und ich habe jetzt letztens einen Verein wieder gesehen und denke ich, die haben sich total verändert. Also ich habe das bei mir auch beobachtet, dass ich da gar nicht mehr so hingehe. Und habe mich gefragt, woran liegt das? Das ist einfach, ich glaube, dass sich die Lebenswelt für viele einfach verändert hat. Das ist so. Man hat irgendwie viel mehr zu tun. Mit Familie, da passiert irgendwie mehr. Das ist auch bei den Kindern so. Ich sehe das an meinen Kindern, dass der Fokus sich irgendwie verschiebt. Trotzdem vermisse ich so die alten Zeiten, wo man ständig auf den Konzerten rumhing. Und das war auch schön. Und ich habe mir gesagt, ich versuche das wieder mehr zu machen. Also ich versuche mehr Präsenz zu zeigen. Wobei es auch die Konzerte gibt, wo ich dann schnell rausstehle, damit mich keiner fragen kann, wie es mir gefallen hat. Das muss ich auch sagen. Weil ich will dann auch ehrlich sein, ja. Oder ich frage, willst du eine ehrliche Antwort oder soll ich euch einfach nur loben? Aber ich versuche einfach mehr Präsenz zu zeigen und dann natürlich damit zu zeigen, hey, ich habe ein Interesse, kommt doch auch zu uns. Ja, und vielleicht muss man einfach den Mut haben, dir wieder anzufangen und zu gucken, hey, da gehe ich auch von Konzerten. Ich habe das für mich selbst wieder ein bisschen begonnen, da hinzugehen. Und ja, weil das auch eine schöne Sache ist, wieder den Kontakt zu pflegen. Und wenn ich eine Sache noch sagen darf, manchmal habe ich das Gefühl, dass auch die Leute, die vorne dran stehen. Und ich hatte auch so eine Phase, wo man so, wenn man ein bisschen neidisch auf andere guckt oder Angst hat, dass man selber kritisiert wird, weil natürlich die Position am Dirigierpult eine sehr exponierte ist. Und ich glaube, dass man das einfach ablegen muss, egal auf welchem Level man da unterwegs ist, sondern einfach sagen, hey, kommt doch, schaut euch an, auch wenn es nicht klappt oder nicht so gut ist. Es geht doch nicht darum, dass sich jeder kritisiert fühlt oder dass das, ne, ich habe so, manchmal glaube ich, es sind so viele kleine Inseln, die existieren, anstatt dass man zusammenarbeitet. Weil uns allen geht es um das gleiche Ziel. Und je mehr wir uns vernetzen und zusammenarbeiten, umso besser ist es doch eigentlich. Dass man so gewisse Eitelkeiten vielleicht ablegen muss und dann wird das vielleicht auch wieder besser. Sind wir nicht kritikfähig?
SPEAKER_02Weil du ja gerade selber gesagt hast, ich gehe lieber schnell, bevor ich was Ehrliches sage. Ja, vielleicht, ja.
SPEAKER_00Also ich muss sagen, ich ärgere mich nur, ich ärgere mich nicht über das Niveau. Niemals. Ich habe nur das Gefühl, mich ärgert es nur, wenn ich in Konzerte gehe und das Gefühl habe, die holen nicht das aus sich raus, was sie könnten, weil sie es unprofessionell angehen und quasi dieses Amateurd-Dasein, was wir haben, damit noch mehr bestärken. Und das hat gar nichts mit dem Level des Orchesters zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie das Konzert präsentiert wird. Was ist das da für ein No-Go? A No-Go.
SPEAKER_02Also so was so richtig unprofessionell ist.
SPEAKER_00Also ich weiß, dass die Art und Weise, wie so ein Orchester auftritt oder wie der Dirigent auf die Bühne kommt, wie Dirigentin, wie die Moderation abläuft, wer den Ton macht, ob die Bilder, die gezeigt werden, wenn sie gezeigt werden, zu Musik passen, ob das einfach irgendwelche Bilder sind, die man zeigt, damit Bilder gezeigt werden. KI-Bilder. Ja, weil Bilder sind halt schön, ja, aber wenn sie nicht zum Stück passen, dann lasse ich sie halt weg. Also so Sachen, wo man wirklich das Gefühl hat, dass es irgendwie, da hat jemand nicht nachgedacht, sondern das ist Aktionismus. Also wenn ich eine Methode anwende, dann muss sie einen Sinn haben. Und dann ist, ich bin mit allem fein, aber wir sollen uns doch ernst nehmen. Gott verdammt, das ärgert mich, wenn ich das Gefühl habe, dann nimmt sich ein Orchester nicht ernst und Hauptsache, wir spielen was, die Verwandten kommen ja sowieso. Aber dann kann ich auch keinen, also dann gehe ich auch nicht mehr hin, weil ich denke, okay, das war es jetzt mal. Das finde ich schon wichtig.
SPEAKER_02Ein Supporter dieser Folge ist Buffet Grampant Europas größtem Hersteller von Blasinstrumenten mit Sitz in Marktneukirchen und Geritz Ried. Buffet Gramp stellt alle Arten von Blasinstrumenten her, vom Schülerinstrument bis zum Profi-Instrument. Wenn ihr mal wieder auf der Suche nach einem neuen Instrument seid, weil euer Instrument entweder alt ist oder ihr vielleicht einfach mal auch was Neues ausprobieren möchtet, dann lege ich euch wirklich ans Herz mal bei den verschiedensten Marken von Buffy Crampon zu stöbern. Den Link dazu findet ihr in den Shownotes. Und jetzt geht's weiter mit der Folge.
SPEAKER_05Also für mich, ich glaube, unser Publikum, also ich weiß nicht, aber erwartet mehr eine Show heutzutage, weil das ist alles so digital und alles, als ein Konzert. Und das finde ich schade, aber das ist auch unser Druck. Deswegen habe ich es vorhin auch schon ein Event genannt. Ja, ja, genau, genau. Es ist Events, es sind nämlich Konzerts und die Musik ist nicht immer im Vordergrund, das ist auch, finde ich, schade natürlich. Aber ich sehe von, weil ich in der Schweiz dirigiere, dann jeder Verein will besser sein im Show Musicals oder Detektiven Abend oder so. Und es gibt wie eine, also es gibt, ja, und das finde ich auch, also die Musik ist ein bisschen vergessen. Aber da, die ist halt voll. Also das ist ein bisschen das, also normal sind die Musik, also wenn es eine Show mit guter Qualität von Musik ist. Aber das ist wie ein Jahr. Aber manchmal längt es auch ab, dass es nicht. Es ist nicht nur dirigieren, es ist auch alles so Stage Management, da da da. Das ist ein anderer Job.
SPEAKER_02Du warst noch bei Punkt 3.
SPEAKER_04Punkt 3?
SPEAKER_02Punkt 3.
SPEAKER_04Punkt 3 heißt, müssen wir unser Konzert immer in unserer Mehrzweckhalle machen? Oder gibt es eventuell auch einen anderen Ort, einen kreativeren Ort? Sehr gute Frage.
SPEAKER_02Vor allem, wenn die Mehrzweckhalle hässlich ist. Naja, ist ja so.
SPEAKER_04Genau. Und Variante 4 sind die Events mit Blasmusik, wo die Blasmusik nicht im Vordergrund steht. Und diese vier Möglichkeiten, die ich genannt habe.
SPEAKER_02Kannst du den letzten nochmal erklären, den habe ich jetzt nicht verstanden?
SPEAKER_04Also Events, wo wir wohl auch spielen, aber wo etwas anderes im Vordergrund steht. Also ich rede von der goldenen Mitte, was man halt so an Festen macht. Achso, okay. So Oktoberfest oder Muttertagsbrunch mit Musik oder so diese Dinge. Und die Punkte 1, 2 und 3, die kann man natürlich dann kombinieren. Weil stellen wir uns mal vor, wir machen das beliebte Konzertprogramm Reise durch Europa. Gut, haben wir vielleicht einen Busunternehmer vor Ort, der dann passend dazu seine Reisen vorstellt? Haben wir ein Motokonzert mit einem Kooperationspartner? Findet das Konzert in der Bushalle statt? Haben wir ein Motokonzert mit einem Kooperationspartner an einem besonderen Ort? Und so gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Und du hast vorher mal gefragt, Wie machen wir das mit der Organisation? Der Olli ist dann drauf eingesprungen und hat das Ganze aus Dirigentensicht betrachtet, aber wir haben natürlich auch ein Vereinsmanagement. Und tatsächlich, um so ein richtig tolles Event zu machen, da brauchen wir natürlich auch ein modernes Vereinsmanagement. Ganz klar.
SPEAKER_02Folgende Frage: Wann gewinnt man das Publikum? Beim Konzert oder davor? Weil ich mir manchmal die Frage stelle, ich habe das auch in meinen Vereinen schon erlebt, da wird für das Konzert super gebrobt und dann spielt man alles super und dann gibt es dann doch das eine Fest und das andere fest und dann spielt man einfach nicht so gut, weil das einfach nicht ernst genommen wird. Und ich denke mir immer, das sind genau die Momente auch gerade in der Ortschaft, im Dorf, wo man vielleicht von Leuten gehört wird, die halt nie ins Konzert gehen. Und dann heißt es ja gut, aber wenn die so spielen, dann. Also weil ja niemand weiß, dass wir am Konzert ganz anders spielen. Also müssten wir nicht alles ernster nehmen.
SPEAKER_00Also, das heißt, es geht um die Musik, die wir außerhalb der Konzerte spielen. Die Qualität der Musik. Ja, ja. Aber ich finde, also in meinem Verein gibt es keine Polka im Konzert, weil das Ganze symphonisch abläuft. Und trotzdem gibt es die Auftritte, wo wir unterhaltungsmäßig spielen. Aber ich finde, wir sollten alles super ernst nehmen. Egal was wir machen. Egal, ob es ein Umzug ist, dann wird dafür geprobt. Ob das ein Festauftritt ist, wo ich 20 Polcastour spiele, das kommt jetzt bei meinem Verein nicht vor. Aber wenn das so wäre, dann würde ich das proben. Das ist schon wichtig. Weil das sind natürlich Leute, die ich begeistern kann. Also ich finde, dann würden wir uns selber wieder nicht ernst nehmen, da sehe ich das wieder. Also das ist, wie wenn du sagst, Berliner Philharmonik auf der Waldbühne, ja, okay, ein bisschen leichteres Programm, da müssen wir nicht so, können wir vorher noch ein Trinken gehen oder so. Nee, die nehmen das genauso ernst, egal was sie machen. Neues Konzert wie in der Philharmonika, ganz andere Literatur, super ernst. Alles, was wir machen, müssen wir ernst nehmen. Also warum sollen wir denn überhaupt an sonst spielen, wenn ich nur die Konzerte ernst nehme? Also das ist genauso wichtig. Und das muss dann auch geprobt werden, da muss Platz für sein.
SPEAKER_04Sobald wir Hören sichtbar in unserer Gemeinde werden, ist das Werbung für uns. Und wenn wir schlecht spielen oder mit einem kläglichen Häuflein dastehen, dann ist das negative Werbung. Da würde ich eher mal über die Traditionen nachdenken und schauen, ob wir überhaupt noch alles, was wir bis anhin gemacht haben, tatsächlich noch bedienen können. Weil das könnte genauso gut wollen. Es könnte genauso gut auch dann tatsächlich dann auch kontraproduktiv sein. Und da gibt es natürlich auch Alternativen, wie wir uns da noch präsentieren können. Aber ich denke schon, wir sollten auch über diese Wichtigkeit in unseren Vereinen sprechen. Aber nicht von oben herab, also nicht vom Vorstand nach unten, sondern wir sollten das eigentlich als unsere Werte festlegen, wenn wir spielen dann mit voller Besetzung, Orchester geht nur gemeinsam und auch geprobt und gut. Bestes Beispiel, Erst Communion. Ja, also den katholischen Gemeinden jetzt. Was machen da viele? Ein Marsch spielen und hinterher noch einen Marsch und vielleicht irgendeinen Choral, aber es ist das Fest der Kinder. Dann sollten wir uns doch eigentlich überlegen, wie können wir die Kinder da so begeistern, dass sie sagen, boah, ich will auch Trompete lernen.
SPEAKER_05Ja, also ich bin total verstanden mit alles, was gesagt war. Ich glaube, wir verkaufen uns bei jedem Anlass. Also am Bierfest überall. Und man unterschätzt manchmal Unterhaltungsmusik. Das wird, wie gesagt, so kaum geprobt. Also vielleicht, okay, habe ich eben nur 15 Musiker oder 20, egal, wir spielen. Aber nein, es muss so entweder gehen wir mit der Qualität oder nicht.
SPEAKER_02Aber ich finde, da fällt nicht nur das Spielen rein, sondern auch, was du vorhin gesagt hast, wie am Konzert das Auftreten. Also wenn ich mich natürlich da auch dermaßen nebenbenehme, weil er ist ja nur fest und gehört alles dazu, dann ist halt auch schwierig. Kann man ja trotzdem auch ein bisschen jetzt weiterfassen, gewinnt man das Publikum auch außer vor dem Konzert und zwar Social Media, Werbekanäle, wie seht ihr das? Ist das mittlerweile wichtig geworden? Oder spielt das in eurem Alltag im Moment schon eine Rolle? Also beim Landesblasorchester?
SPEAKER_00Ja, auf jeden Fall. Also die intensivieren das gerade, um einfach auch mehr Publikum oder auch die Reichweite zu erhöhen. Ich glaube, das ist heute schon wichtig. Also ich selber nutze noch Facebook, wobei ich von meiner Tochter gelernt habe, Facebook ist für alte Leute. Damit hat sie recht. Aber so Instagram, das ist so, glaube ich, das Medium, wo man momentan einfach wirklich aktiv sein muss. Weil doch viele, also gerade wenn es um Nachwuchswerbung geht oder präsent sein und wenn man dann jemanden hat, der so ein Händchen dafür hat, dann kommen doch ganz spannende Inhalte raus. Und auch wenn das natürlich nichts mit unserer Arbeit in dem Sinne zu tun hat, ist das eine Sache, die auf den Verein ausstrahlt. Also ich glaube, das ist auch ein Thema, das man sehr ernst nehmen muss.
SPEAKER_02Ganz spannend dazu, wenn die Folge ausgestrahlt wird, ist das schon draußen. Ich hatte mich jetzt vor ein paar Wochen mit zwei ehemaligen Schülern aus unserer Schule getroffen. Die wollten unbedingt auch mal in den Podcast und haben gesagt, nur wenn wir das auch ernsthaft machen. Und das ist vielleicht so ein Problem statt Schule, aber denen ist nicht klar, wie Blasmusik außerhalb der Schule aussieht. Und die haben auch gesagt, okay, wir kriegen auch auf Instagram nichts mit. Also da verkauft sich die Jugendfeuerwehr besser als das Blasorchester und irgendwelche Flyer gucken wir uns nicht an, weil wir scrollen ja sowieso durch. Und da ist mir dann wieder aufgefallen, okay, da sind wir wieder auch zu sehr in unserer Blase und gucken natürlich nur, wie es die ganze Zeit funktioniert hat. Aber gerade die, die man erreichen könnte, aber die wir ja nie erreichen, die sind dann doch woanders unterwegs. Und ich habe manchmal tatsächlich das Gefühl, das wird noch so ein bisschen belächelt, ja, das brauchen wir alles noch nicht irgendwie. Aber ich glaube tatsächlich, dass da der Schlüssel langsam auch für die Jugend liegt.
SPEAKER_00Ja, auf jeden Fall. Also in der Altmittlau ist es auch so, also wir haben eine, die kümmert sich darum, die hat auch ein festes Design. Alle Posts sehen gleich aus. Also sie sind sofort vom Design erkennbar. Und die macht einen grandiosen Job. Das ist wunderbar. Und also ich glaube schon, dass es funktioniert. Und dass man aber auch jemanden finden muss, der sich mit Leidenschaft. Ja, also ich finde, das ist eine Sache, die man als Dirigentin oder Dirigent nicht leisten kann. Man hat das musikalische Geschäft zu erledigen, aber man braucht jemanden, der wirklich mit Herz bei der Sache ist und dann funktioniert das. Wenn man jemanden zwingen muss und sagt, okay, wir müssen irgendwie, ja, das wird dann nichts. Da muss jemand wirklich ein Händchen und Lust drauf haben.
SPEAKER_02Und kontinuierlich, falls du dich erinnerst, wir haben ja die erste Folge im Podcast zusammen gemacht. Und das war Anfang Corona. Und damals habe ich dir auch noch gesagt, dass ich total gerade spannend finde, dass jeder Musikverein anfängt, weil ja so viel Zeit war, Kachelvideos zu machen. Und hier noch ein Kachelvideo. Und irgendwann hat man eh nicht mehr hingeguckt, weil doch jeder Kachelvideos gemacht hat. Und kaum ging wieder live was, waren alle Kanäle tot. Gefühlt. Also hat niemand mehr irgendwas gepostet.
SPEAKER_04Also niemand. Es passiert schon viel, ne? Es passiert schon.
SPEAKER_02Mittlerweile fängt das an, aber es gab eine Zeit, da ist das dann okay, weil es halt Arbeit ist.
SPEAKER_04Aber wir dürfen die anderen Kanäle natürlich auch nicht vergessen. Und wir müssen jetzt schon mal wieder ins Vereinsmanagement schauen. Wer macht's denn? Wer macht's denn? Wir brauchen für Social Media natürlich schon zwei, drei Leute, nicht nur einen, die dann wirklich Dinge überlegen. Aber wir brauchen natürlich, wir dürfen die anderen Kanäle nicht vergessen, wir dürfen Presse nicht vergessen, wir dürfen das Ganze, was Plakate und so weiter anbetrifft, wir dürfen das alles nicht vergessen. Und wir brauchen Minimum fünf Leute, die sich da wirklich nur ums Marketing kümmern. Und das widerspricht natürlich unseren Vereinsmanagement-Strukturen, die in den meisten Musikvereinen natürlich noch traditionell hierarchisch sind. Und sowas kann man tatsächlich nur mit einem Team machen. Und wenn wir jetzt mal schauen, so in einen normalen Musikverein, überlegt mal, welche sind die Bereiche, die die Zukunft des Musikvereins sichern. Was sind die Bereiche, die die Zukunft des Musikvereins sichern? Die zwei Bereiche sind Jugend und zweitens Marketing. Und jetzt schaut mal in eure Vereine rein, wie diese beiden Bereiche in eurem Management vertreten sind. Das sind Maximal Beisitzer. Auch ein Jugendleiter ist nie ein Vorstand im Sinne von 26, ⁇ 26 PGB. Nie. Und es sind die beiden wichtigsten Bereiche, die überlassen wir im Prinzip irgendwelchen Beisitzern, aber nicht den ganz verantwortlichen Menschen. Und es sind Bereiche, da müssen wir wirklich Men- und Frauen-Power reinstecken, weil das sind die beiden Bereiche, wo wir wachsen können, wo wir wachsen können. Ohne Jugendarbeit keine Zukunftsmusiker. Ohne Marketing keine Zukunftsmusiker und keine Leute bei uns in den Veranstaltungen. Und deswegen müssen diesen beiden Bereichen einen größeren Stellenwert bekommen. Und ich empfehle immer, sowohl in der Jugendarbeit als auch im Marketing minimum fünf Leute, die sich hier drum kümmern. Und natürlich kein Team ohne Leitung, sonst heißt es ja toll, ein anderer macht's. Das heißt eine verantwortliche Person für den Bereich, der im Idealfalle tatsächlich noch ein Vorstand ist, um dem Ganzen mehr Gewicht zu geben.
SPEAKER_02Darf ich mal eine kurze repräsentative Umfrage ins Publikum machen, bei wem das so aussieht im Verein? Pi mal Daumen, ja. Also mehr als einer. Neun, wenn ich mich nicht verzählt habe. Von ist noch ein bisschen Aufholbedarf quasi. Konzerte, Konzertformate, wie sieht ihr das mit Kinderkonzerten?
SPEAKER_00Ja, haben wir gemacht. Also ist auch schön, ist auch wichtig. Also gerade wenn man mit Bläserklassen arbeitet, klar ist das dann das beste Marketing, wenn die kommen, so ein Sitzkissen-Konzert oder entsprechende Literatur oder da kann man mal mitsingen oder was ausprobieren. So Mitmachkonzerte. Ist ja auch ein spezielles Format und dann auch für das Orchester auch mal interessant. Finde ich schon wichtig. Weil das schwerste Publikum, finde ich.
SPEAKER_02Kinder sind, wenn sie nicht begeistert, die zeigen das halt sofort.
SPEAKER_00Genau, aber die musst du packen halt.
SPEAKER_02Eine Frage noch zum Programm. Viele Programme sind ja oft so im ersten Teil haben wir eher so ein bisschen die klassischen oder die schwereren Sachen und im zweiten Teil wird es dann so ein bisschen lockerer. Muss das immer so sein?
SPEAKER_05Immer nicht, aber das geht wieder um Publikum erzählen. Und die Konzentration ist besser als bei den Musikern am Anfang. Und ja, also das muss auch erwechselnreich. Also ich glaube, dieses ganze Palette von Blass Musik müssen wir auch darstellen. Also das ist auch Verkauf. Also es muss nicht, aber ja, was du meinst.
SPEAKER_00Ja, es muss nicht so sein. Aber was ich gerne habe, ist, wenn ich vor der Pause ein Stück habe, über das die Leute in der Pause reden, dass die einfach die Pause mit Musik auch noch verbringen und dann noch das im Gedanken haben, und ja, wie fandst du das? Ah, das habe ich schon sehr gerne und deswegen nutze ich das gern vor der Pause. Aber es ist kein Muss, dass man quasi im zweiten Teil nur leichte Musik spielen muss. Also man kann es auch mal umdrehen. Oder es hängt vielleicht auch ab von dem Projekt, das man gerade macht. Da sind viele Sachen vorstellbar.
SPEAKER_02Welches Konzertprogramm hättet ihr gerne schon mal gemacht oder welches Format? Und aber es kam noch nicht die Möglichkeit dazu. Oder gerne auch gespielt, wo du sagst, sowas hätte ich gerne mal gespielt, aber unser Blasochester ist.
SPEAKER_04Ich fange jetzt mit meiner Bucketlist hier nicht an, dann.
SPEAKER_02Darfst du ja eine Sache raussuchen.
SPEAKER_04Was ich gerne mal spielen will. Ah, Romanian Dance von Thomas Doss, dann Music of the Spheres von Philip Spark, das ist so, das sind so die Dinge, die bei mir auf der Bucketlist stehen. Es gibt wahnsinnig viele tolle Stücke, ja. Wahnsinnig viele tolle Stücke. Und ich befürchte, ich lebe nicht lang genug, dass ich die wirklich tatsächlich alle mal gespielt habe.
SPEAKER_02Wir haben ja ganz am Anfang gehört, wir haben ja eine lebendige Szene, das wird dann auch ein bisschen schwierig, alle mal gespielt, sondern weil es kommt ja dauernd nach, es ist ja nicht wie in der klassischen.
SPEAKER_04Ja, und wir darf es natürlich nicht vergessen. Also jetzt zum Beispiel Fantasy Variations, ja. Ich glaube, das habe ich schon fünfmal mit verschiedenen Blasorchestern gespielt. Das sind natürlich auch die Stücke, die spielen wir immer wieder. Und das ist auch richtig so, weil wir haben natürlich auch immer junge Musiker, auch Amanian Dance ist beispielsweise. Du hast vor Holz gesagt. Natürlich, das kommt bei mir natürlich auch immer wieder vorne. Aber dann gibt es immer weniger Platz für die neuen Dinge.
SPEAKER_00Also ich habe schon einiges realisieren können. Ein Konzert hatten wir vorhin mit zwei Balletttänzerinnen. Das war dann vor Corona, das mussten wir absagen. Und das wäre schon speziell gewesen, weil das Stück gar nicht mit Ballett gedacht ist. Aber die zwei hatten eine eigene Choreografie und die hätten dazu getanzt und das wäre, glaube ich, sehr schön geworden. Also die waren beide sehr traurig darüber, dass dann der Lockdown kam und wir konnten es danach auch nicht mehr realisieren. Das hätte ich gerne gemacht und vielleicht passiert es irgendwo noch.
SPEAKER_05Bei mir habe ich nichts jetzt, das meinem Fällt, aber so viele Ideen oder Projekte oder ich glaube, alles ist machbar. Ich glaube, wenn man die Wille hat.
SPEAKER_02Also, ich will ein bisschen jetzt zum Schluss kommen. Also es ist keine einfache Diskussion, weil das natürlich viele, viele Facetten hat von Angefangen von Marketing bis wie verkaufen wir uns auch außerhalb des Konzerts, wie ist das Programm, wie jetzt gut erziehen wir unser Publikum. Ich glaube, was man festhalten kann, ist, wir müssen uns ernst nehmen. Wir dürfen stolz auf die Szene sein und wir dürfen mutig sein. Vielen lieben Dank. Das war's schon mit der Folge. Wie fandet ihr sie? Ich fand die Diskussion persönlich sehr, sehr spannend, weil es mir wieder gezeigt hat, dass es eigentlich nicht den einen Weg gibt, wie wir unser Publikum gewinnen, sondern es sind einfach viele, viele Faktoren. Vereinsinternen Programm, welches Marketing wird an den Tag gelegt. Also es ist ein Zusammenspiel vieler, vieler Dinge, die auch nicht immer vorhersehbar sind und das macht das Ganze für mich sowieso immer wieder spannend zu sehen, was funktioniert, wie kommt das an, können wir daraus Rückschlüsse ziehen. Ich habe das in der Einleitung schon gesagt, wir haben hinterher noch ganz, ganz viel darüber gesprochen mit den Zuhörern und Zuschauern und bis tief in die Dachter gab es ganz viele Meinungen. Jetzt bin ich auf eure gespannt. Schreibt mir gerne eure Sichten, kontaktiert mich gerne auf Instagram oder schreibt mir über blasmusigpodcast at gmx.de. Was wir vergessen haben, was ihr vielleicht anders seht, wo hätten wir vielleicht nochmal anderen Fokus legen sollen. Gerne her damit und ich hoffe, dass es vielleicht in Zukunft mehr solche Möglichkeiten gibt, Live-Folgen mit Diskussionsrunden zu machen, um hinterher natürlich auch mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Das würde ich mir sehr wünschen, denn das sind die Momente und die Orte, an denen Austausch stattfindet. Und das ist das, was wir unbedingt mehr brauchen. Ich bedanke mich bei Leandermachern für den Schnitt, bei Dirk Mattes für die Musik, bei der BDB-Akademie für die Einladung und ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Macht's gut, euer Andi.