On Air - Der Blasmusik Podcast
Podcast rund um das Thema Blasmusik. Andy Schreck, selbst u.a. Dirigent und Lehrer für Musik an einem Gymnasium trifft sich mit Musikern, Dirigenten, Komponisten und Visionären um über Musik und das Leben zu sprechen und andere für neue Ideen zu begeistern.
On Air - Der Blasmusik Podcast
Gerhard Füßl (Mnozil Brass) - Was ist authentische Musik?
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Gehard Füßl hat Posaune und Instrumental-Pädagogik an der Musikuniversität Wienbei Horst Küblböck studiert. Während des Studiums wirkte er bei diversen Orchestern, wie den Wiener Symphoniker und der Camerata Academica mit. Zwischen 1992 und 2000 war er Mitglied der Gruppe “Die Tanzgeiger”. Seit 1995 unterrichtet er am Oberösterreichischen Landesmusikschulwerk und am Salzburger Musikschulwerk. Außerdem erhielt er 2002 am Mozarteum in Salzburg einen Lehrauftrag für Cross over/Neue Volksmusik.Aber am bekanntesten ist er wahrscheinlich allen als Posaunist der Gruppe Mnozil Brass.
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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes
Mir ist die Ehrlichkeit und auch das Spontane und der Versuch, irgendetwas verschmitzt und mit Risiko zu spielen, leerbar, als ich spiele als unglaublich hochgezüchteter akademischer Musiker, Volksmusik ganz klassisch und ganz adrett. Mit Verlauf üben ist, klingt teilweise wirklich scheiße undweilig. Es sollte eigentlich beides nicht sein, aber naja, es ist halt einfach unser Job. Das ist das, was mich zum Beispiel massiv stört, wenn einer, wie halt die Motivation und einfach die Musizierung so ist, einfach darauf losspült und glaubt, ja, man muss sich da jetzt beweisen und er hat alles zu sagen, weil er nicht zuhört. Ich glaube, dass es wesentlich ist, dass man eine Persönlichkeit mitbringt. Und das Wichtigste ist nur die Erkenntnis, man ist auswechselbar. Es ist jeder auswechselbar.
SPEAKER_02Wir sind alle in Dreimal, zweimal, herzlich willkommen bei On Air, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge bei On Air Dem Blasmusik Podcast. Ich möchte mich gleich zu Beginn mich riesig bedanken auf die Resonanz der letzten Folge. Ich glaube, ich habe selten so viele Sprachnachrichten, E-Mails, persönliche Gespräche geführt wie nach dieser Folge. Ja, ich weiss, man hätte Dinge auch kritischer nachfragen können, aber ich wollte das bewusst so stehen lassen. Es werden noch mehr Folgen darauf kommen. Ich weiss, es hat sich schon der Landesverband gemeldet. Es haben sich andere Vereine gemeldet, die Dinge in ihrer Sichtweise auch darstellen wollen. Und die Zeit werde ich mir nehmen. Das heißt, in dieser Staffel werden jetzt ein, zwei, vielleicht drei, vier mal sehen, was so kommt, Folgen entstehen, die auch sich darauf nochmal beziehen, wie Jugendliche auf die Blasmusik klicken. Ich freue mich aber riesig, dass diese Folge immer zu konstruktiven Gesprächen geführt hat und wir in den Austausch kamen. Und genau das ist das Ziel dieses Podcasts. Und wenn so eine Folge das auslöst, dann freut mich das immens. Also wenn ihr es hier noch nicht gehört habt, dann hört unbedingt rein und schreibt mir, schickt mir Sprachnachrichten, tretet mit mir in Verbindung in den Austausch. Ich möchte gern eure Seite wissen und vielleicht auch, was können wir tun, damit es besser wird. Mein heutiger Gast ist Gerhard Füssel. Gerhard Füssel ist Posaunist und ich glaube, ich muss nicht so viel sagen. Er gehört zu eigentlich der prägendsten Blechbläserformation, die mich vor allen Dingen und vielleicht meine Generation am meisten beeinflusst hat. Natürlich, es gibt auch andere wie Canadian Brass, German Bros, aber Nozzle Brass war für mich damals, als ich sie entdeckt habe, eine ganz andere Welt. Und ich freue mich, dass Gerhard sich Zeit genommen hat, mit mir zu sprechen. Wir hatten ein bisschen weniger Zeit als bei anderen Gesprächen, weil er hatte einen Termin, ich hatte einen Termin, wir wären sonst nicht zusammengekommen. Und deswegen, ihr werdet es am Schluss merken. Fehlt uns eine ganz, ganz wichtige Seite, nämlich die Seite des unterrichtenden Gerhards. Und die ist ihm eigentlich auch wichtig. Das heißt, wenn die Folge gut ankommt, werden wir uns auf jeden Fall in naher Zukunft nochmal treffen. Und wir werden den zweiten Teil nachholen, nämlich über das Unterrichten, das Lehren sprechen. Seine Sicht, was ist ihm wichtig und wie sieht das im Moment so aus? Nichtsdestotrotz, wir haben ganz viel über Ensemblearbeit gesprochen, wir haben ganz viel über Groove gesprochen, über Authentizität, über Volksmusik, über Bradeln, über Nordzelbrass an sich und natürlich über ihn. Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß mit Gerhard Füßel hier im Blasmusik-Podcast. Mein heutiger Gast hat Posaune und Instrumentalpädagogik an der Musikuniversität Wien bei Horst Kübelböck studiert. Während des Studiums wirkte er bei diversen Orchestern wie den Wiener Symphonikern und der Kamerata Akademiker mit. Zwischen 1992 und 2000 war er Mitglied der Gruppe Die Tanzgeiger. Seit 1995 unterrichtet er am Oberösterreichischen Landesmusikschulwerk und am Salzburger Musikschulwerk. Außerdem erhielt er 2002 am Mozarteum in Salzburg einen Lehrauftrag für Crossover und Neue Volksmusik. Aber am bekanntesten ist er wahrscheinlich allen als Posaunist der Gruppe Nordzilbras. Ich freue mich, dass ich ihn heute begrüßen darf und sage herzlich willkommen, Gerd Füssel.
SPEAKER_00Hallo Andi, schön, dass ich mit dir sprechen darf.
SPEAKER_02Gerd, meine Standardfrage jetzt schon, ich habe ja gesagt, ich habe schon 125 Folgen gemacht und das ist tatsächlich die Standardfrage seit Anfang an. Welches Musikstück hast du dir als letztes Mal bewusst angehört?
SPEAKER_00Das war heute während des Autofahrens nach Salzburg ein Stück von Gustav Mahler, ein Lied, dessen Name mir jetzt noch nicht einfällt. Ich bin dir abhanden gekommen, heißt dieses Lied. Also es ist ein großartiges Lied. Und das wurde gespielt, während ich zu meinem Physiotherapeuten fuhr.
unknownOkay.
SPEAKER_00Das hat mich wieder geflasht, weil wir vor Jahren mit unserer Band ein Arrangement gespielt haben. Und da gibt es natürlich durchwegs positive Querverbindungen.
SPEAKER_02Okay, als wir geschrieben haben, um den Termin auszumachen, hast du gedacht, du bist gerade noch im Urlaub.
SPEAKER_00Genau.
SPEAKER_02Wie hast du deinen Urlaub verbracht?
SPEAKER_00Bis dato sehr positiv. Ich war kurz im Ausland, ich war im Süden. Ich besuche das erste Mal ein wunderschönes europäisches Land, Albanien. Ist sehr empfehlenswert. Warum? Weil ich Kroatien kenne und weil ich der Meinung bin, dass es noch in dieser Region was anderes geben könnte. Und das hat sich da bestätigt. Die Menschen sind wunderbar nett, noch nicht vom Tourismus so zerstört wie in anderen Regionen. Und ja, ich war ein bisschen schwimmen, ich war ein bisschen Bergsteigen und fein Essen mit meiner Frau.
unknownOkay.
SPEAKER_00War wunderbar.
SPEAKER_02Mit Posaune oder ohne Posaune?
SPEAKER_00Ganz bewusst ohne Posaune, was ich an und für sich selten mache. Aber nachdem ich mit dem Flugzeug unterwegs war, wurde mir diese Entscheidung mehr oder weniger abgenommen.
SPEAKER_02Gut, ihr habt ja schon öfters auch mal Reisestress mit Mozilla Brass, wenn man da so ein bisschen quer liest, da geht man das ein oder andere Instrument verloren, das brauchen wir im Urlaub natürlich nicht.
SPEAKER_00Naja, und ich erlaube mir jetzt tatsächlich, ich erlaubte mir, ich bin jetzt schon wieder im Aufbaumodus, im Warming-up und im Übelmodus. Ich erlaubte mir 14 Tage keine Posaune in die Hand zu nehmen und ich glaube, es funktioniert.
SPEAKER_02Aber fällt dir das schwer am Anfang, dich dazu zu überwinden oder machst du das jetzt lang genug, dass du sagst, okay, ich weiß, ich kann das für 14 Tage machen und dann weiß ich, was ich machen muss?
SPEAKER_00Es fällt mir schon etwas schwer, weil ich im Prinzip gerne Posaune spiele und weil ich auch gerne übe. Also das ist so ein Ritus, den ich auch normalerweise im Sommer so durchziehe. Ich bin ungerne ganz am Boden. Ansatztechnisch. Also der Weg, also von unten vom Tal bis zur Spitze ist halt einfach weiter von der Mittelstation, von der Ansatztechnischen. Aber naja, nachdem ich noch einige Zeit habe, bis zum ersten Konzert, nach der Pause, bin ich zuversichtlich.
SPEAKER_02Okay. Hast du viel Stille gehabt im Urlaub?
SPEAKER_00Genug. Genug Stille. Weißt du, warum ich frage? Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich habe, glaube ich, irgendwann mal irgendwo erwähnt, dass ich das gerne habe, den Zustand der Stille.
SPEAKER_02Ja, genau. Es gab ein Interview, wo du die Stille quasi propagiert hast und gesagt hast, du hast das sehr, sehr gerne.
SPEAKER_00Genau, ja, ja. Ich weiß, ja. Das habe ich ja mal in einem Interview erwähnt. Und das stimmt nach wie vor. Es stimmt insofern, als ich nicht um jeden Preis, überall immer so Berieselungsmusik zum Beispiel ertrage. Das war zum Beispiel in Albanien ziemlich mühsam. Also es gibt überall auch Touri-Zentren und wir waren natürlich in einem Hotel und da wurde ich etwas unfreiligerweise auch am Strand teilweise mit so popularmusikalischer Berislung aus Albanien sozusagen versorgt. Und das geht dann jedem mal ziemlich am Nerv. Also nicht nur in Österreich oder anderswo. Also ich habe gerne mal auch eine Zeit, keine Musik.
SPEAKER_02Das heißt, du hörst auch im Urlaub bewusst keine Musik. Also es kann ja sein, dass du dir irgendwie schalte oft aus.
SPEAKER_00Okay. Und wenn Musik in mein Ohr dringt, die mich interessiert, dann mache ich lauter. Also diese zwei Möglichkeiten gibt es. Entweder ich höre zu oder ich schalte aus. Was für meine Frau manchmal ein bisschen mühsam ist, weil ich da sehr radikal sein kann.
SPEAKER_02Was hört deine Frau für Musik?
SPEAKER_00Ach, Querbeet. Nussle Brass. Ja, auf jeden Fall, gell. Auch sehr kritisch, ja. Also meine Frau ist eine sehr kritische Musikkonsumentin, was im Prinzip ja auch gut ist. Dann hat man das, ja. Die sind auch zu Hause. Dann reagieren. Ja, also wie gesagt, sie ist sehr musikinteressiert.
SPEAKER_02Und weil die Frage sowieso später von Zuhörern kam, können wir ja jetzt mal so ganz kurz über dein Üben sprechen. Wie sieht jetzt dein Aufbaumodus wieder aus?
SPEAKER_00Ach ja, also wie gesagt, wenn ich einen Workshop mache und ich erzähle so über mein Übel-Programm, dann sind am Beginn ein paar Sätze, die sich immer wiederholen, die da heißen, am Beginn beginne ich in der Mitte. Nicht zu laut, nicht zu leise, nicht zu hoch, nicht zu tief und nicht zu schnell. Also einfach, wie gesagt, also die musikalischen Parameter vom Einfachen in das Extreme. Und das weite ich halt dann täglich aus, soweit es halt meine körperliche Befähigkeit erlaubt. Also ich mache ja eigentlich im Prinzip nach einer Urlaubspause nichts anderes als nach dem Konzert oder so. Ich mache es halt nur kürzer, beziehungsweise versuche halt dem Gefühl ein bisschen nachzugehen und halt zu reagieren. Also wenn man keine Kraft hat, dann ist es sehr unweigerlich irgendmal zu Ende. Aber ich versuche schon immer wieder zum Plafon zu gelangen. Aber nicht drüber. Also das macht da keinen Sinn. Drüber musiziert das macht man dann im Konzert. Wenn man oft gezwungen wird. Über seine eigenen Kräfte zu spielen.
SPEAKER_02Das heißt, du übst das jetzt gar nicht, weil ihr spielt ja schon auch mal sehr laut, kann man ja mal schon so sagen. Doch, übst du das dann oder kommt das dann einfach?
SPEAKER_00Ich bilde mich ein, ich übe das, aber es ist immer ärgerlich, wenn wir regelmäßig die erste Probe wieder haben, dann spüre ich, dass es dann doch nicht ganz ausgeht. Also ich übe das ganze Programm, also wenn es zum Konzert geht, also so als ob ich auf der Bühne stehe, also auch mit Pausen und so und den ganzen Nachschlag und so den ganzen Nebenher-Programm, um irgendwann was zu simulieren, was dann im Endeffekt doch immer wieder anders ist, weil die Lautstärke einfach enorm ist. Also wenn meine lieben Kollegen auf der Trompete angasen, dann sieht Unweigerlich halt dann im Kopf, so ich muss doch mehr geben. Und das hat man zu Hause nicht. Diesen Push von rechts.
SPEAKER_02Okay. Aber das heißt, wenn man dir beim Üben zuhört, wenn es auf ein Konzert geht, ist es unter Umständen auch echt langweilig, wenn du diese ganzen Nachschläge da übst.
SPEAKER_00Üben klingt teilweise wirklich scheiße und langweilig. Also es sollte eigentlich beides nicht sein, aber naja, es ist halt einfach unser Job. Es ist auch ganz gut, sich das Programm wieder zu verinnerlichen, indem man wirklich das ganze Programm immer durchübt. Das hat auch diesen Grund. Also es geht ja nicht nur um die Ausdauer, sondern auch um das Auswendigsspielen. Und wenn wir drei Monate zum Beispiel eine schon nicht machen, dann kann es schon sein, dass sich das ein oder andere Teilchen irgendwo im Unterbewussten versteckt. Und dann auf der Bühne kommt man drauf, hoppala, da ist jetzt ein schwarzes Loch. Was macht man da? Wir schauen das, was man rausfindet wieder aus dieser Situation. Das kann passieren, ja. Das Gefährliche ist, wenn man dann zum Denken anfängt. Wenn man dann überlegt, was ist das funktional und so, dann ist es vorbei. Also dann, ich zwinge mich dann wieder auf das Gefühl zu achten und so die Movements zu finden. Und das gelingt manchmal eher. Das heißt, es verselbstständigt sich manchmal etwas aus wenig gelerntes. Und dann wird man schlampig im Kopf und vergisst die Funktion. Also wenn man immer wieder ganz achtsam wäre und immer wieder dabei ist mit dem, mit der Frage, welche Funktion habe ich eigentlich? Ist das in der Begleitung Nummer 1, also Grint, Quad oder Grundton, dann wäre es vielleicht auch einfacher, dann zumindest einen Ersatz zu finden. Wobei manchen Kompositionen von Kollegen Professor Leonard Paul sind nicht unkomplex. Und da kann es schon sein, dass sich manche Motive dann nicht mehr finden. Und die muss man halt sich dann am nächsten Tag oder am Abend dann einmal anschauen, dass das einmal passiert. Also es ist alles im grünen Bereich.
SPEAKER_02Aber würde das dem Zuhörer wirklich auffallen bei euch, wenn du jetzt plötzlich mal gerade nicht weißt, was die Sache ist?
SPEAKER_00Nicht einmal in dem Kollegen fällt manches auf, was man vergisst. Also es sind dann manchmal nur fünf, sechs, sieben Töne. Also wir reden davon von Momenten, die mein persönlich unglaublich groß erscheint. Also das ist ja dasselbe wie im Orchist. Also wenn man wenn man kickst, dann hört es, wenn überhaupt der Kollege als erstes. Dann der Kollege drüben auf der anderen Seite und der Dirigent und dann zum Schluss erst, wenn überhaupt das Publikum. Also nein, also ich denke, wenn man ein Solo spielt und man spielt dann die Melodie nicht mehr, dann würde es wahrscheinlich das Publikum hören. Aber nachdem ich nicht allzu viele Solos spiele, wenn ich mich in der Sicherheit meiner Kollegen, die mich auffangen, sozusagen, akustisch. Wenn sowas passieren sollte.
SPEAKER_02Ja, aber wie muss ich mir das vorstellen, wenn du jetzt daheimstehst und das Programm durchübst? Hast du da, also habt ihr ein Probemitschnitte, weil so ein Nachschlag einfach so mitschnitt ist?
SPEAKER_00Ja, nein, nein, das macht keinen Sinn. Also wir machen Probeaufnahmen, ja, und die werden dann per Files an uns zugesandt und ich arbeite dann mit meiner Anlage hier im Gartenhaus, also in meinem Übelhäuschen, und spiele dann mit uns mit.
SPEAKER_02Aber hast du, oder welche Strategien hast du beim Auswendiglernen, außer das halt einfach oft zu machen? Denkst du wirklich funktional oder denkst du melodisch oder gehst du nur über das Körpergefühl oder ist das so eine Mischung aus allem?
SPEAKER_00Es ist eine Mischung, glaube ich. Es ist eine Mischung, aber es ist natürlich bei einfachen, musikalisch, funktional, einfach zu verstehenden Stücken einfacher, also die Funktionalität für sich zu gewinnen. Also wir haben in unserer Posaunen-Section irgendwie über die Jahrzehnte so eine Abmachung, also eine unausgesprochene, ich bin immer der, der die Terz spielt, tendenziell. Die Kollegen spielen halt Quint und Grunt und bei anspruchsvollen Stücken ist das gegenstandlos. Da versuche ich halt dann schon auch linear zu arbeiten. Also ich grabe mich quasi wie ein Schneepflug über den Ghostlock, also immer wieder drüber und mache immer wieder einen Anlauf und dann versuche ich wieder einen Takt und wieder einen Takt. Also es ist wie ein auswendig lernen von Text. Und versuche auch das Gefühl der Hand, also was macht die Hand, wie die Positionsabfolge auch auswendig zu lernen. Also es ist eigentlich eine Kombination.
SPEAKER_02Wird es im Alter leichter, weil ihr das jetzt einfach so lange gemacht habt oder wird das schwerer?
SPEAKER_00Ach, das wird schwieriger. Die grauen Zellen werden mehr, vielleicht ist es auch subjektiv, vielleicht ist es auch gleichbleibend. Also man hat eine gewisse Routine, man weiß, es wird wieder ziemlich anspruchsvoll, diese Arbeit des Auswärtikelens, aber schlussendlich funktioniert es dann immer wieder. Also das ist die Gewissheit, man kann nicht aus, wir müssen sowieso. Also es gibt kein Zurück. Ja, okay, das stimmt. Die Gewissheit, es gibt keine Alternative. Lässt einen so lange üben, bis das kann.
SPEAKER_02Ihr seid ja jetzt schon mit dem neuen Programm unterwegs, oder? Mit dem Straußboden.
SPEAKER_00Genau, ja. Wir hatten das jetzt schon, ich glaube, viermal auf die Bühne gebracht. Die Premiere war in Wiesbaden Anfang Juli.
SPEAKER_02Ja, wo ich leider nicht konnte, das wäre ja genau bei mir um die Ecke gewesen.
SPEAKER_00Das wäre eigentlich nicht weit von dir gewesen. Wir kommen ja wieder in die Nähe. Wir machten das dann zweimal in Frankreich und einmal in Österreich. Und die eigentliche Premiere, die eigentliche Uraufführung, ist dann Ende September im Rahmen dieses Johann Strauss-Festivals in Wien, im Konzerthaus, wofür wir das gemacht haben.
SPEAKER_02Ein Supporter dieser Folge ist Buffet Grampant Europas größtem Hersteller von Blasinstrumenten mit Sitz in Markneukirchen und Gerritz Ried. Buffet Grampant stellt alle Arten von Blasinstrumenten her, vom Schülerinstrument bis zum Profi-Instrument. Wenn ihr mal wieder auf der Suche nach einem neuen Instrument seid, weil euer Instrument entweder alt ist oder ihr vielleicht einfach mal auch was Neues ausprobieren möchtet, dann lege ich euch wirklich ans Herz mal bei den verschiedensten Marken von Buffy Crampon zu stöbern. Den Link dazu findet ihr in den Shownotes. Und jetzt geht's weiter mit der Folge. Wie anspruchsvoll war das jetzt für dich auswendig zu lernen im Vergleich zum letzten? Oder kann man das gar nicht so vergleichen?
SPEAKER_00Es ist immer wieder eine Arbeit, die man machen muss, ja.
SPEAKER_02Wie lange spielt jetzt so ein Programm?
SPEAKER_00Ich würde meinen, so in etwa zwei Jahren. Und dann gibt es so Momente, wo man beide Programme auf Tour spielt oder abwechseln. Also wir haben jetzt noch das Alte bis Ende des Jahres und werden das dann auslaufen lassen und dann wird halt Strauß fortgesetzt werden als alleiniges Programm.
SPEAKER_02Wenn ich zur Premiere komme und wenn ich dann zur Daniere kommen würde, wie sehr unterscheidet sich das oder bleibt dir das sehr strikt und das zieht sich ziemlich gerade aus?
SPEAKER_00Das ist eine gute Frage. Wir meinen, dass wir immer dieselbe Show spielen. Und ich weiß von meiner Frau, die mir dann nach 10, 12, 13 Konzerten sagt, ihr habt ja alles ausgewechselt. Das klingt ja völlig anders. Warum macht ihr das? Und dann bin ich immer ganz überrascht, weil sie das behauptet, weil es eben nicht so ist. Es ist ja offensichtlich spielt sich das Programm derartig ab, dass ein Zuschauer, der das öfters hört, völlig neue musikalische Eindrücke gewinnt. Und meint, dass. Das hat er noch nicht gehört. Aber das ist sehr positiv. Es ist sehr positiv natürlich auch, ja.
SPEAKER_02Es könnte ja andersherum sein. Dann könnte man ja sagen: Boah, jetzt hatten wir es schon 20 Mal gehört, das ist auch mal gut.
SPEAKER_00Naja, die Musik ist auch sehr dicht und sehr vielschichtig und sehr spannend. Also es gibt immer wieder Leute, die sagen, ich habe das schon fünfmal gehört und ich höre jedes Mal wieder was Neues. Ich sehe etwas Neues, entdecke wieder einen neuen Gag und so. Das kann nämlich schon passieren, dass etwas auf der Bühne passiert, das sich dann verselbstständigt, was nicht gemeint war. Also da sind wir schon flexibel und diese Flexibilität, die wollen wir uns auch belassen.
SPEAKER_02Okay. Gerade, ich will natürlich auch ein bisschen über dich an sich sprechen. Und fangen wir mal ganz von vorne an. Wie kam Musik in Dein Leben?
SPEAKER_00Das ist so passiert, wie oft damals in den 70er, 80er Jahren, es passierte in einer Familie, wo der Vater Kapellmeister war und auch Amateurmusiker war. Ich sage es ganz ehrlich, man wird nicht gefragt. Es gibt dann irgendwann mal den Moment, wo es dann heißt, so, das lernst du jetzt. Das ist jetzt, in dem Fall war es eine Trompete. Er lernte ich mit acht Jahren für ein Jahr. Dann hat mein Vater festgestellt, funktioniert nicht, die Lippen sind so groß. Also völlig brachial-pädagogische Ansätze. Dann durfte ich das Denorhan in die Hand erlernen bei meinem Vater, was nicht nur toll war für mich. Also ich muss dazu sagen, mein Vater hat einen unglaublichen, hohen musikalischen Anspruch damals auch schon gehabt. Also er war damals in unserem Dorf der Ausbildender sämtlicher Musikinstrumente für seine Musikkapelle. Wir hatten keine Musikschule. Die kam erst dann später und als ich dann in die neu gegründete Musikschule in der Nachbargemeinde Monsee eingetreten bin und einen richtigen Lehrer hatte, dann kam das erste Mal so etwas wie Lob. Das war bei meinem Vater heute irgendwie nicht im Programm, dass man da motiviert wird. War eine andere Zeit. Also ich weiß das von manchen Kollegen, die ähnliche Erfahrungen hatten, deren Väter auch Kapellmeister war.
SPEAKER_02Also ich kenne das so ähnlich. Mein Vater war kein Kapellmeister, der hat Trompete gespielt, hat dann irgendwann aufgehört und dann habe ich gelernt und ich habe auch nie Lob bekommen. Also es wurde auch mal auf die Uhr geguckt, wenn ich fünf Minuten zu wenig geübt habe, als ausgemacht war, dann nochmal. Und wenn Ton daneben ging, ging es eigentlich nur darum und nicht um den Rest. Also ich kann das gut nachvollziehen.
SPEAKER_00Ja, ja, das war aber wie gesagt eine Zeit, die war so. Es ist müßig, über das zu sprechen. Ich habe es trotzdem zu meinem Beruf gemacht. Aber wie kam das?
SPEAKER_02Also wie kam das, wenn du auf der einen Seite natürlich jemanden hast, der einen hohen Anspruch hat, was natürlich auch gut ist, wenn da jemand sagt, okay, ich will das. Und das hatte ich ja dann anscheinend nicht abgeschreckt.
SPEAKER_00Es hat mich insofern nicht abgeschreckt, als ich dann in der Schule, in der Musikschule, dann schon das Fit bekommen habe, hoppala, da ist eine Begabung da. Also da ist irgendwie mehr da als normal. Und das weckt natürlich dann auch meinerseits Interesse. Und ich habe dann irgendwie auch mit der Posaune, die ich dann mit 14 Jahren oder mit 13 Jahren angefangen habe zu lernen, wirklich runtergerochen. Also das war dann eine Zeit, wo ich eigentlich mehr wissen wollte über diese Instrumente. Ich habe jetzt aber nicht extrem viel geübt. Ich habe es halt einfach so weit geschafft, dass ich dann mit meinen 17 Jahren den Entschluss gefasst habe, das zu studieren.
SPEAKER_02Mit welchem Ziel wolltest du ins Orchester?
SPEAKER_00Ich hatte kein wirkliches Ziel. Also ich habe da einfach so ins Blaue hinein entschieden, ich gehe jetzt einmal nach Wien. Ich wusste, irgendwann werde ich mal in eine Musikschule eintreten und unterrichten zu Hause. Und das war die Zeit, wo sich dann die Formation Nazi Brass so nach und nach konkretisiert hat. Also das war so 1994, 1995. Ja, wie gesagt, das war dann auch die Zeit, wo ich alles Mögliche gemacht habe. Also Tanzgleicher gespielt, Nosi Brass gespielt. Dann war ich ein paar Jahre Leiter einer Blasmusikkapelle. Das nennt man bei uns in Österreich Kapellmeister, was bei euch Legenden sind. Das war ich vier Jahre. Ja. Und dann hat sich das mit der Gruppe Nossibras immer mehr professionalisiert und ich habe dann vieles abgegeben.
SPEAKER_02Bevor wir zu deinen Gruppen kommen, würde ich gerne nochmal direkt ins Studium gehen. Du hast ja gesagt, also du bist so mal ins Blaue dann mal nach Wien, hast du gedacht, ich will Musik studieren. Wie waren deine Studienjahre? War das so, wie du es dir dann gedacht hast? Oder was war völlig überraschend irgendwas?
SPEAKER_00Ja, ich habe mir überhaupt nichts gedacht. Ich habe gleich einmal in die ersten zwei Semester einen Brachialköpfler gemacht. Also ich habe eine unglaubliche Krise ausgefasst, eine Ansatzkrise. Mein Professor, Professor Horst Kübelböck, meinte, wahrscheinlich auch zu Recht, da muss alles umgestellt werden, Ansatztechnik und so. Das Smiley Face ist nicht okay. Und so weiter und so fort. Das hat mich doch einige Zeit etwas aus der Bahn geworfen. Ich konnte gewisse Dinge einfach nicht ordentlich spülen und war keine so lustige Zeit. Der erste Sommer nach dem ersten Studienjahr war dann aber die Rettung. Dann hatte ich genug Zeit im Sommer zu Hause bei mir, mich an mir zu arbeiten und dann habe ich, glaube ich, das verstanden, was mein Chef meint und habe mich dann selbst, wie so oft der wichtigste ist, der wichtigste Lehrer, der wichtigste Mentor ist man selber, begriffen, was er meinte. Hat aber ziemlich gebraucht, also zwei Semester.
SPEAKER_02Also ich kann das auch nachvollziehen, und du bist ja nicht der Einzige. Also man hört das ja immer wieder so in Mutter.
SPEAKER_00Lieber so, als wenn man schon im Orchester sitzt oder weil man hier nur schon eine große Karriere hat und plötzlich kommt irgendein Phänomen, das man nicht beschreiben kann, körperliches, psychisches, das ist dann meistens noch schmerzhafter.
SPEAKER_02Ja, aber was hat es mit dir auch mental in der Zeit gemacht, beziehungsweise was hatte ich veranlasst, da dran zu bleiben und zu sagen, okay, nee, ich komme da raus, ich schaffe das.
SPEAKER_00Ganz einfach gesagt, ich hatte keine Alternative für mich. Also für mich war die Musik das Ziel. Ich wollte da einfach durch und was hätte ich sonst gemacht. Also mich hat natürlich in der Schule viel interessiert, aber das war weg. Also ich habe mich entschlossen und das muss doch gehen. Das war so der Wille.
SPEAKER_02Okay. Ich habe dir gedacht, du hast auch bei den Tanzgeigern gespielt. Jetzt habe ich natürlich viele deutsche Zuhörerinnen und Zuhörer, die jetzt mit den Tanzgeigern wahrscheinlich erstmal noch nicht so viel anfangen können. Kannst du ganz kurz sagen, was das für eine Gruppe ist?
SPEAKER_00Die Tanzgeiger unter der damaligen Leitung von Rudi Pietsch, Dr. Rudolf Pietsch, war eine, oder sie gibt es noch immer, eine österreichische Tanzvolksmusikgruppe, bestehend aus zwei Streichinstrumenten, also zwei Geigen, eine Brage, einen Kontrabass, Steirische Harmoniker, eine Trompette und eine Posaune. Und mir konnte nichts Besseres passieren, als dass mich der Rudi Pitsch, mein Volksmusiklehrer an der Uni, also an der Hochschule in Wien, fragte, ob ich den Zeit hätte für eine Amerikareise bei Ihnen mitzuspielen. Das war eigentlich ein riesengroßartiger Zufall. Ich muss dazu sagen, ich komme aus dem Land und von der Blasusik, von der böhmischen, österreichischen Blasusik-Tradition. Wir spielten aber nie Volksmusik. So im klassischen Alpinen Sinne, also mit auswendig musizieren oder singen. Das war nicht bei uns zu Hause. Das heißt, ich kam dann über Rudi Pietsch zu der Tech des Auswendig Musizierens, indem ich einfach diese alteingesessenen Tanzmusikstücken aus der Steiermark, aus dem Burgerland, teilweise aus Ungarn dazu gespielt habe. Mit viel, teilweise anfangs viel Unsinn dabei. Was ganz wesentlich ist, dieser besagte Rudi Pitsch ist, glaube ich, auch mitunter ein ganz wesentlicher Gementor und Geburtshelfer der Gruppe Nosibrass. Der war nämlich der Verantwortliche für diese wöchentlichen oder monatlichen Standische beim Josef Montnozeld im Wirtshaus. Der hat das gemacht. Er hat immer wieder auch Freunde eingeladen aus der Slowakei, Volksmusikgruppen, aus verschiedenen Regionen. Und wir Studenten waren dabei, und wir haben immer mitgechamt und so. Und es war immer sehr lustig. Und aus diesem Tonskreis entstand eben eine Formation, die immer wieder aus unserer Heimat halt so Volksmusik und Blasmusik gespielt hat. Das war 1992, 1993. E dann irgendjemand gefragt hatte, ja, könnt ihr nicht da drüben auch einmal spülen? Und wie heißt es überhaupt? Und auf diese Frage hin haben wir uns dann entschlossen, ganz spontan Barternative uns Nozzle Brass zu nennen. Aus dem Witzhaus heraus. Und der Rudi Peach war, wie gesagt, da wirklich beteiligt und wie auch bei Federspielen.
SPEAKER_02Ich wollte gerade sagen, der Name kommt ja öfters mittlerweile vor. Also Matthias Werner ist ja sein CSU-wähnt, der Frederik an der Kleinette war schon bei mir. Also der Name ist schon öfter gefallen, ist sehr schade, dass ich ihn selbst nicht mehr.
SPEAKER_00Oder leider zu früh gehen müssen von uns. Also er war für mich, glaube ich, einer der bedeutendsten musikalischen Wegbegleiter, den ich damals als junger Mind, als Musiker haben konnte. Also neben meinem Professor natürlich.
SPEAKER_02Aber wenn man dann in so eine so eine Volksmusikgruppe dazukommt und eigentlich keine Ahnung hat, und alles auswendig gespielt, lernt man das dann übers Ohr? Erklärt er dann, wie sowas gespielt wird? Oder gibt es Noten oder wie passiert das?
SPEAKER_00Ja, es ist auch wieder eine Mischung. Es gab rudimentär etwas an Notenmaterial. Also ich habe sehr viel mit den Harmonikaspielen geübt, also mit dem Volker Gallery damals. Also der mir gesagt, pass auf, diese Polka ist in A-Dur. A-Dur, dann geht es runter auf E-Dur, dann geht es wieder zurück auf A-Dur und das Dreh ist halt dann meistens in D-Dur. Das war auch schon mal wichtig für mich. Ich wusste, wie A-Dur geht. Und die Aufgabe der Posaunen in dieser Gruppe war jetzt nicht Melodie spielen, also ab und an, aber das war dann organisiert. Es war halt einfach entweder Begleitung spielen oder eine sogenannte Gegenmelodie finden. Das war dem Rudy Beach sehr wichtig, dass man dann auf Kommando, bei der Wiederholung zur eigentlichen Melodie, dann also eine Kontramelodie macht. Und bin halt anfangs die ersten Momente klänglich gescheitert, weil man das natürlich furchtbar gestresst hat. Aber man lernt alles. Das war dann eigentlich über die Zeit immer selbstverständlicher. Und es wurde dann auch durch die CD-Aufnahmen, die wir hatten, dann auch immer wieder mehr und mehr konkret, was wir Trompeta und Posaunen genau spielen dürfen sollten. Wie es halt so oft ist, in so kleinen Informationen, die Streicher, die Geigen, sind halt einfach im Verhältnis leiser als die Blechbässer. Wir waren halt übermütig, oftmalig und etwas laut oder manchmal auch zu laut, aber es war uns eigentlich total wurscht. Es war so ein Spaß, manchmal auf Tanzveranstaltungen dann wirklich die Sauer auszulassen. Also ich kann mich an vielen Dingen nur sehr positiv erinnern an diese Zeit. Es war nichts unumstößlich. Es war alles, also war vieles möglich. Es war ja eine Frage des Stils, des Geschmackes des Musikalischen. Und wenn man halt einmal ein versehentlicher B gespielt hat in Arthur, dann ist es halt passiert.
SPEAKER_02Und im Nazi-Brass hat sich quasi auch aus dieser Tradition des Auswendiges Spielens dann immer mehr geformt. Wann war euch dann klar, okay, wenn wir das jetzt ein bisschen ernsthafter machen, könnte daraus mehr werden, als sich einmal in der Woche irgendwie im Wirtshaus treffen?
SPEAKER_00Naja, das ist eine Frage, die kann man so genau nicht beantworten. Es gab wahrscheinlich drei wesentliche Fakten, die uns eigentlich jeweils auf eine neue Stufe gehoben hat. Irgendwann hat sich die Band entschieden, aus fünf Personen sieben zu machen. Also die zwei Trompeta, wir waren früher zu fünft. Das war meistens ein Pool von Musikern, die da gespielt haben. Dann hat sich herausgestellt Thomas Ganz und so ein Wolfgang, das sind die Hauptrompeter, dann war das aber zu ansteigend. Die hatten dann festgestellt, sie hätten gerne einen dritten, einen dritten Trompeter, damit er sich ein bisschen abwechseln können mit der Ausdauer. Worauf wir dann festgestellt haben, wenn drei Trompeten sind, dann hätten wir auch drei Posaunen. Und aus dieser Entscheidung ist der Robert roter und dann in weiterer Folge der Leonhard Paul zur Gruppe gestoßen. Und der Leonhard hat dann schon, er ist noch immer unser Ältester und unser Gewissen der Band, er hat dann Ordnung, mehr Ordnung hineingebracht und musikalisch, indem er halt dann wirklich Arrangements mitgebracht hat und festgestellt hat, also Willes ist eigentlich eine Chance, was wir bis dato gespielt haben. Das hat sich dann auch zu erkennen gegeben, als wir angefangen haben, unsere Musik auf Noten zu schreiben. Also irgendjemand hat mal gesagt, pass auf, wir hätten gerne die Musik, die er macht. Habt ihr nicht Noten? Und dann haben wir uns entschlossen, ja, machen wir ja so einen Eigenverlag. Wie haben wir das dann gemacht? Jeder schreibt sich die Noten auf, die er über Jahre bei diesen Stücken gespielt hat. Und der Leonhard tippt das in den Computer ein und dann wird das Arrangement schon fertig sein. Mitnichten. Also das war ein tätiges Durcheinander. Also wir hatten völlig über Jahre halt einfach von Stimmkreuzungen und Verdopplungen alles Mögliche gemacht. Aber es war uns wurscht. Es war auch egal. Also wir haben einfach diese Power gehabt und diese Spielfreude und da haben wir halt einfach die ganzen harmuikalischen Gesetzmäßigkeiten einfach überhaupt nicht berücksichtigt. Erst dann haben wir festgestellt, wir müssen das in Zukunft konkreter machen, genauer machen und dann wurde auch das erste Mal geprobt, konsequent geprobt, weil es dann auch dann mal schon Konzerte gab. Also Mitte 90 spielten wir das erste Mal in einem Konzert. Das war so ein großer Step in Zettel bei einem Festival, bei einem Volksmusikfestival. Das war sehr erfolgreich. Und der größte Schritt war, ich glaube es war 1999, ein Festival in der Schweiz im Kanton Uri in Altdorf. Das hieß Alpentöne. Matthias Rück hat die künstliche Leitung gehabt bei diesem Festival. Und da waren wir das erste Mal, 1999, eingeladen, quasi als wir waren so die Halle Kine. Also wir waren nicht engagiert auf eine Bühne. Es war die Weisung, ihr könnt machen, was ihr wollt. Also an diesen Tagen könnt ihr spielen, wo ihr wollt und so schaut, macht euch das. Und das haben wir gemacht. Wir haben um 10 Uhr vormittag angefangen und hatten bis 5 Uhr morgens mehr oder weniger die Instrumente ständig in der Hand. Spielten am Startplatz, wir spielten in verschiedenen Gaststätten, wir stiegen in Busse ein, in Linienbusse und machten Musik. Und das Feedback war derartig großartig. Und es war so eine verrückte Situation in dieser Zeit. Wir sind da von einem Erfolg zum anderen gekommen und wollten dann eigentlich späta im Zelt dann nochmal ein bisschen Pause machen und aufhören. Und dann kam der, der Leon hat mit unseren Instrumenten daher gesagt, wir müssen weiterspielen. Das ist noch nicht aus heute. Also das war orgeastisch. Und ja, das hat uns irgendwie das Gefühl gegeben, das könnte was werden mit der Band. Also das könnte mehr werden als nur eine Muckenband. Das fühlt sich spannend an. Da ist viel zu heben und das macht Sinn, das hauptberuflich zu machen. Das war auch eine Grundsatzentscheidung, die wir damals trafen. Insofern, als Kollegen schon einen Beruf hatten, also der Willi ist dann aus dem Orchester ausgestiegen. Das war eine ganz wesentliche Entscheidung.
SPEAKER_02Aber auch mutig.
SPEAKER_00Sehr mutig. Ich hatte eine Musikschule, eine Zeichstellenleitung, die ich dann auch aufgegeben habe. Und die Musikkapelle habe ich dann abgegeben. Weil einfach das Gefühl da war, wir müssen die Zeit erst investieren für die Band, für diese Musik, die wir machen wollen.
SPEAKER_02Und dann setzt man sich zusammen und überlegt sich, was der nächste strategische Schritt ist und spielt einfach viele Konzerte.
SPEAKER_00Es ist mehr oder weniger so, wie du sagst, mit doch dann immer wieder Zufällen, die halt auch daherkommen. Also es gibt dann immer irgendjemanden, der dann sagt, pass auf, ich würde gerne bei euch mitmachen. Zum Beispiel, indem ihr ein gewisser Bernd Jeschik sagt, pass auf, machen wir doch eine Show. Also das ist schon ganz nett, was ihr macht, aber ich könnte mir vorstellen, wenn wir da ein bisschen Text und ein bisschen Choreografie und etwas formen, könnte das in eine andere Richtung gehen. Könnte auch diese Formation andere Schubläden aufmachen. Also der Schritt dann zur Bühne, zur Theaterbühne, war mit einem Regisseur sozusagen parallel verlaufend. Und der Schritt hat uns dann weg von Gasthäusern und nur von Konzertzellen auch in Theater und in Kleinkunstbühnen gebracht. Das war, glaube ich, der größte Schritt dann in weiterer Folge. Wir waren lange Zeit dann Anfang der 2000er immer wieder in Berlin in einem Varietätzelt, Bar jeder Vernunft. Spielten da über Jahre unsere Shows, ja. Und dann wurden eben die Engagements Step by Step immer größer. Dann wurden wir eingeladen in die Ruhrtrionnale. Dann wurden wir eingeladen, zu den Salzburger Festspielen eine eigene Show dort zu machen, unter der Leitung von Jürgen Flim. Es hat das eine das andere bedient und es war eine Domino-Geschichte. Wir haben dabei natürlich vieles an Musik verlassen. Wir sind weg von der Volksmusik auf ein paar Zugaben. Das bedingt einfach the Tatsache, dass wir international spielen. Also, das macht natürlich so gerne wie das machen würden, aber keinen Sinn when in einer Show zu viel Volksmusik oder zu viel Musik einer einzelnen Stilistik wäre, where das in den USA oder in Japan zum Beispiel vielleicht nicht so gut verstanden wäre. Hat natürlich dann auch ein gewisses Klientel auch verloren lassen, also oder das Publikum verloren und dafür haben wir aber sehr viel natürlich an anderen Publikum dazu gewonnen.
SPEAKER_02Wer Gerhard auch mal als Dozent erleben möchte, der hat die Möglichkeit, am 11. bis zum 14. Dezember in der BDB Musikakademie entstaufen. Denn dort gibt es das Festival Blechrausch. Er ist einer der Dozenten und leitet den Programmpunkt Ensemble aller Nozzlebras. In einem gemischten Ensemble erarbeitet ihr gemeinsam mit ihm ein Arrangement auf Basis einer musikalischen Vorgabe, ganz im Stile von Nozilbras. Also Terminvormerken 11. bis zum 14. Dezember. Weil du gerade gesagt hast, ihr spielt es international, in welchem Land spielst du am liebsten?
SPEAKER_00Dort roder Weg, dorthin nicht allzu weißen. Spaß beiseite, das Land gibt es nicht. Also ich spiele immer dort gern, wo ich gut spiele, wo ich mich wohlfühle, wo die Akustik gut ist, wo die Stimmung gut ist, wo das Publikum wunderbar ist. Und das ist meistens ja fast eigentlich überall. Was natürlich oft der Nachteil ist, ist die Reise. Die Reisetätigkeit oder die Problemfelder, die man halt hat, wenn man mit zum Beispiel mit der Deutschen Bahn unterwegs ist oder mit anderen öffentlichen Mitteln oder mit einem Fahrzeug, mit einem einen und man steht im Stau. Die Dinge, die kennen wir alle. Das sind wir nicht ausgenommen. Aber die sind part of the game und ja.
SPEAKER_02Wir haben ja eine gemeinsame Bekannte, die Mona Köppen. Die hat damals zu mir gesagt, du musst unbedingt mit dem Gerhard sprechen. Weil der kann ganz viel über Bradeln erzählen. Jetzt ist auch wieder für die deutschsprachigen Zuhörer. Was ist Braddeln?
SPEAKER_00Was ist Brateln? Also der Terminus Brateln kommt von dem Begriff Braten, Schweinebraten. Also das Brateln ist quasi ein Hinweis, dass der Musikant, der im Wirtshaus meistens auswendig spielend, dann mit einem Schweinebraten belohnt wird. Das war die Gage. Also das kommt von, der Musikant spielt für Bier, also für Trinken und Essen. Ja, das Begriff Pradeln in unserem alten Raum. Und wie gesagt, das Pradeln ist das, man hört auch den Begriff bei uns manchmal der Zurbi spülen, Zurbi passen. Einfach Bestehendes hören und mitspielen. Und schauen, dass man irgendwie möglichst einen musikalischen Beitrag leisten kann, ohne dass das zu sehr abdriftet.
SPEAKER_02Also quasi das, was du am Anfang bei den Tanzgeigern gelernt hast.
SPEAKER_00Genau. Also wenn wir beim Stammtisch, beim Musikantenstammtisch beim Josef Notzell in der Seilestätte, wenn wir gespielt haben und es ist dann spät geworden, dann hatten wir nicht irgendwie unsere Stücke gespielt, sondern dann hatten wir doch so das Ziel des Bradens an den Tag gelegt oder in die Nacht hineingelegt, sozusagen. Also jetzt hat er ja angefangen zum Spielen mit etwas. Und nach und nach sind dann die Kollegen oder die, die meinten, sie könnten was in der Hoffnung, der Duba-Spieler spielt die Basslinie. Der war wichtig. Also es ist eigentlich immer ein Versuch, mit dabei zu sein, musikalisch.
SPEAKER_02Es ist quasi die albenländische Form des Gems.
SPEAKER_00Genau. Es ist Jam. Es ist, was ist vorgegeben? Die Melodie. Also man kann nicht etwas spielen, wenn die Melodie nicht vorhanden ist. Also es muss irgendetwas, also muss fit und fix, einigermaßen fix in einem Kopf sein eines Musikers. Und alles andere lässt sich dann mehr oder weniger improvisatorisch mehr oder weniger zu einem Ende führen. Wir sind ja oft nicht zum Ende gekommen. Also das ist auch passiert. Dass in aller Enthusiasmus irgendein schwerer Marsch angefangen wird. Zum Beispiel der Eure Kameraden-Marsch von Karl Deike. Und also den letzten Teil, den haben wir selten geschafft. Also der ist in Gästur. Das ist sich dann oft nicht mehr ausgegangen. Also solche Dinge sind halt auch passiert.
SPEAKER_02Du hast auch in dem Interview, wo du über Stille gesprochen hast, so einen schönen Satz gesagt, und das passt jetzt gerade so ein bisschen daher, die Frage nach Qualität sollte man in der Volksmusik gar nicht so stellen. Oder habe ich das falsch verstanden?
SPEAKER_00Na, das hast du richtig verstanden. Ich denke, ich denke, die Volksmusik, die man spielt, weil man sie gerne spielt, weil man sie aus einer gewissen Traditionsbewussten, also Tradition im positiven Sinne, bewussten Weise immer wieder spielt, ist ja authentisch. Ich gehe mal trotzdem aus, dass das dann authentisch ist. Und dann stellt sich für mich nicht mehr die Frage, ob dann die Derz und ob das jetzt, weil es meistens dann gut stimmt. Also weil es dann stimmig ist. Also wenn eine Volksmusikgruppe aus meiner Region, deren Aufnahme ich in meiner Feldforschungszeit bekommen habe, wenn die eine Polke spielen, 1955, dann ist das natürlich für unsere Ohren, für unseren Zugang, unseren technischen, furchtbar falsch. Es ist einfach irgendwie. Aber die vier als Gesamtes, die haben dann einen Groove gehabt, einen Drive gehabt und es war dann trotzdem insofern dann einfach stimmig. Weil es selbstverständlich war. Sie haben es erstens besser können. Und es war dann trotzdem sehr ehrlich. Mir ist die Ehrlichkeit und auch das Spontane und der Versuch, irgendetwas verschmitzt und mit Risiko zu spielen, lieber, als ich spiele als unglaublich hochgezüchteter akademischer Musiker, Volksmusik ganz klassisch und ganz adrett. Mit Verlaub. Das gibt es ja auch. Also perfekt gespielte unter Anführungszeichen, also in der Time und in der Begleitung und so. Da kommt bei mir dann immer die Frage, was ist denn Perfektionismus? Was ist das? Das geht ja in der 50 sowieso nicht aus. Also Begleitung ist nie perfekt. Die ist entweder so oder so oder so. Da hat ein Vorredner in einem Podcast von dir ganz was Richtiges gesagt, es muss stimmen. In der Band, innerhalb muss es stimmen. Und wenn man sich dann geeinigt hat auf etwas, auf eine Groove, und jeder macht das Gleiche, dann stimmt es.
SPEAKER_02Wie würdest du Groove beschreiben oder erklären?
SPEAKER_00Der Versuch, meistens Tanzmusik so zu gestalten, so in einen Rhythmuskorsett zu geben, dass es einfach und dass es interessant klingt. Also es ist die einfache Wolkebegleitung in verschiedenen Regionen Österreichs unterschiedlich, wirklich unterschiedlich gespielt. Das heißt, die UND, diese berühmte UND, nicht nur beim Wolzer, ist im Osten anderswo als bei uns zu Hause und in die Rolle wieder woanders. Und es ist dann auch die Länge der. Es geht eigentlich da mehr um die Begleitung und es geht dann auch aber auch in der Melodie um den Bogen, den musikalischen Bogen. Und wie wird der Bogen dann beendet? Was macht man mit einem Auftakt? Also ein Sprung, eine Quart zum Beispiel. Das ist ja wie in der alten Musik, in der Barockmusik. Es gibt gewisse Regeln, die in Regionen extremer ausgeführt werden als in anderen Regionen. Die Kürze eines Tones zum Beispiel. Also ich bin ein Verfechter. Wenn kurz, dann wirklich kurz. Also nicht nur ein bisschen kurz. Ich habe nur lang kurz. Also das ist mein Zugang. Also entweder ich mache eine Melodie mit einem Bogen, dann ist das fast ein Legato. Und wenn kein Legato, dann aber kurz. Dann ist die Frage, mache ich dann auch eine Melodie, diese Achteln? In der Time? Oder mache ich es ein bisschen unter Anführungszeichen hupfert? Das ist eine Geschmacksfrage, aber das ist die Welt des Grooves. Also das kann man jetzt nicht verallgemeinern, soll man auch nicht und es ist auch nicht etwas falsch oder richtig. Es ist halt eine Frage der Tradition, der Region, des Geschmacks.
SPEAKER_02Hast du das Gefühl, dass heutzutage zu verkopft musiziert wird?
SPEAKER_00Nein, das habe ich nicht. Ich glaube, dass momentan heutzutage in unserem Raum, in unserem alten süddeutschen Raum, unglaublich viel passiert. So viel wie noch nie. Also in unserer Blasmusik-Welt passiert viel Gutes. Ich glaube, es hat sich seit 30 Jahren eine Bewegung etabliert. Da hat sich sehr viel getan. Weg von den Noten, hin zum Auswendigsspielen, beziehungsweise zum Musizieren in einem kleinen Ensemble. Sowas gab es ja früher nicht. Also es gab in Tirol und im Bayerischen und in Salzburg schon sehr wohl diese klassischen Volksmusikgruppen mit Flügelhorn und Hackbrett und so, also die Weißbocher und die Indoller und so ähnliche. Und in der Steiermark gab es auch so fixe Gruppen. Aber sowas wie Nozzle Brass zum Beispiel, das war er vorher nicht. Und deren gibt es jetzt sehr viele. Und ich muss sagen, das beweist ja das Festival in meiner Nähe, jedes Jahr, Woodstock, der Blasmusik, da hat sich was getan.
unknownJa.
SPEAKER_00So der Szene.
SPEAKER_02Lass uns nochmal ganz kurz zum Bradl an sich zurückkommen. Wenn jetzt, also ich bin in der Zeit groß geworden, da wurde noch ab und zu nach einer Probe ein bisschen auswendig gespielt. Dann gab es noch große Musikfeste, dann gab es immer eine Gruppe, die hat sich irgendwo gefunden und hat auswendig gespielt. Das kenne ich noch. Und dann stellt man sich irgendwie dazu und versucht da halt mitzuspielen. Meistens waren das E-Stücke, die man kennt, also mehr so aus dem Böhmischen Bereich halt. Jetzt gut, ich wohne jetzt mittlerweile in Mainz, da ist die Blasmusik sowieso nochmal anders. Ich kenne das aber auch von vielen Jugendlichen, die sagen, sie kennen das gar nicht mehr. Auswendig spielen irgendwie sich zusammen zwanglos dazu und dass das auch mal nicht perfekt sein muss, sondern perfekt sein darf. Wie fängt man das jetzt an? Also, da ist jetzt jemand, der kann eine Melodie spielen. Wie machen die anderen das? So ein Tipp.
SPEAKER_00Also, dieses Phänomen, das kenne ich auch, auch in meiner Region. Also, das ist jetzt kein Widerspruch zu dem, was wir zuerst gesagt haben, dass es sehr viele Gruppen gibt, die es vorher nicht gab, aber es gibt auch mehr und mehr junge Leute im Blasorchester, die zum Beispiel bei mir in meiner Heimatgemeinde spielen. Das ist ein Riesenblasorchester. Wir haben 60 Personen in einer 1500-Gemeinde doch sehr gut vertreten. Es gibt leider halt dann doch auch durch die Ausbildung, durch die musikschulische Ausbildung zu wenig Fokus auf das Auswendig musizieren. Und da etabliert sich doch eine Angst, wenn man das dann irgendwann mal machen sollte. Die Angst muss man mal den jungen Menschen mal nehmen. Den Schritt weg von den Noten, dann muss er selber setzen, diese Entscheidung muss er selber mal treffen. Ich mache aber zu Workshops, wo ich genau das zum Thema mache. Ich stelle quasi als Titel meines Workshops die Frage, wie funktioniert Musik, dass man eine Melodie in den Kopf bringen muss, das ist einmal ein Fakt. Da gibt es kein Geheimnis. Bei der zweiten Stimme, wenn man eine zweite Stimme sucht, da gibt es dann schon durch das Wiederholen, meiner Meinung nach, so ein Gefühl, das sich dann etabliert. Die Derz oder die Sext. Wenn man dieses Erlebnis einmal gehabt hat, eine zweite Stimme gefunden zu haben, das braucht, dann kommt aber so ein Aha-Effekt und so eine Motivation, dass man, glaube ich, dann durch die Wiederholung und so dann immer mehr Mut bekommt, Melodien mit einer zweiten Stimme zu versehen. Das muss man einfach tun, das muss man üben, das muss man wiederholen, also durch die Wiederholung und durch die Aufgeschlossenheit und durch die Tatsache, dass es auch Fehler sein, also dass Fehler passieren dürfen. Die sind ganz wesentlich, diese Zugänge. Da gelingt es. Also dieser krankhafte Perfektionismus hilft da überhaupt nicht. Das einmal zum einen. Die Begleitung, das ist ein Handwerk. Also wenn man sagt, pass auf, ich bin jetzt Tuber-Spieler und ich möchte eigentlich das einmal lernen, da kann man eigentlich mit gewissen Informationen, mit ein paar Dingen, so das wiederkehrende Muster schon erlernen. Also wenn man weiß, die Polka, es geht auch zwei Viertel, ist in F-Tur, dann weiß man, wie man es machen muss. Das Gefühl, wo man wechseln muss, das ist auch ein Gefühl. Das hört man. Also wenn die Melodie zur fünften Stufe kommt. Das muss man natürlich wachrütteln. Also das gelingt dem einen wahrscheinlich schneller als dem anderen. Ich mache das bei meinen Schülern gerne so, dass ich da ein bisschen optisch ein bisschen mit helfe, indem ich einfach nur den Kopf dicke. Also das ist die erste Stufe und das ist die fünfte, das ist die vierte. Und dann irgendwann mache ich das nicht mehr. Man schaut es auch nicht mehr an und oft brauchen sie es dann auch nicht mehr. Das ist genau diese Hilfestellung zu bekommen.
SPEAKER_02Also ein bisschen Tonsatz ist quasi ganz viel Frage.
SPEAKER_00Also ich gehe schon, also wenn schon einer zu mir kommt, ja, das sind meistens dann auch schon eher keine Kinder mehr, dann muss ich halt leider mit der Ratio ein bisschen kommen. Und dann erkläre ich schon, pass auf, B-Dur hat drei Klänge. Der wichtigste Begleitung ist dann das D, das Klingende. Das merkst du einfach. Das ist für immer und ewig jetzt in deinen Gedanken fokussiert. B-Dur, D. Und wenn es runtergeht auf F, dann wechselst du halt einfach auf S. Was dann so kompliziert klingt, ist dann eigentlich ja vollkommen logisch, wenn man das dann mal praktiziert. Weil es auf der ganzen Welt nicht anders gemacht wird. Keiner würde einen anderen Schritt machen. Das kommt schon aus einer gewissen Erwartungshaltung heraus dann auch. Ich versuche mit beiden zu arbeiten. Mit Gefühl und das Motivieren oder das Ankicken eines Feelings mit einer gewissen intellektuellen Information.
SPEAKER_02Das Zuhören ist ja quasi das Wichtigste an der Sache.
SPEAKER_00Ich glaube, wir müssen wieder mehr den jungen Menschen, also auch in den Schulen, also das freut mich auf, auch in unseren Musikschulen. Die jungen Menschen, die Musikerinnen und Musiker motivieren, dass sie mehr hören, zuhören. Mehr Musik hören. Einfach hören. Das ist, das sagt man so, vielleicht. Und das sind so Floskeln, aber das sind so Gebetsmühlen, heutige Floskeln aus meinem Mund, die werde ich immer wieder sagen, weil es mir einfach auffällt, dass viele ausübende Musiker doch halt dann einfach lieber spüren und nicht mehr zuhören. Und das ist schon eine, das ist zum Beispiel beim Bradl oder beim Auswendigen musik, glaube ich, ganz eine wichtige Haltung und eine wichtige Regel. Ein weniger ist mehr. Es gibt eine Wiederholung. Dann kann man es probieren. Zuerst einmal hören, was höre ich denn eigentlich? Was ist denn das? Das ist das, was mich zum Beispiel massiv stört, wenn einer die Motivation und einfach die Musizierung so ist, einfach darauf losspült und glaubt, ja, man muss sich da jetzt beweisen. Und er hat was zu sagen, weil er nicht zuhört. Gibt es natürlich auch manchmal.
SPEAKER_02Ja, das wäre nämlich auch noch eine Frage gewesen, die nämlich auch kam. Wie geht man mit Ego um in so einer Gruppe, wenn da ein, zwei Leute sich permanent nach vorne drängen müssen und eigentlich ohne Rücksicht auf den Rest ist?
SPEAKER_00Das kann man natürlich mit der musikalischen Kompetenz dann irgendwie regeln. Also wenn es okay ist, ist es okay und wenn nicht okay, dann soll er es lassen. Also das muss man natürlich entscheiden. Was ist gut und was ist nicht gut. Also wenn man durch diese, das ist also ein bisschen eine Zeiterscheinung. Durch Stress und Hast und Oberflächlichkeit etwas schlechter macht, als es wäre, wenn er nicht spürt, dann muss man darauf hinweisen.
SPEAKER_02Your music can never be more or less than you are as a human being. Das hat Quincy Jones mal gesagt. Und wenn es euch auch so geht, dass das sehr mit euch resoniert und ihr euch weiterentwickeln wollt, damit eure Musik auch besser wird, dann empfehle ich euch meinen Newsletter. Der kommt einmal im Monat und beinhaltet Büchertipps, Hörtipps, News aus den Szenen, Videotipps, Gedanken zu Musik sein, so dass ihr euch einfach weiterentwickeln könnt. Den Link findet ihr in den Shownotes. Und jetzt geht es weiter mit der Folge. Ich habe in der Ankündigung gesagt, du hast Test, glaube ich, einen Lehrauftrag für Neue Volksmusik und Crossover. Hast du nicht mehr, glaube ich, gell?
SPEAKER_00Den habe ich nicht mehr. Durch die Studienplanänderung hast du das dann vor einigen Jahren aufgehört. Ich unterrichte übrigens auch nicht mehr oberstreichischen Musikstühle. Das war auch schon einmal vor einigen Jahren. Also meine Unterrichtstätigkeit beschränkt sich auf das Musikum Salzburg.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_02Trotzdem meine Frage, was muss ich mir an einem Studiengang Crossover und vor allem neue Volksmusik vorstellen?
SPEAKER_00Ja, das ist eine gute Frage. Da muss ich ein bisschen ausholen. Das war damals 2002 wurde ich gefragt von dem Abteilungsleiter für Volksmusik, ob ich mir das zutrauen würde, weil der damalige Rektor meinte, das ganze Phänomen neue Volksmusik und Crossover nimmt so große Ausmaße an, dass er der Meinung ist, dass das an Mozarteum in Salzburg ein Thema sein sollte. Weil es einfach kommt. Und naja, dann kam man irgendwie auf die Idee, nachdem Tanzgeiger, also Darudi Beach, in Salzburg auch unterrichtet hat und in Nazi Brass schon ein Thema war, auch in Salzburg, mich zu fragen, ob ich mir das zutrauen würde. Und ich habe da einfach ja gesagt, ohne zu wissen, was ich da eigentlich anfange. Also. Ich habe dann schlussendlich für mich eine Lösung gefunden, die Studentinnen, die an dieser Lehrveranstaltung teilnahmen, quasi zu einem Ensemble zu machen. Und dieses Ensemble ließ sich Musik machen, die sie normalerweise nicht machen. Das war in erster Linie der Volksmusik, Studentinnen und Studenten. Es gibt ja auch einen Studienlehrgang für Volksmusik. Da haben wir geschaut, dass wir von Barock bis Crossover bis Weltmusik bis Schostakovich Dinge versuchen zu verwirklichen, akustisch, die auf Basis der vorhandenen Instrumentarien mehr oder weniger Sinn machen. Das war quasi die Zielsetzung. Um in erster Linie, um halt die Volksmusikanten ein bisschen mehr über den Tellerrand hinausschauen zu lassen, über den musikalischen. Das hat viel Spaß gemacht manchmal, manchmal war es ein bisschen mühsam, aber meistens war es unglaublich für mich spannend, weil jedes Semester war anders. Es waren abhängig von den Leuten auch immer unterschiedliche Möglichkeiten, die man vorfand. Manchmal waren halt drei Kleinetten, eine Tuba, ein Hackbrett und eine Geige. In erster Linie war ich gefordert, da irgendwie dann gleich zu schauen, dass man etwas in die Wege leitet, was zu einem musikalischen Ergebnis kommt. Und dieser Zugang zum Musik machen ist ja, glaube ich, ganz wesentlich auch für Pädagogen. Man hat ab und zu ein Ensemble, das nicht klassisch aufgestellt ist. Und dann muss man halt ausschauen, dass da irgendwas Spielbares entsteht, weil jemand Geburtstag hat oder weil der Bürgermeister sagt, bitte zwei Nachten oder Advent hätten wir gern. Und ich versuche eben, diese jungen Menschen, die halt auch dann in die Musikschulen drangen, ein bisschen den Hinweis zu geben oder ein Werkzeug in die Hand zu geben, was es braucht, damit es berechtigt ist, ein Stück, das noch nie so funktionierte, zusammenzubauen. Was braucht man? Man braucht die Melodie, man braucht eine Funktion, eine Bassfunktion. Man braucht so etwas wie Mittelbau. Und dieses Arrangieren sozusagen. Es ist eigentlich nur ein Bearbeiten von Ideen, die selbst angehalten wurden. Also ich habe zum Beispiel ein ganz tolles Projekt gemacht. Ein ehemaliger Schüler von mir studierte damals dann Mozarteum Pusaune, der hat den Pergulesi. Also ein barockes Stück aufgeführt, eine Sinfonie viersätzig. Und ich hatte drei Studentinnen, Kontrabass, Zitter und Hagbrett. Und mit diesen dreien machten wir dann quasi den Basokin-Continu und diese Begleitung. Die haben ja anhand der Partitur haben wir dann versucht, diesen Bosanisten dann zu begleiten. Das hat funktioniert. Es war Arbeit. Es war für die natürlich eine völlig neue Welt. Ja, das war 2016 oder 2015, also über 13 Jahre.
SPEAKER_02Kann man so Sachen auch irgendwo nachhören, dass man mal so einen Eindruck noch kriegt? Gibt es das auf YouTube oder so? Habt ihr das gefilmt?
SPEAKER_00Es wurde teilweise schon gefilmt, aber das war auch diese Klassenkonzerte waren ja dann auch, naja, wie es dazu ist. Sehr privat, ja. Möglicherweise gibt es sowas, ja.
SPEAKER_02Ich habe einige Zuhörerfragen bekommen, die will ich auf jeden Fall noch machen. Fangen wir mal mit der simplesten Frage an. Suchst du Blickkontakt im Publikum, wenn ihr mit Notzebrass spielt? Oder bist du so in deinem Ding und konzentrierst dich nur auf das?
SPEAKER_00Wenn es mir gut geht, wenn die Show im Kopf ist, dann suche ich Blickkontakt. Dann spiele ich mit dem. Wenn ich mit mir beschäftigt bin, dann ist es mir lieber, ich sehe keine Augen. Dann schaue ich meistens auf das Ausgangslicht ganz hinten im Zentrum.
SPEAKER_02Okay. Schweift man beim Spielen öfter ab oder passiert dir das nicht?
SPEAKER_00Ich bin es ehrlich, ja. Und sage einfach, es passiert ab und zu, dass man abschweift, aber dann, weil man sich sicher ist, dass das System, der Automatismus trotzdem fortgesetzt wird, der musikalische.
SPEAKER_02Und über was denkst du dann darüber nach, warum der vorne nicht lacht?
SPEAKER_00Ja, das kann schon passieren. Dass man abgelenkt wird. Also das ist dann, ja, im Nachhinein ist das dann immer völlig unnötig, aber es passiert dann manchmal, dass man sich die Frage stellt, warum schläft der? Warum hat der die Augen zu? Das haben wir uns in Japan abgewöhnt, weil das da oft der Fall ist, dass die Menschen zwar ins Konzert kommen und jeder Vierte schläft aber. Wenn man weiß, was die für einen wirtschaftlichen Berufsdruck haben, dann erklärt sich das.
SPEAKER_02Das ist total spannend, weil ich habe vor ein paar Tagen ein Interview mit Lars Eidinger gesehen, dem Schauspieler. Und ich bin mir nicht sicher, ob es Japan war oder ob es ein anderes asiatisches Land war. Und er hat, und als er das erste Mal, ich weiß nicht mit welcher Produktion da war, hat er gesagt, waren die teilweise an Handys gesessen. Und er ist dann von der Bühne in seiner Rolle und hat quasi die ganzen Handys eingesammelt, weil er nicht wollte, dass die da hängen. Und dann gab es einen riesen Aufriss, irgendwie so in der Pause, dass es die Dinger erstmal wieder zurückgeben.
SPEAKER_00Ja, ja, das Thema Smartphone ist bei uns auch ein Thema. Also im Osten hat jeder das Handy in der Hand und filmt, ja, oder schaut durchs Handy. Ist völlig absurd, ja, ist verrückt, aber in Europa akzeptieren wir es ja nicht. Also wir bitten, ihn es auszuschalten, weil es kann doch halt das ein oder andere unglückliche Ding passieren auf der Bühne und dann hätten wir es vielleicht gerne nicht auf YouTube. Die Gefahr besteht ja immer.
SPEAKER_02Ja, aber ich finde es ja auch, also ich mag zum Beispiel auch nicht hinter jemandem sitzen, der das scheiß Ding hochhält. Also ich will ja die Show dann. Nicht durch das Handy von einem anderen sehen.
SPEAKER_00Ja, ich weiß nicht, wo das noch hinführt. Vielleicht hört sich das auch mehr auf, vielleicht ist das auch ein Pendel, das halt momentan ziemlich extrem ausschlägt. Keine Ahnung. Wir werden es sehen, auf jeden Fall beeinflusst uns das massiv in unserem Leben. Mich eingeschlossen.
SPEAKER_02Jetzt kommt die Frage, ihr habt ja in 30 Jahren erst zwei Umbesetzungen. Genau. Einmal Trompete, der Roman und einmal bei euch in der Posaungruppe der Soltern. So, und da kam jetzt die Frage, wie war die musikalische Umstellung vom Sebastian Fuchsberger auf Scholtern Kiss? Also generell der Wechsel interessiert anscheinend jemand.
SPEAKER_00Naja, das ist eigentlich eine gute Frage, weil man davon ausgehen könnte, dass so eine Persönlichkeit wie der Sebastian Fuchsberger eine war, schwer nachzubesetzen wird. Wir haben dann festgestellt, als wir uns entschlossen haben, ein Hearing zu machen. Also wir haben das ausgeschrieben und es haben sich einige Bosonisten gemeldet und dann haben halt festgestellt, dass der Sultan einfach der bestvorbereiteste und der beste Bosanist. Ist er noch bevor. Ein Henker von dem Herrn, dass es nicht wesentlich ist, jemanden zu kopieren, oder das ist so unsinnig. Man kann einen großartigen Sänger versuchen zu kopieren. Ich glaube, dass es wesentlich ist, dass man eine Persönlichkeit mitbringt. Und das Wichtigste ist noch die Erkenntnis, man ist auswechselbar. Es ist jeder auswechselbar. Also es wird das Schiff Nossibras, auch wenn ein siebter Teil wegbricht und es kommt ein anderer dazu, vielleicht ein bisschen den Kurs kurzfristig ändern und dann aber trotzdem weiter schiffen.
SPEAKER_02Ja, wenn man genau ist, hattet ihr ja quasi trotzdem einen Wechsel, weil ja der Will immer weg war im Sabbat ja.
SPEAKER_00Genau, der war mal 16 Monate waren weg. Und er kam wieder.
SPEAKER_02Ja, ja, aber in der Zeit hat er auch jemand anders. Und das ging.
SPEAKER_00Genau, und es war zu dieser Zeit anders. Wir spielten die gleiche Show, ja. Es war vom Sound her anders, aber es hat uns musikalisch jetzt nicht irgendwie in eine andere Richtung gedrängt.
SPEAKER_02Aber hat sich musikalisch bei dem Dauerwechsel dann in der Posaune irgendwas geändert, wo er sagt, okay, das können wir jetzt vielleicht nicht mehr so machen, dafür haben wir jetzt ganz andere Möglichkeiten.
SPEAKER_00Naja, das ist ja selbstredend. Also das Soldan ist ein unglaublicher Posaunist. Das heißt, die Qualitäten, die er so ein unglaublicher Posaunist hat, werden ausgenutzt. Also der Leonhard hat gleich einmal ein Posaunenkonzert geschrieben für ihn, also die Schnapsodie, die keiner spielt außer er, soweit ich weiß. Er braucht auch nicht singen. Und würde man wahrscheinlich als Sänger als nicht als großartig beachten, braucht er auch nicht. Also da gibt es andere Qualitäten. Und kurz gesagt, die Band funktioniert deshalb, weil diejenigen, die verantwortlich sind für die Musik, für die Musikfindung, jeden Einzelnen genau kennt und das Beste aus unseren Qualitäten herausholt. Also so ist der Optimum.
SPEAKER_02Ich habe noch eine Frage, die hat mich per Sprachnachricht sogar erreicht und ich weiß nicht, ob die zu persönlich ist, ob die falsch ist. Entscheid du. Okay? Es war nämlich die Frage, der Betreffner hat gesagt, er hat irgendwie wahrgenommen, dass es irgendwann einen Zeitpunkt, der hat es leider zeitlich jetzt nicht eingeordnet, gab, an dem vor allen Dingen du nochmal spielerisch einen Zacken zugelegt hast. Also nicht, dass es vorher schlecht war, sondern nochmal irgendwie spielerisch einen Zacken zu. Und er fragt sich, gab es da irgendwie vorher was, dass es vielleicht mir jetzt dann aufgefallen ist? Täuscht der Eindruck.
SPEAKER_00Wenn dieserjenige hoffentlich nicht meint, dass ich vorher schlecht gespielt habe.
SPEAKER_02Nein, das hat er extra betont.
SPEAKER_00Dann könnte ich mir vorstellen, dass eine passiert ist, was wirklich Tatsache war. Der Lockdown, den wir alle ertragen mussten, den habe offensichtlich ich ganz gut genutzt. Also ich habe die Zeit genutzt und habe viel geübt. Möglicherweise meint er diese Erde, ich habe durch dieses doch intensive Beschäftigen mit der Posaune Dinge entdeckt in der technischer Natur, die ich vorher nicht kannte und ich habe ein paar Sachen optimiert, meiner Meinung nach, das ist jetzt natürlich subjektiv, vielleicht stimmt er. Aber ich fühlte mich dann nachher einfach sicherer.
SPEAKER_02Darf ich fragen, was du für dich entdeckt hast?
SPEAKER_00Ansatztechnisch einfach der Zugang zum weniger aggressiven, krampfhaften Spielen. Der Weg zum Extremen muss mit Lockerheit, mit Entspannung gepflaster sein und kann nicht immer nur brachial sein. Ich war früher ein sehr positiv gesagt zielorientierter Bosanist. Ich habe jeden Preis versucht, das irgendwie zu erreichen und bin dann auch an meiner körperlichen Verfassung dann oft gescheitert. Also an Ansatz einer Craft und so. Und wenn man viel Zeit hat, jetzt habe ich alle Möglichkeiten, die nächsten Wochen, weil der Lockdown geht, bis mache ich mal. Und wie gesagt, ich übe ja gern und die Zeit habe ich gerne gearbeitet und irgendwie habe ich da für mich persönlich meiner Meinung nach eine Lösung gefunden, die mir im Nachhinein dann sehr geholfen hat, ab 21.
SPEAKER_02Da würde ich gerne irgendwann nochmal tiefer rein.
SPEAKER_00Ja, das ist ja, ich würde es ja gar nicht so tief nehmen. Ich glaube, da könnte man sicher noch genaueres erfordern, aber das möchtest du jetzt machen.
SPEAKER_02Nee, nee, alles gut. Mit dem Blick auf die Zeit, weil du ja auch gesagt hast, du musst dann irgendwann weg. Ich hätte gerne noch, aber das können wir irgendwann anders machen, nochmal das ganz große Feld des Pädagogen aufgemacht. Das haben wir nämlich jetzt noch gar nicht. Deswegen würde ich jetzt in die Schnellfragerunde gehen und so quasi langsam das Ende des Gesprächs finden. Und die erste, die ich mir rausgesucht habe, die hätte sich natürlich jetzt darauf bezogen, dass wir auch über deine pädagogische Sicht sprechen. Ich nehme sie trotzdem. Bühne oder Lehrer sein?
SPEAKER_00Beides. Ich bin offensichtlich so ein Vertreter der Spezies, der so ein großes Vermittlergen hat. Also es gibt ja Künstler, denen es ist total wurscht. Ich habe es. Ich unterrichte gerne. Ich unterrichte gerne und versuche meine Erfahrungen, ganz bewusst meine Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben, weil ich der Meinung bin, ja, ich wollte mir mal sein, dann ist es vielleicht ganz gut, wenn es jemand ähnlich sieht, ja, oder anders sieht oder von mir einen Anstoß bekommen hat, seines zu finden.
SPEAKER_02Was würdest du gerne mal machen, hast dich bisher aber nicht getraut.
SPEAKER_00Was würde ich gerne machen? Basejumpen. Ehrlich? Ja, das werde ich auch nicht machen, aber das ist so ein Traum. Also ich träume auch davon, manchmal.
SPEAKER_02Was reizt dich daran?
SPEAKER_00Das Fliegen. Also ich glaube, das ist der Zustand, der dem Vogel am nächsten ist.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Was sagen andere über dich, was nicht stimmt? Was sagen andere von mir, das nicht stimmt? Dass ich als Lehrer sehr, sehr streng sei.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Zum Beispiel. Das ist leider bei uns in der Schule ein bisschen ein Thema geworden, weil es ist eine gewisse gesellschaftliche Wandlung.
SPEAKER_02Kann ich voll nachvollziehen.
SPEAKER_00Die Erwartung an den Lehrer oder die Erwartungshaltung des Lehrers an den Schüler, das ändert sich ein bisschen. Du weißt, wo was er reden.
SPEAKER_02Ja, deswegen sage ich, wir müssen das irgendwann nochmal nochmal extra.
SPEAKER_00Ich habe einiges zu sagen, aber das würde ich gerne ausführlicher machen.
SPEAKER_02Genau, das machen wir nochmal mit dem Thema. Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?
SPEAKER_00Welches Buch? Meine Karriere als Buchleser ist jetzt überschaubar. Was auf jeden Fall für jeden Musiker wesentlich ist, sind die Bücher von Nicolaus Annkohr. Ja, da gibt es mehrere, sollte man gelesen haben, wenn man sich für Musik wirklich interessiert. Also er hat sich ja auch mehrmals wieder erfunden und hat auch eine Entwicklung durchgemacht. Also der hat so viel Ahnung und er weiß, wusste so viel, das ist einfach großartig.
SPEAKER_02Hast du mal unter ihm gespielt?
SPEAKER_00Ja, ich hatte die Ehre, ich durfte eine CD-Aufnahme machen und Mozart messen. In den Plattenläden, wo ich mit vorne mitgespielt habe.
SPEAKER_02Gibt es einen Film, wo du sagst, den muss man mal gesehen haben?
SPEAKER_00Ja, viele. Aber was mich immer wieder beeindruckt, sind Dokumentarfilme von musikalischen Persönlichkeiten. Mir fehlt erst einer ein von vielen, also dieses Making von Wessel Story.
SPEAKER_02Ja, finde ich super.
SPEAKER_00Das ist immer wieder großartig, wie sich die Ordnung der großen Persönlichkeiten, wie sich das irgendwie neu einordnet, wenn Meister Bernstein.
SPEAKER_02Das stimmt. Und auch zu sehen, dass große Persönlichkeiten auch mal Stress haben und überfordert sind. Das ist so für mich eigentlich der spannendste Ausschnitt, irgendwie, da immer zu sehen, was da passiert.
SPEAKER_00Und es ist ja insofern so interessant, weil es alles Menschen sind. So ein Spiegel unserer Situation. Wir sind alles erfolgreich oder auch weniger erfolgreich und wir sind alles keine Maschinen.
SPEAKER_02Vorletzte Frage, das ist die schwerste. Welches Musikstück oder welches Album sollte man sich mal unbedingt angehört haben?
SPEAKER_00So, das ist natürlich jetzt auch aus der Spontanität heraus schwierig, wie du sagst. Glenguld, Goltergualationen, es ist schwer aus diesen ganzen, auf dieser Welt, her.
SPEAKER_02Ich weiß. Deswegen nimm das, was dir als erstes einfällt, wenn das Glenguld ist.
SPEAKER_00Gol der Koalitionen, Glenguld nämlich beides. Also es gibt eine 50er-Jahre Aufnahme und es gibt eine 80er Jahre Aufnahme, also die ist dann viel langsamer. Und was mich unglaublich beeindruckt, sind die uralten Aufnahmen von Arthur Pryor, der 1900, schlag mich tot, 5, 6, 7, 8, 9, 10, dieses Blue Bells of Scotland zum Beispiel, mit diesen kaputten Instrumenten, die man damals hatte. Es gibt auch YouTube-Aufnahmen, der spürt das mit einer dertigen Virtuosität.
SPEAKER_02Wie heißt der nochmal, weil der sagt mir gar nichts?
SPEAKER_00Arthur Pryor.
SPEAKER_02Arthur Pryor, okay.
SPEAKER_00Das war der Posaunen so list von der von der John Phillips Susan-Band, glaube ich.
SPEAKER_01Ah, okay.
SPEAKER_00Da gibt es, es sind zwar sehr geräuschvolle Aufnahmen, also über 100 Jahre alt. Das stimmt alles nicht, aber das ist so theortig, tricky und fertig verrückt schnell. Den hätte ich gerne kennengelernt.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_02Abschließend, was sind deine privaten Wünsche und die Wünsche für die Blasmusik-Szene?
SPEAKER_00Mein Wunsch ist, dass es noch gesundheitlich und intellektuell geistig möglichst weit geht mit mir selber und dass ich noch einiges an musikalischen Beiträgen leisten kann in der Band. Wir sind doch jetzt mittlerweile nicht mehr im Jugendalter. Wir haben ein Riesenglück, dass wir noch so fit sind. Das sollte möglichst so lange bleiben. Und die zweite Frage war: Ich wünsche für die Blasmusik-Szene, dass sie sich bitte wieder ein bisschen mehr auf die Musik besinnt. Und das tut es aber manchmal, habe ich den Eindruck.
SPEAKER_02Gerhard, vielen lieben Dank. Wir haben eine ziemlich eine Punktlandung hingelegt. Danke dir. Das war die Folge mit Gerhard Füßel. Vielen lieben Dank, dass ihr bis hierhin gehört habt. Die Ansicht, dass Energie und Authentizität erstmal wichtiger ist als Perfektion, die habe ich schon lange. Aber der Satz, dass jemand nochmal risikoreich spielen soll und sich vielleicht auch mal verschmitzt drübersetzen soll, der hat nochmal einige Dinge bei mir bewegt. Wo ist die Grenze zwischen Verschmitzspielen, sich aufspielen, wann kommt Ego ins Spiel? Das sind so Dinge, die muss ich vielleicht erstmal für mich nochmal ausloten, vielleicht auch im nächsten Gespräch mit Gerhard. Natürlich betrifft das ganz oft auch erstmal frei musizierte Musik. Dass wenn Noten da sind und klare Musikformen da sind in einem Blasorchester, dass ich da nicht verschmitzt irgendwas ausweiten kann. Das sollte, glaube ich, jedem klar sein. Mich würde trotzdem interessieren, wie fandet ihr die Folge denn? Was habt ihr da rausgezogen? Welcher Satz ist vielleicht hängen geblieben und resoniert mit euch? Lasst es mich gerne wissen, weil ihr hört die Folge nochmal ganz anders als ich. Und es hilft mir nochmal einen ganz anderen Blick auf meine Arbeit zu bekommen. Wenn ihr noch mehr lesen wollt von mir, dann abonniert doch auch meinen Newsletter. Der kommt einmal im Monat und beinhaltet alle Dinge, die mir in diesem Monat über den Weg gelaufen sind: von Filmtipps, Übeltipps, Buchtipps, neue CDs, Artikel und alles andere aus der Welt der Blasmusik. Frei nach dem Motto von Quincy Jones: Die Musik eines jeden ist nur so gut wie seine Sichtweise auf die Welt. Ich bedanke mich für den Schnitt bei Leander Machern bei der Musik für Dick Mattes und ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Macht's gut, euer Andi.