On Air - Der Blasmusik Podcast
Podcast rund um das Thema Blasmusik. Andy Schreck, selbst u.a. Dirigent und Lehrer für Musik an einem Gymnasium trifft sich mit Musikern, Dirigenten, Komponisten und Visionären um über Musik und das Leben zu sprechen und andere für neue Ideen zu begeistern.
On Air - Der Blasmusik Podcast
Was ist eigentlich Kultur?
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Schreib mir gern dein Feedback!
Leni Bohrmann hat ihr Schauspielstudium an der Theaterakademie Mannheim abgeschlossen. Sie tritt aber nicht nur als Schauspielerin auf, sondern auch als Autorin von Theaterstücken für Kinder und Erwachsene. Außerdem ist sie Mitglied des Theater- und Kulturfördervereins Hambach e.V. und führt seit Anfang 2019 mit Backstage, ihren eigenen Podcast, in dem sie Künsterlinnen und Künstler aus verschiedenen Sparten vorstellt und einen Blick hinter die Kulissen wirft. Nachdem ich letzter Jahr bei ihr zu Gast war, freue ich mich, dass sie heute zu mir gekommen ist.
Christian Weng hat zunächst Lehramt Deutsch und Sozialkunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. Seit 2013 ist er Schulleiter des Musikzentrums Mindeltal und war mit 23 Jahren einer der jüngsten Schulleiter einer Musikausbildungseinrichtung Deutschlands. 2017 legte er noch seinen Master im Hauptfach Blasorchesterleitung bei Prof. hermann Pallhuber an den Hochschulen Stuttgart und Mannheim ab. Seit 2018 ist er Bezirksdirigent und künstlerirscher Leiter des Kreisjugendorchesters im Bezirk Günzburg und seit Mai 2020 Kulturreferent des Marktes Jetting-Scheppach.
Sebastian Schröder ist studierter Kommunikationswirt und Sänger. Seit über 25 Jahren steht er auf der Bühne und hat mit seiner A capella Gruppe Maybebop einige Erfolge gefeiert und gehört damit zu den Top Acts der Kulturszene. Er ist seit 1999 Geschaftführer der CBS Kulturbeutel GmbH und hat seinen Schwerpunkt nun gesundheitsbedingt noch mehr auf das Kultur-Booking, Marketing und Coaching im Kulturbereich verlagert.
Wir diskutieren u.a. was ist eigentlich Kultur? Was kann Kultur? Wieso ist sie wichtig? Wie können wir noch mehr Kultur an die Menschen bringen? uvm.
Instagram:
@lenibohrmann
@backstage_podcast
@chris.weng.conductor
@maybebopifficial
@andyschreck_
Supporter:
www.buffetcrampongroup.com
Die Insidermesse "Volles Rohr Blasmusik":
www.vollesrohr-blasmusik.de <-- jetzt Tickets sichern
https://vollmer-instrumentenservice.de
Erwähntes Video:
https://www.grundschule-js.de/unsere-schule/auszeichnungen/kooperationsprojekt-schulsong/
Werde mein Patron und bekomme noch mehr Folgen:
www.patreon.com/andyschreck
Hier gibt es noch meinen Newsletter "Air Mail":
https://bit.ly/3EnZCUp
Musik: Dirk Mattes
Ja, das ist sehr kontraintuitiv. Vor allem, wenn man nicht vergessen darf, musikalische Angebote, theaterpädagogische Angebote sind ja oft niederschwellige Angebote. Das heißt, gerade die Kinder, die sich vielleicht sonst in Mathe, in Deutsch, in anderen Hauptfächern sehr schwer tun, blühen dann richtig auf, wenn sie mal die Chance haben, sie können sich selber ausdrücken. Was das für die Selbstwirksamkeit und den Selbstwert von diesen Kindern macht, das ist gar nicht hoch genug anzusetzen, weil auf einmal kommen die wieder gern in die Schule, die freuen sich.
SPEAKER_04Oder bei Stücken, wo es um Mut geht, an sich zu glauben oder irgendwie sowas, dass die auch lernen, mit solchen Gefühlen umzugehen. Das kann man natürlich super durch Musik und Theater und so weiter fördern, dass die diese Gefühle überhaupt erstmal kennenlernen, dass es sowas gibt. Also es ist ganz wichtig und ganz entscheidend auch gerade das Thema Kommunikation, Miteinandersein, Klassenkameraden, Respekt und so weiter, was da spielen so viele Attribute eine Rolle. Ist immens wichtig.
SPEAKER_01Herzlich willkommen bei OnAir, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Hallo, wunderschönen guten Morgen, wunderschönen guten Tag oder vielleicht auch wunderschönen guten Abend schön, dass du wieder dabei bist bei einer neuen Folge von On Air. Und bevor ich jetzt zu meinem Gast komme und zu meinem Supporter für diese Folge, möchte ich nochmal ganz kurz Werbung in eigener Sache machen. Ich freue mich natürlich riesig, dass du auch in der dritten Staffel dabei bist und dass du so ein treuer Hörer bist. Wenn du noch mehr Infos haben möchtest über den Podcast, über Blasmusik, über Musik allgemeinen Tipps, Aufnahmen, dann kann ich dir nur meinen Newsletter wärmstens empfehlen. Der E-Mail, der kommt ein bis zweimal im Monat und den Link findet ihr in den Shownotes. Mein heutiger Supporter ist wie immer Buffet Gramport. Buffet Gramport ist Europas größter Hersteller, was Blasinstrumenten betrifft. Die einzelnen Marken von Buffet Gramport stehen für langjährige Tradition und Erfahrung im Instrumentenbau und sind seit jeher führend in der Weiterentwicklung von Blasinstrumenten aller Art. Beispielsweise haben sie erst vor kurzem ein neues Ventil für Posaun entwickelt, das Icon Valve. Auch wegen dieser Verbindung von Tradition und Innovationen im Instrumentenbau hat die Ausbildung bei Buffet Gramport an den beiden Standorten in Markneukirchen und Geretz Ried einen hervorragenden Ruf. Wenn du auch Instrumentenbauer oder Instrumentenbauerin werden willst und daran interessiert bist, dann melde dich doch einfach mal bei Buffet Gramport. Schick deine Bewerbung dahin, denn dort werden seit Jahren viele Holz- und Blechblasinstrumentenmacher erfolgreich ausgebildet. Viele weitere Informationen und aktuelle Stellenangebote findest du auf der Webseite www.buffetcramporgroup.com oder direkt in den Shownotes. Die heutige Folge ist mal was ganz anderes. Wir haben in der Corona-Phase immer wieder gehabt, ja, die Kultur, wir brauchen die Kultur und trotzdem kam die Kultur zu kurz. Es ist auch von einem Kulturlockdown die Rede gewesen. Und dann habe ich mir mal gedacht, was ist eigentlich Kultur? Also habe ich mir drei Gäste geholt aus den verschiedensten Sparten der Kultur, natürlich auch aus der Blasmusik. Wir haben eine Schauspielerin, wir haben ja einen Sänger bzw. einen Manager. Und wir haben einfach mal darüber diskutiert, was ist eigentlich Kultur? Was kann Kultur? Was ist die Aufgabe von Kultur? Wir haben unter anderem auch darüber gesprochen, ob es auch ohne Kultur geht und wieso Kultur eigentlich so wichtig ist. Wir haben ein bisschen die Entwicklung der Geschichte angeschaut, das ist sehr philosophisch und ein bisschen politisch und wir haben natürlich auch mal geschaut, wie ist die aktuelle Situation. Viele Dinge kann man tatsächlich auch auf Vereine übertragen, auch wenn die in dem Gespräch so explizit gar nicht benannt sind. Also wir gehen natürlich auch auf Vereine ein, aber es wird so im Großen und Ganzen viel diskutiert. Und dennoch kann man viele Dinge darauf beziehen, auch auf die Blasmusik. Man könnte sich mal die Frage stellen, sinfonisch oder traditionelle Musik, was davon ist? Kultur, brauchen wir beides oder doch nicht? Also ihr seht, es ist eine sehr, sehr volle Folge. Wir haben viele Dinge mal angesprochen, versucht zu beleuchten, aber ihr werdet merken, es ist gar nicht so leicht, da irgendwie was Handfestes zu kriegen. Und mir hat die Folge ganz, ganz viel Input gegeben für mein eigenes Tun. Ich hoffe, das schafft die Folge auch bei euch. Die Folge ist am 7. April aufgenommen worden, nur dass ihr auch so ein bisschen zuordnen könnt, wenn wir über Corona sprechen, vielleicht auch über den Krieg, dass ihr wisst, an welcher Stelle das war. Ich will gar nicht mehr viel mehr erzählen. Ich wünsche euch viel Spaß und viel Vergnügen bei der heutigen Folge. Meine erste Gästin hat ihr Schauspielstudium an der Theaterakademie in Mannheim abgeschlossen. Sie tritt aber nicht nur als Schauspielerin auf, sondern auch als Autorin von Theaterstücken für Kinder und Erwachsene. Außerdem ist sie Mitglied des Theater- und Kulturfördervereins Hambach. eV und führt seit Anfang 2019 mit Backstage ihren eigenen Podcast, in dem sie Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Sparten vorstellt und einen Blick hinter die Kulissen wirft. Nachdem ich letztes Jahr bei ihr zu Gast war, freue ich mich, dass ihr heute zu mir gekommen ist und sage herzlich willkommen, Leni Bormann.
SPEAKER_00Hi, schön, dass ich da sein darf.
SPEAKER_01Mein zweiter Gast hat zunächst Lehramt Deutsch und Sozialkunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. Seit 2013 ist er Schulleiter des Musikzentrums Minteltal und war mit 23 Jahren einer der jüngsten Schulleiter eines Musikausbildungseinrichtungen Deutschlands. 2017 legt er noch seinen Master im Hauptfach Blasorchesterleitung bei Professor Hermann Pallhuber an den Hochschulen Stuttgart und Mannheim ab. Seit 2018 ist er Bezirksdirigent und künstlerischer Leiter des Kreis Jugendorchesters im Bezirk Günzburg und seit Mai 2020 Kulturreferent des Marktes Jetting Scheppach. Ich sage herzlich willkommen, Christian Weng.
SPEAKER_03Hallo, schön, dass ich heute da sein darf.
SPEAKER_01Und mein dritter Gast ist studierter Kommunikationswirt und Sänger. Seit über 25 Jahren steht er auf der Bühne und hat mit seiner A cappella-Gruppe Maybob einige Erfolge gefeiert und gehört damit zu den Top-Ex der Kulturszene. Er ist seit 1999 Geschäftsführer der CBS Kulturbeutel GmbH und hat seinen Schwerpunkt nun gesundheitsbedingt noch mehr auf das Kulturbooking, Marketing und Coaching im Kulturbereich verlagert. Ich freue mich sehr, dass ihr zugesagt habt und darf ihn herzlich willkommen heißen, Sebastian Schröder.
SPEAKER_04Schönen guten Abend. Hallo.
SPEAKER_01Ja, schön, dass ihr drei hier seid, dass das so funktioniert hat. Bevor wir jetzt so tief in das Thema gehen, meine Standardfrage. Welches Musikstück habt ihr euch das als letztes bewusst mal angehört, bevor wir jetzt hier in dem Gespräch sind?
SPEAKER_04Soll ich anfangen einfach? Gerne, ja. Ich habe mich total verliebt in die aktuelle Platte von Sting, Bridge. Heißt die? Und da gibt es einen Song, der heißt Harmony Road. Ich glaube, der ist ein Fünfer oder so, aber der hat es mir echt angetan. Also den habe ich schon hundertmal gehört. Ja, der Typ, der haut immer wieder Perlen raus, ich kann das immer gar nicht glauben. Und dies ist so eine, also Harmony Road für Sting. Und war vorhin auf dem Fahrrad auch unterwegs, habe das unter anderem gehört und war dann ganz besiegt immer wieder.
SPEAKER_01Ja, sehr cool. Tolle Platte. Sting, auch einer meiner Lieblingskünstler, wenn alles gut läuft, in zwei Monaten live. Und die anderen?
SPEAKER_00Ich habe mich in die neue Platte von Strohmay, ich hoffe, ich spreche es richtig aus, verliebt. Ein belgischer Künstler, der jetzt sieben Jahre erstmal versunken war und jetzt wiedergekommen ist mit seinem neuen Album. Und das finde ich eine ganz, ganz großartige Musik. Ich kann jetzt gerade kein einzelnes Stück rauspicken, aber ich höre dieses Album. Das heißt, Multitude im Moment ziemlich rauf und runter. Sehr große Empfehlung.
SPEAKER_01Okay, cool.
SPEAKER_03Ja, ich habe die letzten Tage die Buena Vista Social Club Aufnahmen wiederentdeckt. Die begeistern mich so alle zwei, drei Jahre muss ich mich da rauf und runter hören. Ich möchte mich da auch auf keinen Titel festlegen, aber ich glaube, das passt ja auch zum heutigen Thema ganz gut, wie Kultur und wie Kulturverständnis da auch über die Musik fabriziert und vor allem weitergetragen werden kann. Und da bin ich gerade sehr begeistert dabei.
SPEAKER_01Sehr cool. Sehr bunte Mischung und du hast schon so schön in das Thema eingeführt, es soll nämlich heute um Kultur gehen. Kulturbegriff, was ist überhaupt Kultur? Wie sieht Kultur bei uns aus und so weiter. Dann gleich meine erste Frage: Was ist eigentlich für euch Kultur?
SPEAKER_04Also, das ist ja wirklich, also aus meiner Perspektive ja fast alles. Also Kultur beginnt für mich eigentlich da, wo Menschen zusammen was erleben. Also selbst ob es Grillen ist, ein bisschen zu Opa oder also das ist, ja, ich habe jetzt gar nicht, ich hätte ja mal gucken können bei Wikipedia oder Definition, aber das ist für mich eigentlich Zusammenkunft von sozialen Dingen. So würde ich es erstmal für mich jetzt nennen.
SPEAKER_00Ja, und Kommunikation würde ich da noch hinzufügen. Also Menschen, die zusammenkommen, in irgendeiner Weise in eine Kommunikation oder in eine Verbindung miteinander treten.
SPEAKER_03Ja, es ist ja ein total offenes Thema und zugleich so geschlossen. Es gibt ja immer wieder, ich habe auch mal ein bisschen recherchiert, ich glaube, die größte Sammlung an Kulturdefinitionen ist irgendein amerikanisches Werk mit 150 verschiedenen. Und die werden natürlich da auch weder fertig noch haben sie ein abschließendes Statement. Irgendwo geht das Ganze ja zurück, was Wikipedia mir verraten hat von Cicero, der seinen Acker bestellt hat und quasi den menschlichen Geist als zu bestellendes angeht. Und heute haben wir ja ganz, ganz verschiedene Kulturformen hin bis zum Kulturbeutel. Und es ist ja Wahnsinn, was da alles darunter fällt. Und je pluralistischer die Gesellschaft wird, desto mehr ist natürlich auch Kultur oder gibt es natürlich auch Prozesse, die da verhandelt werden. Also ich glaube, haben wir ein spannendes Thema vor uns.
SPEAKER_01Auf jeden Fall. Warum glaubt ihr, ist Kultur wichtig für uns als Gesellschaft?
SPEAKER_00Das ist echt eine Riesenfrage, über die ich jetzt auch schon ein bisschen nachgedacht habe, als du die schon mal im Vorfeld rumgeschickt hattest, die Frage, und ich glaube, Kultur ist was, das ist einfach was Urmenschliches. Also wir saßen schon ums Lagerfeuer rum und haben uns Geschichten erzählt und haben Musik gemacht. Musik ist was Uraltes. Ich glaube, das ist einfach, ja, was uns Menschen erstmal als Menschen und als Gesellschaft ausmacht, was einfach immer da war und immer da ist.
SPEAKER_04Ja, irgendwie so genau, auch so in so eine Mitteilung. Also dass sozusagen, wenn ich überlege jetzt mal nochmal weiter zurück, als über die Musik entstanden ist, sozusagen Höhlen Menschen, die Bilder gemalt haben und die miteinander sich kommuniziert haben, also dass der, ja, ich weiß nicht, also ob Tiere jetzt eine Kultur haben, ich muss mal überlegen, würde ich mal eher sagen, nicht. Wobei die auch eine Tradition haben auf eine Art, aber Menschen haben halt eine Kultur, in dem sie sozusagen sich was mitteilen und miteinander, ja, was du sagtest, kommunizieren. Also du sozusagen, das setzt so eine bestimmte Intelligenz auch voraus, vielleicht. Das ist vielleicht ein Gedanke, den ich mal reinwerfen möchte.
SPEAKER_03Genau. Und auch so dieses bisschen Spiegelvorhalten. Das ist ja immer Kultur auch etwas Provokantes zum Teil und erlaubt ja auch, sich in Sphären zu bewegen, die in der normalen Gesellschaft vielleicht gar nicht möglich sind. Das heißt, man kann da Prozesse aushandeln oder Gedanken spinnen, sei das jetzt szenisch auf einer Bühne oder auch musikalisch, die natürlich nicht immer direkt Zustimmung hervorbringen muss. Sei das jetzt Stockhausen oder sei das freie szenische Spiel, da können natürlich Dinge verhandelt werden, die jetzt so in der normalen Gesellschaft vielleicht tabust sind oder dadurch dann erst aufgebrochen oder angegriffen werden.
SPEAKER_00Ja, durch diese Draufsicht, es entsteht ja irgendwie sowas so was Drittes, wo man dann mal von außen drauf schauen kann. Und ich glaube, das sorgt dann eben auch dafür, dass Dinge erstmal überhaupt klar werden und wie du sagst, Dinge erstmal aufgezeigt werden können.
SPEAKER_04Also eine Reflexion. Also in der Streitkultur entsteht ja auch viel Neues und viele Ergebnisse. Also es ist halt eigentlich auch, wenn es dann in dem Moment vielleicht anstrengend ist, ist es irgendwie dann eine Sache, die einen weiterbringt. Oder so, also eine Entwicklung trotz allem. Sehr unfassbar.
SPEAKER_00Ich würde, glaube ich, nicht nur sagen, Intelligenz, sondern auch Imagination. Ich glaube, das ist auch was sehr Wichtiges, oder? Also, dass das, ich glaube, das ist auch das, was quasi uns von den Tieren dann unterscheidet, die imaginieren nicht.
SPEAKER_03Genau. Und auch vielleicht die Empathiefähigkeit damit ja auch zusammenhängt, zu sagen. Ich kann mich in verschiedene Rollen vielleicht auch hineinversetzen. Ich kann mich in verschiedene Situationen von anderen begeben, die vielleicht etwas durchleben, was ich selbst noch nicht erlebt habe, was mir aber durch eine kulturelle Vermittlung zuteil werden kann. Was ich vielleicht so selbst gar nicht sonst geschafft hätte.
SPEAKER_01Christa, du hast schon eine Frage quasi so ein bisschen aufgeworfen, die auch von Zuschauern, weil ich habe ja so ein bisschen rumgefragt in den letzten Tagen nochmal, auch kam, nämlich, Kultur sollte unserer Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Ist das so?
SPEAKER_03Also ob sie es sollte, würde ich nicht sagen. Sie darf es auf jeden Fall, sie kann es auf jeden Fall. Denn wenn ich jetzt mal Mittelalter ein bisschen zurückdenke, vielleicht, wer den Hofnarren kennt, das war einer der wenigen, der auch einem König notfalls sagen durfte, hey, hier stimmt irgendwas nicht. Oder schau mal, diese Optionen gibt es auch noch und der war einer der wenigen, der vielleicht seinen Kopf dafür auch behalten durfte. Also ich denke, die Kultur, die kann auf jeden Fall den Spiegel vorhalten. Ob sie es muss, ob sie einen Zwang darauf hat, das würde ich bestreiten. Weil ich glaube, es gibt nichts zu Freies und so Offenes wie die Kultur. Und das ist auch was, wenn man ins aktuelle politische Geschehen denkt, das muss man sich als Kulturträger, als Kulturverantwortlicher aber auch offen halten. Also man darf da sich nicht instrumentalisieren lassen, in irgendwelche Zwänge oder Münzensprozesse reinzugehen, sondern ich glaube, die Kultur, die darf, die kann. Und wenn sich jemand das mittels eines Kulturprozesses vorstellen kann, da was zu tun, einen Spiegel auszupacken und die spiegelnden Lichtstrahlen um sich zu werfen, dann herzlich gerne. Aber ich glaube, dass es da keinen Muss gibt.
SPEAKER_04Kultur hat ja auch sehr viele Schichten. Also ich sag mal, jetzt ohne jetzt irgendwie Namen zu nennen, aber es gibt da Comedians, die sind sehr an der Oberfläche, aber trotzdem brauchen es viele Menschen, weil sie einfach auch lachen wollen und muss man ja auch mal abschalten und Spaß haben, weil das vielleicht ein bisschen eindimensional künstlerisch ist, aber erfüllt total seinen Zweck. Und da gibt es eben irgendwelche sehr abgehobenen, tiefsinnigen Gemälde oder auch Kunstformen, wo vielleicht viele wissen, was gemeint ist, aber es braucht es irgendwie auch. Also es ist wirklich extrem komplex. Ich finde auch Kultur ist für alle und hat so viele Facetten. Es ist fast gar nicht greifbar, bis auf diese, was wir so gesagt haben. So ein paar Geschichten wie die Imagination oder wie man die sozusagen vereinen, aber es ist ansonsten echt unfassbar komplex. Wahnsinn.
SPEAKER_01Andere Frage, geht es auch ohne Kultur?
SPEAKER_00Ja, nee. Ja, die Frage, die wird ja im Moment sehr viel gestellt oder wird seit zwei Jahren sehr, sehr viel gestellt. Und ich, also mal so rum, ich finde halt es interessant, dass sich die Kultur im Moment dahingehend verlagert, dass alles jederzeit abrufbar ist. Also sowas wie Streaming-Dienste, Filme, Serien, auch Musik. Und dass es immer so konserviert werden muss. Also dass man auch, wenn man, wenn man dann mal auf ein Konzert geht, Live-Konzert, dann haben ja doch irgendwie alle wieder Smartphone in der Hand und machen Filme und Videos und Fotos, um das irgendwie zu konservieren, um das irgendwie so aufzuheben für später oder so, anstatt in diesem Moment zu leben. Und ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig, dass wir als Menschen da auch wieder das Vertrauen darin haben, mit anderen Menschen in einen Raum zu kommen und dieses Live-Erleben zu haben. Ich bin jetzt ein bisschen gerade abgedriftet, aber ich glaube, das ist, glaube ich, das, was eben auch die Kultur ausmacht und was so wichtig ist und worauf wir eigentlich nicht verzichten können. Ich glaube nicht, dass wir bis in alle Ewigkeiten mit Netflix zufrieden sein können. Da fehlt dann was.
SPEAKER_04Also ich sag mal, um ein bisschen das provokant mal reinzubringen, natürlich geht theoretisch Menschsein ohne Kultur. Also jetzt mal rein theoretisch, wie gesagt. Wenn Leute ums Überleben kämpfen müssen, dann denken sie nicht an Kultur. Aber gleichzeitig, glaube ich, geht es nicht ohne Kultur, weil wir Menschen es einfach brauchen, um uns auszudrücken. Also haben wir jetzt ein ganz krasses Beispiel, selbst im Konstellationslager, wo viele Menschen gestorben sind, gab es Musik. Also haben die Leute ihre Geigen rausgeholt und mussten irgendwie um ein gemeinsames Lied sehen, was auch immer, weil das nicht auszuhalten war. Das heißt, selbst in so einem Angesicht des Todes oder wie auch immer, ich will das jetzt nicht so krass formulieren, aber kommt es bei Menschen hoch, das schwingt, dass ich mich irgendwie ausdrücken muss, dass ich mich irgendwie mein Leid, was auch immer, kommunizieren muss, um es irgendwie auch zu schaffen, zu überleben oder die Hoffnung zu haben, auch zu überleben. Und deswegen ist es, glaube ich, nur in der Theorie möglich. Aber es ist auch wieder eine Sorge als Kulturschaffende, ob die Leute wieder kommen, weil damit verdiene ich ja mein Geld oder wir als Band. Aber ich glaube tatsächlich, was du sagst, ich bin auch, ich liebe auch Streaming und gucke gerne Netflix und habe irgendwie, glaube ich, drei verschiedene Abos oder vier. Aber es ist irgendwann auch mal dann gut. Konserve.
SPEAKER_03Aber ich glaube, um nochmal auf die Frage zurückzukommen, ohne Kultur, ich glaube, je nach gut, natürlich nach Kulturdefinition, ich glaube, der Mensch ist gar nicht möglich, ohne Kultur zu leben, denn wir leben ja immer in einer Kultur. Also es gibt ja, wenn man die Kultur definieren will, es gibt ja vielleicht die bayerische Kultur, die deutsche Kultur. Das hat natürlich auch schon mal zu großen Problemen geführt, wenn wir so an die 1900er, die Jahrhundertwende denken, was mit diesen Kultur- und Abgrenzungsprozessen da auch passiert ist. Also das darf man da nicht außen vor lassen. Aber ich glaube, der Mensch als Wesen, als fühlendes Wesen, befindet sich immer in irgendeinem Kulturraum. Das wäre vielleicht ein Gedankenexperiment, zu sagen, okay, in der Theorie kann man sich vielleicht da irgendwie so einen Planeten schaffen, aber umso wichtiger und schöner sind eben die Aspekte dieses Gemeinschaftlichen, eben des gemeinsamen Ausdrucks. Ich denke, jeder hat da vielleicht auch die Bilder vom Titanic-Film in Erinnerung, ob das jetzt tatsächlich so passiert ist oder nicht. Ich glaube, die spielen am Schluss näher, mein Gott, zu dir, während die Titanic vor sich hinsinkt. Das ist ja genau dieser Ausdruck oder dieser Prozess des Menschlichseins, des Miteinander verbundenseins, mit einer Weltsprache in dem Fall, mit Musik, die eigentlich für jeden zugänglich ist und eben über alle Grenzen, über alle Kontinente hinweg auch verstanden wird.
SPEAKER_04Ja, also Andi so ein bisschen zu verstatten von einer Fragestellung, dass er so ein bisschen die Live-Kultur meint. Also so, dass wir Menschen Kultur sind, ist ja unfraglich. Das war so ein bisschen über dieses interpretiert. Das ist ja sozusagen wie die provokante Fragestellung, ob man auch, wenn man einfach jetzt morgen sagen würde, ab morgen schließt alle Theater, was jetzt sozusagen mein Business wäre, würde der Mensch dann aufhören, Mensch zu sein. So eine Frage. Ja mal irgendwie. Kann man natürlich nur in der Theorie beantworten, aber ich würde es nicht ausprobieren wollen.
SPEAKER_00Genau, genau. Also ich finde auch den Gedanken gruselig, mir kommen da dann Bilder in den Kopf von Büchern, die brennen. Also es ist ein ganz starkes Bild, finde ich, wenn Kultur nicht sein darf oder nicht funktioniert oder irgendwie nicht ist. Das ist, da fehlt was ganz Entscheidendes.
SPEAKER_04Das ist eine Sache, die ich oft mit Kunden, also mit Theater, mit Intendanten habe oder so mit die halt alle auch gar nicht wissen. Die Abonnenten sind ja oft ein bisschen älter dann so auch, ob die dann wiederkommen oder ob ich sich jetzt gewählt habe in zwei Jahren. Ich weiß nicht, ob das jetzt schon zu früh ist in der Fragestellung. Aber das ist natürlich eine Sache, die sehr, die viele umtreibt. Also sowohl diejenigen, die da auf der Bühne stehen, als auch die, die es ermöglicht machen.
SPEAKER_01Wir machen eine kleine Werbepause, denn ich will euch noch mehr Kultur vorstellen. Denn am 3. bis zum 4.9. findet zum ersten Mal eine zweiteilige Leitmesse für alle Blasmusikbegeisterten statt. Nämlich volles Roher Blasmusik im Dorf Münsterland. Die Messe verbindet Hersteller, Branchenexperten, Fachbesucher sowie Musikinstrumente. Ihr habt dort die Möglichkeit, eine Vielzahl an Holz- und Blechblasinstrumenten zu entdecken, auszuprobieren und zu vergleichen. Es wird Experten Vorträge geben, die zum Diskutieren einladen. Es wird Masterclasses geben, die zum Austausch dienen. Sichert euch jetzt schon die Technologie, für den 3. und 4. September bei Vollesrohr Blasmusik im Dorf Münsterlands. Die Tickets könnt ihr online auf www.vollesrohr-blasmusik.de erwerben. Den Link wird es auch in den Shownotes geben. Die Messe wird durchgeführt von Vollmehrinstrumenten-Service, dem führenden Unternehmen im deutschsprachigen Raum für den Verleih und Verkauf von Musikinstrumenten. Ich wünsche euch jetzt wieder viel Spaß mit der Folge. Weil Leni das so ein bisschen aufgebracht hat, nochmal so auf dieses Streaming und vor allen Dingen auf dieses konserviert gehen und einfach mal die Frage in die Runde stellen, wer von euch noch nie bei einem Konzert oder so mitgefilmt hat, sondern immer im Moment war.
SPEAKER_03Du meinst jetzt also nicht, dass bei uns zum Beispiel jetzt ein Orchester mitgefilmt wurde, sondern so, dass wirklich jeder selber auf dem Konzert geht.
SPEAKER_01Genau, du stehst da und findest das gerade total super und denkst, Handy schnell mal raus und mitfilm.
SPEAKER_00Also es ist bei mir mal so, mal so. Ich war schon auf Konzerten, wo ich es nicht gemacht habe und ich war schon auf welchen, wo ich es gemacht habe. Ich kann jetzt aber gerade auch nicht sagen, warum in dem Moment.
SPEAKER_01Das wäre nämlich die nächste Frage noch von mir gewesen. Warum macht man das? Weil, also ich habe mich da auch schon ertappt und stelle aber dann immer wieder fest, ich gucke es mir nie an. Nie. Es versauert einfach auf dem Handy, statt einfach das mal wirklich wahrzunehmen, aber auch dann die Menschen um mich wahrzunehmen, also die ganze Energie, die im Raum ist. Und man ist dann so für sich und will das irgendwie festhalten und passiert dann doch nichts.
SPEAKER_00Das passt halt aber nicht, ja.
SPEAKER_04Ja, das ist ja ganz kleine Generationen, Sache. Ich bin mal bei Petatronics auf dem Konzert, das sind ja diese Accappella-Stars aus den Staaten, die ab und zu, da siehst du, da sind ja, da bin ich ja schon, ich bin ja eh schon 47, aber dann bin ich richtig Opa, weil die meisten sind so zwischen 15 und vielleicht 25, 30, die haben alle das Handy die ganze Zeit oben. Ja, wenn du in den Schauspiel ausgehst oder was, dann machst du keiner. Also ich meine, da hast du natürlich auch noch ein plus 50 sitzen und so und ich kann mich erinnern, ich mache das fast nie, weil ich es auch tatsächlich extrem lame finde, sich dahin zu stellen, um das Handy mitzufilmen. Also ich erinnere mich jetzt gerade an Peter Fox, da war ich vor zehn Jahren mal oder sowas, da hast du da getanzt und Spaß gab, da ging es nicht ganz film. Ich weiß nicht. Liegt mir ganz, ganz, ganz fern. Und ich glaube, das ist tatsächlich diese Generation nach mir, die es einfach mit einer bestimmten Selbstverständlichkeit machen. Ich glaube, das ist auch fast, das ist so ein bisschen verschwimmt, weil also alle unter, weiß ich nicht, also meine Tochter ist ja 18, für die gehört das so, um mit dem Handy alles immer dabei zu haben, immer dazu und eine Story zu machen bei WhatsApp oder bei Insta oder was, das ist einfach so drin schon, das kriegst du mal raus. Das heißt, es wird auch eine gute Frage ist, wie das dann in 20, 30 Jahren bei klassischen Konzerten ist, ob dann da auch alle sitzen und mitfilmen. Ich will es mir nicht vorstellen.
SPEAKER_01Aber warum?
SPEAKER_04Weil das Handy vom Teufel, weil der Teufel das Smartphone erfunden hat, deshalb.
SPEAKER_00Was war die Frage, warum das gemacht wird?
SPEAKER_03Ja.
SPEAKER_00Achso.
SPEAKER_03Ich glaube, witzigerweise gab es ja, glaube ich, so ähnliche Debatten, wenn man jetzt an Walter Benjamin denkt, das Kunstwerk in Zeiten der technischen Reproduzierbarkeit. Die ganzen Debatten gab es ja witzigerweise schon mal mit die Angst vor neuen Medien. Das war so die Weimarer Zeit, wenn ich mich richtig erinnere, wo die Stallplatte dann entsprechend populär wurde, Dinge mitgefilmt wurden und sich gefragt wurde, ist dann überhaupt das noch Kunst, was da passiert. Da sind wir natürlich jetzt schon Jahrzehnte und gefühlt wahrscheinlich Lichtjahre weiter. Und quasi dieses Gefühl, diesen Augenblick festhalten zu können durch so eine technische Maschine, die dann aber doch ja wie so ein bisschen Deus Ex-Machina nicht verständlich ist, was da alles passiert da drinnen, aber so dieses Gefühl, ich kann den Augenblick festhalten und ich könnte ihn zumindest theoretisch wieder abrufen, macht da vielleicht viel aus. Ich glaube nicht, dass es viele tun. Da bin ich bei dir Andi, ich glaube nicht, dass da viele die Videos dann regelmäßig wieder rausziehen und so einen klassischen DIA-Projektornachmittag veranstalten mit dem Handy. Aber irgendwie ist vielleicht das so der Motivator, sowas dann exzessiv zu tun. Oder weil es vielleicht einfach dazugehört für die Gruppe.
SPEAKER_00Und das Teilen wollen, ne? Also man sieht ja gerade auf YouTube ganz viele Konzertmitschnitte, so kleine Schnipsel und sowas. Ich glaube, dieses Mitteilen wollen, ey Leute, das war so geil auf diesem Konzert. Und versuchen, das zu transportieren an andere Menschen und das rauszuhauen, anstatt es quasi nur für sich zu tun, nur für sich zu behalten. Man muss ja heutzutage alles auf Instagram posten, was man gerade ist und was man gerade macht und wo man gerade ist. Und ich glaube, das zählt da auch mit rein.
SPEAKER_04Es ist eine ganz klar Selbstdarstellung, leider irgendwie, auch immer Sachen in Stolde innen gehen. Das ist so, es hat doch nicht immer mal mein Handy dabei, auch in meinem Umfeld. Leute, die immer dann eine Story draus machen, das ist doch total, du lebst ja quasi immer in so einem Hybrid. Also du lebst in echt und du lebst sozusagen in dieser Handywelt. Ich befürchte, das ist leider, um das Thema Kultur nochmal aufzugreifen, das ist da ja so, also jetzt in meiner Generation nicht, aber darunter, glaube ich, so drin. Ich befürchte, das wird noch ein Riesenproblem werden. Und es liegt dann auch vielleicht wieder ein bisschen an den Kulturschaffenden oder an den Künstlern auf der Bühne dann. Ich kann mir sowas vorstellen, wie von wegen, dass das dann irgendwann wieder manche Künstler keinen Bock drauf haben, so wie früher die Beatles, die konnten ihre Musik gar nicht genießen, weil immer alle mitgekreischt haben. So werden irgendwann die Künstler dann wahrscheinlich sagen müssen, Leute, jetzt packt man euer Handy ein, es geht mir hier tierisch auf den Senkel oder sowas. Ich weiß nicht. Das muss man irgendwie dann mit einbauen, um das irgendwie, um auch, damit es nicht, so diese ganzen Sachen, die da sozusagen so spiegelneuronenmäßig passieren in so einem Konzert, dass die nicht flücken gehen.
SPEAKER_00Ja, zumal das jetzt in der Corona-Zeit halt ganz krass auf diese Seite geschwankt ist von der Online-Kommunikation und die Live-Kommunikation natürlich massiv zurückgegangen ist und dieses Live-Erleben. Wie ich vorhin schon meinte, die Leute müssen sich jetzt wieder trauen, das als was Positives wahrzunehmen, mit ganz vielen Menschen in einen Raum zu sein. Ja, das fehlt.
SPEAKER_03Und ich denke auch die Dialoghaftigkeit. Das ist bei uns in der Musik nicht, also es ist entscheidend, aber nicht ganz so entscheidend, wenn ich ans Theatergruppen denke, die ja eigentlich gewohnt sind, auch wenn sie auf der Bühne stehen, mit dem Publikum zu interagieren, zu gucken, wie kommt das, was ich spiele an, bin ich zu schnell, bin ich zu langsam? Brauchen die Leute vielleicht einen Moment, um drüber nachzudenken? Das fehlt natürlich bei so Streaming- oder Online-Formaten immens, weil man hat ja gar kein Feedback, um zu schauen, okay, in welche Richtung geht es.
SPEAKER_00Ja, mir wurde in der Corona-Zeit so oft vorgeschlagen, ich soll doch das Theater abfilmen und auf diese und jene Plattform hochladen. Und ich habe immer wieder gesagt, das geht nicht. Das funktioniert nicht. Das ist dann ein Film, das ist ein anderes Medium. Theater ist ein eigenes Medium, was von der Energie lebt, die zwischen dem Publikum und den DarstellerInnen. Also es funktioniert nicht. Ich habe da schon sehr oft mit dem Mundfusslich geredet.
SPEAKER_04Ja, man könnte dann sagen, dann kannst du ja auch einen Film einlegen oder guckst du dir ein Theaterstück irgendwie an, was es schon gab oder sowas sozusagen.
SPEAKER_01Bei Sebastian weiß ich es, ihr habt ja auch schon so Streaming-Konzerte gemacht, wo jetzt kein Live-Publikum da war. Wie war das so für euch ohne Rückmeldung?
SPEAKER_04Das fühlt sich dann ein bisschen an wie so eine Fernsehproduktion, ne? Also wenn sogar so Fernsehauftritte hatten, das ist ja auch immer mit, da sind ja auch nur Kameraleute und wer ist dann nicht eigentlich. Das ist ja beim Streaming letztendlich das Gleiche. Man muss dann auch wieder so Vehikel finden. Wir haben das dann so gemacht zum Beispiel, dass du dich als Fan oder als Zuschauer konntest du sozusagen eine Zoom-Option dazu buchen, also eine Interaktion. Dann haben wir die Zuschauer eben on screen in der Bühnenkarte gesehen und auch nach dem Konzept haben mit denen noch ein Interview gemacht oder einen Talk gemacht sozusagen. Also haben this Conservengefühl durch dieses Fantool, Zoom-Chat, so ein bisschen aufzuweichen. Und natürlich auch, dass dieser Stream, die weichen, dieses Live-Event, this gibt es eben noch einmal anders 24 Stunden verfügbar. Also es ist auch so eine Art, it's halt so eine Mischform, wo man halt, und das ist auch eigentlich sehr gut angenommen worden, weil die Leute eben natürlich einfach mal wieder was live erleben wollen.
SPEAKER_01Ist das eine bewusste Entscheidung, dass ihr eine bewusste Entscheidung von euch gewesen, dass ihr sagt, okay, wir wollen aber nicht, dass es konserviert wird? Also dass ihr sagt, okay, es sind nur 24 Stunden da.
SPEAKER_04Ja, das ist so. Eines war das eine ganz kleine Entscheidung, dass das nicht dauerhaft verfügbar gemacht wird, weil das eben, sonst wäre es eben zu beliebig gewesen.
SPEAKER_01Wie hat sich, also wir wissen oder wir sind uns, glaube ich, einig, dass die Kultur in den letzten zwei Jahren ja durch Corona sehr gelitten hat. Also auf der einen Seite hieß es immer, Kultur ist total wichtig und so, aber wir waren die Ersten, die eingeschränkt wurden und die letzten, die jetzt irgendwas dürfen. Wie hat sich die Kulturbranche in euren Augen verändert in den letzten zwei Jahren? Also ist es so schlimm geworden oder sind wir jetzt an so einem Punkt, wo jeder, also wo es wirklich so schlimm ist, wie es hieß, oder sind die Schäden doch nicht ganz so schlimm? Aus eurer Wahrnehmung?
SPEAKER_03Ich würde das mal versuchen, ein bisschen zu differenzieren. Also ich breche jetzt mal eine Lanze quasi für die Laienmusik auch bei uns. Da war es natürlich auch sehr schwierig, weil da sehr viele Ehrenamtliche dabei sind, die quasi ne bei ihrem normalen Job, der natürlich auch mit Einschränkungen oder neuen Homeoffice-Pflichten, Kinderbetreuung, da ziemlich vollgepopft war, sich dann auch noch quasi nebenbei um die Organisation von Musik, Musikveranstaltungen, Proben, Nachwuchsförderung kümmern mussten. Und ich glaube, das hat einige schon ziemlich an die Belastungsgrenzen auch gebracht. Und ich sage immer ganz gern, Corona war da ein richtiger Katalysator. Das heißt, Organisationen, Vereine, Institutionen, die vielleicht sowieso schon irgendwo ein Problem hatten oder sich vielleicht auch mit Nachwuchsfragen herumschlagen mussten oder Nachfolgefragen, haben da quasi dann verstärkt Probleme bekommen und mussten sich eben mit völlig neuen Herausforderungen dann auch herumschlagen. Was aber nicht nur negativ zu sehen ist, es sind ja auch ganz viele tolle neue Ideen, Formate, auch Ensemblesgruppen entstanden. Das war auch so ein Effekt natürlich, wenn das Spiel in großen Gruppen, ich sage mal bei uns im Standard, im Bayerischen, haben wir vielleicht auch Orchester, die sonst 40 bis 60 Musiker vielleicht haben, mussten sich ja auch was Neues überlegen. Und da sind auch viele kleine Besetzungen daraus entstanden, viele Ensembles, viele neue Ideen was anzupacken. Also es ist natürlich immer nicht nur negativ zu sehen, sondern auch positiv. Aber ja, dieses große Stichwort Systemrelevanz hat natürlich da jetzt gerade jetzt bei uns im Laienmusizieren ein Riesenthema aufgeworfen. Auch natürlich dann immer die Diskussionen mit anderen Verbänden, sei das jetzt der Sport oder sei das jetzt schulische Belange, wo es zum Teil natürlich aberwitzig war mit den Verordnungen, dass dann im Bereich der Musik oder der Kunst was anderes gegolten hat, wie wenn ich das Gleiche in der Schule anbiete. Das hat sich natürlich dann manchmal schon auch von der Logik her ein bisschen gebissen. Und leider haben es natürlich oft die Verantwortlichen vor Ort abbekommen und nicht die, die was dafür konnten. Und das hat, glaube ich, schon einigen ganz, ganz viel Zusatzarbeit beschert. Aber wie gesagt, die, die sich da wirklich Gedanken gemacht haben, sind, glaube ich, auch mental gestärkt da herausgegangen. Aber es hat, glaube ich, auch einigen Vereinen, einigen Institutionen schlussendlich den Schlussstrich unter ihre Bemühungen gesetzt, was wahnsinnig schade ist.
SPEAKER_04Ja, ich glaube auch, dass es in beide Richtungen geht. Also ich kenne auch einige Künstler, die aufgehört haben oder die das Rücken gestellt haben und ihren ursprünglich gelernten oder Beruf wieder ausüben. Ich kenne aber auch viele, die haben es irgendwie pragmatisch genommen und die haben diese zwei Jahre, das glaube ich einfach noch so ein bisschen an, weil die Menschen immer noch keine kaum Karten kaufen, haben aber das Beste draus gemacht. Und ich muss auch sagen, ich wüsste jetzt kein anderes Land, so ad hoc, wo Profimusiker so gut unterstützt wurden, also finanziell. Also es gab ja einmal in 2020 November-Dezemember-Hefe zum Beispiel für so Profimusiker. Dann gab es auch für so Soforthäfen. Das waren eher so Darlehen, aber jetzt immer so insgesamt von der Aufstellung her. Und auch jetzt Neustadt Kultur, da sind sie zum Beispiel auch gefördert worden mit dem Projekt. Also es gibt, am Anfang waren wir so ein bisschen vergessen, das war auch wirklich krass. Die ersten Monate hatte ich echt so wirklich Bammel. Da dachte ich, oh Gott, was machen wir jetzt? So, man irgendwie schnell kurz einen neuen Beruf lernen oder so. Aber woran es da lag, entweder hat die Politik dann verstanden, was so Kulturschaffendes ausmacht und beruflich auch, was für Konsequenzen jetzt diese Corona-Krise hat. Ja, aber da muss ich wirklich eine Lanze brechen. Also auch when the Anfang sehr schwer war, so im Nachhinein kann ich mich nicht, oder can we as Maybe Bob überhaupt nicht beklagen, was die Unterstützung vom Staat angeht. Ich bin da, wir mussten klar, man musste so ein bisschen umdenken, wir haben dann DACD-Produktion gemacht und damit ein bisschen Geld verdient und eben die Streaming-Geschichten und damit Geld verdient. Und es war auch deutlich weniger als sonst. Da muss man sich ein bisschen umstellen, dass man eben mehr Geld zum Leben hat. Aber es war jetzt nicht existenziell. Aber das gilt jetzt für Maybe Bob, weil wir auch, glaube ich, eine Fanbase haben. Es gibt auch viele Künstler natürlich, die vorher auch so ein bisschen knapp gelebt haben. Für die war es richtig schlimm.
SPEAKER_00Ja, ich weiß auch nicht so richtig, was hinzuzufügen, was nicht jetzt schon gesagt wurde. Vielleicht noch das Beispiel, das Theater, in dem ich arbeite, das Theater in der Kurve, ist ein kleines Theater mit 50 Sitzplätzen. Und das gibt es seit 2009. Und kurz vor der Pandemie, wo es also das zehnjährige Bestehen war dieses Theaters, da war das erste Jahr, in dem das Theater sich vollständig selbst tragen konnte. Jede Veranstaltung war ausverkauft, wir hatten 70 Veranstaltungen im Jahr, es war der Hammer. Und wir sind jetzt wieder bei da, wo wir vor zehn Jahren waren. Also jetzt krepsen wir wieder rum mit zehn Leuten pro Veranstaltung. Wir haben sehr, sehr wenige Veranstaltungen, auch deswegen, weil die Leute immer noch nicht kommen. Und ja, wir haben die Zeit auch genutzt für alles Mögliche, tun es auch immer noch, wir beißen uns irgendwie durch. Aber schön ist es nicht. Und das, finde ich, sollte man auch sagen müssen.
SPEAKER_04Also das ist ja auch überhaupt keine Frage, dass wenn man so in der Kultur arbeitet und gewohnt ist, kreativ produktiv zu sein. Dann fängst du auf einmal an, du noch Fördergelder zu stellen und verschiebst die ganzen Konzerte oder die Aufführung immer weiter nach hinten. Das wird dann so eine Verwaltungstätigkeit und hat fast gar nichts mehr mit konstruktivem Tools zu tun, sondern immer nur so, man rettet sich von Monat zu Monat irgendwie weiter und hofft, dass es dann wieder geht, ist überhaupt nicht im Sinne der Kunst. Aber auf meiner Seite war es Fävles, ne?
SPEAKER_03Irgendwie muss man durch, ja. Also das möchte ich auch nochmal hervorheben. Wir waren da auch sehr gesegnet in der Musikszene, eben mit diesem Neustart-Kulturprogrammen, das Impulsprogramm. Also da gab es ja sehr viele Möglichkeiten, auch was zu tun, was zu bewegen, aber mir ging es da so wie dir tatsächlich. Also irgendwann war ich mehr darauf, am Montag die aktuellen Verwaltungsvorschriften durchzugehen und wo man jetzt weichen Antrag fristgerecht einreichen muss, damit auch die Hilfen bewilligt werden. Das ist natürlich dann schon sehr frustrierend, vor allem wenn man sonst gewohnt ist, sich über Konzertprojekte oder über Neuprogrammierungen Gedanken zu machen, anstatt eben über so viel Schriftwesen. Ist auch interessant, man kommt mal in neue Welten rein. Das soll sicherlich kein Schaden sein, sich mit Zuschusswesen mal beschäftigt zu haben intensiv. Aber es ist natürlich nicht das, was man originär dann machen wollte, wenn man jetzt, wie in meinem Fall jetzt, mit einer Musikausbildungseinrichtung zu tun hat, wo es eigentlich ja darum geht, die Kinder zur Musik zu begeistern und da in die Orchester zu bespaßen, Konzerte zu veranstalten, etc.
SPEAKER_04Das Einzige, was ich so ein bisschen, wenn ich mal ergänzend hinzufügen müsste, was ich so ein bisschen düster finde vom Ausblick her, weil ich natürlich auch immer mit den Locations eben telefoniere und so weiter. Und mir echt viele sagen: Boah, wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hatte ich, glaube ich, nicht in der Kultur gearbeitet. Also das ist so ein bisschen, boah, wenn man so denkt, naja, dass viele jetzt so ein bisschen die Lust verloren haben, in der Kultur zu arbeiten. Das habe ich so ein bisschen so als Feedback in einigen Gesprächen become. That is jaffently bald verflogen, when it's wieder losge and in two years, daffody keiner mehr darüber nachdenken, so richtig, wie das mal war, hoffentlich, dass it's not. But that is a düsteres, that vibe durchaus the lust verloren have. Also, when many music and that so is so gang, that gate remains. And that's the creative, what man eighteen machines, what. And when it's not music, why the family holds, yeah, man, cool, um, then it's ungefährlich. And yeah, einige who, if you guys dream könnte, würde ich einen Beruf wechseln. Also jetzt nicht die Künstler, sondern ich meine die Kulturschaffenden im Sinne von, also die Kulturbetreiber hat, die meine ich.
SPEAKER_01Habt ihr Angst, dass da ganz viele jetzt sterben, also viele Häuser zumachen? Oder ist das nur so ein Durchhängen von okay, es ist jetzt anstrengend und ich würde gerne, aber ich ziehe das jetzt doch noch durch.
SPEAKER_03Ich glaube, das kann man ein bisschen mit der Größe auch vergleichen. Ich glaube, dass gerade viele kleine, die aber eigentlich oft die ja die spannenden, die interessanten Projekte machen, dass diejenigen sehr zu knabbern haben, die großen Häuser, die sowieso schon vielleicht Personal dafür haben, für laufende Zuschüsse, für Drittmittel zu sorgen. Ich glaube, die tun sich vielleicht nicht so schwer, aber genau diese Independence-Szene, die wir eigentlich ja bräuchten, damit das Leben jetzt auch bei uns auf dem Land zum Beispiel spannend bleibt. Bei uns gibt es in der nächsten größeren Nachbarstadt ein neues Theater, das sich als Verein oder als gemeinnützige GmbH selbst da vertreibt. Die haben natürlich da ganz andere Sorgen als jetzt in Augsburg zum Beispiel bei uns jetzt das Staatstheater.
SPEAKER_04Die wenn er eh intentioniert, na klar. Also ich müsste jetzt eigentlich jetzt so konkret, jetzt von keiner Location, die jetzt Corona-bedingt zugemacht hat, außer hier bei mir um die Ecke die Fußballkneife, die musst du zumachen. Was ja auch Kultur ist. Aber das war ein ganz kleiner Laden, die haben einfach gesagt, die ganzen Lizenzen für Sky and the Zone muss ich bezahlen, wenn ich dir Live-Fußball zeigen will. Und ich kriege zu wenig Fördermittel, ich muss zu machen. Das war jetzt ein Beispiel wirklich, aber ihr sucht jetzt so mit den Theatern, mit denen ich zu tun habe, das sind, wie gesagt, 50% öffentliche, 50% private, aber auch die Privaten haben alle Fördergelder bekommen, haben ihre Mitarbeiter an Kurzarbeit geschickt. Die haben es alle geschafft. Also vielleicht bin ich jetzt gerade zu optimistisch oder zu euphorisch in meiner Ausführung, aber von meinen Kunden, sag ich mal, von meinen Herzen, ist mir jetzt keiner bekannt, der die Gretsch gemacht hat und gesagt hat, ich schaff's nicht, ich muss aufhören.
SPEAKER_00Das stimmt, aber ich finde es auch so schwierig, irgendeine Prognose halt zu stellen. Also sei es positiv oder negativ. Wir wissen alle nicht, wie lange das noch geht. Wir wissen alle nicht, wie der Herbst 2022 wird oder der Winter. Und ob dann wieder alles dicht machen muss und ob wir das dann nochmal überleben. Das kann niemand im Moment sagen. Und das ist das, was mir so Sorgen macht.
SPEAKER_04Da bin ich ganz bei dir. Das ist wirklich jetzt so, auch für mich gefühlt echt jetzt so, es ist jetzt fast schon langweilig geworden, ich sag mal, einfach strichen. Also es ist immer wieder weiter und immer wieder und dann kommt hier wieder und da wieder und was du gerade sagst, im Herbst und vielleicht wieder. Also dann wird es irgendwann echt gefährlich, weil ich glaube, da kommt so ein Müßiggang, beziehungsweise nicht Quatsch Müßiggang, sondern da kommt so eine Depression. Weißt du? So zwei Jahre ist sowas, das kann man, wenn man sagen, okay, war jetzt mal zwei Jahre ein bisschen echt übel und so. Aber das muss jetzt wieder brennen, das muss jetzt wieder losgehen. Sonst wird das eine ganz gefährliche Schieflage, das mache ich mir gar nicht aufsmal. Eigentlich geht es nicht. Also eigentlich muss jetzt irgendwie Corona durch sein. Also aus Kultursicht jetzt geht nicht anders.
SPEAKER_03Nee, ich glaube auch die Planlosigkeit in dem krassen Wort, wie es heißt, hat auch da vielen die Arbeit sehr schwer gemacht, weil man konnte eben nicht planen. Es haben manche sich wirklich, ich habe da auch mit Vereinen zu tun gehabt bei uns, die gesagt haben, jawohl, wir haben Konzepte, wir haben Ideen, wir machen das und das und das. Und das wurde halt ihnen drei, vier, fünfmal kurz vorher durch irgendwelche neuen Wellen, neue Verordnungen, neue Rückschritte, quasi dann vergeld. Und das knackt natürlich an der Motivation. Also selbst die motiviertesten Kämpfer auf dem Gebiet, sag ich mal, überlegen sich natürlich irgendwann, ja, plane ich jetzt wirklich noch ein fünftes, siebtes, achtes, zehntes Event oder jetzt warte ich halt mal zu. Und ich glaube, dieses Zuwarten ist dann die größte Gefahr, die wir haben, weil eben gerade dann die nicht mehr in die Pötte kommen oder nicht mehr ins Tun kommen. Dieses klassische, ich mach mal Pause, kann dann mal schnell zu, ich mach mal Schluss werden.
SPEAKER_04Ja, und vor allem, wenn du auf dem freien Markt bist und Kultur machst und nicht jetzt irgendwie im Schlachtheater oder sowas bist, wo du immer weiterbezahlt hast, du hast ja immer wieder Arbeit. Ich habe eigentlich two yeah gefühlt Konzept-Verschwurm, nichts anderes gemacht. Und damit verdiene ich kein Geld. Ich verdiene nur my geld, wenn die Band spielt, will eine Garage and eine Provision. Alles andere waren irgendwelche Fördergelder, die ich become oder die wecke haben, and irgendwelche streaming. Also this was really, this is either eighteenth unzumutbar. Also, this is really. Das muss jetzt eigentlich vorbei sein. Ich muss jetzt nicht.
SPEAKER_01Also dann, also ich hoffe ja auch, dass es jetzt langsam dem Ende zugeht. Ich versuche da noch relativ optimistisch zu bleiben. Ich würde gerne noch eine gesellschaftspolitische Komponente noch mit reinbringen, was die letzten zwei Jahre betrifft. Ich habe letzte Woche einen Podcast gehört, da war Peter Brucker zu Gast, der ist Sänger von Sportfreunde Stille. Und er sagte so schön, dadurch, dass es die letzten zwei Jahre kaum Kultur gab, gab es mehr die Möglichkeit der Zerstreuung und der Spaltung in der Gesellschaft. Glaubt ihr, dass wir gesellschaftlich jetzt so schwierig dastehen, politisch gesehen? Weil die Kultur mehr oder weniger, ja, nicht verschwunden, aber deutlich reduziert war. Also glaubt ihr, das würde nicht ganz so schlimme Formen annehmen mit der inneren Zerrissenheit der Gesellschaft, wenn die Kultur die letzten zwei Jahre präsenter gewesen wäre?
SPEAKER_03Ganz tiefgreifende Frage, ja. Ja, ja. Also ich glaube tatsächlich zwei Dinge zu dem Thema. Ich habe mir am Anfang da auch ganz persönlich sehr schwer getan, weil natürlich gerade diese laute Minderheit, sag ich mal, die natürlich sehr viel Stimmung auch macht, auch sehr viel Platz in der öffentlichen Wahrnehmung bekommen hat. Und da habe ich auch selbst mir schwer getan, das wirklich so, diese Zerrissenheit in der Gesellschaft so sehen zu können, weil ich da doch immer recht optimistisch bin, was unseren Lebensstandard hier angeht und wie zufrieden wir eigentlich alle sein dürfen, dass wir hier so sind, auch mit den ganzen Unterstützungen, die es ja entsprechend gab. Und ich glaube nicht, dass da ein noch mehr an Kultur, ich kann mir momentan auch gar nicht vorstellen, in welche Richtung das gehen hätte sollen, da dazu beigetragen hätte, das anders darzustellen. Also tue ich mir gerade persönlich sehr schwer.
SPEAKER_04Also ich glaube auch so vom ersten Impuls her, dass die Gesellschaft jetzt nicht zerrissener ist als vorher. Also dass die Corona-Krise jetzt, so habe ich jetzt deine Frage verstrecken, also dass die Menschen sich jetzt nicht auseinandergelebt haben. Also natürlich ist man irgendwie ein bisschen distanzierter zu Menschen, das ist durch Abstandsregeln, durch Maske und so weiter. Aber ich glaube, dass die Menschen, wenn es alles erlaubt ist, sich ganz schön wieder umgewöhnen und du bist ja auch konditioniert als Mensch. Also wenn, das ist auch so meine Hoffnung. Also ich habe mal in meinem Buch gelesen, es gibt zum Beispiel, aber schon ewig, ja, ich weiß nicht mehr, wie das hieß, aber es gibt sowieso nur, glaube ich, ein Drittel der Gesellschaft, die sich für Kultur interessieren. Diese anderen zwei Drittel oder wie Prozent das auch immer waren, die kriegst du sowieso nicht. Um ein bisschen gemeint zu sein, wie ein Maximation Wart oder so. Und die kriegst du eh nicht. Und ich glaube, die andere, ich glaube, es war ein Drittel, aber ich weiß nicht, lage mich nicht fest. Die brauchen das, so die Welt wiederkommen. Und deswegen ist man jetzt nicht innerhalb der Gesellschaft irgendwie, dass man sich so mehr verfremdet hat miteinander. Das sehe ich gar nicht so. Also ich hoffe, das stimmt auch.
SPEAKER_00Ja, ich sehe es auch nicht so, dass die Gesellschaft gerade gespalten ist. Ich glaube, dass Corona ein Katalysator für sehr vieles war und dass viele Menschen mal nach innen geguckt haben und dadurch eben jetzt auch Sachen zum Vorschein kommen, die vielleicht nicht so schön sind. Und dass durch diese Verlagerung ins Internet mit der Kommunikation eben dann auch viele auf einmal ein riesiges, lautes Sprachrohr bekommen haben, die das eigentlich gar nicht haben dürften. Aber ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft gerade auseinanderfällt. Und ich finde es auch ein bisschen schwierig, das jetzt so im Kopf mir überhaupt vorzustellen, dass wir Corona haben und aber trotzdem Kultur und schwierige Frage, finde ich.
SPEAKER_04Und ich glaube auch, wenn ich das noch ergänzen darf, dass Krisen nach meiner Erfahrung eher zusammenschweisen. Und selbst so Sachen wie jetzt der Krieg in der Ukraine. Ich habe das Gefühl, wenn ich jetzt einkaufen gehe und so weiter, die Menschen sind freundlicher zueinander, weil man irgendwie so merkt, dass man sich braucht.
SPEAKER_01Okay, dann will ich nur noch bei dir einkaufen gehen, weil ich merke das hier nicht so.
SPEAKER_03Es gibt halt, es verlagert halt die Themen und Interessen, gell? Vielleicht noch, um ein Bild hinzuzufügen, das ich da immer wieder sehr spannend finde, je nach Übersetzung hört man ja von den Adlern und den Enten oder von den Adlern und den Fröschen. Ich weiß nicht, ob ihr dieses Bild kennt. Die Adler sind quasi diejenigen Menschen, die sagen, jawohl, ich habe mein Leben und wie ich mit den äußeren Umständen umgehe, selber im Griff und ich versuche mein Leben zu gestalten. Ich schwebe quasi über den Dingen. Und dann gibt es eben die Enten oder Frösche, die machen halt nur Quark Quark und nur die Äußeren sind schuld und die anderen sind schuld und das ist schuld und jenes ist schuld. Und ich glaube, das ist eben dieses Gequake, was man eben mit diesem Meinungsbild vielleicht auch merkt und spürt. Und diejenigen, die vielleicht auch ins Innere gegangen sind, die ihre eigenen Themen mal vielleicht angegangen sind, die sind wahrscheinlich auch gestärkt aus dem Ganzen hervorgegangen. Und diejenigen, die eben weiterhin über, egal welches Thema, quasi quarken, ja, die sind halt auch da und die haben es natürlich heute in der heutigen Medienlandschaft ein bisschen leichter, auch ihre Themen da zu Gehör zu bringen, als das vielleicht noch früher möglich war. Aber ich glaube, das sind einfach Zustände, an die man sich quasi von der Aufmerksamkeit her gewöhnen, ja, leider muss vielleicht. Nicht umsonst ist ja auch Digital, äh, doch Digital Detox heißt es, glaube ich, großes Thema, quasi zu sagen, okay, wie kann ich eigentlich diese Informationsflut, was ich da komme, selber noch verarbeiten oder was davon muss ich mir eigentlich antun.
SPEAKER_01Also, ich bin da auch bei euch. Ich fand aber das Zitat ganz spannend, deswegen wollte ich einfach das mal so mit euch diskutieren. Ich würde gern mal in den nächsten Minuten so tun, wie wenn Corona jetzt nicht so einen großen Schatten über die Kulturlandschaft wirft, sondern einfach mal die Kulturlandschaft so nehmen, wie sie vielleicht vorher war, wie sie vielleicht sich wieder entwickelt. Meine erste Frage geht dann erstmal an Christian. Du bist ein Kulturreferent. Für alle Zuhörer da draußen, was ist ein Kulturreferent und was macht der?
SPEAKER_03Also grundsätzlich, je nach Größe einer Kommune, sind es zum Teil Menschen, in meinem Falle. Ich lebe in einer relativ kleinen Kommune in Bayern mit knapp 8000 Einwohnern und ich bin dort im Marktgemeinderat tätig. Also die Kommune ist ein Markt, nennt sich das. Und ich bin quasi ehrenamtlich dafür zuständig, die Kulturlandschaft hier bei uns für die Leute, für die Vereine am Leben zu erhalten, mitzugestalten, mit neuen Ideen zu versorgen. Und es gibt natürlich aber auch, sage ich jetzt mal, Kulturreferenten oder dann auch oft Kulturamtsleiter, sag ich mal, von größeren Städten, die machen das natürlich hauptberuflich. Und dementsprechend ist es bei mir vor allem eine Herzenssache, hier was voranzubringen, eben auch im ländlichen Raum hier kulturelle Angebote zu schaffen oder auch die, die es gibt, zu bündeln oder zu verstärken, wo man es kann. Ein Thema bei uns ist zum Beispiel, es gibt natürlich Chöre, aber auch zum Beispiel Kirchenchöre und man kann sich das, ich weiß nicht, wie das bei euch so vom Altersschnitt her ist, vorstellen, das sind nicht immer diejenigen, die in der Nachwuchsarbeit beim Alter im Grundschulen oder im Jugendalter ansetzen, sondern da sind die Mitglieder halt doch oft schon deutlich älter. Und die haben natürlich ganz andere Herausforderungen in dieser Zeit, jetzt nach außen wirksam zu sein, sichtbar zu sein, vielleicht auch Veranstaltungen mitzuorganisieren und denen versuche ich da quasi unter die Arme zu greifen und da was vorwärts zu bringen.
SPEAKER_01Okay, was ist dir dann, wenn du sagst, Ideen auch für die Kultur im ländlichen Raum, was ist dir dabei wichtig? Also möglich, also ist es bei dir sehr musikalisch geprägt oder bist du dann auch offen für Schauspiel und sonstige Dinge?
SPEAKER_03Also ich bin da sehr offen in alle Bereiche. Ich habe ja auch, wie viele, mich nach der Schule erstmal entscheiden dürfen müssen, wird es Musik oder wird es ein echter Beruf? Und damals habe ich mich quasi dafür entschieden, okay, ich gehe jetzt erstmal in Richtung echter Beruf und habe dann ja Lehramt Deutsch und Sozialkunde studiert. Was ich im Nachhinein keinesfalls in irgendeiner Form bereue. Denn allein, was man eben in so einem Literaturstudium natürlich kennenlernt, seit es eben an Theatermöglichkeiten, aber auch sprachlichen Möglichkeiten, wo die deutsche Sprache herkommt, was es da eben an Kulturschätzen gibt, da baue ich natürlich heute sehr darauf auf. Habe mich danach dann aber entschieden, eben Glasorchesterleitung, meine große Leidenschaft zu studieren und bin da beruflich jetzt mehr in dem unterwegs, aber kann natürlich aus beiden Feldern jetzt heute was einbringen. Und wie gesagt, bei uns habe ich noch das große Glück, wir haben einen Theaterverein im Ort, wir haben Chöre bei uns, wir haben auch Faschingsverein, der da ganz aktiv ist, wir haben Trachtenvereine und wie gesagt, da kann man sehr vieles eben zusammenbringen und fördern, was dann dort vor Ort geht. Was ich als Kern eigentlich, also vor allem im ländlichen Raum, aber auch allgemein so als Prämisse immer habe, ist Kommunikation und Kooperation. Also Thema Kommunikation, ich will es jetzt gar nicht zu groß aufmachen, weil das ist nicht das heutige Thema, aber quasi allein die Darstellung, was es alles gibt, ist oft schon ein ganz, ganz großes Thema. Und wie kann ich eben mit meinen Zielgruppen kommunizieren, wie kann ich die Leute auch erreichen und für meine Veranstaltungen begeistern. Und bei uns fast noch wichtiger ist das Kooperationsthema. Also wie kann ich auch die Träger von schulischer Bildung, also die Kindergärten, Grundschulen, weiterführenden Schulen, mit außerschulischen Bildungsträgern zusammenbringen, damit da Projekte entstehen, damit es eben da befruchtende Möglichkeiten gibt. Weil wenn man jetzt als Musikverein zum Beispiel denkt, bei uns gibt es im näheren Umfeld jetzt sieben Musikvereine und die arbeiten alle in ihrer Jugendausbildung zusammen in diesem Musikzentrum Mindeltal, das ich leite. Und wenn wir alle zusammenarbeiten, dann bringen wir halt auch gute Lehrkräfte hierher, dann haben wir halt auch die Möglichkeit, in größeren Ensembles, Orchestern zusammen aufzutreten. Und das sind einfach so lauter Möglichkeiten, die auch im ländlichen Raum eben so Chancen schaffen, die es vielleicht sonst nicht gibt, wenn jeder nur sein Süppchen kocht oder vor sich hin denkt. Das sind meine zwei großen Anhaltspunkte da.
SPEAKER_01Okay. Ich würde gleich mal auf den letzten Zug so ein bisschen aufspringen, nämlich Kultur und Kinder. Ich bin ja selber in der Schule tätig und ich nehme immer wieder wahr, dass also mindestens einmal oder zweimal im Jahr kommen irgendwelche Studien wieder, Musik ist ja wichtig oder Kultur, Kunst, Theater spielen ist total wichtig und das müsste mehr gefördert werden. Auf der anderen Seite werden die Stunden immer runtergestrichen. Wie wichtig erachtet ihr, also nicht wie wichtig, aber was kann Kultur bei Kindern auslösen, damit die tatsächlich so wichtig ist? Also Leni, du schreibst auch Kinderstücke. Sebastian, ihr habt ja jetzt auch ein Kinderalbum gemacht. Also was wollt ihr vermitteln? Ja.
SPEAKER_00Ich würde mal gerne noch von einem anderen Projekt sprechen, weil das ist ganz nah an dem, was du jetzt gerade beschrieben hast. Ich bin Spielerin bei der Theaterpädagogischen Werkstatt. Das ist ein Verein, der sitzt in Osnabrück und bietet deutschlandweit und auch in der Schweiz und Österreich präventive Theaterprogramme an. Und ich bin da in dem Programm Mein Körper gehört mir zu sehen. Das ist ein Programm zur Prävention von sexuellem Missbrauch. Und wir gehen da in die Grundschulen, dritte und vierte Klasse, und spielen den Schulklassen ganz spielerisch Szenen vor. Natürlich nichts Explizites. Man denkt sich als Erwachsene dann immer gleich, oh Gott, ja, was macht ihr mit den armen Kindern? Überhaupt nicht. Es geht, ja, es ist ein ganz spielerisches Programm mit viel Interaktion, aber auch viel Mittel des Theaters, um die Kinder da gestärkt rauszulassen, um den Kindern eine Möglichkeit geben zu sagen, sie dürfen Nein sagen, sie dürfen Grenzen aufzeigen, sie haben Rechte. Da steckt ganz, ganz viel drin, um da ganz, ganz starke Kinder und starke Menschen draus zu machen. Und dieses Programm hat jetzt tatsächlich auch unter Corona gelitten, in dem Sinne, dass die Schulen einfach so froh waren, überhaupt irgendwie ihren Lehrplan noch durchzukriegen und das irgendwie überhaupt alles noch zu stemmen, dass die einfach gar keinen Kopf dafür hatten, jetzt auch noch irgendwie Leute von außerhalb einzuladen. Und oh Gott, ja, das war einfach wo. Und da habe ich auch gedacht, das fand ich ganz schlimm, weil es auch nachgewiesen war, dass gerade in der Corona-Zeit, wo die Kinder zu Hause waren mit ihren Eltern, mit ihren Familien, dass es da leider viel, viel häufiger noch passiert ist, dass sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Und den Kindern dann nichts mitgeben zu können, weil das dann auch in der Schule gar nicht mehr vermittelt wird. Das fand ich persönlich ganz, ganz schlimm. Und das ist jetzt ein sehr krasses Beispiel, was Kultur bringen kann. Natürlich in meinen Kindertheaterstücken geht es nicht um sexuellen Missbrauch. Aber auch da ist es so, dass ich immer versuche, den Kindern was mitzugeben, den Kindern irgendeine Message mitzugeben. Und wenn es nur was ganz Spielerisches ist, ich mache da jetzt nicht den moralischen Zeigefinger, aber ja, ihnen zu sagen, sie sind stark und sie sind selbstständig und sie dürfen Dinge und sie dürfen Spaß haben und sie dürfen Fantasie haben und die Fantasie nutzen für sich. Und das finde ich was ganz, ganz Wichtiges.
SPEAKER_04Ja, genau. Maybe Bob hat sich auch in der Corona-Pause sozusagen auf so ein, ja, schon pädagogisch aufbereitet, aber natürlich Entertainment-Kinder-Programm irgendwie eingelassen und ich finde es auch großartig. Olli hat ja die meisten Stücke dazu geschrieben. Und es ist im Prinzip so, auch das, was schon gesagt wurde, wurde den Kindern sozusagen eine Message mitzugeben, eine Botschaft mitzugeben, die natürlich spielerisch verpackt ist, aber die eine Kraft hat. Also da geht es ja um Bewegungsstücke zum Beispiel, die wir haben, wo es einfach darum geht, meine, wie viele Kinder gerade jung sind, ständig vom Rechner und dann hin und können nicht mehr rückwärts gehen oder im Kreis nicht drehen, weil sie es so nicht verlangt haben. Das ist zum Beispiel so zwei, zwei, drei Stücken, glaube ich, auf der Kinderkrank-CD, auf dem Thema, ach, wie geht es um Hygiene, das Thema Hygiene, alles Mögliche. Also das war schon seit Jahren ein Bedürfnis von einer Band, das zu machen, es hat aber nie geklappt, weil wir die Zeit hatten, dann kam in Anführungsstrichen zu Corona und dann war die Zeit da, um sowas zu produzieren. Wir sind alle Familienväter, also es hat sich quasi auch aufgedrängt. Und ja, ich sollte das sagen, dass wir jetzt da irgendwie tief greifen. Und auch sehr einzelnen Themen wie bei dir jetzt natürlich haben das nicht, aber auf alle Fälle ist es für die Kinder, auch gerade in dieser Corona-Zeit, extrem wichtig gewesen, sich mit Musik zu beschäftigen oder mit Theater auch natürlich zu beschäftigen. Das merke ich bei meinen Kindern ja auch immer, einfach weil die einfach Emotionen haben. Die lachen dann, die kreischen dann, die bewegen sich dann oder bei Stücken, wo es um Mut geht, an sich zu glauben oder irgendwie sowas, dass die auch lernen, mit solchen Gefühlen umzugehen. Das kann man natürlich super durch Musik und Theater und so weiter fördern, dass die diese Gefühle überhaupt nicht mehr kennenlernen, dass es sowas gibt. Also es ist ganz wichtig und ganz entscheidend auch gerade das Thema Kommunikation, Miteinander sein, Klassenkameraden, Respekt und so weiter, was da spielen so viele Attribute eine Rolle. Ist immens wichtig. Also auch gerade wieder, wir hatten es ja vorhin, Thema immer Handy, immer Handy am Mann oder an der Frau, das ist quasi Kontrapunkt. Kinder wegkriegen davon, von Bildschirm und Musiktheater genießen lassen. Oder eben interaktiv mitmachen. Das ist A und O. Warum es immer weiter gestrichen wird, an ihr weiß ich auch nicht. Keine Ahnung. Die Österreicher haben auch schon gestöhnt, dass das immer weiter gekürzt wird. Ich verstehe es auch nicht.
SPEAKER_03Ja, das ist sehr kontraintuitiv. Vor allem, wenn man nicht vergessen darf, musikalische Angebote, theaterpädagogische Angebote sind ja oft niederschwellige Angebote. Das heißt, gerade die Kinder, die sich vielleicht sonst in Mathe, in Deutsch, in anderen Hauptfächern sehr schwer tun, blühen dann richtig auf, wenn sie mal die Chance haben, sie können sich selber ausdrücken. Was das für die Selbstwirksamkeit und den Selbstwert von diesen Kindern macht, das ist gar nicht hoch genug anzusetzen. Weil auf einmal kommen die wieder gern in die Schule, die freuen sich. Da ist ein Projekt zum Beispiel, wo in Musik was gemacht wird, lebe das Schulhaus. Auf einmal sind die im Schulhaus unterwegs und begeistern sich für ihre Umgebung, die sie sonst vielleicht Angst besetzt nur wahrgenommen haben. Und allein diese Möglichkeiten, diese strahlenden Gesichter dann zu sehen, das ist gar nicht groß genug aufzuhängen. Wir haben auch jetzt als Corona-Projekt mit unserer Grundschule im Ort, also unser Musikzentrum und die Grundschule, ein Video erstellt. Da haben von uns Kinder aus der Bläserklasse musiziert, dann haben Kinder dort mit iPads gefilmt, quasi eine sinnvolle Bildschirmbetätigung, sage ich ja mal. Dann haben Kinder im Chor zusammengesungen und das natürlich in dem Kontext von Corona war natürlich irre, weil das zum ersten Mal im Sommer möglich war, natürlich vor allem draußen, wächst den Auflagen, aber das Produkt ist der Wahnsinn, was die da auf die Beine gestellt haben. Also wer das anschauen will, auf den Seiten der Grundschule Jetting in Scheppach ist das Video auch zu sehen und einfach wahnsinnig toll.
SPEAKER_01Ja, also verlinke ich auf jeden Fall in den Shownotes. Kann man sich dann angucken.
SPEAKER_00Darf ich noch was hinzufügen? Weil was ich total wichtig auch fürs Verständnis finde, ist, die Kinder wachsen im Moment in dieser Corona-Pandemie auf. Die lernen von Grund an, ich teile mein Pausenbrot nicht, ich ziehe eine Maske auf, ich halte Abstand. Das ist bei denen komplett drin. Das merke ich, wenn ich mit den Dritt- und Viertklässlern spreche. Und das hängt überall in der Schule, hängen diese Zettel. Ich halte Abstand, ich teile mein Pausenbrot nicht. Und ich finde das so krass, in was für einer Welt die aufwachsen. Er hat es schon den Kopf genommen. Das ist gar nicht vorstellbar. Und gerade dann ist es so wichtig, mit Kultur den Horizont zu erweitern und zu sagen, das ist Kommunikation und das sind nicht nur zwei Augen über einer Maske.
SPEAKER_03Und das ist auch total auch noch eine Anmerkung dazu, eben dieses niederschwellige Angebot. Wir haben jetzt immer wieder thematisiert gehabt, okay, dann kommen vielleicht auch Menschen aus einer anderen Kultur zu uns. Jetzt wenn man an einen aktuellen Ukraine-Krieg denkt, da kommen auch Menschen zu uns, die vielleicht die Sprache nicht verstehen. Also ich bin auch gerade selber im Grundschuleinsatz bei uns eben als Unterstützung auch mit dabei für den Musikunterricht und die können natürlich genauso bei Musik die Sprache eben schon verstehen. Vielleicht verstehen sie nicht den Text hundertprozentig, was man da singt. Aber die Zugänglichkeit für die Musik, die Gemeinschaft, die dort erlebt wird und auch das Miteinander, das ist einfach was, wo Musik einfach eine Weltsprache ist oder auch szenisches Spiel natürlich.
SPEAKER_01Ihr sprecht jetzt schon immer mehr von niederschwelligen Angeboten, Theaterpädagogik, Musikpädagogen. Wie kriegen wir, muss dann, also es muss gar nicht mal nur an Kindern sein, sondern auch generell in die Gesellschaft, wie kriegen wir mehr Kultur an den Menschen?
SPEAKER_03Also für mich lebt Kultur durch eine Selbsttätigkeit. Also man muss aktiv, also wenn wir Menschen begeistern wollen, was zu tun, dann müssen wir sie irgendwie aus ihrer Komfortzone vielleicht auch ein bisschen herausholen, in die Aktivität, sich mal vielleicht auch zu trauen. Und da gibt es ja auch ganz viele tolle, jetzt mal unabhängig von Corona-Krieg, sonst was, gab es davor schon auch ja tolle Ideen. Also ein Thema sei jetzt mal bei uns genannt, die erwachsenen Bläserklassen zum Beispiel. Weil viele Erwachsene sich früher vielleicht nicht getraut haben, so nach dem Motto, der Zug ist doch abgefahren, ich kann doch heute kein Instrument mehr lernen. Warum denn eigentlich nicht? Wer sagt denn, dass man Instrument nur als Kind lernen darf oder singe nur, Gesangsunterricht nur als Kind belegen darf? Wer sagt denn, dass jemand mit 40, 50, 60 nicht mehr anfangen darf? Also ich finde es total wichtig, auch hier eben die Augen zu öffnen, zu sagen, Leute, jeder kann sich beschäftigen, jeder kann was tun, jeder kann Musik machen, jeder kann Schauspieler sein, jeder kann eine Band gründen und eine witzige Idee haben. Also ich finde es eben total wichtig, da vielleicht eben Werbung zu machen für die Kultur und zu sagen, Leute, macht es, traut euch. Es geht nicht um Qualität, Anspruch oder sonst irgendwas, es geht einfach ums Machen, sich begeistern, Gas geben.
SPEAKER_04Ja, was natürlich ein Problem ist bei der Kultur so ein bisschen, das hast du gemerkt am Anfang von der Corona-Zeit, wir haben so eine schwache Lobby. Und leider braucht man ja viel Geld, um viel zu machen. Ist ja auch egal, ob es im Amateurbereich ist oder im Profibereich. Du musst eine starke Lobby haben und ich meine, wenn man so in die Politik guckt, wo die ganze, weiß ich nicht, Pharmaindustrie, Automobilindustrie alle schwabinzeln sind mit ihren Lobbyisten für die Politiker rum und mehr Kultur gab es irgendwie sowas gar nicht. Das war ja auch ein bisschen so entstanden als Impuls, aber ich weiß gar nicht, wie es aktuell jetzt überhaupt darum steht, dass die Kultur auch in der Politik eine Lobby schafft. Also zum Beispiel so unsere Landesregierung in Niedersachsen. Da gibt es allgemein Lobbyisten and Lobbyvereines, but not for the Kultur. And I think that wäre ein entscheidender Vehicle. Weil we brauchen mehr Geld. Also gerade when you say Andy, die kürzen die Studien nach wie vor in Musikbereich or for freie Theaterprojekte, die gibt es weniger, quasi nicht so aus. Aber hilft es letztendlich, bräuchte es eine Vernetzung. Es gibt ja auch ein paar Vereine, glaube ich, aber es bräuchte eine große, mächtige Institution, Kultur für Deutschland, die es schafft, bei der Politik stark Einfluss zu nehmen. Und das haben wir, glaube ich, in Stücken zumindest geschafft. Es gab diese Alarmstufe Rot, das war ein sehr starkes Bündnis. Ich weiß nicht, wie das aktuell da sich da umgesteht, aber ich war auch mit der Band auch da in Berlin auf einer Demo, waren auch echt viele Menschen. Also das ist ein ganz entscheidendes Element und da befürchte ich so, wie natürlich auch die Kulturschaffungen oft so Individualisten sind. Es ist nicht so alles so strukturiert und so wie bei Automobil oder Pharma, wo alles so irgendwie so geradeaus läuft. Das wäre deswegen mal eine große Aufgabe, aber ich weiß auch gar nicht, wie man das schaffen soll.
SPEAKER_01Also ich weiß, dass sich jetzt eine Musikergewerkschaft gegründet hat. Tatsächlich. Wie groß die mittlerweile ist, weiß ich nicht. Ich habe das jetzt nur am Rande mitbekommen. Du hast ja so angesprochen, das liegt vielleicht auch daran, dass Künstler nicht so strukturiert sind. Glaubst du, das ist der einzige Grund, warum das noch nie stattgefunden hat, dass sich die Kulturbranche mal zusammentut und da irgendwie eine Lobby bildet?
SPEAKER_04Also ich kenne ja viele Menschen aus der Kultur und ich kenne viele Menschen aus der Industrie. Und die Menschen in der Kultur sind viel, viel, also ohne jetzt den anderen irgendwie da zu nahe treten zu wollen, aber die sind viel größere Individualisten. Also die sind auch vielleicht anstrengender menschlich, haben aber auch oder auch höhere andere Ansprüche. Die leben ja auch ein anderes Leben. Also Profimusiker leben ja zyklisch, die arbeiten ja dann in der Regel, wenn die anderen frei haben und schlafen dann, wenn die anderen arbeiten. Also man bist überhöht formuliert, aber so ist es halt auch tendenziell. Guckt ihr die klassische Orchestermusiker an, auch der Rompare, die leben auch ganz anders. Also das ist, ich glaube, es ist tatsächlich schwer, die alle ein Hut zu kriegen, weil es alles so Exoten ist. Nicht alle, aber weil es mehr Exoten gibt. Die kriegst du halt nicht so in so eine wie die Leute, die 9 to 5 Jobs have. Und egal ob du da arbeitest bei Mazda oder keine Ahnung, VW, das ist alles so ein bisschen ähnlich. Das kriegst du, glaube ich, besser, wie heißt denn das? Also besser gleichgeschaltet. Und natürlich bewegen ja auch andere Umsätze sicherlich, aber ich habe auch wirklich schlicht gestaunkt, als ich gelernt habe, dass irgendwie dieser Veranstaltungssektor, da hängt ja auch ganz viel anderes dran, also Technik und DJ und Piper Pro, das sind, glaube ich, der dritt- oder viertgrößte Industrie-Wirtschaftszweig in der Öl. Das ist ja immens, ne? Aber das ist alles zu guter Bund, glaube ich. Aber es wäre auch wenn es einmal tierischer Versuch, das irgendwie in Form zu gießen, aber ich weiß nicht, wo man anfangen soll. Aber wenn es eine Gewerkschaft gibt, ist ja gut, kann man nur, kümmere ich mich, gucke ich mir mal an. Also ist es eine Möglichkeit.
SPEAKER_00Deine Frage war ja, wie man die Kultur noch besser zum Menschen transportieren kann. Ich hatte jetzt ein paar Gäste in meinem Podcast, die einfach mal versuchen, aus dem alten Schubladendenken rauszukommen. Also jetzt von Seiten der KünstlerInnen betrachtet. Ich hatte eine Tänzerin, die Ballett tanzt im Rollstuhl. Oder eine Cellistin war es, glaube ich, die spielt Bach und ihr Publikum sitzt dabei in Sitzsäcken und liegt da so halb drin und keiner hat einen Anzug an. Es ist trotzdem ein klassisches Konzert. Und ich glaube, das ist auch was, was wir als KünstlerInnen einfach mal so ein bisschen uns vor Augen halten können. Es gibt mehr als das, was wir gewohnt sind. Ein klassisches Konzert darf auch anders stattfinden und ist dann vielleicht inklusiver auch oder ist einfach offener. Ich glaube, wir brauchen auch eine gewisse Offenheit.
SPEAKER_01Auf ich habe in der Vorbereitung mir ein paar Sachen rausgeschrieben und dann bin ich über ein Zitat gestolpert, das hätte ich sonst gebracht, aber das passt gerade so schön dazu von Pierre Boulet, der mal gesagt hat, eine Kultur, die nicht imstande ist, mit ihrer Tradition zu brechen, stirbt. Kultur braucht keine falsche Sicherheit, sondern offene Türen und ein Risiko. Also wirklich mal, glaubst du, dass da auch noch zu viel Angst ist, mit klassischen Gegebenheiten zu brechen? Also ein Publikum muss immer so vor mir sitzen. Ein Publikum muss das machen, wir müssen als Künstler das machen. Glaubst du, oder glaubt ihr, dass das langsam aufbricht oder dass da noch zu viel Angst ist, das auch mal ganz anders zu machen?
SPEAKER_00Also ich sehe es, dass es zumindest bei Einzelfällen schon stattfindet. Und es gibt ja auch diesen spannenden Studiengang der Musikvermittlung, der sich damit auch befasst, zu schauen, wie vermittelt man Musik in dem Fall an den Hörenden. Und ich glaube, da passiert schon ganz viel, weil das ja auch was sehr, da geht es ja jetzt nicht nur um, weiß ich nicht, um so äußere Dinge wie gestalte ich ein Konzert, da geht es auch um Bodyshaming oder um Sexismus, warum muss denn die Frau auf der Bühne, die da irgendwie dirigiert, warum muss die denn einen Anzug tragen? Darf die auch ein Kleid anhaben? Und muss die wiederum ein Kleid anhaben, darf die auch ein Anzug tragen? Also, das sind so diese, ich glaube, das ist was, da werden viele, viele Themen angesprochen. Und man muss immer mal wieder sich diese Frage stellen, muss es eigentlich so sein, könnte man es anders machen und wird dadurch nicht plötzlich was ganz Neues erschaffen, was viel cooler ist?
SPEAKER_03Absolut. Aber ich glaube, das dafür könnte Corona wiederum ein Katalysator sein. Ich glaube, da wurden jetzt schon sehr viele richtig experimentelle Dinge auch, sag ich mal, abgefeuert, die da entsprechend in diese Richtung gehen. Denn ja, die alten Formen müssen zum Teil überholt werden und frühere Tabus, ein klassisches Konzert hat, so auszusehen, können einfach unter diesen Aspekten vielleicht aufgebrochen werden, weil es vielleicht auch praktischer wäre, zum Beispiel in einer Industriehalle mal ein klassisches Konzert zu machen, weil die halt so und so viele Kubikmeter mehr Luft hat. Da hat sich vielleicht früher keine Gedanken darüber gemacht, aber nachdem quasi die Veranstaltungsbranche, vor allem in diesem klassischen Bereich, vielleicht jetzt mal gezwungen ist, neue Formen zu denken, ja, mag das der Schaden vielleicht gar nicht sein.
SPEAKER_04Ich denke ganz schlicht, dass Kultur lebt eigentlich einfach vom kreativen Output der Künstler und auch sicherlich der Kulturschaffenden, die das sozusagen, das Bett sozusagen bieten. Also solange es so phänomenale Typen gibt, wie, keine Ahnung, Helge Schneider oder der ja auch quasi kurz vor Anarchie, oder der ist ja eigentlich anarchisch, also eben, was Leni meinte, diese aufgebrochenen Geschichten, dass man mit solchen Traditionen bricht, das finde ich auch super, super Sache. Also das liegt einfach daran, Kultur liegt von Kreativität. Und wenn wir immer neue Ansätze haben, werden die Leute das auch honorieren und immer wiederkommen. Ich weiß nur damals vor 20 Jahren, ich weiß nicht, ob ihr das kennt, da gab es so Wittenbrink, das im Schauspielhaus, so eine Produktion. Das war so eine Mischform aus Theaterstück und fast Musical, will ich sagen. Das war für mich zumindest ganz neu. Ich glaube, das war auch in der Theaterlandschaft relativ neu zu der Zeit. War auch tierisch erfolgreich, hat mich auch tierisch gekickt. Also dass die Schauspieler auch, die meisten können ja auch echt gut singen. Und die singen halt nicht so technisch wie ein Sänger, sondern die singen einfach mit Ausdruck. Und das ist manchmal ja fast besser, als wenn man immer zu viel darüber nachdenkt, überall die singt. Und das hat mich total geflasht, diese Wittenbring-Produktion. Zum Beispiel aus Hannover, da war ich so ein verschiedenes Tannen. Und das war auch so ein Beispiel. Ich war nicht so ein Theatergänger und zack, haben sie mich gehabt. Ich war ein paar Mal im Theater, weil es einfach eine Kunstform ist, die ich nicht kannte. Ich dachte, oh, jetzt gehe ich in so ein trockenes Shakespeare-Stück und muss da drei Stück still sitzen und muss uns schlau gucken. Und dann habe ich da einfach so ein trotzdem war es ja, klar war es ein bisschen aufgelockert durch die Musik, aber es war halt einfach anders und es war frisch. Und was man eben auch noch berücksichtigen muss by these ganz Kulturformen, sag ich mal, dass ja auch Jahr für Jahr, ja, wie soll ich sagen, durch diese ganze Mediengeschichte, auch die Aufmerksamkeitsspanne, also die Fähigkeit der Aufmerksamkeitsspanne von Menschen nimmt ab. Das merke ich bei mir selber. Es gibt ja diese ganzen potenzierten Phänomene wie bei Insta, wo die Leute sagen, nicht länger als sieben Sekunden, oder bei TikTok noch schlimmer. Da bist du nur am Scrollen irgendwie. Und das muss man mit reingehen. Und das ist zum Beispiel ein Vorwurf, den ich immer an die klassischen Orchester habe, die unglaublich geile Musik machen, aber wie soll ich sagen? Da ist mir diese Darbietungsform ein bisschen zu staubig. Und da fange ich dann an mich zu langweilen. Und dann auch die Musiker dann im Orchester, da hat der eine, da war eine Generalpause für eine Zeit lang, der puppelt sich dann in der Nase oder guckt sich seinen Bogen an oder was weiß ich was. Da denke ich immer so, Alter, ey, du bist auf der Bühne, du kannst dich hier nicht irgendwie zu tun, als wärst du, ne? So, ah, da habe ich nochmal so ein bisschen, da bin ich, da bin ich ein bisschen abgetönt von und deswegen tue ich mich da ein bisschen schwer mit. Was natürlich alles gut nicht für alle Orchester gilt, aber ich hatte mal eben eins erlebt, wo ich dachte, das ist extrem unprofessionell und die, die, so, und aber wenn man da frisch bleibt und da irgendwie innovativ ist, ich glaube, dann müssen wir keine Sorgen haben, dass die Menschen irgendwann sagen, ach nee, ich gucke lieber mit Fluss.
SPEAKER_03Da kommt ja nochmal dieses Stichwort der Musikvermittlung, glaube ich, ins Spiel. Also ich habe da auch schon ganz, ganz innovative Sachen gesehen, wo Symphonien zum Beispiel ein bisschen zerlegt wurden und dafür Texte eingebaut, die dann das sehr gut dazu gepasst haben, die dann einfach so einen richtig schönen, runden, roten Faden über das Ganze gezogen haben, wo auch die Zugänglichkeit halt einfach wieder ein bisschen herabgesenkt wurde, um auch die Menschen, die vielleicht jetzt für die reine Symphonie nicht so viel Verständnis hätten, wie für einen Text, der das Ganze ein bisschen einbettet oder erklärt. Und ich glaube, da gibt es ja ganz, ganz viele tolle Möglichkeiten und Ansätze, die noch nicht alle zu Ende gedacht sind, aber da sicherlich einiges an Bewegung schon reingekommen ist. Ist jetzt allein auch das, ich weiß gar nicht, wie lang es das Studienfach Musikvermittlung schon gibt, aber ich finde das ein wahnsinnig spannendes Feld.
SPEAKER_04Ein Beispiel fällt mir noch eine, man soll sich ja nicht selbst loben, aber wir haben bei Naby Bob den Erdkönig vertont, in so einer Rock-Version. Und das wird ganz viel im Unterricht besprochen. Und das ist für viele ordentliche Achso, machst du auch ein Backgünde. Also tatsächlich für die Teenies, sage ich mal, die tendenziell da vielleicht ein bisschen sagen, ach nee, jetzt irgendwie hier so ein Gedicht interpretieren, weil ich weiß nicht was. Und dann mit so einer Form haben wir, also das ist auch wieder so ein Bruch, der irgendwie viele Leute irgendwie herangeführt hat an sowas.
SPEAKER_01Du hast vorhin, und die Frage möchte ich dann so in die Runde mal werfen, so einen schönen Satz gesagt, dann hatte ich Angst, ins Theater zu gehen, so ein Shakespeare-Stück mir anzuhören und dann noch intelligent zu gucken dabei. Glaubt ihr, dass es auch viele gibt, die ja Angst quasi davor haben? Also mir geht es so ein bisschen, so wenn ich. Ich war noch nie in der Wagner-Oper. Ich habe einfach Angst vor viereinhalb Stunden dasitzen und dieses Monumentalwerk. Dann habe ich auch Kollegen bei mir im Kollegium, die letzte Woche war das, glaube ich, noch gesagt haben, ich würde gerne mehr ins Theater gehen, um das besser zu verstehen. Ich würde gerne mit jemandem reingehen, der mir das erklären kann. Also glaubt ihr, dass das auch mitspielt, dass vielleicht schon mehr da wären, die kommen würden, egal, klassisches Konzert, Konzert, Theater, völlig egal, aber irgendwie zu viel Respekt haben, weil sie sagen, naja, ich verstehe es eh nicht und ich will mich da auch nicht lächerlich machen oder ja.
SPEAKER_03Das glaube ich schon. Also ich glaube gerade, dass eben gerade dieser Witz, was wir vorher schon ein paar Mal angesprochen hatten, eben mit diesem Vermittlungsaspekt, dass der immer wichtiger wird, weil die Menschen, gerade wenn sie sowas zu dir sagen, ja eigentlich, wenn man mal bei dem klassischen Kulturbegriff von Sizorwo jetzt bleibt, sie wollen ja ihren Acker bestellen, sie wollen ja sich damit beschäftigen, aber sie wollen halt irgendwie dabei an der Hand genommen werden oder suchen sich da oder wünschen sich Hilfe. Also ich glaube, das kann ja auch ein ganz großer Ansatzpunkt sein und Motivator für die Häuser, zu sagen, hey, warum entwickeln wir da nicht Konzepte, um solche Leute quasi einzuladen und das zu öffnen?
SPEAKER_04Ich würde auch sagen, dass die Hälfte, die in irgendeinem Klassiker sitzt im Theater, hat keine Ahnung, worum es geht oder was es eigentlich soll. Das ist natürlich dann gut, bei Schulklassen ist es die Aufgabe der Lehrer, ein bisschen so, ja, sind die Eltern, weiß ich nicht, aber der Lehrer das irgendwie so vorzubereiten, dass wir so ein bisschen wissen, worum es geht. Bei den Erwachsenen hat es immer noch auch ein bisschen was mit heute. Ich mache mich fein, ich gehe ins Theater, ich will was gelten, ich mache mal ein bisschen einen auf Kultur. Ja, aber weiß ich nicht, ob das ja die Hälfte vielleicht ein bisschen gemein ist. Aber ich habe mich ja selber auch schon erwischt, wo ich in Stiften war. Ich habe mich vorher nicht eingelesen, weil ich so wenig geschafft habe zeitlich oder keine Ahnung. Und ich habe einfach mal gedacht, ich gucke mal und dann ich mich vielleicht auch mal vorbereiten soll. Also das ist immer eine Sache, da muss man sich vorbereiten.
SPEAKER_01Das ist nämlich meine Frage, die jetzt auch so ein bisschen an Lini geht, so als Schauspielerin, und zeitgleich noch die klassische Musik mit einschließt, weil die Beobachtung mache ich zum Beispiel bei Schülern, dass die sich natürlich Schwertunde mit, weil der Zugang nicht so leicht ist, weil ich, also gerade bei klassischer Musik muss ich mich vorher mit beschäftigen. Ich kann mich nicht wie in einem Pop-Konzert reinsetzen. Da habe ich einen 3-Minuten-Song, den habe ich relativ schnell verdaut. In einem klassischen Konzert habe ich 40 Minuten, wenn es richtig lang ist, 60 Minuten nur ein Stück. Also die zeitliche Dimension ist groß. Das heißt, der Zugang ist viel schwerer. Beim Theater ist das ja vielleicht unter Umständen auch so.
SPEAKER_00Ja, ich habe auch schon Stück gesehen, da wurde mir einfach irgendetwas hingerotzt. Und dann bin ich da raus und war komplett okay, was mache ich denn damit jetzt? Keine Ahnung, was this jetzt gerade war. Ich finde aber eben, es ist eigentlich total wichtig, nicht dem Publikum die Aufgabe zu geben, dass es sich da irgendwie einlesen muss, dass es vorbereitet kommen muss, and that it möglichst schlauder auch wieder rausgeht und ich dem dann nur eben, wie gesagt, irgendwas hinrotzen muss. Ich finde, meine Aufgabe als Künstlerin besteht darin, und das versuche ich eigentlich auch immer in meinen Stücken, die ich schreibe umzusetzen, das Publikum mitzunehmen, dem einen Ansatzpunkt zu geben, einen Anker zu geben und es irgendwie zu berühren. Wenn die mir dann später als Rückmeldung geben, das war ein schöner Abend, dann freue ich mich darüber genauso, wie wenn mir jemand eine riesen Rezension darüber schreibt und Interpretation and was weiß ich. But it has beide berührt. And I finde not, dass this was with Intelligenz zu tun haben muss oder with studiert haben oder nicht oder Geld haben oder nicht. Also ich bin da sehr, sehr dafür, dass Kunst und Kultur für alle da ist. Und dass ich mich auch schon dabei erwischt, dass ich nicht so Lust hatte, ins Theater zu gehen oder in irgendein größeres Haus, weil ich keinen Bock hatte, mir zu überlegen, was ich jetzt anziehen muss. Und ob ich mich jetzt unbedingt schminken muss, weil ich dann zwei Stunden in einem dunklen Saal sitze und mich eh keiner anguckt. Ich finde es wunderbar, wenn da Leute Spaß dran haben. Ich finde es aber dann wichtig, dass ich da trotzdem einen Platz dann auch finde, wenn ich darauf keine Lust habe. Und dafür mache ich mich eigentlich immer sehr stark.
SPEAKER_01Noch eine Frage, die mich jetzt vor ein paar Wochen umtrieben hat. Ich weiß nicht, ob es euch auch so ging, als das in der Ukraine losging. Kam so ein bisschen die Frage in mir auch auf, darf man jetzt unterhaltene Kunst machen? Oder ist das Fehl am Platze? Die gleiche Frage habe ich mir auch in meinem Glasorchester gestellt. Wir haben vor zwei Wochen für so einen Eine-Weltladen gespielt, so der erste Auftritt seit langer Zeit mal wieder. Und ich hatte vorher noch mit dem Vorstand gesprochen, wir haben ein Flüchtlingsheim oder die sind jetzt in der Turnhalle untergekommen. Wollen wir da spielen? Und ich habe mir die Frage gestellt, darf man das? Also will das jetzt jemand auch hören oder ist das fehl am Platz? Darf man jetzt nur kritische Sachen machen oder darf man auch unterhaltene Sachen machen, um einfach zu sagen, okay, Dinge mal vergessen.
SPEAKER_04Genau so. Also wir haben das nämlich so gemacht. Wir haben das Thema aufgegriffen, ganz klar. Olli hat ihr ein wunderbares Stück zugeschrieben, auch zu dem Ukraine-Krieg, beziehungsweise sind vorhanden ein Stück mit der Strophe ergänzt. Und so eröffnen die auch gerade den Abend. Und es muss aber, wir hatten es ja vorhin auch, es muss auch in düsteren Zeiten oder in Konfliktzeiten, es muss auch gelacht werden dürfen. Du kannst nicht den ganzen Tag trübsal blasen und ernst sein oder traurig sein, das geht einfach nicht. Das ist nicht Mensch sein. Das heißt ja nicht, dass du das, nur weil du dann Comedy machst auch oder Entertaining bist oder sowas, dass du das nicht ernst nimmst. Aber oder dass du das nicht wichtig findest, das Thema. Aber wir haben das so gelöst, dass wir es einbetten, thematisch und auch sehr ernst einbetten, aber die andere Farbe muss rein, geht nicht anders.
SPEAKER_03Absolut. Und genau das ist ja auch der Witz, was Kultur ja schafft. Also mal das Kino kurz ausgeklammert, weil das kann das auch so, aber jetzt das Kopfkino, wenn man quasi schafft, kulturell in andere Welten einzutauchen, auch mal eben dem Alltag zu entfliehen und die Gedanken zu befreien, ich glaube, das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Und ich weiß nicht, ob ihr das auch so wahrgenommen habt, es sind ja auch Videos da viral gegangen, wo eine zwölfjährige Geigerin da in der Ukraine im Luftschutzbunker für die anderen gespielt hat, um sie auch zu beruhigen. Und das sind dann doch wieder ganz positive, berührende Bilder, auch was Musik auch schafft, nämlich die Menschen am Herz zu ergreifen und zu sagen, jawohl, ich nehme dich bei der Hand. Und gemeinsam kann man auch quasi auch diesen tristen Orten, zumindest geistig, entfliehen. Und ich glaube, das sind ganz, ganz wichtige positive Signale, die die Kultur hier setzen muss.
SPEAKER_00Ja, also ich hatte mir auch dieselbe Frage gestellt, weil ich Podcast-Folgen vorproduziert hatte, bevor das Ganze losging und ich mir dann unsicher war, ob ich die jetzt veröffentlichen darf. Und hatte dann tatsächlich diese Gedanken auch öffentlich gemacht und hatte dann auch als Feedback bekommen, doch bitte gerade jetzt, gerade jetzt brauchen wir das. Wir müssen jetzt auch etwas haben, was uns ablenkt oder was uns aufzeigt, dass es noch etwas anderes gibt auf der Welt. Weil man kriegt dann ja irgendwann so einen Tunnelblick und sieht nur noch das Negative. Und das ist genauso ungesund, wie das Negative einfach auszublenden. Das geht auch nicht. Aber ich finde es wichtig, dass die Kultur es dann schafft, da eine Waage herzustellen. Und das ist dann gesund.
SPEAKER_04Ja, das ist auch echt ein bisschen maker, wenn man sich überlegt, jetzt Corona zwei Jahre, jetzt ist Corona so am Auslauf. Hoffentlich oder wahrscheinlich, für mein Gefühl. Und jetzt kommt so ein Krieg, der sehr nah bei ist. Da denkt man irgendwie echt, oh man, ey, das ist irgendwie jetzt hier echt ein schlechter Witz. Und ja, da kann so Politik muss ernst sein, ist ernst. Industrie hat auch gerade echt manchfaltig Probleme mit dem Thema Gasversorgung potenziell und so weiter. Da gibt es eigentlich nur die Kultur, Thema, was man von Chris kam mit dem Ruf nach von früher, nur wir können das brechen. Also wir dürfen es auch brechen. Und das macht uns zu Menschen.
SPEAKER_01Wir hatten vorhin schon mal so ein bisschen, dass die Kultur zu wenig Stellenwert bei der Politik hat, sei es Richtung Bildung, sei es generell auch für die Kultur schaffenden. Es kam eine Zuschauerfrage noch, die oder derjenige gefragt, was können und sollten politisch Aktive für den Kultbereich explizit tun? Also was würdet ihr euch wünschen, dass da jemand explizit für euren Bereich tun könnte?
SPEAKER_03Also erstmal bräuchten wir, glaube ich, mehr, weil der Witz ist, bei Politikern sind ja eigentlich die Vertreter des Volkes. Das heißt, theoretisch kann sich ja jeder selbst auch engagieren und versuchen, sich dort aufstellen zu lassen für Ämter. Und ich glaube, man muss da auch mal weggehen von dem klassischen Gedanken, die Politiker, die sollten am besten alle irgendwie Juristen sein oder Verwaltungsleute, sondern ich glaube, vielleicht müssen wir auch als Kulturschaffende selber da aktiv werden und sagen, jawohl, wir brauchen eben erstmal vielleicht auch mal ein paar kreative Köpfe. Also ich glaube, das würde so eine Bundesregierung nicht schaden, wenn da der ein oder andere mal vielleicht mal ein paar neue Ideen hätte und nicht nur irgendwelche Verwaltungsetats übereinander schiebt. Also das würde mir persönlich zumindest sehr gut gefallen. Und ansonsten eben dieser Klassiker, dem Anliegen eine Stimme geben. Also aus der Blasmusik gibt es ja da jetzt auch Bestrebungen, beziehungsweise nicht nur diese BMCO, der Bundesmusikverband Chor und Orchester, der da auch jetzt aktiv wird und da auch Werbung schon macht. Aber ich glaube eben, was du vorhin gesagt hast, Andi mit der Gewerkschaft, man merkt schon, es prodelt was. Ich glaube, es entwickelt sich was. Die Frage ist, dass man diese Pflanze eben am Leben erhält und dass man das mit allen Möglichkeiten. Die man halt so in seinem Umfeld hat auch unterstützt. Ich glaube, das wäre ganz wichtig. Einfach die Sichtbarmachung dessen, was Sebastian vorher auch gesagt hat, mit dem, hey, wir sind ja eigentlich eine ganz wichtige Branche auch, jetzt mal ganz wirtschaftlich gesehen, dass man diese Sichtbarmachung einfach da vorantreibt.
SPEAKER_00Ja, ich glaube, da geht es ganz viel um dieses Sichtbarsein, weil ich bin auch total erschrocken, als vor einem Jahr die Kultur in diesen Verordnungen überhaupt nicht mehr vorkam. Da fand man dann Theater irgendwo unter Freizeitveranstaltungen und Sport wieder. Also ganz, ganz unten irgendwo versteckt. Und inzwischen gibt es zum Glück wieder den eigenen Punkt Kultur, was es mir dann auch erleichtert, rauszufinden, wie viele Menschen ich denn jetzt ins Theater setzen darf. Also ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig, dass die Kultur nicht, ja, dass die sichtbar bleibt, genau.
SPEAKER_04Ja, es ist eigentlich ganz banal fast. Wir brauchen Geld, wir brauchen Macht, wir brauchen Lobby. Und das muss irgendwo herkommen.
SPEAKER_01Okay. Ich würde jetzt auch so langsam in Richtung Schluss gehen, aber ich würde gerne einmal die Sichtweise rumdrehen. Wir sind jetzt immer davon ausgegangen, ich überspitze jetzt müssen, es liegt an der Politik, es liegt vielleicht auch an den Menschen, die kommen. Was läuft falsch? Ich sage bewusst mal falsch, das ist natürlich übertrieben, aber was läuft falsch von Seiten der Künstler, damit die Kultur oder dass sie selber nicht so sichtbar sind, wie sie gerne wären? Das ist ja ein Steckenpferd von Sebastian, aber auch, ich weiß nicht, wie Christian das als Kulturreferent wahrnimmt oder wie du Leni das als Schauspielerin auch wahrnimmst. Wie leicht ist es denn, sichtbar überhaupt zu werden, dass da jemand ist, der Kultur macht?
SPEAKER_04Auftreten, präsent sein, gute Ideen haben, Gefahr halten für die Kultur.
SPEAKER_03Um die Frage nochmal zu rekapitulieren, dass ich es richtig verstehe, du meinst jetzt gerade umgekehrt, was aus Seiten, also wenn man Kritiker sein möchte und quasi das har der Suppe sucht, was läuft bei der Kultur falsch, oder?
SPEAKER_01Ja, also was läuft von Seiten der Künstler falsch? Dass zu wenig vielleicht kommen oder dass sie selber sagen, okay, ich bin gar nicht so sichtbar, wie ich es gern wäre. Also ohne jetzt den schwarzen Peter wegzuschieben, zu sagen, okay, die Politik müsste mehr tun, weil ich brauche mehr Geld, was könnte denn der Künstler an sich, weil sie hören ja jetzt draußen auch Künstler für eine Mache zu, was würde dir denen raten, um sich noch sichtbarer zu machen? Also was sind da vielleicht so eure Erfahrungen?
SPEAKER_00Die Menschen da abholen, wo sie gerade sind. Und wenn Menschen gerade Angst haben, davor in einen vollen Raum zu kommen, dann überlegen, okay, dann machen wir das Theater eben nur halb voll, dann kommen wir denen entgegen. Also einfach zu versuchen zu spüren, wo sind die Menschen gerade, die ich erreichen will, wie geht es denen? Was brauchen die gerade? Und es also natürlich nur bis zu einem gewissen Grad. Ich darf jetzt nicht irgendwie anfangen, mich komplett zu verbiegen und es jetzt nur noch allen recht machen zu wollen, das geht auch nicht. Aber diese Offenheit, die ich vorhin schon beschrieben habe, mal aus den eigenen Denkmustern rauskommen, aus den Strukturen, die ja schon seit 300 Jahren nur gemacht werden, mal versuchen rauszukommen, mal was Neues auszuprobieren, einfach mal mutig sein. Und ich glaube, das ist das, was es gerade braucht.
SPEAKER_03Also gerade diesen Aspekt, auch eben Traditionen oder Dinge, warum machen wir das so? Ja, das haben wir schon immer so gemacht, kritisch zu hinterfragen, weil die Chance haben wir an diesem Punkt. Ganz großes Thema Vernetzung. Mehrere sind wirksamer und sichtbarer als einzelne. Also wenn es Vereine, Organisationen, Gruppierungen gibt mit ähnlichen Interessen, sich mit anderen zusammenzutun, hat man auch eine größere Chance, eben sichtbar zu werden als Verbund. Und man muss sich, glaube ich, auch trauen, Probleme anzusprechen. Ich glaube, viele haben wirklich das Problem zu sagen, ich brauche Hilfe oder was kann jemand von außen eben tun, damit es diesen Verein, diese Institution, diese Gruppierung eben noch gibt in fünf Jahren, in zehn Jahren. Ich glaube, da genieren sich manche auch einfach zu sagen, jawohl, ich bin an dieser Stelle, dass man jetzt Unterstützung braucht, weil es mittlerweile ja auch viele Programme, Coachings, Fördermöglichkeiten gibt, die ihnen vielleicht helfen könnten, wenn denn jemand wahrnehmen würde von außen, dass die Leute jetzt gerade Hilfe brauchen und selber eben nicht mehr weiter wissen.
SPEAKER_01Sebastian meinte noch ganz viele Auftreten. Ich höre immer wieder von Künstlerfreunden, dass sie aber, also ich formuliere das mal selbstpitzt, ich habe manchmal das Gefühl, manche sind sich zu fein, sich Publikum zu erspielen. Sondern sie haben so das Gefühl, jetzt bin ich da, ich biete was total Tolles, vielleicht komme ich gerade vom Musikstudium oder so, und dann muss das aber so sein, ich muss das Theater, die Halle, das. Habt ihr manchmal das Gefühl, dass Künstler sich zu fein sind, um da auch mal so die Ochsentour zu machen, um zu sagen, okay, ich bin da, ich will das. Und egal wie jetzt die ersten Jahre aussehen, das gibt ja Gas.
SPEAKER_04Also in den seltensten Fällen ist es ja so, dass man sofort oben ist und irgendwie die Heilen fühlt. Es ist wahrscheinlich da auch gemeinsam mit anderen Berufen, wenn man selbstständig ist, dass man sich sozusagen Jahr für Jahr hochspielen muss oder bekannt spielen muss. Da gibt es ja hier viele, viele Beispiele. Here zum Beispiel die Ina rum. Ina Müller meine ich. Ina Müller hat auch ewig getourt und getingelt und mit guten Theaterproduktionen. Und die war auch nicht unbekannt, aber die war jetzt nie berühmt. Und jetzt hat es irgendwann halt, kam der Moment, da hatte sie auf einmal, ich weiß nicht mehr, was der Auslöser war, hat sie einfach ihr gefunst. Und dann war sie irgendwie halt so im deutsch gewesen in Deutschland, kann man schon doch ein sehr bekannter deutscher Pop-Act sozusagen geworden. Man muss einfach verstehen als Künstler, das machen wir bei Baby überhaupt seit 20 Jahren, dass das einfach, man muss halt viel arbeiten, um dir zu verdienen. Du kannst halt nicht davon ausgehen, dass du unbekannt bist und irgendwie dich bei Theatern bewirbst und irgendwelche Red Gagen forderst, da buch dich keine Sau. Das ist einfach so. Sondern du musst ganz klar anfangen. Wir haben zum Beispiel ganz, also unfassbar viele Workshops gegeben in Schulen, noch in welcher. Und dann später auch mit hören auch noch und welcher, um einfach so eine Basisarbeit zu leisten, um sie auch wirklich jeden Fan gefühlt einzeln zu erspielen. Und ich glaube, das muss man einfach als im weitesten Sinne, ja, wenn man ein bisschen Handwerk nennen will, aber es ist eine ganz normale Aufbauarbeit, um eine Marke bekannter zu machen. Und das geht nur über ganz viel Spielen oder eben ganz viel Glück haben. Und du hast zufälligerweise ein neuer Künstler, hast irgendwie irgendwie den gerade im Zeitgeist getroffen und haust ein erstes Album rein raus und hast da einen Witz. Und du hast gleich irgendwie die Hallen hier. Das ist halt ganz, ganz hätte das passiert. Da müssen Künstler einfach, egal ob aus der Ehe der U-Musik müssen einfach da realistischer und wirklich kleine Brötchen backen. Und nicht denken, nur weil sie jetzt Musik studiert haben, sind sie was Besonderes. Also sind sie natürlich, weil sie Musik studiert haben, aber der andere, der, keine Ahnung, eh Technik studiert hat, ist genauso besonders. Also das hebt uns nicht ab für alle Menschen.
SPEAKER_01Ist das in der Schauspielerei? Also, kennst du das, was ich beschrieben habe? Also ich kenne das jetzt nur von Musikern. Ich weiß nicht, ob du das auch von Schauspielern kennst, die das manchmal vielleicht falsch einschätzen?
SPEAKER_00Kann ich gerade ein bisschen schwer beantworten, weil ich ein ganz anderes Problem hatte in meinem Schauspielstudium, nämlich dass ich nur darauf vorbereitet wurde, wie es ist, an ein großes Theaterhaus zu kommen. Und ich wurde überhaupt nicht darauf vorbereitet, auch etwas anderes machen zu können mit diesem Schauspielstudium. Das heißt, so etwas wie Selbstvermarktung oder wie kann ich eigentlich meinem Mental Health irgendwie gesund halten bei diesem ganzen Druck, mit dem ich mich den ganzen Tag befasse und die ganzen Emotionen, die ich da immer hervorholen muss und so weiter. Es ging eigentlich immer nur darum, dass ich in so eine Form gepresst wurde oder ja, die dann in diesen Job von einer Schauspielerin am großen Theaterhaus passt. Und in dem Sinne habe ich solche Menschen dann kennengelernt, die da halt dann auch wirklich voll reinpassen wollten, auf Teufel komm raus, sich dafür dann auch verändern mussten und verändern wollten. Und das ist so meine Kritik an dieser speziellen Ausbildung, so wie ich sie erlebt habe. Es gibt garantiert auch Schauspielschulen da draußen, wo das nicht so ist. Aber ich habe auch schon von vielen gehört, bei denen das ganz genauso lief. Das scheint was zu sein, was auch gerade in Deutschland nicht so wahnsinnig gut funktioniert. Und das heißt, ich musste genau das, was Sebastian gerade beschrieben hat, auch selber machen. Also ich habe dann erstmal versucht rauszufinden, okay, was kann ich noch damit machen und wo fange ich damit an? Und habe erstmal irgendwie mit Workshops angefangen, habe versucht rauszufinden, was kann ich dafür eigentlich verlangen. Und so ging das dann so nach und nach los. Aber das hat auch nur funktioniert, weil ich gemacht habe und immer wieder gemacht und gemacht und gemacht und dann haben Dinge nicht funktioniert, dann habe ich wieder was anderes ausprobiert, das hat dann funktioniert. Und das ist wahnsinnig viel Arbeit. Und am Ende, es klingt das dann alles total toll, so auf was man dann irgendwie so zurückblicken kann. Klingt dann irgendwie ganz, ganz super, aber das ist halt nur die Spitze vom Eisberg oder das Bild, was am Ende im Museum hängt und man sieht dann gar nicht, was da hinten dran noch alles ist.
SPEAKER_01Also, ich kann das aus meinem Musikstudium und aus den letzten Folgen, die ich gemacht habe, auch bestätigen, dass dieses Vermarktungsthema im Musikstudium keinen Platz hat. Also, du wirst da auf irgendwas vorbereitet oder dir wird teilweise auch so geredet, was ich schon im Studium ziemlich schwierig, würde ich es nennen, fand, wenn du, also bei uns war das so, wenn du dich dann mit Pianisten unterhalten hast, da hat jeder gedacht, der wird der nächste lang lang. Funktioniert natürlich nicht, wenn du über 100 Klavierstudenten hast, muss ja irgendwie selber mal der Gedanke kommen, dass da irgendwas nicht läuft. Und wenn du dann so, ja, was ist denn der Plan B, unterrichten und das so? Nein, ich unterrichte nicht. Also dieses wird es natürlich auf der einen Seite auch so ein bisschen suggeriert und es ist kein Platz für Vermarktung. Und um jetzt nochmal so den Bogen zum Anfang zu schaffen, wie sehr es dann hier jetzt sowas wie Social Media, Streaming, doch ein ganz gutes Tool, um sich zu vermarkten.
SPEAKER_04Für uns ist es notwendig, ganz einfach. Wir brauchen das. Unsere stärksten Kanäle, um unsere Fans zu erreichen, ist Facebook und das E-Mail-Verteiler, also unser Newsletter, den wir verschicken. Damit erreichen wir die Leute. Das ist ganz, ganz, ganz wichtig. Das geht gar nicht ohne. Aber deswegen muss man nicht immer im Handy hängen.
SPEAKER_03Das reicht doch, wenn man es einmal am Tag abruft. Also von den Kanälen her sehe ich es auch so. Das ist natürlich eine wunderbare Möglichkeit, sich Informationen zu beschäftigen. Was aber ich einen ganz spannenden Punkt finde, ist das, was sich gerade nochmal aufgetan hat, eben mit dieser Vorbereitung eines Studiums, egal jetzt in welchem künstlerischen Bereich, dass es bei sehr vielen immer nur die eine Top-Möglichkeit gibt. Und ich habe auch das Gefühl, vom System her der Rest auch gar nicht gewünscht ist oder halt so totgestwiegen wird. Weil ich kenne wahnsinnig viele Menschen, die sehr, sehr gut und sehr begeistert Kinder auf Musikinstrumenten unterrichten. Und das ist natürlich die größte Freude, mit diesen zusammenzuarbeiten, weil die haben ähnliche Ziele und die gehen voll in ihrer Leidenschaft auf. Aber entweder sie sind halt mental schon vor oder während dem Studium so drauf, dass sie das als Ziel erkennen oder das vielleicht auch unbedingt wollen, oder sie brauchen halt dann doch ein paar Jahre Workshops, Fortbildungen, Coachings, um zu erkennen, was sie denn mit ihrem Abschluss denn noch alles machen könnten. Denn für viele ist das wirklich ja so der Untergang, dann keine Stelle zu kriegen nach dem Studium oder sowas. Und ich glaube schon, aber das führt natürlich jetzt an dieser Stelle zu weit, aber ich glaube, das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema, das man grundsätzlich aufarbeiten muss. Weil es kann ja so nicht sein und vor allem, wenn man sagt, wir wollen als Kulturnation, wie sich Deutschland ja zumindest immer noch, denke ich, bezeichnet, vielleicht, Fragezeichen, auch eine neue Folge Andi, wollen wir ja auch eigentlich, dass ja Nachwuchs gesichert wird. Und das kriegt man ja auch nur über gut ausgebildete Leute. Sei das über Erzieher in den Kindergärten, sei es über gut ausgebildete Lehrer, das ist ja in jedem Bereich gefragt. Und dann zu sagen, in der ganzen Branche bildet man eigentlich nur für die 3% Stellen aus und den Rest lässt man über die Klippe springen, ist ja auch ein bisschen sarkastisch, um es mal vorsichtig zu sagen.
SPEAKER_01Ja, aber genau die Jobs sei es Erzieher, sei es aber auch an der Musikschule oder Kinderchorleiter und so, das sind immer die, die schlecht gemacht waren. Also ich habe das im Studium auch erlebt, da wird immer auf die runtergeguckt, die EMP, also elementare Musikpraxis machen, ach, die machen ja nur so Kindergerassel oder so. Und ich, also da finde ich, muss einfach ein Wandel im Denken stattfinden, dass wir eigentlich an der Basis, da brauchen wir die super Leute. Weil das ist, sind A, die, die nachkommen, die es machen und B, die natürlich auch konsumieren, wenn da nichts da ist.
SPEAKER_04Das Problem ist immer am Mensch sein, dass immer alle nach oben schielen, also nicht alle natürlich, aber wir werden ja so fast so ein bisschen konditioniert, dass wir immer die Besten sein müssen. Und wenn natürlich dann im Studium sowas noch gefördert wird und alle denken, okay, sie werden jetzt der nächste lang lang und dann fallen sie tierisch auf die Fresse, weil sie immer merken, okay, es reicht nicht, es klappt nicht. Und wissen dann auch noch nicht mal, wie sie sich selbst vermarkten, also wie sie sozusagen im Markt irgendwie bestehen können, um trotzdem irgendwie gehört und gebucht zu werden. Das ist natürlich ein fatales Signal. Also da war mir gar nicht so bewusst, dass da die Musik- oder Schauspielstudierenden aufs Leben gar nicht vorbereitet werden. Das ist ja ganz schlimm. Das ist ja genau sein.
SPEAKER_01Also meine Erfahrung, vielleicht gibt es da draußen Hochschulen, die das anbieten.
SPEAKER_03Also ich muss sagen, ich bin da mein meinem Dirigierprofessor, dem Hermann Paluber, wahnsinnig dankbar, weil der immer gesagt hat, dirigier alles, was nicht bei drei auf einem Baum ist. Wenn das Kinder beim Laternenumzug sind, wenn das ein Jugendorchester ist, wenn das ein großes Orchester ist, einfach machen, sich beschäftigen und tun. Und wenn mich heute jemand fragt, wir haben die Möglichkeit, eine ganz begeisterte Person anzustellen, entweder für unser Jugendorchester oder für das Erwachsenenorchester, was würdest du raten? Dann würde ich immer sagen, nimm die begeisterte Person für das Jugendorchester, das ist die Zukunft. Da müssen die guten Leute ran. Und wenn die grundsätzliche Arbeit gut gemacht ist in der Ausbildung, dann kann man da lang davon zehren und profitieren und dann auch eben mal verschmerzen, dass man nach oben hin vielleicht übergangsweise nicht die perfekte Lösung hat. Aber wenn man quasi im Jugendbereich, ich möchte jetzt nicht vom Puschen reden, aber wenn man halt da quasi einspart oder sagt, das tut's schon, dann schneidet man sich selber ganz, ganz arg ins eigene Fleisch.
SPEAKER_01Finde ich schöne Worte zum Schluss. Normalerweise mache ich ja in den Einzelinterviews immer eine Schnellfragerunde. Das mache ich heute nicht, weil sonst führt das zu weit. Aber ich habe eine Frage, die ich euch trotzdem gerne stellen würde, weil die sehr beliebt ist. Welches Buch würde, welches Buch oder welchen Film würdet ihr empfehlen, dass man mal gelesen bzw. geschaut haben sollte? Muss nicht zwingend was mit Musik zu tun haben. Also es darf jetzt gern geöffnet sein. Das ist die schwerste Frage, was ich habe.
SPEAKER_00Ja, schwierig, sich zu entscheiden. Sich für eins jetzt zu entscheiden. Ich möchte, glaube ich, einen Film empfehlen, der garantiert sowieso alle schon kennen. Aber ich sage Ihnen jetzt trotzdem, weil das ist wirklich jetzt gerade das Erste, was mir einfällt. Alles steht Kopf von Pixar. Weil ich finde, der macht einfach alles richtig. Also das ist unglaublich, wie der es schafft, Dinge in Bilder zu verpacken und dafür eine Sprache zu finden, für die ich nie so eine Sprache gefunden hätte. Und ich zitiere diesen Film in dieser Bildhaftigkeit relativ häufig, merke ich. Also wie diese Emotionen funktionieren, wie Erinnerung funktioniert und diese nach innen Sicht. Und also ich finde die Figuren alle grandios. Ich finde es grandios, dass es ein Mädchen ist, was so stark dargestellt wird. Ein ganz, ganz toller Film und absolut nicht nur für Kinder, sondern wirklich für alle.
SPEAKER_04Also ich habe gerade das, also ich habe gerade das jetzt zu Ende gelesen. Und TC Boyle spricht mit mir. Kann man das sehen? Das ist cover. Genau. Das war jetzt einfach das Letzte, was ich gelesen hatte. Ich lese sonst ganz viele historische Romane, das ist ja eigentlich immer das Gleiche, da geht es jetzt mal um England im 9. Jahrhundert und so weiter. Das ist irgendwie ein Faible von mir. Aber das TC Boy-Ding ist super. Ist, ja, wie kann man das nennen eigentlich? Diese ziemlich verrückte Geschichte über eine Liebe zwischen einer Frau und einem Affen und über die Affenforschung, also Tierforschung im weitesten Sinne. Oder auch leider Tierversuche leider im weitesten Sinne. Ist aber ein toller Roman, habe ich total gelesen. Ist jetzt, ist auch jetzt nicht hoch anspruchsvoll, kann man auch gut mal so weglesen beim Einschlafen. Und trotzdem ist es ein bisschen kurios, ist mir irgendwie auf alle Fälle hängen geblieben und auch auf alle Fälle empfehlenswert. Sowieso ist TC Boy ja, wenn man den, wenn man so ein bisschen auf schwäge Sachen steht, ist er sowieso empfehlenswert. Also das wäre von mir mein Beitrag.
SPEAKER_03Ja, meine Empfehlung wäre von Stephen Cavi, die sieben Wege zur Effektivität. Das hat mich doch in meinem persönlichen und beruflichen Werdegang stark geprägt. Geht es eben um Themen wie Kommunikation, wie Proaktivität, neue Wege gehen, versuchen, auch die Kommunikation anderer zu verstehen und dass man nicht immer nur einen Standpunkt haben kann und darf. Und ja, absolute Empfehlung für alle, die sich da beruflich und mental auf einen neuen Weg machen wollen.
SPEAKER_01Das ist doch eine sehr schöne bunte Mischung. Film, was Unterhaltsames und dann noch so ein bisschen was Lehrreiches. Was sind abschließend eure privaten Wünsche und die Wünsche an die Kulturszene?
SPEAKER_04Ich wünsche mir einfach nur, dass Normalität zurückkehrt. Ein Vertrauen und die Hoffnung sich bestätigt, dass wir bald wieder in einem normalen Modus Kultur erleben können, weil wir das einfach dringend brauchen.
SPEAKER_03Ja, ich wünsche mir, dass wir nicht wie vor Corona weitermachen, sondern dass wir auch die Gedanken und die Impulse und Chancen nutzen, die sich durch diesen Einschnitt, sag ich mal, auch geben, dass man eben neue Formate mitnimmt, bisher Undenkbares oder Unerhörtes, hörbar und denkbar macht, dass man vielleicht auch ein paar Tabus aufbricht und einfach noch offener damit wird, was Kultur ist, wie vielfältig die Kulturlandschaft sein kann und eben möglichst viel auf die Beine stellt, dass das kulturelle Leben wieder ganz reichhaltig in Gang kommt.
SPEAKER_00Ich wünsche mir, dass wir nicht aufgeben, dass niemand aufgibt, dass niemand die Hoffnung verliert und niemand den Optimismus verliert und den Fokus auf das Positive irgendwie behält. Ich glaube, sonst werden wir hier alle verrückt.
SPEAKER_01Okay. Vielen, vielen lieben Dank, dass ihr drei euch die Zeit genommen habt, dieses doch komplexe Thema mal so ein bisschen anzugehen und ein bisschen aufzumachen. Ich glaube, wir haben relativ viele Standpunkte mal so auch angeschnitten. Natürlich findet man keine Lösung, das ist natürlich klar. Aber ich glaube, Impulse hat es auf jeden Fall gegeben. Vielen, vielen Dank.
SPEAKER_03Danke dir.
SPEAKER_00Ja, auch vielen Dank. Ich fand es total bereichernd. Dankeschön.
SPEAKER_04Danke sehr.
SPEAKER_01Das war die 53. Folge und vielleicht wisst ihr jetzt mehr, was Kultur ist, was Kultur kann und wofür Kultur eigentlich da ist. Als Dirigent, als Musiker sehe ich mich auch in der Verantwortung mit meinem Verein natürlich Kulturschaffender zu sein. Auch wenn wir vielleicht nicht selbstständig sind. Wir sind ein Teil der Kulturschaffenden. Das heißt, wir sollten uns auch darüber Gedanken machen, wie unsere Vereine ein Teil der Kultur sein könnten und was können wir noch mehr dafür tun. Mir hat das Gespräch relativ viel Input gegeben. Ich habe meine eigenen Handlungsweisen auch nochmal überdacht, auch in Bezug auf Handynutzung während des Konzerts. Ich bin da leider auch jemand, der immer mal wieder mitfilmt. Um ja, ich denke mir jedes Mal, dass ich mir die Sachen nochmal angucke, weil ich das Arrangement gut fand oder so. Und letztendlich, ich tue es tatsächlich sehr, sehr selten. Und bin dann doch auch weniger im Moment. Und ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreibt, welchen Input ihr mitgenommen habt oder welche Ideen euch gekommen sind, wie ihr Vereine, wie die Blasmusik noch mehr ein Teil der Kultur sein kann, wie neue Wege aussehen könnten oder wo ihr den Podcast einfach hört. Das könnt ihr zum Beispiel auch auf eurer Instagram-Story machen und mich verlinken. Wenn ihr Gäste Wünsche habt, dann schreibt mir die entweder per Mail, info.andyschreck.de oder in die Apple Kommentare. Da sehe ich auf jeden Fall eure Wünsche. Wenn euch der Podcast gefällt und ihr mich unterstützen wollt, dann möchte ich euch meinen Patreon-Kanal ans Herz legen. Patreon ist eine Plattform, um Kreative wie mich zu unterstützen und einen Teil von so einer kleinen Community zu sein. Und da ist man relativ schnell dabei, das ist gar nicht so teuer. Das wären vielleicht zwischen drei und acht Euro. Man kann sich da ein bisschen was raussuchen. Natürlich kann man das jederzeit kündigen. Also ihr seid nicht an irgendeinem Knebel-Abo oder so gebunden. Als Dankeschön gibt es im Monat 1 bis 3 zusätzliche Folgen. Meistens sind das Gespräche auch mit Gästen, die schon mal hier waren. Im Moment geht es viel um Leadership. Da ist Matze Jos dabei, der wird jetzt öfters kommen. Also wer mal wissen will, wie Leadership im Verein auch funktionieren kann, dem sei das natürlich erst recht ans Herz gelegt. Ich möchte mich an der Stelle bei den bisherigen Patreonen bedanken. Das wären nämlich der Tobias, der Thomas, der Jo, der Frank, der Philipp, der Ralf und der Christian vom Blasmusikverband Hochrein, bei Marc, Susanna, Markus, Saskia, Felix, Rainer, Andi, Andreas, Tobias, Bettina, Dennis und der Jasmin. Vielen, vielen Dank, dass ihr schon dabei seid und mir so ein bisschen ermöglicht, im Hintergrund die Dinge so zu tun, wie sie sind. Wenn euch das interessiert, was da so alles passiert, wenn ihr noch mehr Tipps haben wollt, Musiktipps, Artikeltipps zum Musiksein, zum Üben, zum Ja, manchmal auch Persönlichkeitsentwicklung, dann empfehle ich noch meinen Newsletter, die E-Mail, die kommt ein bis zweimal im Monat. Den Link findet ihr auch in den Show Notes. Ich möchte mich noch bei den Supporters bei Buffet Gramp und bei Volles Rohr Blasmusik bedanken, and bei der Musik bei Dick Matthews. Und ich hoffe, ihr seid beim nächsten Mal wieder dabei. Ich wünsche euch eine gute Zeit. Macht's gut, euer Andi.