On Air - Der Blasmusik Podcast
Podcast rund um das Thema Blasmusik. Andy Schreck, selbst u.a. Dirigent und Lehrer für Musik an einem Gymnasium trifft sich mit Musikern, Dirigenten, Komponisten und Visionären um über Musik und das Leben zu sprechen und andere für neue Ideen zu begeistern.
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Hendrik Vollmer - Wie können wir Blasmusik neu denken?
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Hendrik Vollmer hat einen spannenden Werdegang hinter sich. Hat er zunächst eine Ausbildung als Tischler absolviert, reichte ihm das anscheinend nicht und er ging an die Robert-Schumann Hochschule in Düsseldorf und belegte ein Studium im Hauptfach Klarinette. Nach mehrjähriger Orchester- und Dozententätigkeit, Leitung von verschiedenen Musikvereinen, widmete er sich 2008 seinen Unternehmen “Instrumentenservice Hendrik Vollmer”.
In den vergangenen Jahren hat er umfassende Erfahrungen mit der Integration von Instrumentalunterricht an allgemeinbildenden Institutionen gesammelt und landesübergreifende Projektpartner in allen Phasen der Organisation und Durchführung des Unterrichts unterstützt. Mittlerweile ist aus dem ehemaligen Start-Up ist ein junges, wachsendes Unternehmen geworden. Das nächste Großprojekt steht auch schon an
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Weil es ist was Neues. Ich konnte das Konzept sehr gut darlegen, denn es ist ja keine Messe, sondern ich finde sehr wichtig, dass es ein Messe-Event ist. Eine Messe ist für mich, ich gehe in eine Halle und gehe an Ständen vorbei, guck links, guck rechts und gehe mal auf irgendeinen Stand und frage mal und erkundige mich mal. Ich finde aber, dass sowas zum Erlebnis werden muss und dass es Spaß machen muss, dahin zu gehen und dass man ganz viele unterschiedliche Sachen erlebt, wo man auch selber vielleicht gar keinen direkten Bezug zu hat. Und dieses Konzept haben alle direkt verstanden, gefeiert, fanden alle irgendwie cool, sodass ich dann auf einmal die größeren mit an Bord hatte und dadurch dann auch mehrere von den kleineren oder vorsichtigeren dann irgendwie bekommen habe, die dann gesagt haben, Mensch, wenn die da hingehen, dann fahre ich da auch hin. Dann mache ich das auch.
SPEAKER_01Herzlich willkommen bei OnAir, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Guten Tag, herzlich willkommen. Schön, dass du wieder dabei bist bei einer neuen Folge von On Air. Ich hoffe, dir geht's gut, wenn ich das hier aufnehme, ist bei mir draußen strahlender Sonnenschein. Und bevor ich nun zu meinem Gast komme, wie immer zu meinem Supporter. Der ist schon fast seit Beginn an Buffet Gramp, Europas größtem Hersteller von Blasinstrumenten. Buffet Grampant steht für langjährige Tradition. Das merkt man in der Erfahrung im Instrumentenbau und sie sind seither immer wieder an Weiterentwicklung von Blasinstrumenten aller Art interessiert. Beispielsweise haben sie vor kurzem erst das neue Ventil für Posaun entwickelt, das Icon Valve. Auch wegen solcher Verbindung von Tradition und Innovation im Instrumentenbau hat die Ausbildung bei Buffet Grampant an den beiden Standorten in Markneukirchen und Geritzried einen hervorragenden Ruf. Dort werden seit Jahrzehnten viele Holz- und Blechblasinstrumentenmacher und Macherinnen erfolgreich in ihrem Handwerk ausgebildet. Wenn du auch Lust und Interesse am Instrumentenbau hast, dann bewirb dich doch einfach bei Buffet Gramport. Weitere Infos findet ihr in den Shownotes oder direkt unter www.buffetgramporgroup.com. Mein heutiger Gast ist ein ganz besonderer Gast. Manchmal kenne ich meine Interview-Gäste sehr, sehr wenig. Also viele meiner Gäste kenne ich natürlich über Instagram und weiß, was sie so tun. Manchmal habe ich Gäste, da weiß ich ganz wenig, das finde ich total spannend. Und trotzdem hat man ja manchmal Erwartungshaltung. Und ich freue mich jedes Mal drüber, dass diese gebrochen werden. So auch bei der Folge. Ich habe heute im Interview jemanden, der für die Blasmusik brennt. Ein Machertyp, der einfach sagt, okay, ich habe eine Idee, ich mach das jetzt einfach. Wir reden zum Beispiel über Handwerk und Musik. Wo liegen die Unterschiede? Wir reden auch darüber, dass Corona nicht immer dazu geführt hat, dass es weniger Musiker gibt, sondern dass plötzlich mehr angefangen haben, ein Instrument zu spielen. Jetzt ist nur die Frage, wie bekommen wir die in den Verein. Also liegt das Problem bei den Musikern oder liegt das Problem eher bei den Vereinen? Wir reden auch darüber, wie Leadership aussehen kann in einer Firma, die jetzt auch sogar sagt, wir wollen eine Messe planen. Wir reden auch über Entwicklung der Blasmusik in Nordrhein-Westfalen. Ihr merkt, das ist eine ganz, ganz spezielle Folge und ich hatte so einen unglaublichen Spaß, mit ihm zu reden, denn er brennt förmlich für seine Ideen, für sein Vorhaben und ich hoffe, er kann euch genauso überzeugen, wie er mich überzeugt hat. Ich wünsche euch viel Spaß. Mein heutiger Gast hat einen spannenden Werdegang hinter sich. Hat er zunächst eine Ausbildung als Tischler absolviert, reicht ihm das anscheinend nicht und er ging an die Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und belegte ein Studium im Hauptfach Klarinette. Nach mehrjähriger Orchester- und Dozententätigkeit, Leitung von verschiedenen Musikvereinen, widmete er sich 2008 seinem Unternehmen Instrumentenservice Hendrik Vollmer. In den vergangenen Jahren hat er umfassende Erfahrungen mit der Integration von Instrumentalunterricht an allgemeinbildenden Institutionen gesammelt und landesübergreifende Projektpartner in allen Phasen der Organisation und Durchführung des Unterrichts unterstützt. Mittlerweile ist er aus dem ehemaligen Start-up ein junges, wachsendes Unternehmen geworden. Das nächste Großprojekt steht an und ich freue mich, dass er hier ist. Herzlich willkommen, Hendrik Vollmer.
SPEAKER_00Herzlichen Dank für die Einladung.
SPEAKER_01Hendrik, die erste Frage, bevor wir dann so richtig ins Thema gehen, ist: Welches Musikstück hast du dir als letztes bewusst angehört?
SPEAKER_00Das ist eine gute Frage. Es sind sogar mehrere, da ich aktuell noch ein Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr leite und ich mich gerade mit der Programmplanung des Jahreshauptkonzertes beschäftige, habe ich mehrere Musikstücke mir richtig angehört. Und jetzt überlege ich gerade, was so das richtige Highlight war. Ich glaube, ein Stück, was für mich, was mich auch während meiner Zeit sehr, sehr musikalisch geprägt hat, weil es ganz viele tolle Facetten hat, ist das Werk Jazz. Und das ist so tolle Musik, die so ins Herz geht und so selten gespielt wird eigentlich. Und das ist für mich ein Werk von, zumindest jetzt die Blasorchester-Version, von grandiosen Momenten, sowohl auch fürs Publikum als auch für die Musiker auf der Bühne. Da sind so tolle Strukturen, so tolle melodiöse Abläufe, so rhythmisch präzise Sachen drin, die ja, also das packt eigentlich jeden, das ist so tolle Musik. Und ja, ich würde sagen, das ist nicht nur eins der Werke, die jetzt irgendwie aktuell mal wieder auf dem Pull landen sollen, sondern das begleitet mich eigentlich schon ein paar Jahre. Also das kommt immer wieder auf und das ist immer wieder ein Werk, wo ich sage, wow, das ist.
SPEAKER_01Okay, cool. Ja, ich kann es nachvollziehen. Originalmusik ist ja, glaube ich, von den Abba-Jungs, oder? Yes. Genau. Und Blasorchester von The May, wenn ich es jetzt richtig im Kopf habe. Ja, schönes Stück. Sehr schönes Stück. Hendrik, ich würde ja auch gerne bei dir so ein bisschen biografisch vorgehen, damit die Zuhörer und ich auch so ein bisschen verstehe, woher deine Leidenschaft kommt, die dann so in dem Großprojekt, was wir ja dann gleich auch noch besprechen, mündet. Wie kam überhaupt Musik in dein Leben?
SPEAKER_00Ja, hier im Münsterland, wo ich aufgewachsen bin und jetzt auch wieder wohne, gehört der Musikverein fest zum kulturellen Leben. Und man wächst quasi mit dem Musikverein und somit auch mit dem, ja, mit den Menschen drumherum wächst man quasi auf. Freundschaften bilden sich da und so war es bei mir auch. Ich habe mit acht Jahren angefangen, Klarinette zu lernen dort. Und ja, das war so, das ist so die Wurzel. Und das Lustige ist, an dieser Wurzel bin ich jetzt auch wieder zurückgekehrt. So kann man das sagen.
SPEAKER_01Ich habe ja gesagt, du hast, bevor du Klarinette studiert hast, hast du Tischler gelernt. Warum? Also, das machen ja, also im Rückblick gesehen, mit denen ich mich jetzt in den letzten drei Jahren unterhalten habe, gibt es doch etliche, die zuerst eine Ausbildung gemacht haben. Warum war das bei dir so? War das einfach so, weil die Eltern gesagt haben, lern erstmal was Gescheites oder hast du dir die Klarinette in dem Alter dann halt noch nicht so zugetraut, dass du gesagt hast, ich will das beruflich machen?
SPEAKER_00Ja, der Traum, der war schon immer da, durch Auswahlorchester, wo man irgendwie auch Leute kennengelernt hat, die sowas irgendwie beruflich machen. Mein Klarinettenlehrer früher hat das beruflich gemacht. Es war aber so, dass ich familiär da so ein bisschen vorbelastet bin, weil wir zu Hause jahrelang eine Tischlerei hatten. Und so gab es zwei Herzen, so würde ich das mal sagen, die in mir ja immer auch noch so ein bisschen schlagen. Also das Handwerkliche so ganz beiseite legen kann ich mir auch nicht so richtig vorstellen. Klar ist das jetzt irgendwie eine untergeordnete Sache, aber rückblickend würde ich sagen, war das eine coole Erfahrung auch. Die man auch später im Alltag des Musikers, welcher ja vollkommen anders strukturiert ist, auch nochmal so ein bisschen mitgeprägt hat. Also die Erfahrung, morgens um halb sechs aufzustehen und dann auch wirklich was Handwerkliches zu lernen und abends was in den Händen zu halten, was man selber geschaffen hat, ich glaube, das ist eine tolle Erfahrung.
SPEAKER_01Also ich habe das vor allen Dingen im Studium immer beneidet tatsächlich. Also so als Musikstudent verschwindest du, keine Ahnung, drei Stunden, vier Stunden in deinem Übelkämmerchen, kommst raus und eigentlich hast du nichts vorzuweisen. Also du siehst nicht, was du gemacht hast. Also bei jedem Handwerker steht nach vier Stunden irgendwas. Und selbst wenn es noch nicht fertig ist, aber du siehst, da ist was gearbeitet worden. Aber bei uns Musikern ist das ja, du arbeitest und das passiert irgendwie immer nur für sich, so im Kleinen, aber du hast erst am Konzert wirklich was zum Präsentieren. Aber der Weg dahin ist das ja immer was, was du nicht siehst.
SPEAKER_00Ja, und es gibt noch eine Sache, Musik wird irgendwie nie fertig. Ja. Und ich sag mal, ein Schrank wird irgendwann fertig und dann steht er da. Aber Musik ist nie fertig. Das ist auch so eine Eigenschaft, die ganz toll an der Musik ist. Aber auf der anderen Seite auch das muss einem bewusst sein. Also dass man nie ein fertiges, fertiges Produkt so in den Händen hält, was immer so bleibt. Und das ist was Reizvolles an der Musik, aber das muss einem auch irgendwie bewusst sein.
SPEAKER_01Ja, das kann auch manchmal, finde ich, ganz schön zehren an allem irgendwie. Ich habe das auch noch nie erlebt, dass ich zu irgendjemandem bin, sage, hey, das war ein tolles Konzert, und der hat gesagt, ja, stimmt. Sondern es war immer so, ja, aber da und da und dann könnte man noch hier und so, selbst wenn es gut war, es gibt immer irgendwas, wo man nicht zufrieden ist, auch.
SPEAKER_00Ja, und das ist halt anders. Im Handwerk ist das anders, da hat man was geschaffen und entweder wird das ausgeliefert, der Kunde freut sich und es bleibt stehen. Oder es verlässt halt gar nicht die Werkstatt.
SPEAKER_01Konntest du das so ein bisschen für dich mitnehmen ins Studium? So diese Mentalität, okay, da ist jetzt was fertig und dann ist es auch mal fertig, dass du auch bei der Musik sagen konntest, okay, das ist einfach für heute wirklich gut.
SPEAKER_00Na, ich glaube einfach, die Erfahrung, die man in drei Jahren Lehre sammelt, also auch die Lebenserfahrung. Und dadurch, dass man auch vielleicht drei Jahre, ich habe danach noch ein Fachabitur in Richtung Bau- und Holztechnik gemacht, ich glaube einfach, die Erfahrung, die man da sammelt, ist nochmal eine andere als die, die man nur in der Schule sammelt. Weil man direkt auch mit Menschen in allen Altersklassen zu tun hat in der Lehre. Also ich habe in einer Tischlerei gelernt, mit damals, ich glaube, es waren sieben Leute. Und die Altersstruktur ging von 16, ich war 16, bis hin zu 55 oder 58. Und dieses Miteinander ist prägt dann nochmal anders, als unter Gleichaltrigen die ganze Zeit zu sein, glaube ich. Man bekommt so ein bisschen mehr mit. Und das sorgt auch später, zumindest bei mir hat das im Studium für eine gewisse Gelassenheit auch in einigen Situationen gesorgt. Ja, also das ist so eine Sache, die ich glaube ich mitgenommen habe aus der Lehre. Dass Musik nie fertig wird, das musste ich dann erst nochmal irgendwie so richtig lernen im Studium, weil das war für mich dann nochmal auch ein ganz anderer Schnack, bin ich jetzt auch ganz, ganz ehrlich mal. Also es war für mich auch eine harte Zeit. Ich musste viel üben. Ich bin nicht derjenige, dem das irgendwie alles zufliegt und zugeflogen ist, sondern ich bin eher so die Person, die dafür auch viel, viel tun musste.
SPEAKER_01Was ja auch nicht schlimm ist, also ich kenne wenige bei uns im Studium, denen das zugeflogen ist. Also es waren auch viele, inklusive mir, die sich das auch echt erarbeiten mussten. Also ich kann das schon verstehen. Vor allen Dingen, wenn, also mir ging das öfter so im Überraum, wenn dir dann irgendwann klar wird, okay, es liegt einfach gerade wirklich an dir selbst und nicht am Instrument, was man ja dann gerne so sucht und so. Sondern also das hat mich aber auch oder mir geholfen, reifer zu werden. Einfach die Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich weiß nicht, ob ich das über einen Lehrberuf so bekommen hätte.
SPEAKER_00Ja, also es ist die Selbstverantwortlichkeit. So kann man das ja auch einfach als Wort einfach wieder aufgreifen. Das ist ja auch das Tolle. Auf der anderen Seite ist das aber auch immer dieser Drahtseilakt an der Bühnenkante oder egal wo man eigentlich sitzt. Und dieses Momentum, was man dann haben muss. Ich glaube, das hat man zum Beispiel in einer handwerklichen Lehre, nicht dieses Momentum, weil eine handwerkliche Lehre ist eher so ein bisschen wie Segeln. Man hat ein bisschen mehr Zeit zu entscheiden, bevor was Schlimmes passiert. Ja, also so zu Notmacher Teilen zweimal und es fällt dem Kunden im Endeffekt nicht auf. Das ist beim Musikern ein bisschen anders. Also eigentlich ist es ganz anders. Da muss ich auf dem Punkt in diesem Moment meine Leistung abrufen können. Und da gibt es so viele Sachen, die da reinspielen. Das eine ist, wie bin ich körperlich drauf, wie bin ich mental drauf, welche Umstände hatte ich vorher? Hatte ich eine anstrengende Anreise, eine sechs Stunden Busfahrt, gab es vorher was zu essen? Habe ich zu viel gegessen? Ist der Magenvoll? Keine Ahnung, das sind so viele Sachen, die da beim Musiker reinspielen, die man, sonst wieder beim Handwerk nicht hat, ja, wo man, Handwerk ist eher wie Segeln und ja, Musik ist Höchstleistungssport in dem Momentum.
SPEAKER_01Also ich weiß nicht, wie es dir ging. Bei mir war das so und ist es heute auch noch so, ich komme heim und es ist trotzdem nicht fertig. Also mein Kopf geht immer um Musik oder so. Und ich könnte mir vorstellen, ich weiß es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass wenn man bei einem Lehrberuf, dann ist man während seiner acht Stunden in den Beruf und dann geht man heim. Und dann macht man sein Hobby und der Beruf bleibt Beruf.
SPEAKER_00Ja, ganz grundsätzlich ist es so. Ich habe das nicht so richtig erfahren. Einfach dadurch, dass wir zu Hause die Tischlerei hatten, spielte. Das bei uns im Familienleben hatte das einen ganz anderen Stellenwert. Und die Tischlerei war allgegenwärtig. Ja, und war eigentlich immer präsent. Klar hatte man irgendwie Abstand zu der Firma, wo ich gelernt habe oder zu dem Betrieb, wo ich gelernt habe. Aber dass ich da jetzt so komplett abgeschaltet habe, da bin ich auch nicht der Typ für. Also ich mag es gerne, mich mit vielen Sachen sehr intensiv auseinanderzusetzen. Und dann auch gerne bis ins letzte Detail. Und es ist vielleicht auch ein bisschen verrückt, aber diese Verrücktheit, die begleitet mich, hat mich sowohl in der Lehre begleitet als auch bei der Musik. Und dass ich irgendwie Musiker geworden bin, das war auch eher ein totaler Zufall, weil eigentlich war für mich klar, ich möchte ganz gern den Betrieb, den häuslichen Betrieb übernehmen. Ich hatte mir das dann irgendwie schon so ganz anders zurechtgelegt und ja, dann kam auf einmal die Wehrpflicht und dann kam der Militärmusikdienst der Bundeswehr und so ist das dann alles irgendwie entstanden. Ja, also das war dann auch alles eher so Zufall bei mir. Also das war nicht so, dass ich gesagt habe, nach meiner Lehre, ich werde jetzt Musiker. Das ist bei mir so entstanden.
SPEAKER_01Was haben deine Eltern dann gesagt, als du gesagt hast, ah, Planänderung, ich übernehme das gar nicht.
SPEAKER_00Ja, mein Vater fand das cool, weil er hätte das früher, hätte er die Chance gehabt oder die Möglichkeiten gehabt, hätte er das selber auch interessant gefunden. So generell. Meine Mutter war, glaube ich, erstmal nicht so begeistert, weil ich glaube, im Dunstkreis von 25 Kilometern hier gibt es keinen, der sowas irgendwie beruflich gemacht hat für die damaligen Zeit. Oder man kannte keinen oder es war nicht greifbar. Und ich sollte mir das nochmal überlegen. Aber die Überlegung war dann ziemlich schnell gemacht. Und es war dann irgendwie ziemlich schnell klar und absoluter Rückhalt. Und das, also auch irgendwie Druck oder so von zu Hause, überleg dir das nochmal, die Firma ist auch was Tolles und es hat die Familie jahrelang aufgebaut und irgendwann musste es noch weitermachen oder so, das gab es bei uns alles nicht. Das ist schön. Genau, also er, wie gesagt, positive, hundertprozentige Unterstützung. Und mein Vater hat dann gesagt: So, jetzt, ich wollte mir schon immer mal ein Klavier kaufen. Und er hat immer Akkordeon und Klavier gespielt. Und dann haben wir uns zusammen ein Klavier gekauft. Klavier steht da heute noch. Mein Vater hat da leider nur dann drei Wochen drauf gespielt, weil er dann irgendwie verstorben ist, plötzlich. Aber das ist, jetzt ist das so ein richtiges Andenken.
SPEAKER_01Das finde ich schön. Ja. Wir haben auch noch ein altes Klavier von dem Opa meiner Frau. Und sie sagt schon seit Jahren, sie will endlich Klavier lernen. Also der Einzige, der im Moment drauf spielt, bin ich. Aber das musste unbedingt mit. Das ist uralt und wir müssen da, glaube ich, noch echt viel machen. Aber so als Erinnerungsstück tut es echt gut. Und vielleicht spielt sie dann auch irgendwann mal.
SPEAKER_00Ja, also ich habe darauf fürs Studium geübt. Mein Sohn lernt jetzt gerade Klavier, mein Ältester, und mein Bruder klimpert darauf und es wird wirklich genutzt. Und es ist ein schönes Anhängen.
SPEAKER_01Hendrik, was hat dich 2008 dann dazu bewogen zu sagen, okay, ich mach nochmal, also nicht völlig was anderes, es hat ja schon noch was mit Musik zu tun, aber es ja nicht mehr auf der Bühne setzen.
SPEAKER_00Also 2000, ich war bis 2014 noch aktiv. im Militärmusiktdienst der Bundeswehr. Ich habe aber 2008, während einer Unterrichtstätigkeit, kam mal ein Vater mich zu und hat mich gefragt, Mensch, Hendrik, welche Klarinette muss ich denn kaufen? Oder wie läuft das überhaupt? Und dann habe ich ihm drei, vier empfohlen und dann hat er zu mir gesagt, das eine möchte ich dir sagen, nur weil meine Tochter morgen reiten möchte, kaufe ich ihr nicht gleich einen Pony. Und das war für mich die Aussage und die Initialzündung, ja, der hat eigentlich recht. Ja, der hat eigentlich recht. Und dann habe ich gesagt, gut, ich kaufe mir zwei Klarinetten und vermiete die einfach an meine Schüler. So ist das Ganze ganz einfach und ganz plump ist das entstanden. Zum damaligen Zeitpunkt war Mietkauf immer die Option. Also eine Kaufeinscheidung treffen, mindestens sechs bis neun Monate mieten und dann das Instrument entweder zurückgeben oder kaufen. Und das war aber für mich nie eine Option oder für meine Schüler nicht eine Option, die ich zumindest nicht empfehlen kann, weil man doch schon zu Beginn immer eine Kaufentscheidung treffen muss. Obwohl vielleicht die Affinität zu dem Instrument nachher so groß ist, dass die Entscheidung ganz anders ausfallen würde, auch bei den Eltern. Wenn man doch einfach eine Zeit vorher hat, wo sich das Kind oder vielleicht wo man sich selber auch mit dem Instrument beschäftigen kann, wo das Instrument auch eine ganz andere Wertigkeit für einen nachher hat? Und ja, nach welcher Erfahrung kauft man ein Musikinstrument, wenn man es selber nicht spielt? Das ist eine Empfehlung des Lehrers, eine Empfehlung des Verkäufers. Aber ist das wirklich das Instrument, was wirklich zu einem nachher selber passt? Ist es der Klang, wo sich ja alle doch irgendwie unterscheiden, der mir dann nachher wirklich gefällt? Also das waren für mich so Punkte als Dozentin, als Lehrer kann ich Schüler gut dabei begleiten, ein Instrument zu kaufen. Aber ich kann ja nicht die Entscheidung treffen für den Schüler. Und das war für mich dann damals irgendwie so der Impuls zu sagen, komm, ich kaufe mal zwei Klarinetten, die eine bestimmte Ausstattung haben, die aus meiner Sicht zwingend erforderlich ist, um sowas zu erlernen und vermiete das einfach. So ist das entstanden, 2008, im Nebenerwerb. Und ja, dann kam 2012 die große Strukturreform in der Bundeswehr. 2014 wurde die dann umgesetzt und ich habe mich dann 2012 dazu entschieden, bis 2014 noch zu machen. Es gab dann die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen, obwohl man noch länger gehabt hätte. Und diese Möglichkeit habe ich genutzt und bin dann 2014 ausgeschieden aus dem Militärmusikdienst der Bundeswehr und habe dann mich selbstständig gemacht. Bin dann quasi aus dem sicheren Hafen in die absolute Selbstständigkeit.
SPEAKER_01Gab das schon mal einen Moment, wo du das bereuterst?
SPEAKER_00Nee. Also nein.
SPEAKER_01Ja, ja, ja, ja, ja. Das war so selbstsicher. Das war gerade so. Also auch trotz Corona irgendwie gab es nicht immer einen Moment, wo du gedacht hast, ah, Militär wäre vielleicht doch noch ganz cool gewesen.
SPEAKER_00Ja, Corona war bei uns ganz anders als bei vielleicht vielen meiner Kollegen oder Händlerkollegen. Denn Corona hat bei uns eher zum Boost geführt. Denn während Corona hat auf einmal eine Zielgruppe, die wir vorher nie besessen haben, die beruflich voll im Saft stehen, die 30- bis 55-Jährigen, hatten 40 Prozent mehr Zeit als vor Corona. Und da gab es ganz viele drunter, die gesagt haben, Mensch, ich kann ja jetzt eigentlich gar nicht so richtig was machen. Ich kann nicht ins Fitnessstudio machen, alles ist Ihnen, das ganze kulturelle Leben steht still. Was soll ich denn machen? Und dann haben ganz viele gesagt, ich wollte schon immer mal ein Musikinstrument spielen. Ich möchte mir aber eigentlich keins kaufen, weil ich weiß ja gar nicht, passt das zu mir, habe ich die Zeit dafür? Und hier haben sehr viele davon bei uns gemietet. Nach anderthalb Wochen kein Telefon, keine E-Mail, also wirklich 100% Einbruch, ging es dann auf einmal 280 Prozent nach oben. Und das war eine total verrückte Entwicklung. Und das war Corona bei uns. Also klar, das kulturelle Leben stand still, die meisten, die sich in der Kultur bewegen, die auf der Bühne stehen, die haben einfach von heute auf morgen nichts mehr gehabt. Aber so das häusliche Musizieren, da muss ich sagen, das ist aus unserem Blickwinkel und wenn ich das beurteilen soll, ist das eher mehr geworden.
SPEAKER_01Okay. Glaubst du, dass die noch spielen?
SPEAKER_00Ein Großteil spielt noch, ja. Also wir sehen das ja an Kündigungen, die dann das Mietverhältnis ja irgendwann wieder kündigen. Und das ist prozentual gesehen, ist das um ein Vielfaches höher, diejenigen, die spielen. Ich habe jetzt keine genaue Prozentzahl, die ich jetzt irgendwie sagen kann, als die, die dann irgendwie gekündigt haben.
SPEAKER_01Okay. Das ist ja total spannend, weil dann wäre es ja die Aufgabe der Vereine, die Leute irgendwie mal mit an Bord zu kriegen.
SPEAKER_00Das ist die Aufgabe, ja.
SPEAKER_01Ja, weil ich höre immer nur von Vereinen, oh, wir haben viele verloren. Aber selten höre ich, da kam jemand Neues. Also wenn jemand Neues kam, dann war es meistens, wo ich mitbekommen habe, jemand, der schon länger nicht mehr gespielt hat und dann irgendwie in der Corona-Zeit halt sein Instrument mal wieder entstaubt hat. Aber wo du jetzt sagst, okay, die Zielgruppe, ja, Mitte 30 irgendwo, die quasi neu anfängt oder so und dabei bleibt, dann muss die ja irgendwann mal in den Verein kommen. Oder sollte.
SPEAKER_00Ja, aber ich glaube, das liegt nicht an den Leuten, sondern das liegt eher an Attraktivitätsproblemen im Verein oder in der Öffentlichkeitsarbeit im Verein oder dass die Wahrnehmung, was ein Musikverein macht, eine verkehrte ist bei vielen Menschen. Und da ist, glaube ich, eher der Hebel anzusetzen. Also es ist ja immer sehr leicht zu sagen, wir kriegen keinen Nachwuchs. Das ist ja, das funktioniert halt nicht. Das ist ja so die einfachste Lösung. Und wenn man dann fragt, was habt ihr denn bisher gemacht? Ja, wir verteilen Flyer in der Schule und wir schreiben es einmal in die Zeitung und dann ist ein Instrumentenvorstellungstag oder Instrumentenkarussell heißt das hier. Und dann kommt keiner und ja, das hat dann nicht geklappt. Und so machen wir das halt jedes Jahr und es funktioniert halt nicht. Und vielleicht muss man sich was anderes überlegen, um die Personen anzusprechen. Und die Wahrnehmung in den Köpfen, also was für Musik gemacht wird, spielt da, glaube ich, eine große Rolle. Das ist Punkt 1 und Punkt 2 ist die Verpflichtung. Also wenn ich mir das jetzt hier bei mir in der Gegend ansehe, haben die Vereine immer zwischen fünf und elf Feste, so Schützenfeste. Das ist ja hier so das, was hier gefeiert wird und wo die ganzen Vereine spielen und sich auch dadurch finanzieren. Die gehen dann alle drei Tage und wenn so ein Verein zehn Feste hat, a drei Tage, sind das 30 Tage im Jahr, also am Wochenende, es wird die Samstag, Sonntag, Montag. Und da sagen dann einfach auch, glaube ich, zu viele, Mensch, da habe ich keinen Bock drauf, so viele Tage, so eine Verpflichtung und wenn ich das mache, mache ich das entweder richtig oder überhaupt nicht. Und ich glaube, da ist ein riesen Knackpunkt, wo man ansetzen muss als Verein, vielleicht mit unterschiedlichen Besetzungen zu arbeiten und auch erstmal diese Verpflichtungsschiene, das ist ja häufig so, hier musst du unterschreiben und das ist übrigens unser Terminplan. Das ist ein Totschlagargument für mich. Dann haben schon viele einfach keine Lust, weil dann geht es auch nicht mehr um Musik machen, sondern dann geht es um terminliche Bindung.
SPEAKER_01Das stimmt. Und die Zeiten haben sich geändert. Muss man ja auch einfach sagen. Früher war das halt eine ganz andere Zeit. Heute haben, ich weiß nicht, sind die Jobs anders dann natürlich auch aufgestellt als früher? Das Leben an sich funktioniert ja anders als früher. Deswegen glaube ich, ist das mit der Verpflichtung ganz schwierig und ich hatte genau das gleiche Gespräch vor drei Wochen. Wir hatten ein Konzert, ich musste Corona-bedingt eine Klarinette ersetzen. Hab eine alte Freundin von mir angerufen, die mittlerweile keinen Verein mehr hat und hat sich total bedankt, dass ich sie angerufen habe, dass sie mal wieder spielen konnte. Hat es mega Spaß gemacht und ich habe gesagt, hör zu, wir suchen eh Klarinetten. Willst du nicht anfangen? Und das Erste, was sie gesagt hat, war, ich will aber nicht mehr einen Verein. Weil genau das, was du gesagt hast, ich will nicht dauernd auf irgendwelchen Festen und dann muss ich hier eine Prozession mitlaufen und habe hier noch irgendwie ein Geburtstagständchen zu spielen. Das ist hier zu viel. Das schafft sie nicht, das möchte sie nicht mehr. Und ich habe ihr ganz klar gesagt, das musst du nicht. Da ist auch keiner böse. Du kommst von außerhalb sowieso, da erwartet sowieso schon mal niemanden, dass du für drei Stück Geburtstagsständchen, weil Onkel Karl 70 wird, anfährst. Ja, ist so. Und sondern wenn du sagst, okay, ich will einfach nur uns die drei großen Hauptkonzerte mitspielen, dann ist da niemand böse, wenn es vorher klar kommuniziert ist. Also das stimmt zu 100%, was du sagst. Das liegt viel daran, dass sofort jemand da ist und der wird dann sofort irgendwie so umzingelt und dann, es geht ja nicht nur um Spielen, wenn du das fest ausrichtest, musst du ja dann auch selber noch irgendwie helfen und so. Und dann wird es natürlich schwierig, weil einfach glaube ich, die Tun-Seite im ersten Moment viel zu groß ist von dem, was du eigentlich machen willst.
SPEAKER_00Ja, das ist ein Riesenpunkt. Also es geht auf einmal nicht mehr um Musik machen. Und das ist ein, aus meiner Sicht ist das die Herausforderung, mit der die Vereine oder das ist die größte Competition. Weil die Aussage, es gibt keinen, der das macht, oder es hat da keiner mehr Lust zu, oder das ist einfach. Ja, ich kann das Gegenteil belegen. Wenn ich mir unseren, wenn ich mir unseren Kundendurchschnittsalter ziehe, kann ich das Gegenteil belegen, dass das nicht so ist. Und Corona hat dazu geführt, dass im häuslichen Bereich mehr Musik gemacht wurde.
SPEAKER_01Ja, dann müssen wir uns mal alle überlegen, wie wir das, wie wir die Blasmusik und die Vereine attraktiver machen. Eine Sache dazu steuerst du ja bei, nämlich die große Blasmusikmesse, die jetzt im September stattfindet. Ein Großprojekt, wo du gerade selber gesagt hast, du wächst daran, weil du plötzlich Dinge tun musst, die du vorher eigentlich noch nie gemacht hast. Meine erste Frage dazu ist erstmal, wie kommt man darauf zu sagen, hey, mir ist so langweilig, ich will jetzt nochmal eine Riesenmesse organisieren?
SPEAKER_00Ja, das ist eine gute Frage. Ja, wie kommt man dazu? Wir sind mitten in der Pandemie umgezogen mit meinem Unternehmen in eine andere Räumlichkeit, weil die Alte einfach zu klein geworden ist. Und es passte dann nicht mehr. Wir brauchten Arbeitsplätze, wir brauchten ein größeres Lager, wir brauchten eine andere Logistik, wir brauchten auch eine andere Ausstellungsfläche. Und als das dann alles passiert ist, habe ich dann irgendwie gesagt, Mensch, jetzt müssen das Leute auch wissen hier im Umkreis, dass man bei uns vielleicht nicht nur Instrumente mieten kann und wir das einfach überall hin verschicken in die weite Welt, sondern dass es hier einen Anlaufpunkt gibt für Blasmusik, Interessierte und Begeisterte. Und dann habe ich gesagt, wir machen eine Hausmesse und rufen mal so die Brands an, mit denen wir so intensiv arbeiten und fragen einfach mal, ob sie Lust haben, das mitzumachen. So, und dann gab ein Wort das andere in dem Teammeeting. Also wir haben ein regelmäßiges Teameeting. Und dann ging es darum, mehr Mensch, irgendwie ist das dann doch noch irgendwie viel zu klein. Wir brauchen Zelt, wir brauchen Parkplatz, wir brauchen Toiletten, wir brauchen Catering, wir brauchen Security, wir brauchen, keine Ahnung, wir brauchen auf jeden Fall tausend Sachen. Und dann habe ich gesagt, ja gut, dann brauchen wir halt 1000 Sachen, aber das ist doch irgendwie, das ist doch bestimmt eine coole Nummer und da haben doch bestimmt viele Leute Bock drauf. Gesagt, getan. Ich habe zum Glück ein sehr, sehr verrücktes Team. Wir sind alle relativ jung auch und irgendwie so frisch und wir lieben verrückte Sachen. Darf ich ganz kurz fragen, wie groß ist dein Team? Wir sind jetzt 15. Okay, 15 nach Hause machen. Und wir lieben irgendwie alle so verrückte Sachen. Und ja, ich bin dann nach Hause gefahren, habe meiner Frau davon erzählt und die schüttelte eigentlich nur den Kopf und hat gesagt, jetzt kommt schon das nächste. Ich bin froh, dass wir den Umzug gerade irgendwie in das neue Ladenlokal hinter uns haben. Jetzt kommt schon irgendwie wieder das nächste. Wie willst du denn alles machen? Und dann habe ich gesagt, weiß ich auch nicht, aber ich finde den Gedanken irgendwie ganz toll. So, und kurze Zeit später, nach diesem Teammeeting, habe ich eine Pop-Up-Ne Push-Up-Nachricht auf mein Handy bekommen. Musikmesse Frankfurt nach 40 Jahren eingedampft. So, und dann habe ich gesagt, das gibt es doch nicht. Es muss doch irgendwie ein Branchentreff geben. Also irgendwie, das gehört doch irgendwie so mit dazu. Zwar war mir natürlich bewusst, durch meine eigene Ausstellertätigkeit auf der Messe, als auch auf vielen Besuchen, dass das rückläufig ist, dieses Messekonzept. Und dass auch die Versuche, die Messe irgendwie richtig wieder in Fahrt zu kriegen, dass das nicht funktioniert hat. Aber dennoch war ich da echt total überrascht. So, und dann kam ich morgens ins Büro und dann hatten das meine Mitarbeiter auch schon alle gelesen. Und dann haben alle gesagt, ja Mensch, das kann ja auch eine Chance sein. Das kann ja auch irgendwie eine Möglichkeit sein. Und dann habe ich gesagt, ja, vielleicht ist ein Zelt doch nicht richtig. Und dann haben wir überlegt, was gibt es für Locations in der Gegend? Weil das war dann ja auch schon März. Wo kann man denn sowas machen? Und gibt es überhaupt einen Termin? Haben wir einen Termin festgelegt, 3., 4., 9. Habe ich zwei Locations angerufen. Eine war total unfreundlich und hat gesagt, alles viel zu kurzfristig und kann man sich mir gar nicht vorstellen. Und wie will man denn sowas überhaupt machen? Und nee, haben wir überhaupt gar keine Lust zu. Und Blasmusik, es ist auch so laut und das war dann irgendwie nichts. Und die zweite Location, die Audimax-Halle im Dorf Münster, die waren davon total begeistert. Die konnten sich das vorstellen. Die haben gesagt, wir haben die ganze Peripherie, die stellen wir, von Parkplatz bis Toilette, von Halle bis Strom bis hin zum Außengelände. Wir haben unzählige Möglichkeiten. Und wir hatten dann die Möglichkeit, den Termin zu blocken. Und die haben das einfach mitgetragen und das war für uns natürlich wie ein sechs Helm Lotto. Weil wir hatten die Halle, wir hatten einen Termin und wir konnten dann auf Ausstellerakquise gehen. Und da habe ich gedacht, boah, das kriegen wir schon irgendwie hin. Da habe ich die ersten angerufen und da habe ich festgestellt, Mensch, ist doch nicht so einfach. Weil ich habe mir gedacht, Mensch, fängst du erstmal bei zwei, drei Klein an und guckst mal, wieso die Stimmung ist. Und da habe ich gemerkt, dass das nicht so einfach ist. Sondern dass viele vorsichtig sind, gerade jetzt nach der Pandemie. Und dann habe ich überlegt, ja, aber ich möchte das unbedingt machen. Und dann bin ich an die Großen gegangen. Buffet Grompont, Yamaha, dann Jürgen Stölzel mit den ganzen Brands, die da drunter sind. Und da habe ich gemerkt, Mensch, da geht man auch durch offene Türen. Weil es ist was Neues. Ich konnte das Konzept sehr gut darlegen, denn es ist ja keine Messe, sondern ich finde sehr wichtig, dass es ein Messe-Event ist. Eine Messe ist für mich, ich gehe in eine Halle und gehe an Ständen vorbei, guck links, guck rechts und gehe mal auf irgendeinen Stand und frage mal und erkundige mich mal. Ich finde aber, dass sowas zum Erlebnis werden muss und dass es Spaß machen muss, dahin zu gehen und dass man ganz viele unterschiedliche Sachen erlebt, wo man auch selber vielleicht gar keinen direkten Bezug zu hat. Und dieses Konzept haben alle direkt verstanden, gefeiert, fanden alle irgendwie cool, sodass ich dann auf einmal die größeren mit an Bord hatte und dadurch dann auch mehrere von den kleineren oder vorsichtigeren dann irgendwie bekommen habe, die dann gesagt haben, Mensch, wenn die da hingehen, dann fahre ich da auch hin. Dann mache ich das auch.
SPEAKER_01Ich habe zwei Fragen dazu. Erstens, warum glaubst du, ist es oft so, dass die kleineren Angst haben? Weil ich finde, das kannst du ja auch auf Vereine oder so übertragen. Es gibt ja viele Vereine, die einfach Angst haben, was Neues zu machen. Wenn jetzt der Verband irgendwas vorgeben würde, dann würden die mitziehen. Das ist das eine. Und das zweite ist, was heißt Event? Also was erlebe ich?
SPEAKER_00Also zur ersten Frage, warum das so ist, ich glaube, jetzt, wenn ich das auf die Messe beziehe, bevor jemand, der in der breiten Masse, da geht es ja nicht um Qualität, sondern nur um in der breiten Masse nicht so bekannt ist, sich bereit erklärt und den Aufwand auf sich nimmt, bis ins Münsterland zu reisen, was ja auch jetzt nicht das Blasmusikmecker, zumindest vom Bekanntheitsgrad her ist, sagen alle, Mensch, bevor das Ding floppt und ich, dass dieses Invest tätige, also nicht nur das Invest in Form von Geld, sondern auch in Form von Zeit, von Vorbereitung. Da gucke ich erstmal, also da müssen die Großen schon oder die Bekannten, die so im Volksmund überall bekannt sind, die müssen schon dabei sein, weil sonst kommt nachher keiner und dann habe ich so viel investiert für nichts. Und wer ist das überhaupt? Der Vollmer kann da überhaupt so viele Leute begeistern. Ja. Und ich glaube, das sorgt dafür, dass viele sehr zögerlich gewesen sind. Und vielleicht auch immer noch sind. Also es gibt ja auch viele, die sagen, ich gucke mir das jetzt erstmal an beim ersten Mal. Ja. Das ist ja auch vollkommen legitim. Und daran müssen wir jetzt irgendwie arbeiten. Und das ist auch unsere Aufgabe, dass das Ding natürlich durch die Decke geht. Ja, und zweite, zweite, zweite Frage, was bedeutet Event für mich? Event bedeutet für mich, dass ich auf jeden Fall nicht nur durch eine Messehalle gehe und links und rechts gehe. Gucke, sondern dass ich, also wir bauen in die Hallenmitte eine Mainstage, wo alle zehn Minuten ein Stand-up-Workshop stattfindet. Das Ganze, wir haben den Ausstellern die Möglichkeit gegeben, Innovationen, Produkte über Endorser in einem zehn Minuten Stand-up-Workshop in der Halle zu präsentieren. Und es wird so sein, dass auf einmal der Fokus der gesamten Halle, also auch durch die Beleuchtung alleine, auf die Mainstage geht. Das Messegeschehen dadurch so ein bisschen vielleicht auch gedämmt wird für zehn Minuten und dann läuft eine Uhr runter. Es gibt wirklich nur diese zehn Minuten, wo wirklich Content geliefert wird. Und zehn Minuten Saxophon ist vielleicht auch für den Trompeter interessant, und zehn Minuten Trompete ist auch für den Saxophonisten interessant. Und ja, das ist da, kann man sich hinstellen an dieser Main Stage, die ist von beiden Seiten ist die quasi zu begehen oder ist die auch offen von beiden, also beidseitig 360, eigentlich 360 Grad. Ja, und ja, da dadurch erhoffe ich mir, dass das Ganze so ein Event-Charakter bekommt, weil einmal einfach aus diesem Messegeschehen in regelmäßigen Abständen einfach so rausgerissen wird. Dieser Stand-Up-Workshop wird dann in einem anderen Bereich, einem abgetrennten Workshop-Bereich, dann fortgeführt. Oder halt am Stand, je nachdem, wie die Marken und Hersteller das dann machen wollen. So kommt zum Beispiel Benny Brown da, Bertol Chick kommt, die Katja Lau kommt, Martin Reutner. Also es kommen schon wirklich ein paar richtig, richtig gute Leute. Es kommen einige, die auch Innovationen vorstellen, die jetzt einfach irgendwie kleiner sind, die jetzt irgendwie was Neues am Saxophon-Mundstück entwickelt haben. Und dadurch verspreche ich mir, da diese Bühne offen ist für Groß und Klein, dass sich da alle besonders viel Mühe geben, sich da sehr gut zu präsentieren und da für alle auch ein wirkliches Erlebnis zu schaffen. Und das, glaube ich, gab es so in der Art, dass auf einmal die komplette Halle auf einmal eher zum 10-Minuten-Konzert oder 10-Minuten-Workshop für alle wird. Ich glaube, das gab es so noch nicht.
SPEAKER_01Das klingt auf jeden Fall sehr cool. Also allein das, was du jetzt erzählst, finde ich schon mega spannend und stell mir gerade die Frage, warum so ein großes, eingesessenes Team wie die Messe Frankfurt, sowas nicht auf die Reihe gebracht hat, nach 40 Jahren einfach mal zu sagen, wir ändern unser Konzept.
SPEAKER_00Ich glaube, es gab da ja viele Konzeptänderungen. Es gab da ja viele Ideen. Sie haben ja nur alle irgendwie nicht gefruchtet oder sie haben den Besucher nicht gekitzelt. Und das Projekt Musikmesse Frankfurt hat ja nochmal ein ganz anderes ganz anderes Ausmaß als volles Rohrblasmusik. Also es ist ja wirklich nur für Fachpublikum, also für Fachpublikum im Sinne von Interessierten an Blasinstrumenten. Also es geht nicht um Streicher, es geht wirklich nur um Holz- und Blechblasinstrumente. Und ich glaube, dann ist es auch einfacher, was Cooles zu machen, was dann auch die Community trifft. Das ist, glaube ich, ein Punkt. Und das Zweite ist, das wollen immer große Firmen und große Konzerne nicht hören. Aber da gibt es Behördenstrukturen und die mühlen malen einfach ganz anders. Und bei uns ist es so, wir sind ein kleines Team und ich habe zum Beispiel allen Ausstellern im Kennenlernen-Gespräch gesagt, Mensch, wenn ihr noch eine coole Idee habt, vielleicht auch was total Abgedrehtes, was aber einfach mal anders ist, dann haut das raus. Genauso die Gespräche mit den Künstlern, die jetzt die Workshops machen. Hey, habt ihr eine coole Idee und wollt ihr irgendwas machen, was jetzt vielleicht da noch nicht steht, dann sagt uns das, vielleicht können wir das umsetzen. Und vielleicht ist das nachher das Highlight der Messe. Weil nur weil wir glauben, dass das so richtig cool ist und dass das so den Nerv der Zeit trifft, glaube ich, dass je mehr Menschen daran beteiligt sind und in ihrer Inspiration, ihren Ideen so freien Lauf lassen können, da ist ja überall was bei, was cool ist. Und man muss halt immer nur viele Leute kitzeln, das ist ja wie ein Team führen. Hier bei mir auch. Ich muss die Leute alle kitzeln, dass sie sprudeln. Und wenn sie sprudeln und erzählen und von der Sache begeistert sind und dann mitmachen, dann hat man nachher nicht nur, ich muss da jetzt hin und ich muss jetzt arbeiten und ich habe am Wochenende, da macht er voll mal auch noch eine Messe, da muss ich dann noch am Wochenende arbeiten, sondern hier sagen alle, boah, wie geil ist das denn, ey? Wir machen eine Messe, da kommen 36, 37 Aussteller, wir haben alle Brands irgendwie dabei, die Rang und Namen haben. Und boah, wie geil ist das? So hier brennen alle dafür. Wir hatten heute Teamsitzungen, da ging es um Merchandising. Was man da irgendwie machen kann, kann ich jetzt noch nicht raushauen, aber das hörte gar nicht mehr auf. Das mussten wir dann irgendwie mal jetzt cutten und dann sagen, Mensch, jeder geht nochmal so in sich, das führt jetzt auf einmal ins Endlose, weil alle auf einmal so sprudelten. Und ich glaube, das muss man erzeugen. Und das ist, je größer so ein Schuppen wird, je schwieriger ist das. Dieses Feuer bei den Leuten dann auch so mit am so rauszukitzeln. Ich muss nicht fragen, ob mein Team, was wir natürlich aufstocken für dieses Event, ob das da ist, von morgens 7 bis abends 22 Uhr für die Messe. Da muss ich nicht nachfragen. Das weiß ich, weil die das alle geil finden. Und so muss, ich glaube, das ist ein großer Punkt, wo jetzt so große Messegesellschaften einfach, ja, da wird, das ist zu viel behördliche Struktur, wenn ich das so sagen darf.
SPEAKER_01Also wegen mir kannst du gerne noch eine Stunde über diese Messe reden. Ich habe gerade voll Spaß, dir zuzuhören, weil du so sprudelst und so eine Leidenschaft dahin da hast. Das macht echt Spaß. Du hast vorhin so schön den Begriff Blasmusik-Mekka benutzt, das quasi Nordrhein-Westfalen so nicht zwingend das Blasmusik-affinste Land in der Bekanntheit zumindest ist. Also wenn ich, ich komme aus Bayern, deswegen, wenn ich Blasmusik höre, bin ich mir erstmal im Süden Deutschlands. Was mir nur aufgefallen ist, gerade dieses Jahr, ist, dass die Blasmusik anscheinend ja doch mehr zu euch hochzieht. Also du machst eine Messe, das Egerländer-Festival war in Köln, die Europameisterschaft für böhmisch-schmierische Blasmusik war auch in Nordrhein-Westfalen. Ich habe mich tatsächlich jetzt die ganze Zeit gefragt, warum oder woher kommt das plötzlich das alles jetzt da ist? Also ich freue mich, dass es endlich mal irgendwie woanders stattfindet, als nur wieder irgendwo in Bayern oder in Baden-Württemberg. Das ist natürlich zum Faden für mich leichter, aber trotzdem freut es mich, dass es jetzt so nördlich geht, weil dann zählt irgendwann diese Ausrede mit dem Nord-Süd-Gefälle nicht mehr. Woher kommt das plötzlich?
SPEAKER_00Ja, ich glaube, dass der südliche Teil mit Blasmusik in Verbindung gebracht wird, hat einfach was mit der traditionellen Brauchstumspflege und die daraus entstehende Veröffentlichung und Pressearbeit zu tun. Also ich glaube, dass im Süden Deutschlands die Blasmusik in der Medienwelt einen anderen Stellenwert hat als im Norden. Als hier bei uns. Also wenn bei uns hier über ein Konzert berichtet wird, ist das eher so beiläufig.
SPEAKER_01Bei uns auch. Also, gut, ich bin jetzt ursprünglich aus Aschaffenburg, das ist ja schon wieder, der Bayer würde sagen, nicht mehr Bayern. Nicht mehr Bayern, ja. Nicht mehr Bayern. Und wir hatten vor zwei Wochen ein Konzert und ich fand diesen Bericht sehr enttäuschend darüber. Also, ich weiß nicht, ob er wirklich da war. Kann ich denn aus dem Bericht heraus nicht sagen? Also es hat was stattgefunden. Und sowas lese ich ganz oft. Und dann denke ich mir, okay, ja. Also deswegen weiß ich nicht, ob die Theorie ganz funktioniert, ob der Medienanteil da größer ist.
SPEAKER_00Also zumindest würde ich das so denken. Also wenn bei uns hier über ein Konzert berichtet wird, also es gibt nur super Konzerte.
SPEAKER_01Ja, das gibt es bei uns auch. Also entweder hast du halt sowas, wo so ein Vierzeiler mit da hat was stattgefunden. Oder du, oder man denkt sich immer so, Wahnsinn, die müssen richtig geil gespielt haben. Wahnsinn. Aber, und das stört mich dann auch wieder rum, so ein bisschen, wo ich mir denke, okay, irgendwie so, mal ehrlich oder auch mal was Kritisches, wenn es konstruktiv ist, wäre ja auch mal schön. Aber dieses, wir loben jetzt alle, finde ich nicht cool. Und dieses, okay, da hat was stattgefunden, da haben halt auch ein paar Leute auf der Bühne gesessen, finde ich halt auch schwierig. Also so ein Mittelmaß fände ich halt mal ganz gut. Oder so was Ehrliches, mal wirklich was Ehrliches.
SPEAKER_00Ja, das wäre wünschenswert. Aber das ist hier bei uns auch nicht so. Also deswegen, also ich hätte halt gedacht, dass die Blasmusik einfach einen anderen Stellenwert im Süden hat als hier im Norden. Und dass sie auch anders in der Gesellschaft getragen wird. Klar, hier, das Münsterland und das Sauerland, ich glaube, ist von der Dichte der Vereine sehr, sehr, sehr gut besät. Die Qualität der Ausbildung, also die Vereine im Süden sind einfach vom musikalischen Niveau her, ist das nochmal ein ganz anderer Schnack als hier bei uns in der Gegend. Ich glaube, dass im Süden Ausbildungsstrukturen viel frühzeitiger damals anders aufgestellt wurden als bei uns. Da wurde aber hier in NRW zumindest, bei uns im Münsterland, wird in den letzten Jahren richtig massiv daran gearbeitet. Also ich kenne fast keinen Verein mehr, der jetzt irgendwie eine vereinsinterne Ausbildung organisiert, also wo auch Vereinsmitglieder ausbilden, sondern alle haben sich irgendwie Dozenten oder geholt Freiberufler, mit Musikschulen arbeiten sie zusammen oder wie auch immer. Aber haben das alle auf so eine, nennen wir das mal, professionelle Basis gestellt, weil alle haben natürlich gemerkt, durch die Veränderung des Alltages der Kinder hat sich natürlich auch die gesamte Ausbildung in so einem Musikverein geändert. Und das ist dann ehrenamtlich auch alles gar nicht mehr so zu machen und zu schaffen, sodass sich dann irgendwie doch professionelle Hilfe geholt wurde, dass die zwar die Ausbildung noch im Musikverein liegt, aber die Durchführenden und die Dozenten doch alles irgendwie bezahlte Musiker sind, die wissen, was sie machen. Und ich glaube, da war der Süden schon immer ein bisschen stärker. Und das hat dazu irgendwie geführt, dass die Vereine im Süden auch musikalisch stärker sind, jetzt vielleicht nicht alle, aber der Großteil prozentual gesehen ist da der Süden, glaube ich, besser aufgestellt als der Norden, zumindest aktuell. Aber von der Vereinsdichte her würde ich sagen, dass zumindest Nordrhein-Westfalen, das Sauerland, das Münsterland da auf jeden Fall in der gleichen Liga spielt wie der Süden. Und warum ist das alles in den Süden gewandert, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass jetzt im Norden einfach oder im Westen, Nordwesten, dass da vielleicht auch einfach gerade viele junge Leute Bock haben, einfach was zu machen. Und ja, wir machen halt einfach hier. Also so war das jetzt ja bei mir auch. Ich habe halt gesagt, ich mache das jetzt einfach. Ich meine, ich konnte auch nicht vorher ahnen, dass ich mich mit Brandschutz beschäftigen muss, mit Behörden beschäftigen muss oder womit man sich sonst überall noch beschäftigen muss, wenn man sowas auf die Beine stellen möchte. Wir sind vielleicht auch gerade so eine Generation hier, die das einfach jetzt mal wuppen. Und vielleicht ist das in ein paar Jahren schon wieder ganz anders.
SPEAKER_01Woher nimmst du dieses, wir machen das halt. Also es gibt ja Menschen, die werden jetzt an dem Punkt, die hätten gesagt, okay, Messe, fangen wir mal klein an, okay, die ersten ziehen ich, weiß ich nicht, ist es noch das Richtige? Du gehst dann schon zu den Großen und merkst, okay, jetzt wird es richtig groß. Dann gäbe es dann die nächsten, die gesagt haben, oh, jetzt, okay, können wir das? Also die würden es so weit durchdenken, dass sie dann an dem Punkt kommen mit, oh nee, das wird nichts. Woher nimmst du diesen Optimismus und dieses Feuer und sagst, ja, wir machen das jetzt einfach. Das wird geil.
SPEAKER_00Ich hätte einfach Bock drauf. Also, ich weiß nicht, woher ich das nehme. Also, das wird ja hier auch so getragen. Also das ist ja so ein Flow, der hier in unseren Beruchräumen irgendwie so herrscht. Und das heißt ja nicht, dass es bei uns immer nur nach oben geht. Es gibt ja auch immer wieder Tiefschläge, ja, und das geht ja nicht immer nur geradeaus. Ich habe mich ja auch nicht gefreut, als ich die ersten sechs Telefonate, sechs Absagen bekommen habe, also kalte Klatschen. Aber ich war mir sicher, dass die Branche so ein Event braucht. So ein Festival gibt es schon überall. Ich wollte kein Festival. Einer hat zu mir gesagt, ja, machen Sie doch mal ein Festival, das ist doch interessant. Ich habe gesagt, ja, wenn Sie zum Festival wollen, fahren Sie doch zum Woodstock. Das ist doch ein Riesenfestival, das funktioniert doch super. Ja, dann machen Sie doch was Ähnliches in Ihrer Region. Ich so, warum denn? Die Leute fahren doch aus Münsterland da hin. Das muss man doch nicht machen. Das ist doch Quatsch.
SPEAKER_01Ja, es ist halt vor allen Dingen ein ganz anderes Anliegen.
SPEAKER_00Genau. Ich möchte eine Messe veranstalten und das Ganze zu einem Erlebnis für den Besucher machen. Das ist meine Intention dahinter. Ich möchte, dass nachher all diejenigen, die da waren, und ich hoffe, dass richtig, richtig viele kommen, dass die nachher, wenn die nach Hause fahren, dass sie sagen, boah, das war irgendwie geil. Und am besten wissen sie gar nicht genau, was geil war. Weil so viel passiert ist, dass man das irgendwie nicht fassen kann. So das, wenn man das hinkriegt, also das wäre high level bei mir. Das wäre, boah.
SPEAKER_01Okay. Soll das dann jährlich stattfinden? Oder seid ihr noch nicht so weit? Nochmal das Eins und dann das nächste.
SPEAKER_00Also wir machen jetzt erstmal den dritten und vierten, neunten. Ja klar, meine Gedanken gehen schon viel weiter. Wir haben uns die Location auch so ausgesucht, dass man das auch größer machen kann. Und ich kann mir bestimmt auch vorstellen, dass diese Tage wieder, dass das so viele Eindrücke auf uns einprasseln und wir so viele Gespräche haben, dass wieder so viele Ideen auf uns zukommen, dass wir einfach sagen, ja, wow, das wäre noch cool und das wäre noch cool. Also, wir sind erstmal für alles offen. Ich finde halt wichtig, dass die Branche das annimmt, dass all diejenigen, die mit Blasmusik viel am Hut haben, die da was für überhaupt haben, die mal wieder Musikinstrumente anfassen wollen, testen wollen, die mit Künstlern sprechen wollen, die einfach andere Musiker kennenlernen möchten, netzwerken möchten, ins Gespräch kommen möchten, dass die da hinkommen und diese Chance dann einfach nutzen, das dann einfach zu machen. Und ja, das ist das, was wir machen wollen. Wir wollen einen Marktplatz bieten, wo alle Bereiche unserer Branche einfach zusammenkommen können und auch einfach mal wieder schnacken können. Und vielleicht auch das ein oder andere kaltgetränk zusammen trinken können. Ohne Festivalcharakter, sondern auf dem Messekarakter. Das ist die Idee.
SPEAKER_01Was wird dein persönliches Highlight? Was du verraten darfst. Oder vielleicht auch, was du noch nicht verraten darfst, aber es trotzdem tust.
SPEAKER_00Mein persönliches Highlight, ich freue mich irrsinnig, dass der Benni wiederkommt, weil Benny Brown ist hier ums Eck aufgewachsen. Und uns verbindet, glaube ich, auch eine lange Freundschaft. Und darüber freue ich mich jetzt erstmal so persönlich. Das ist ein Highlight, dass er am Sonntag, am 4., 9. quasi Zeit hat, den ganzen Tag da zu sein. Und ja, ein persönliches oder das Highlight, das jetzt so in eins zu fassen, ich glaube, das kann ich nicht. Weil dafür passiert da eigentlich zu viel. Ich freue mich, dass ich so viele bekannte Gesichter auch einfach wiedersehe, auch von Seiten der Hersteller. Dass das dann auch nachher, es gibt dann noch so ein Get Together der Aussteller am Samstagabend. Also, das wird bestimmt auch nochmal eine richtig, richtig tolle Geschichte.
SPEAKER_01Okay, das klingt super cool, alles. Also, ich drück die Daumen, dass deine Vision so aufgeht, dass sich dieses Event auch wirklich so durchsetzt, weil ich stimme dir auf jeden Fall zu, dass die Branche sowas braucht. Musikmäße Frankfurt fand ich auch irgendwann nicht mehr so cool. Ich fand es eigentlich nur als Kind cool, weil das total beeindruckend war, du konntest überall rum und konntest natürlich viel ausprobieren. Je älter ich geworden bin, war es so, ja, war halt laut irgendwie und war schwierig irgendwie. Und das Einzige, was ich, was ich dann noch irgendwann manchmal ganz spannend fand, war so ein paar Auftritte. Da war mal die Yamaha All-Star-Band mit Thorsten Screnner und so. Da, das fand ich noch ganz cool. Aber ich gebe dir vollkommen recht. Alles andere war immer so, du läufst halt rum, links, rechts, links, rechts und dann. Ah, da ist jetzt sehr viel los, dann gehst du doch wieder weiter, weil du nicht warten willst und so. Deswegen, das, was du erzählst, das klingt total spannend. Und ich hoffe sehr, hoffe von ganzem Herzen, dass es aufgeht. Danke. Und wie bei jeder klassischen Folge kommen wir noch zur Schnellfragerunde. Okay. Bauch oder Kopf? Bauch. Hätte ich jetzt auch so gedacht. So von dem, was du erzählst. Symphonisch oder traditionelle Blasmusik? Symfonisch. Deine schlechteste Angewohnheit.
SPEAKER_00Ungeduldigkeit.
SPEAKER_01Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst?
SPEAKER_00Das sind viele Sachen. Messer organisieren.
SPEAKER_01Brandschutzverordnung. Brandschutzverordnung. Das bleibt ja zu hängen, irgendwie. Ich nenne die Folge einfach Brandschutzverordnung oder so. Okay. Welchen Film bzw. welches Buch sollte man mal gelesen oder geschaut haben? Muss jetzt noch nicht mal was mit Musik zu tun haben.
SPEAKER_00Ja gibt es viele Bücher, die ich empfehlen könnte, aber die Biografie von Steve Jobs finde ich am beeindruckendsten.
SPEAKER_01Was beeindruck dich da so sehr? Also klar, der Typ an sich ist schon beeindruckend.
SPEAKER_00Er ist ein Macher gewesen. Und er hat weitergemacht, obwohl für ihm viele gesagt haben, das wird nichts.
SPEAKER_01Und obwohl die eigene Firma ihn rausgeschmissen hat und dann wieder geholt hat. Das finde ich auch beeindruckend, dass man dann noch sagt, okay, ich mache trotzdem weiter. Das war so für mich mal so ein Knackpunkt, weil das wusste ich lange Zeit nicht. Okay. Hast du noch einen Film?
SPEAKER_00Nee.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Also Filme bin ich raus.
SPEAKER_01Darfst du auch Serien nehmen? Noch nicht. Okay. Welche Aufnahme sollte man unbedingt mal gehört haben?
SPEAKER_00Meine Heimat, meine Lieder vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr im Städten.
SPEAKER_01Okay. Finde ich das auf Spotify oder so?
SPEAKER_00Weiß ich gar nicht. Das ist relativ neu. Und zwar habe ich mit meinem Orchester während der Corona-Pandemie einen Tonträger aufgenommen für die Stadt Epstetten und für die für das kulturelle Leben für die Vereinswelt. Und das ist dann meine Heimat, meine Leader geworden. Ich weiß gar nicht. Also ich habe es als gepresste Platte quasi zu Hause, wo sie jetzt sonst veröffentlicht wurde, weiß ich gar nicht so ganz genau. Aber das kann ich jedem Verein empfehlen, sowas mit lokal bezug zu machen.
SPEAKER_01Okay. Was sind deine persönlichen Wünsche und Wünsche für die Blasmusik-Szene?
SPEAKER_00Meine persönlichen Wünsche sind, dass das Messe-Event natürlich ein absolutes Highlight wird. Und dass wir hier im Team die Freude, den Spaß, die Begeisterung an diese Sache, Musikinstrumente zu vermieten, Menschen dazu oder dabei begleiten, dieses Instrument zu erlernen und einfach mal ausprobieren, dass sie es ausprobieren können, dass das einfach so erhalten bleibt, dass alle hier mit Feuer und Flamme dabei sind. Das ist so mein persönlicher Wunsch. Für die Blasmusik wünsche ich mir, dass gerade in den Verbandsstrukturen, dass man bereit ist, neue Wege zu gehen, dass Vereine bereit sind, sich zu öffnen, dass mehr Kooperationen entstehen, dass viel mehr miteinander gemacht wird, dass viel mehr miteinander gesprochen wird und dass alle auf das gemeinsame Ziel einzahlen, die gesamte Community-Branche am Leben zu halten, weiter voranzutreiben, weiterzuentwickeln. Das würde ich mir für die Blasmusik-Szene wünschen.
SPEAKER_01Okay. Hendrik, vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Jetzt bei euch ist ja ziemlich viel Drubel. Und ja, viel Erfolg. Das hört sich mega cool an.
SPEAKER_00Herzlichen Dank.
SPEAKER_01Das war Hendrik Vollmer und ich hoffe, ich habe euch nicht zu viel versprochen. Dieser Mann brennt richtig für seine Sachen und wir haben danach noch ein bisschen weitergesprochen und ich kann ihm tatsächlich stundenlang zuhören, wie er glühend für seine Idee wirbt. Und ich bin sehr, sehr gespannt auf dieses Messe-Event und ich hoffe, dass ganz, ganz viele von euch daran teilnehmen werden, denn das hört sich mega spannend an. Außerdem hat es mich wieder zum Nachdenken bewogen, ob Vereine und das ob könnte man eigentlich lassen, denn es ist einfach so, Attraktivitätsprobleme haben und wie man das in den Griff bekommt. Vielleicht mache ich daraus bald auch mal eine Folge. Denn es kann nicht sein, dass ganz viele Menschen plötzlich anfangen, Blasinstrument zu spielen und in den Vereinen kommt niemand an. Da müssen wir uns tatsächlich wirklich mal an die eigene Nase fassen. Ich möchte dennoch, weil anscheinend hat der Podcast ja kein Attraktivitätsproblem, vielen, vielen Dank bei euch sagen. Vielen, vielen Dank, dass du bis hierher gehört hast, dass du bisher mir zu die Treue gehalten hast. Und wenn du mich weiterhin unterstützen möchtest, dann gibt es die Möglichkeit auf Patreon. Patreon ist ein Kanal, bei dem ihr mich supporten könnt. Dafür bekommt ihr auch extra Folgen. Auch mit kritischeren Folgen, wie demnächst welche Fehler Musikverbände machen. Ich weiß, ein heißes Thema, aber ich wollte mich dem auch mal nähern. Außerdem möchte ich dir noch mein Newsletter, die E-Mail, ans Herz legen. Die kommt ein bis zweimal im Monat. Und dann wünsche ich euch jetzt schon eine gute Zeit. Im Sommer kommen jetzt kleinere Folgen, damit ihr nicht ganz auf den Podcast verzichten müsst. Das werden Folgen über meinen Woodstock-Wochenende sein. Da habe ich kleinere Interviews geführt, Stimmungen mal eingefangen, meine Erlebnisse ein bisschen aufgezeigt. Da wünsche ich euch jetzt schon viel Spaß. Da gibt es auch spannende Stimmen von Funktionären, die schon ein bisschen anteasern, dass die auch demnächst mal in den Podcast kommen. Ich wünsche euch eine wunderschöne Sommerzeit und dann hören wir uns im Herbst mit den regulären Folgen wieder. Macht's gut, euer Andi.