On Air - Der Blasmusik Podcast
Podcast rund um das Thema Blasmusik. Andy Schreck, selbst u.a. Dirigent und Lehrer für Musik an einem Gymnasium trifft sich mit Musikern, Dirigenten, Komponisten und Visionären um über Musik und das Leben zu sprechen und andere für neue Ideen zu begeistern.
On Air - Der Blasmusik Podcast
Gibt es ein Recht auf musische Bildung? - Eine Bestandsaufnahme der Ausbildung (im ländlichen Raum)
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Gibt ein Recht auf musische Bildung? Wie sieht die Umsetzung eigentlich aus? Speziell der ländliche Raum ist oft schlecht aufgestellt. Darf das eigentlich sein? Und wie sehen mögliche Konzepte aus bzw. wer ist dafür verantwortlich.
Sicherlich werden wir keine Lösungen finden, aber ein Anfang ist damit sicherlich mal gemacht, um über den Ist-Stand zu reden.
Andreas Bunzel ist gelernter Instrumentenmacher und hat ein Studium mit dem Hauptfach Klarinette an der Robert Schuhmann Hochschule in Düsseldorf abgelegt. Danach hat er ein Aufbaustudium in Sachen Pädagogik an der Hochschule Stuttgart und Trossingen zum Diplom Musiklehrer absolviert. Seit 1990 ist er in der musikalischen Jugendarbeit tätig, seit 1997 angestellter Musiklehrer an der Städtischen Musikschule Rothenburg ob der Tauber für Klarinette und Saxohpon, außerdem seit über 30 Jahren als Dozent im Nordbayerischen Musikbund tätig. Seit 2001 ist er Hauptverantwortlicher für das Wahlfach Blasorchester am Gymnasium Veitshöchheim. Daneben ist er in den unterschiedlichsten Formation von Rock-Pop bis hin zu traditionellen und symphonischen Blasorchestern unterwegs.
Tobias Hauenstein ist Initiator der heutigen Runde hat sein Tenorhornstudium auch an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf abgelegt und war von 2003 - 2017 Militärmusiker. Daneben hat er noch einen Masterstudiengang für Blasorchesterleitung an der Hochschule für Musik in Würzburg abgelegt. Seit 2018 unterrichtet er an der Musikschule Schwäbisch Hall und ist dort Leiter des Stadtorchesters. Außerdem ist er noch Leiter der Blaskapelle Dürrwangen und der Hesselberger Böhmischen und spielt u.a. bei den Wirtshaus Vielharmoniker, der Kapelle der Kapellmeister und der Muutstockmusikanten. Der Bezirksvorsitzende für Mittelfranken ist seit 2019 auch Vizepräsident des Nordbayrischen Musikbundes. Ich freue mich, dass er hier ist.
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Ich will ja nicht alles schlechtreden. Also die Länder, es gibt ja schon sehr viele Fördermittel. Nur die Frage ist halt, wie diese Fördermittel benutzt werden oder wie die halt gesteuert werden. Wir hatten jetzt in Bayern ja zum Glück, gab es Riesenfördertöpfe für die Musikvereine durch Corona-Ausfall. Es wurde da schon viel gemacht, aber wie es Andreas ja auch schon gesagt hat, es kommt immer nur auf das Engagement des Einzelnen drauf an. Wenn ein Musikverein vor Ort ist, der sehr viel Arbeit macht, ist ja das super. Aber ist eine grundlegende Bildung, Aufgabe eines Vereins.
SPEAKER_00Wir sind on Air in 3, 2, 1. Herzlich willkommen bei On Air, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Hallo, willkommen bei einer neuen Folge von On Air und es ist eine Jubiläumsfolge. Es ist die 50. Folge, und ja, ich freue mich riesig, dass ihr dabei seid, dass ihr jetzt nach zwei Jahren immer noch oder vielleicht frisch reinhört. Bevor ich zu den Gästen komme, zu dem Thema komme wie immer der Supporter und das ist kein geringerer als Buffet Cramp Europas größtem Hersteller von Blasinstrumenten. Die einzelnen Marken von Buffet Cramp stehen für langjährige Tradition und Erfahrung im Instrumentenbau und sind seit jeher führend in der Weiterentwicklung von Blasinstrumenten aller Art. Beispielsweise haben sie erst vor kurzem ein neues Ventil für Posaune entwickelt, das Icon Valve. Auch wegen solcher Verbindung von Tradition und Innovation im Instrumentenbau hat die Ausbildung bei Buffet Gramp an den beiden Standorten in Marktneukirchen und Gerritzried einen hervorragenden Ruf. Dort wird schon seit Jahrzehnten das Holz- und Blasinstrumentenmachertum erfolgreich ausgebildet. Wenn du jetzt auch am Instrumentenbau interessiert bist, freut sich Buffet Grampant jederzeit auf deine Bewerbung. Viele weitere Informationen und andere aktuelle Stellenangebote findet ihr auf der Webseite www.buffetgrampontgroup.com oder direkt in den Shownotes. Zur Jubiläumsfolge gibt es mal wieder eine Diskussionsfolge. Und zwar haben wir uns mit der Frage beschäftigt, gibt es ein Recht auf musische Bildung, beziehungsweise wir machen eine Bestandsaufnahme der Ausbildungssituation im ländlichen Raum hauptsächlich. Natürlich haben wir uns auch über mögliche Konzepte ausgetauscht und haben natürlich auch mal geschaut, wie Ausbildung auch in städtischen Gebieten aussieht. Also es geht nicht nur um das ländliche Gebiet, sondern es geht eigentlich um Ausbildung allgemein. Das Besondere an dieser Folge ist, wir hatten Gäste. Gäste zum Zuhören, die die ganze Diskussion auch mit ihren Fragen in den Chats mitsteuern konnten. Ihr werdet merken, das Thema ist gar nicht so einfach und ich hatte auch ein bisschen zu tun, diese ganzen Fragen zu sammeln und zur richtigen Zeit da reinzubringen und auch zu moderieren. Vielleicht merkt man an der einen oder anderen Stelle, dass das eine ganz andere Situation war als sonst. Ich hoffe, das stört aber nicht weiter, denn ich fand das eigentlich total spannend und wahrscheinlich werde ich das demnächst mal wieder machen. Aber ich will gar nicht so lange reden. Ich wünsche euch viel Spaß mit der Folge. Mein erster Gast ist gelernter Instrumentenmacher und hat ein Studium mit dem Hauptfach Klarinette an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf abgelegt. Danach hat er ein Aufbaustudium in Sachen Pädagogik an der Hochschule Stuttgart und Trossingen zum Diplom-Musiklehrer absolviert. Seit 1990 ist er in der musikalischen Jugendarbeit tätig, seit 1997 angestellter Musiklehrer an der Städtischen Musikschule Rotenburg-Ob der Tauber für Klarinette und Saxophon. Außerdem seit über 30 Jahren als Dozent im Nordbayerischen Musikbund tätig. Seit 2001 ist er Hauptverantwortlicher für das Wahlfach Blasorchester am Gymnasium Pfalzirchheim. Daneben ist er in den unterschiedlichsten Formationen von Rock, Pop bis hin zu traditionellen und symphonischen Blasorchestern unterwegs. Herzlich willkommen, Andreas Bunzel.
SPEAKER_02Guten Morgen, hallo. Herzlich gegrüßt.
SPEAKER_00Mein zweiter Gast und Initiator der heutigen Runde hat sein Tenorenstudium auch an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf abgelegt und war von 2003 bis 2017 Militärmusiker. Daneben hat er noch einen Masterstudiengang für Blasorchesterleitung an der Hochschule für Musik in Würzburg abgelegt. Seit 2018 unterrichtet er an der Musikschule Schwerbischal und ist dort Leiter des Stadtorchesters. Außerdem ist er noch Leiter der Blaskapelle Dürrwang und der Hesselberger Böhmische und spielt unter anderem bei den Wirtshausphilharmonikern, der Kapelle der Kapellmeister und den Mutsdog-Musikanten. Der Bezirksvorsitzende für Mittelfranken ist seit 2019 auch Vizepräsident des Nordbayrischen Musikbundes. Ich freue mich, dass er hier ist. Herzlich willkommen, Tobias Hauenstein.
SPEAKER_03Einen wunderschönen guten Morgen und herzlichen Dank für die Einladung, Andi.
SPEAKER_00Sehr schön, dass wir einen Termin gefunden haben. Meine Standardfrage, bevor wir so richtig ins Thema dann einsteigen, ist: welches Musikstück habt ihr als letztes gehört, bevor wir jetzt dieses Interview oder dieses Gespräch hier machen?
SPEAKER_03Dann fange ich halt mal an. Es ist nichts höchst Klassisches, aber gestern, wie ich dann so meine kleinen Recherchen für den heutigen Podcast gemacht habe, bin ich irgendwie draufgekommen, Österreich war cool und Österreich macht vieles richtig und bin dann auf einen Song gekommen, I am from Austria, in der Version von Pro Solisti. Oh, okay. Das Arrangement ist übrigens sehr cool gemacht. Ich finde es immer wieder schön anzuhören.
SPEAKER_00Okay, lohnt sich mal reinzuhören, merke ich schon. Andreas, was war bei dir das letzte Stück, was du dir bewusst angehört hast?
SPEAKER_02Bewusst angehört und letztendlich auch selber ausgeführt, war eigentlich, waren mehrere Stücke, was wir gestern mit unserer eigenen Band in der Probe gemacht haben. Wir bereiten ja unser drittes Programm vor mit unseren Herzensblechern. Wir machen ein fränkisches Kabarett-Musikprogramm. Und da haben wir uns gestern wieder gefunden vor vier Stunden. Auch haben wir auf schwieriger Weise wieder einen Termin mal gefunden, um alle wieder zusammenzubekommen. Und da war das letzte Stück ein Automobilschottisch. Ganz genau. Das war das letzte Stück, was ich so im Kopf habe.
SPEAKER_00Der Automobilschottisch. Okay, ist das ein eigenes Stück von euch?
SPEAKER_02Nein, das hat er, der Werner Aumühler hat es umgeschrieben und für uns eben zurechtgeschritten. Ja, zurechtgeschrieben.
SPEAKER_00Okay. Spannend. Klingt auf jeden Fall sehr spannend. Okay, gehen wir ins Thema. Es soll ja heute um die Ausbildung im ländlichen Raum erstmal allgemein zu gehen. Und ich weiß, oder ich habe es ja auch gerade gesagt, der Initiator davon bist ja du, Tobias. Das ist ja so ein Herzensthema anscheinend für dich, weil du ja schon, ich glaube, seit einem Jahr oder so immer mal wieder dran warst und ich lange noch nicht so genau wusste, wie ich das angehen soll. Und dann gab es ja so einen Post im November von dir und der Andreas hat darauf reagiert und dann dachte ich, okay, jetzt habe ich zwei zusammen, die da so ein bisschen kontrovers drüber diskutieren können. Warum ist dir das Thema eigentlich so wichtig?
SPEAKER_03Ja, warum ist mir das Thema wichtig? Ja, natürlich erst mal, weil ich auch selbst davon betroffen bin. Ich wohne halt sehr ländlich, bin aber Angestellter an einer großen städtischen Musikschule und sehe halt dann da die Riesenunterschiede, die es zwischen Stadt und Land gibt und die in meinen Augen eigentlich nicht sein dürften.
SPEAKER_00Okay. Da kommt nämlich gleich schon die erste Gästefrage. Wie unterscheidet sich Ausbildung im ländlichen Raum vom städtischen Raum?
SPEAKER_03Ja, dafür habe ich jetzt einmal sogar eine kleine Geschichte vorbereitet, gestern noch schnell zusammengeschrieben und zwar möchte ich da einfach mal zwei kleine Kinder vergleichen. Wir nennen die einfach Kind A und Kind B. Die beiden Kinder möchten Cello lernen. Ich gehe jetzt mal ganz bewusst vom Blasinstrument erstmal weg. Die beiden möchten ein Cello lernen, weil sie dieses Instrument zufällig auf YouTube entdeckt haben. Kind A lebt mit seinen Eltern in der Stadt, Kind B auf dem Land. Kind A geht zu seinen Eltern und teilt diesen mit, dass er eben Cello lernen möchte. Die Eltern gehen auf Google, googeln Cellounterricht, bekommen sofort eine Homepage angezeigt der Städtischen Musikschule. Kind A fährt dann mit dem Bus zur Musikschule, bekommt eine Schnupperstunde, meldet sich an und 20 Jahre später ist Kind A Solo Cellist in einem großen Orchester. Kind B, der auf dem Land wohnt, geht zu seinen Eltern. Diese informieren sich, finden online kein Angebot vor Ort. Die nächstgelegene städtische Musikschule ist 20 Kilometer entfernt und verlangt vor Auswärtige Schüler 25% Aufschlag. Ein Elternteil müsste das Kind jede Woche 20 Kilometer hin und zurückfahren. Dies ist den Eltern nicht möglich und das Kind lernt keinen Stello. Das Ganze könnte ich jetzt sogar ein bisschen auf mich ummünzen, auf meine eigene musikalische Ausbildung, denn ich habe angefangen in der Dingelsbühler Knabenkapelle. Im Alter von 15 Jahren hieß es dann, okay, dein Können reicht für uns. Ich wollte aber noch weiter Unterricht machen, dann hat sich mein Vater eben informiert, okay, die städtische Musikschule Dingelsbühl hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Tiefblechlehrer. Die nächste Musikschule war dann Ansbach, zum Glück haben mich meine Eltern da angemeldet und mein Opa hat mich jeden Freitag von der Schule abgeholt, 28 Kilometer nach Ansbach gekarrt, 45 Minuten gewartet, bis der kleine Tobias mit seinem Tenorenunterricht fertig war und hat mich dann wieder zurückgefahren. Jetzt stellt sich für mich die Frage: sollte das Ganze überhaupt so sein? Ich habe mir dann auch ein bisschen so in die Richtung Kinderrechtskonvention, allgemeine Erklärung der Menschenrechte, wie ich euch herumgeschickt habe. Wenn man das Ganze dementsprechend auslegt, ist es in meinen Augen nicht mal rechtmäßig, dass diese Situation so besteht. Und das möchte ich jetzt einfach mal so offen stehen lassen.
SPEAKER_00Andreas, kannst du das ungefähr nachvollziehen? Also kommst du auch vom Land, wo es zu deiner persönlichen Geschichte, wo das so ähnlich war?
SPEAKER_02Ja, also ich wohne ja, ich bin ja aufgewachsen letztendlich in der Nähe von Würzburg in Pfadzöchheim, da ja mein Vater auch Militärmusiker war, Meeresmusiker zwölf. Und sagen wir so, die Situation damals war auch so, dass aufgrund der Nachfragen in den späten 70er Jahren eine Sing- und Musikschule in Pfadzöchheim gegründet worden ist, eben um damals auch den Erhalt oder Aufbau und Erhalt eines gängigen Blasorchesters für das Ortsgeschehen zu gründen. Und das ging am Anfang auch ganz gut. Und letztendlich bin ich da auch einmal die Woche dann letztendlich immer zum Unterricht dann in der, ach wie alt war ich da? Zehn Jahre? Ja, mit zehn Jahren habe ich angefangen mit Klarinnenunterricht. Und vorher war das natürlich auch dann dem Engagement einer altgedienten Lehrerin in der Grundschule zu verdanken, dass man da ab der ersten oder zweiten Klasse dann Blockflötenunterricht bekommen hat. Mehr oder weniger, spaßig oder auch weniger spaßig. Und ja, so hat sich das dann einfach so ein bisschen kristallisiert. Also ich musste mich letztendlich nur auf mein Fahrrad setzen oder laufen und ich war in Zehnt, da war ich in der Musikschule.
SPEAKER_00Wobei ihr natürlich das Glück habt, wenn Feizüchheim sowas aufmacht mit dem Heersmusikor, das da ansässig ist, da sind ja dann auch Profimusiker vor Ort. Das hat ja jetzt auch nicht jede Stadt, jedes Jahr.
SPEAKER_02Ja, also am Anfang war das wirklich auch so, dass die Kernfächer wirklich damals auch mit Kollegen der Bundeswehr bestückt worden ist, wobei natürlich auch viele aus der freien Szene sich da mit engagiert haben und da auch mittlerweile auch arbeiten. Also heutzutage ist es so, dass in Verzüchem in der Musikschule, ich glaube, kein einziger mehr vom Militär arbeitet. Es hat sich alles verlagert. Auch die Aufgabe dieser Singer- und Musikschule hat sich eigentlich auch in meinen Augen sehr verlagert. Am Anfang war es wirklich so ein bisschen blasmusik technisch anbeheftet. Aber es hat sich aufgrund des Engagements und der Führungs, ich sage mal da, es ist ein bisschen schwierig jetzt zu sagen, aber der Leitungsfunktionen der Damen, ich sage es mal so, haben die andere Schwerpunkte gesetzt. Also mehr auf Singklassen hauptsächlich und das normale kommerzielle Gitarrenunterricht, Blockflöde, Klavierunterricht. Also das Blasmusiktechnische hat eigentlich da mittlerweile keinen hohen Stellenwert mehr. Das ist nur so ein Beiwerk in Verzöchnis. Aber das ist ja eine andere Sache. Das macht jeder Musikschule ja für sich individuell verschieden.
SPEAKER_00Ich würde tatsächlich jetzt als erstes mal so der Grundsatzfrage nachgehen, die Tobia schon aufgemacht hat. Besteht überhaupt ein Recht auf musische Bildung? Also es gibt ja den Artikel, dass Bildung für jeden quasi zugänglich sein sollte, egal aus welchem sozialen Verhältnis er kommt. Da könnte man natürlich jetzt eine grundsätzliche Bildungsdiskussion aufmachen, weil das in der Schule auch nicht so gegeben ist. Aber wie sieht es mit musischer Bildung aus? Sollte musische Bildung frei zugänglich für jeden sein und wenn ja, warum?
SPEAKER_03Ja, da müssten wir uns eventuell auch mal über den Definitionsbegriff. Was ist überhaupt Bildung? Erstmal kurz drüber unterhalten. Also ich habe da eine Definition einmal rausgesucht aus dem Wirtschaftslexikon Gabler. The begriff der Bildung zielt auf die geistige, gestalterische und moralische Entwicklung, die aus Vernunft, Freiheit heraus and ohne direkte Abhängigkeit von politic and wirtschaft geschieht. Gemeint is not nur der Vorgang, sondern auch der Zustand bzw. das Ergebnis. Also eigentlich is it the ganzheitliche Bildung. And then frage ich mich, verstoßen wir da nicht gegen den Grundsatz, dass eine ganzheitliche Bildung nicht möglich ist, wenn jemand auf dem Land nicht die Möglichkeiten hat, when er Lust hat, ein Musikinstrument zu lernen, überhaupt nicht den Zugang dazu hat. Weil die Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, erstens, weil kein dementsprechender Musiklehrer vor Ort ist und die Institution nicht da ist.
SPEAKER_00Wer ist dafür verantwortlich? Also es müssten ja dann die Kommunen sich hinsetzen und sagen, wir müssen das machen.
SPEAKER_03Ja, es gibt Länder, die machen das so. Da kommen wir ja vielleicht später noch dazu. Also eigentlich müsste es von politischer Seite aus gesteuert sein, dass wir eine flächendeckende Musikbildung haben. Und es ist ja alles nichts, dass ich mir das irgendwo herziehe. Ich bin jetzt selber davon betroffen, weil mich Eltern ansprechen, die bei mir in derselben Ortschaft wohnen und sagen, Du, wie schaut es denn aus? Könntest du bei uns im Kindergarten musikalische Früherziehung machen und sage ich, nein, das ist nicht mein Fachgebiet? Das Interesse wäre schon da. Oder dass dann von mir Kumpel, den sein Sohn wollte, Akkordeon lernen, der hat einen halben Landkreis abtelefonieren müssen, bevor er überhaupt einen Akkordeonlehrer gefunden hat. Für seinen Sohn. Der Interesse daran hat.
SPEAKER_00Frage von den Gästen. Wird die Bildung gegebenenfalls auch dadurch eingeschränkt, dass man gerade im ländlichen Bereich gegebenenfalls nicht jedes Instrument erlernen kann? Das hast du ja jetzt gerade schon so ein bisschen beschrieben mit dem Akkordeon oder auch in deiner Geschichte mit dem Cello. Woran liegt es vielleicht, dass es auch an ländlichen Musikschulen, die es ja doch durchaus gibt, vielleicht nicht jedes Instrument erlernbar ist, weil der Lehrer nicht da ist. Also warum ist es unattraktiv für Musikschullehrer auch ans Land zu gehen?
SPEAKER_02Also ich glaube, das Stichwort dafür ist wahrscheinlich A, sagen wir es so, wenn es jetzt zum Beispiel sprechen wir von Fakott, das ist ja auch ein seltenes Instrument mittlerweile, wobei wir da auch wieder gern gesehen. Wenn ein Fakott-Lehrer von A nach B fährt, sind es natürlich auch wirtschaftliche Interessen eines jeden Einzelnen. Und ich glaube, die wirtschaftlichen Interessen sind natürlich von beiden Seiten her gesehen. Ein Musikverein möchte gerne einen Musiklehrer haben oder eine Privatperson, wobei für eine Privatperson es wahrscheinlich einfacher ist wie ein Verein, so sehe ich das. Und ein Verein kann sich halt nur dienen, die Ausgaben leisten und dementsprechend muss sich halt ein Musiklehrer dann dementsprechend halt auch unterwerfen meistens. Es ist schon so, dass auch manche Lehrer schon ihre finanziellen Forderungen durchsetzen können, die man auch braucht zum Leben, zum Überleben. Weil man hat ja auch als selbstständiger Musiker oder freie Musiker ja auch seine Ausgaben, man fährt hin, die Arbeitszeit wird ja letztendlich auch nicht angerechnet, weil man sieht es als Arbeitszeit, wenn man hinfährt irgendwo, man fährt 50, 60 Kilometer irgendwo hin, dann arbeitet man dort vielleicht zwei Stunden, drei Stunden. Ich meine, es gibt keine zehn Fakottschüler an einem Musikverein, da gibt es vielleicht mal zwei oder drei, wenn es hochkommt. Und von der Wirtschaftlichkeiten seite, das ist halt, glaube ich, immer der größte Aspekt. Und da hat es vielleicht eine große Musikschule in der Stadt doch ein bisschen einfacher. Gerade mit so einem Feld-Instrument. Man kann ja mit Obo ist es genauso. Oder sei es Cello. Wir hatten an unserer Musikschule zum Beispiel, hatten wir lange Zeit einen Cello-Lehrer, der kam von Erlangen nach Rodendurch gefahren, immer vor einem Nachmittag. Und dann kamen letztendlich auch die ganzen Interessenten, die dann von der Violina oder von der Brache umgestiegen sind aufs Cello, die kamen dann wirklich auch dann, wie der Tobias auch, 20, 30 Kilometer hergefahren, damit sie Cello Unterricht bekommen. Erfolgreich. Hat aber dann leider auch aufgehört aus virtualten, weil sie sich einfach nicht trended had. Weil einfach die Honorar-Sätze, it is ja mittlerweile auch an den Musikschulen ja so that the stellen nicht mehr dem TVDÖ angeglichen sind in Angestellten-Vhältnisse. Das ist ja mittlerweile in Baden-Württemberg sind es, glaube ich, nur noch 15% oder 20%, wie ich mich reingelesen habe. In Bayern ist es ähnlich. Und meistens auch nur Teilzeitstellen für die Musikschulen. Und alles wird mittlerweile auf Honorarkräfte übertragen. Und das sind teilweise Sätze. Ich will hier gerade über Zahlen reden, aber das ist, ich sage es nur ganz einfach, wenn ich mal einen Discounter an die Kasse setze, habe ich mit Sicherheit unter Strich mehr Geld verdient und habe weniger Verantwortung. Um es immer so provokativer zu sagen.
SPEAKER_00Ja, und jetzt bist du noch in Bayern. Also es gibt ja auch Bundesländer, die noch schlechter abschneiden im Vergleich.
SPEAKER_02Richtig. Da können wir ja also, wie gesagt, da können wir ja mal schon auch drüber reden. In Deutschland, ich sehe es gerne, wenn jetzt letztendlich Musik als Recht, als wirklich Recht für musikalische Bildung in jeder Schule, ab der Grundschule eigentlich eingeführt wird, so wie ich sag mal, nach dem amerikanischen System. Im amerikanischen System hast du ab der Junior High School die Möglichkeit, in Gruppen Unterricht zu bekommen, eine Stunde in der Woche. Und das wird dann teilweise auch von den Eltern privat dann auch mitfinanziert, beziehungsweise die nehmen meistens privat dann auch noch Unterricht dazu. Und das ist dann so ein Selbstläufer, weil dann dann letztendlich in den weiterführenden Schulen dann die Big Bands, die Chöre, die Schulorchester, die Bandklassen, das ist dann reiner Selbstläufer, weil da überwiegend dann die motivierten Leute dann auch sich zusammentreffen. Und wirklich, da geht es wirklich dann um Musik.
SPEAKER_00Also ich kann das ja auch wissen. Ja, also ich kann das so ein bisschen aus meiner Schule beschreiben. Wir haben ja auch Gesangsklassen und Glaserglassen und Streicherglassen, also fünfte bis siebte Klasse verpflichtend. Also da gibt es quasi nur gemeinsames Musizieren und natürlich auch ein bisschen Einzelunterricht. Und das Erste, was ich damals festgestellt habe, als ich an die Schule kam, war das, was du so ein bisschen jetzt auch beschrieben hast, also es ist nicht ganz amerikanisch, aber die Akzeptanz des Musikmachens verlagert sich natürlich viel mehr nach oben, auch in der Schule, weil das natürlich von der 5. bis zur 7. gemacht wurde. Also wir sind relativ weit weg vom reinen Theorieunterricht, sondern sehr praktisch. Und wir haben dann, wenn jetzt Corona nicht gewesen wäre, weil jetzt passieren wir gerade wieder am Aufbau, wir haben ab der 8. ein Blasorchester mit 60 Kindern. Auf der anderen Seite haben wir einen Chor mit knapp 100 Kindern. Und ein Streichorchester mit sind nicht ganz so viele, 25 bis 30. Und das ist nur 8. bis 12. Und drunter haben wir jetzt quasi die kleinen Ensembles, da haben wir auch, also 5. bis siebte Klasse Blasorchester, da sitzen, ich glaube, im Moment 30 bis 40, kenne die aktuelle Zahl gerade nicht drin. Und die das zusätzlich zur Blaser-Klasse machen. Also es gibt das Blaser-Klassenunterricht haben sie ja trotzdem. In meinem neu gegründeten Chor habe ich auch knapp 30 drin sitzt. Und was wir jetzt schon merken, obwohl das jetzt seit ein paar Wochen erst wieder angelaufen ist, das fehlt den Kindern auch in ihrer Entwicklung. Und das tut ihnen unglaublich gut. Also wir haben seit paar Wochen, oder so empfinde ich das, auch in der Klasse wieder ein ganz anderes Miteinander. Weil die Kinder einfach ja weiß nicht, ob es nur ausgeglichen ist, sie können sich natürlich kreative betätigen. Ich habe schon immer wieder das Gefühl, und das ist ja auch wissenschaftlich nachgewiesen, auch, dass die Interaktion miteinander natürlich geübt wird. Das funktioniert ja nicht. Also ich kann ja nur in der Gruppe agieren, wenn ich lerne, auf andere Rücksicht zu nehmen und mit denen zu agieren und nicht einfach mein Ding. Also ich finde, das sind natürlich auch alles Dinge, die dafür sprechen, dass wir das machen sollten. Und kann dir so ein bisschen recht geben. Wir sind nicht ganz im amerikanischen System, aber es wäre auf jeden Fall eine sinnvolle Sache. Hier gab es noch eine Frage, ob jemand von euch Kennzahlen zufälligerweise zur Hand hat, die das Problem quantitativ beschreiben.
SPEAKER_03Also da hat mir jetzt Matthias natürlich auch ein bisschen kalt erwischt, Kennzahlen für dieses herauszufinden. Das wäre natürlich wahrscheinlich schon allein eine wissenschaftliche Abhandlung wert. Also wenn sich da jemand berufen fühlt, würde mich das natürlich auch interessieren, wie denn die genauen Kennzahlen sind. Aber natürlich, Andi, wie du schon gesagt hast, das Strukturierte von klein auf irgendwie an Musik jemand heranzuführen, hat man ja in der Stadt eben auch. Da gibt es dann Kinder, Musik, Grabbelgruppen, Musik, Kindergarten, musikalische Früherziehung, musikalische Grundausbildung, Streicherklassen, Gläserklassen, Singklassen. Wo man dann eben diese Talente oder auch die Interessen bei den Kindern weckt. Und den Gegensatz haben wir halt draußen am Land auch wieder. Da gibt es halt diese Institution gar nicht. Oder das Eltens. Es gibt es schon. Aber nur wenn sich Einzelpersonen in meinen Augen halt wirklich dahinter kennen und das Ganze vorantreiben. Also es gibt keine Grundlage, dass es das geben muss. Es gibt dann immer viele Musikvereine, die bieten sie ja an, dass dann der Musikverein eine Bläserklasse macht oder ich kenne Musikvereine, die sogar musikalische Früherziehung anbieten. Gibt's. Aber muss das, ich frage mich das, muss das immer nur aus Eigeninitiative heraus entstehen? Oder sollte es vielleicht irgendwo einfach ein Pflichtangebot sein? Um eben den Kind. Mich würde es, was mich auch mal interessieren würde, wie viele unentdeckte Talente es vielleicht gibt, die vielleicht sehr gute Musiker geworden wären, wenn sie überhaupt das Interesse als Kind gefördert bekommen hätten. Ich habe es jetzt auch aus eigener Erfahrung, ich habe jetzt auch spaßhalber einfach mal angefangen mit meinen Stammtischkollegen eine Stammtischbläserklasse mit Erwachsenen zu machen. Die haben Riesen Spaß daran und sagen, ja, früher hatte ich ja nie die Chance, jetzt eine Trompete oder Tuba zu lernen, ich mache das halt jetzt mit Ende 30, Anfang 40. Die sind da hochmotivierte Hinder und sind vielleicht auch der ein oder andere, wo man sich denkt, ja okay, wenn du das als Kind gelernt hättest, wäre schon vielleicht nicht mehr so schlecht.
SPEAKER_02Ich glaube, du hast vollkommen recht, Howie. Und zwar, ich glaube, das Problem ist ja allgemein, Musik hat mittlerweile, ich meine, Musik ist regional, unterschiedlich zu bewerten. Die Tradition der Musik ist in jeder Ortschaft oder in jedem Teil ist ja irgendwo anders angeordnet. In der einen Ortschaft B hat es einen sehr hohen Stellenwert, in anderen Ortschaften hat es überhaupt keinen Stellenwert. Und ich glaube, das ist generell das Problem, dass Musik, sei es nur die Chorarbeit, sei es die Blasmusikarbeit im kleinen oder im großen Maße, die hat keinen Stellenwert mehr bei den Leuten allgemein. Und dadurch, dass Musik, naja, das machst du halt so wegen nebenbei und das, ja, auch die Musik, die macht das schon. Immer dieses, das macht das schon, das ist das, glaube ich, auch der Knackpunkt. Die letzten Jahrzehnte kann man schon sagen, dass es einfach keinen Stellenwert mehr hat. Dass man es nicht braucht. Und die letzten zwei Jahre, oder die letzten, ich sag mal so, die letzten zehn Jahre, seit Einführung des G9s, hat sich diese Lage noch verschärft. Oder auf das Computerzeitalter letztendlich. Weil die Kiddys mittlerweile eigentlich gar keine traditionellen Verbunden mehr haben in ihrer Ortschaft, zum Musikverein oder zum Chor oder wie auch immer. In den Schulen natürlich, da können sie wieder aufgefangen werden. Und es spricht natürlich für dich, Andi, wenn das bei euch im Gymnasium so läuft. Da hast du ja auch einen Chef, der das wahrscheinlich auch tierisch gut unterstützt, der dir jede freie Minute auch gibt und auch die finanziellen Mittel. Ich habe 2001 bei uns auch ein Blasorchester gegründet, Wahlfachblasorchester, das gab es damals nicht. Big Band bei uns habe ich gesagt, nee, machen wir nicht. Hat jede Schule eine Big Band. Wir machen Blasorchester. Weil bei uns der ländliche Raum so auch damals so gestaltet hat, also die umliegenden Gemeinden waren auch so gestaltet. Und da ich eben aus dieser Szene kam, habe ich gedacht, okay, für die Jungbläser ist es bei mir im Gymnasium ideal, da ihre Sachen zu lernen und das natürlich im Verein mit rauszutragen. Und das war eine Pumpensache. Ich habe angefangen mit acht Leuten damals, ich hatte es aufgepumpt gehabt bis zu, ich glaube das größte, ich glaube, Orchester hat mich mit 38 Spielern. Cool. Wo ich mir dann zwar noch zwei Aushilfen geholt habe, für einen Maryland saxophone und einen Tuba noch dazu, weil es spielt leider nicht jeder. But this waren meine höchsten Zeiten. Und jetzt the letten drei Jahre, die letzten vier, fünf Jahre, ist dieses Denken für ich mache was zusätzlich noch eigentlich immer weniger geworden. And this Corona hat letztendlich auch den Tod, die Corona-Zeit hat es letztendlich auch den Todesstoß dafür gegeben. Und ich denke auch so durch Gespräche mit vielen Kollegen or auch Kunden von mir, die bestätigen das mir auch. Die Leute, die Kids oder auch die Jugendlichen, auch die Älteren. Die Älteren überlegen sich, ja, Freitagnachmittag oder Freitagabend gehe ich jetzt nicht so auf Musikproof. Das hat mir jetzt zwei Jahre nicht mehr gefehlt, das brauche ich nicht mehr. Dann mache ich lieber was anderes. Und ich glaube, das ist auch so das Problem. Momentan so. Fürs Instrument jetzt so, ihr sollt für die Vereine, ne?
SPEAKER_00Ja. Genau, ländliche Schulen. Es kam auch die Frage, kann in so einem System denn eine ländliche Schule die Ausbildung überhaupt mit guten Lehrern gewährleisten? Also wären die Lehrer überhaupt da, um zu sagen, wir helfen in der Schule mit, um eine Bläser-Klasse aufzuziehen?
SPEAKER_03Das ist natürlich das nächste Problem. Woher nehmen, wenn man es nicht hat? Es gibt ganz bestimmt irgendwie Gemeinden, wo zufällig jemand vor Ort ist, der das dann mitmachen würde, wenn er es noch zeitlich unterbringt, weil das ist ja das Nächste. Man kann es nur machen, wenn man die Zeit dazu hat. Oder natürlich, die Schule ist in der glücklichen Lage, wird es bei dir eben am Gymnasium, dass du sagst, okay, ich habe das gelernt und ich mache das. Aber es gibt ganz bestimmt auch viele Schulen, die eben das nicht haben. Wenn wir schon mal, schauen wir nur mal in die Grundschulen rein, in wie vielen Grundschulen haben wir denn das Problem, dass Musik fachfremd unterrichtet wird oder eben, ach komm, Musik machen wir diese Woche nicht, wir müssen Mathe noch was nachholen. Das ist ja auch schon eine ewige Diskussion, die es immer wieder gibt.
SPEAKER_00Definitiv. Wobei nicht mal nicht mal jeder Schulmusiker könnte das auch gut machen. Also da muss man auch einfach mal jetzt ganz klare Position bestellen und sagen, okay, nur, also ich habe die glückliche Lage, dass ich halt selber Blaser bin, selber auch schon Blaserklassen vor dem Studium gemacht habe. Hab aber tatsächlich auch noch jetzt, um das einfach mal ein bisschen auszuweiten, für mich nochmal eine Gesangsklassenausbildung gemacht, weil ich zwar im Studium Gesangsunterricht hatte, aber eine Gesangsklasse zu führen ist nochmal anders. Also ein Musiker ist nicht gleich Musiker, das sollte man vielleicht auch mal klarstellen. Genau. Andreas, du hast damals in deinem Post auch das Blaserglassensystem so ein bisschen angeprangert, würde ich mal sagen.
SPEAKER_02Ja. Ja, ich meine, sagen wir es so, dieses Bläserklassensystem wurde der 17 Schutz hat Ewigkeiten und drei Tagen und es wurde letztendlich durch eine große Firma in Deutschland breit angebotener, letztendlich dadurch, ja, und im Endeffekt mit dem Hintergegangen, auch das Vertriebssystem und die Verkaufszahlen gewisser Instrumentengruppen da höher zu bringen. Am Anfang war das ja auch ein gut gedachter Wille. Ich war auch auf diesen Seminaren, die dann von der Firma auch immer angeboten wurden, da in Fulda, und diese Zertifikate mir auch eingeheimst, war recht interessant. Da kriegst du eine Kurzausbildung in zwei Tagen an sechs, sieben verschiedenen Instrumenten. Du weißt, wie es du vielleicht reinspielen sollst und so. Ich sage mal so, für die ersten fünf bis zehn Jahre war das auch gar nicht verkehrt. Aber diese Literatur, die damals so mit angeboten worden ist, die ist voll daneben, in den verschiedenen Instrumentengruppen. Und wenn du jetzt siehst, dass letztendlich Leute, die sich dazu berufen fühlen und das machen und noch nie einen Fagott gespielt haben und eine Oboe, noch nie eine Tuba gespielt haben und das eben den Kindern beibringen, es gibt nichts Schlimmeres als in den ersten Wochen, Monaten, Jahren ein Kind, ein kleiner Kind that wirklich Bock hat auf sowas, das ihm falsch beizubringen. Und so läuft er draußen. Also es hat sich zwar dahingehend viel verbessert durch die verschiedenen Fortbildungsmöglichkeiten und Modus, die es da angeboten gibt, aber letztendlich ist es halt so, dass von fachfremden Leutnern da eben das Zeug beigebracht wird. Ich meine, wenn bei mir die Waschmaschine tropft, dann mache ich das nicht selber, sondern oder wenn bei mir irgendwas in meinem Heizungssystem nicht funktioniert, dann mache ich das nicht selber, sondern ich hole einen Fachmann. Und der kostet halt Geld und so sieht es halt letztendlich dann auch wieder draußen aus. Wir kommen wieder zurück auf die finanzielle Phase. Es gibt viele Leute, die ja sehr viel Engagement auch mitbringen und es auch mit Sicherheit ganz gut machen, aber ich bezweifle es, dass halt das nicht alle gut machen. Man kann natürlich auch sagen, eine Bläserklasse für die ersten zwei Jahre, okay, da taucht es, dann schauen wir mal weiter. Vielleicht die, die dann weitermachen, die nehmen sich dann wirklich einen richtigen Lehrer, aber meistens ist es ja nicht so. Die bleiben ja dann bei den Lehrern und es geht meistens also immer, ich finde es, in die Hose. Also es wird gut.
SPEAKER_00Also vor allen Dingen, also ich habe dann auch nochmal so eine schnelle Ausbildung gemacht. Also zum Beispiel Querflöte bin ich jemand, wo ich sagen würde, boah, Alter, bitte nicht fragen. Also oder wenig fragen, also nicht fragen, aber wenig fragen, weil ich es selber nicht gut kann. Wir haben auch da wieder die Luxussituation, dass wir hinten dran einfach drei, vier Fachkräfte haben, die dann, wir haben eine Querflötenlehrerin, wir haben jemanden für klarinette Saxophon, die sich dann einmal in der Woche tatsächlich mit den Schülern auch hinsetzen. Und es ist kein Einzelunterricht oder wir können es nicht immer Einzel garantieren, aber zumindest zu zweit oder zu dritt. Also es ist immer noch besser, als es bei anderen Schulen sind. Aber ich sehe auch ein ganz großes Problem bei Instrumenten wie Horn. Ich tue mir und mein Kollege auch, es tut sich immer schwer, ein Horn in eine Bläser-Klasse zu integrieren, weil es entweder immer zu hoch ist, zu tief ist, oder er muss halt doch was anderes spielen als die anderen. Und ich finde, spätestens ab dem Instrument hinkt das System leider sehr. Weil du dann entweder hast du jemanden, der es richtig gut kann, den Hest du wahrscheinlich auch so gekriegt, oder es quält sich einer die ganze Zeit. Ich weiß nicht, wie eure Erfahrungen damit sind.
SPEAKER_02Also wir haben den glücklichen Zufall, dass wir mit einer Grundschule zusammenarbeiten, wo die Rektorin der Musik gut gewählt ist. Die hat von Anfang an gleich eine WIM-Klasse, also eine WIM-Schule draus gemacht und die bekommen ab der ersten Klasse die Möglichkeit, also mit Gesangsunterricht und mit Blockflötenunterricht werden die da beschult und die haben dann die Möglichkeit, ab der dritten Klasse sich ein Instrument rauszusuchen. Sei es jetzt ein Blasinstrument, eben in Zusammenarbeit, in Kooperation mit den Musikvereinen, mit verschiedenen Musikvereinen, die sich da auch beteiligen. Oder ob es dann ein Streichinstrument sein sollte oder ein Klavier. Also da sind wir da in der ländlichen Gegend, jetzt bei uns da, sind wir schon ein bisschen federführend.
SPEAKER_00Ihr habt, oder Hauel, du hast das schon ein bisschen angesprochen. Wie sieht es denn in Nachbarnländern aus, was musische Bildung betrifft?
SPEAKER_03Ja, Nachbarlände, ich habe mir jetzt da mal ein Musterbeispiel rausgesucht, und zwar das Beispiel Österreich. Österreich oder noch besser, ich habe das nur ein bisschen spezifiziert, das Land Tirol. Land Tirol hat sich irgendwann 1992 entschieden, die Musikschulen unter die Landesführung zu stellen. Mit einem Landesmusikstuhlgesetz. Die Informationen habe ich dankenswerterweise von Bernhard Schlögl erhalten. Danke nochmal, Bernhard. Und dort sind eben die ganzen Musikschulen aufgehangen am Land. Ich suche nur meinen Zettel raus, wo man das alles aufgeschrieben hat. Das Land Tirol übernimmt 55% der Personalkosten. 45% tragen die jeweiligen Gemeinden. Die Gemeinden sind zuständig für die Räumlichkeiten sowie die Unterrichtsmaterialien. Das Land Tirol hat sich außerdem noch dazu verpflichtet, 55% der Anschaffungskosten der Musikinstrumente zu übernehmen. Also ich denke mal für Mangelinstrumente, das habe ich jetzt nicht spezifisch herausgefunden. Es gibt ein Schulgeld und die Einnahmen vom Schulgeld fließen dann wieder zurück in die Gemeinden. Jetzt kommen wir zu diesem Thema Schulgeld. Was kostet bei uns Musikschulunterricht? Halbe Stunde Einzelunterricht an der Musikschule zu zwischen, je nach Musikschule, 55 bis 75 Euro, je nachdem wie es strukturiert ist. In Tirol kostet der Einzelunterricht 25 Minuten 163 Euro im Halbjahr. Und wenn man das dann runterbricht, Mathematik, ja, sind wir halt irgendwo bei 25 Euro pro Monat. Das dann wieder zurück in die Gemeinden fließt, um eben die Räumlichkeiten und das Ganze zu finanzieren. Das ganze Lehrpersonal ist beim Land angestellt und die Musikschulen sind strategisch so aufgestellt, damit sie in der Fläche bestmöglich bedienen können. Also reden wir von Flächenmusikschulen. Man wird es nie schaffen, dass in jeder Gemeinde eine Musikschule an sich ist. Aber es wäre ja schon mal einfacher, wenn die Kinder nur sechs oder zehn Kilometer fahren müssen, anstatt 30. Und so macht es eben Tirol. Und ich habe mir dann auch mal, weil dann immer der Faktor Kosten fürs Land wird ja auch immer groß angeprangert. Ich habe mir dann, habe dann gestern noch rausgesucht, das Bruttoinlandsprodukt von Tirol beträgt 44.500 Euro und wenn man jetzt auf Bayern das ummünzt, Bruttoinlandsprodukt von Bayern 46.500 Euro. Also Tirol ist nicht viel reicher wie Bayern.
SPEAKER_00So, jetzt die provokante Frage, wie machen sie das? Wie machen die es? Irgendwo, also gut, sie machen es halt einfach, aber bei uns wird man jetzt dann, fängt es dann bestimmt an, ja, aber wir haben das einfach nicht. Wir können das nicht garantieren.
SPEAKER_02Ich glaube, dass das dann aber auch letztendlich an der Politik und an den Mandatsträgern auch liegt. Habe ich einen Landrat, der mit der Musik umgehen weiß und der das auch möchte, der es genau definiert haben möchte und es auch so weitergibt an seine Bürgermeister oder Bürgermeisterinnen, ich glaube, dann läuft es schon. Und ich glaube, da ist ja auch der Fehler eben generell in Deutschland, dass die Kulturminister und Ministerinnen einfach das nicht so haben wollen. Man hat ja die Ansätze zwar gehabt mit Jeki, jedem Kind ein Musikinstrument, aber letztendlich ist das ja auch wieder alles total zerfahren gewesen und nur auf das einzelne Engagement der einzelnen Musiklehrer, die das dann machen mussten ausgebügelt worden. Und das kann es halt nicht sein. Und weil der Haus schon gesagt hat, ich meine, die Angestelltenverhältnisse oder die Beamtenverhältnisse, das sind ja alles Landesbeamte. Da arbeitet man schon, wenn man diese Sicherheit hat, okay, ich habe auch eine Vollzeitstelle als Musiklehrer in einer Musikschule mit einem möglichen Arbeitsauftrag von 28 Unterrichtsstunden, den es bei uns ja nicht gibt. Bei uns Musiklehrern im TVTÖ ist es so, wir haben zwar eine gedachte Unterrichtsstundenbasis von 30 Unterrichtsstunden, aber jede Kommune ist es freigestellt, ist bis zu 38 Stunden hochzupumpen. Und das machen die meisten Kommunen. Und da hat man natürlich dann auch noch weniger Zeit, um was zu machen.
SPEAKER_00Ja, ja, klar.
SPEAKER_02Um sauber zu arbeiten.
SPEAKER_00Ganz kurz, um ganz kurz den Stellenwert auch mal zu verdeutlichen, wisst ihr, wer für die Fördermittelverwaltung für musikalische Ausbildungsprogramme zuständig ist? Bei uns?
SPEAKER_03In Bayern oder?
SPEAKER_00Nee, im Bund.
SPEAKER_03Im Bund weiß ich es nicht.
SPEAKER_00Wollt ihr es wissen? Schön wär's. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Da liegt das. Weiß ich von einem Freund, der sich gerade auch wegen Musikschulen und so auseinandersetzt. Und wir sind da alle vom Glauben abgefallen. Also da sieht man, wo der Stellenwert liegt, wo das gerade irgendwo verwaltet wird. Natürlich wahrscheinlich in irgendeinem Unterministerium, aber das Hauptding ist das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt. Und jetzt soll mir noch einer sagen, okay, da sitzen noch Leute, die wirklich an Bildung interessiert sind.
SPEAKER_03Ja, es ist ja das, was ich finde irgendwie komische. Es gibt ja eigentlich auch in Bayern diese Leitfäden, die ich euch erschickt habe vom Bayerischen Musikrat, mit Zusammenarbeit, Kultusministerium und all möglichen, wo eigentlich ja drinsteht that man das anstraben sollte. Aber wie es der Andreas schon gesagt hat, it is dann sehr viel, comes with auf dem Landrat drauf an, where ich auch schon Streitgespräche hatte, als ich war bei mir schon beim Landrat im Büro gesetzt und er hat gesagt, bei uns läuft doch alles gut. Also manchmal sehen die die Problematiken gar nicht. Es gibt auch bei mir im Landkreis zum Beispiel einen riesen Fördertopf für Musikvereine, der Andreas hat auch schon letztes Mal gelacht, wie ich ihn die Geschichte erzählt habe. Bei uns bekommt jedes Kind, das bei einem professionellen Musiklehrer unterrichtet. Und beim Verein, der Mitglied im Nordbayerischen Musikbund ist, 10 Euro pro Jahr.
SPEAKER_00Ah, doch. Okay, gut. Wenn du jetzt einen Monat gesagt hättest, hätte ich, hätte ich gesagt, okay, aber ja, ist halt symbolisch. Ja. Als was anderes kann man das ja nicht bewerten.
SPEAKER_03Also ich finde, das größte Problem bei uns, also ich kann jetzt immer nur für die Situation bei mir im größeren Gedachten, also in Nordbayern, vielleicht nur ein bisschen Baden-Württemberg, wo ich mich halt auskenne, reden. Es ist immer, es sind alles Insellösungen, die wir haben. Der eine Landkreis steht halt dahinter und fördert die Musik. Der andere Landkreis sieht die Problematik nicht, weil irgendwie, es gibt ja viele Musikvereine, wir haben bei uns im Landkreis 40 Musikvereine, die irgendwie teilweise spielen manche gut, manche halt leider nicht mehr so gut, weil die Altersstruktur nicht mehr da ist. Und solange in meinen Augen da keine Führung von oben kommt, wird sich das nicht bessern. Also es müsste eigentlich vom jeweiligen Bundesland gesteuert werden. Wie es eben in Österreich ist. Und da werden wir vielleicht die Kollegen jetzt, ich glaube, eine ist dabei, Rheinland-Pfalz, auch zustimmen, weil da ist es ja auch nicht anders. Das sind alles, wir haben nur Insellösungen. Also im einen Eck läuft es gut, im anderen läuft es halt schlecht.
SPEAKER_02So sehe ich das auch. Also es gibt wirklich sehr regional unterschiedlich. Ich sage immer so, kleine Vereine große Probleme, große Vereine auch große Probleme. Also ich kenne auch hier im Landkreis Würzburg ganz tolle Orchester, die eine vorbildliche Jugendarbeit machen, von wirklich Grabbelgruppe, Grabbelkindergärtner. Und die haben jedes Jahr ungefähr so circa 30 Kinder, die in die Ausbildung gehen eines Instrumentes. Wirklich von der Querflöde über das Fragott, über die Oboe bis zur Tuba. Und letztendlich nach zehn Jahren von diesen 30 Kindern bleiben letztendlich nur zwei oder drei Hängen, die irgendwann im großen Orchester dann mal spielen. Und das sind wieder Kinder eben von Musikereltern. And ich denke einmal, it wird immer so sein, solange das eben von oben, wie der Hau schon gesagt hat, nicht gesteuert ist, wirklich politisch gewollt, mit dem politischen Willen gesteuert is, dass Musik einen anderen Stellenwert hat, wird es immer nur auf das Engagement des einzelnen Vereinsvorstandes, des einzelnen Lehrers. It would be auf das Engagement des einzelnen draufführen zu lassen, to come. Or then elder, die, okay, my Kind möchte das lernen, möchte singen gehen, die möchte tanzen gehen, möchte eben musizieren, dann unterstütze ich das. Also von der Seite her, ich persönlich sehe das für mich schon sehr kritisch. Weil man stellt sich dann auch letztendlich auch irgendwann mal die Frage, ist mein Job noch der richtige für die nächsten 15 Jahre? Aber das ist jetzt eine ganz andere Geschichte.
SPEAKER_00Ja, aber das hängt ja alles miteinander zusammen. Hier haben wir auch Bezug auf Rheinland-Pfalz, die kämpfen seit Jahren für ein Kulturfördergesetz und die angesprochenen 10 Euro von dir Haue werden in Rheinland-Pfalz schon purer Luxus. Also schlimm.
SPEAKER_03Ich will ja nicht alles schlecht reden. Also die Länder, es gibt ja schon sehr viele Fördermittel. Nur die Frage ist halt, wie diese Fördermittel benutzt werden oder wie die halt gesteuert werden. Wir hatten jetzt in Bayern ja zum Glück, gab es Riesenfördertöpfe für die Musikvereine durch Corona-Ausfall. Es wurde da schon viel gemacht. Aber wie es Andreas ja auch schon gesagt hat, es kommt immer nur auf das Engagement des Einzelnen drauf an. Wenn ein Musikverein vor Ort ist, der sehr viel Arbeit macht, ist ja das super. Aber ist eine grundlegende Bildung Aufgabe eines Vereins?
SPEAKER_00Das ist halt das Problem.
SPEAKER_03Die Frage stelle ich mir natürlich wunderschön, wenn man hört, es läuft und die machen das. Also es würde wahrscheinlich nie jemand auf die Idee kommen, dass jetzt, weil keine Grundschule mehr vor Ort ist, dass der Sportverein jetzt eine Grundschule aufmacht und den Kindern Mathematik beibringt. Und es läuft und es ist schön, das würde einfach nicht gehen. Aber Musik ist jetzt alltäglich. Und ich finde ja, die Problematik haben ja nicht nur, wir reden natürlich jetzt hauptsächlich über Blasmusikvereine, aber wo es ja noch viel gravierender ist, sind ja auch Chöre. Männerchöre, früher gab es ja überall Männerchöre, gemischte Chöre, die sterben ja noch mehr aus. Und es liegt ja auch daran, weil bei den Kindern in der Schule gar nicht mehr das Interesse geweckt wird, teilweise, in so einen Verein reinzugehen. Ja, okay, natürlich kann man auch darüber reden, dass vielleicht das Repertoire vom Verein auch nicht mehr passend ist, was die singen. Und für die Kinder nicht attraktiv. Das ist natürlich dann ein Teufelskreis. Aber wenn das grundlegende Interesse gar nicht geweckt wird, beim Kind das Ganze zu machen, können wir noch so attraktive Angebote schaffen und werden keinen Nachwuchs finden.
SPEAKER_00Die Frage, die sich mir gerade jetzt stellt, ist: Wie sehe denn auch eine gute Kooperation zwischen Schule und Vereinen aus? Weil ich meine, das ziehe ich jetzt nur aus meinem Kopf, ich hoffe, das stimmt noch, ich meine irgendwann mal gelesen haben, dass sogar im Lehrplan, ich glaube in Musik in der Grundschule irgendwo drin steht oder drin stand zumindestens, dass örtliche Vereine besucht werden sollen. Das habe ich aber, seitdem ich irgendwo dirigiere, noch nie erlebt, dass da irgendeine Grundschule auf uns zukam und gesagt hat, hey, ihr seid ja ein Verein. Also das kann man ja auch ausweiten, das kann man aber zum Sportverein, ist ja völlig egal. Einfach, wie könnte dann auch eine Kooperation aussehen, wo beide davon profitieren?
SPEAKER_03Also ich habe ja eben auch in Schwäbisch-Halland der städtischen Musikschule machen wir das, wir kooperieren ja da auch mit den Grundschulen und machen dann dritte, vierte Klasse. Bieten wir an, dass anstatt des normalen Musikunterrichts können die eine Bläserklasse, also auch instrumentenspezifisch besuchen.
SPEAKER_00Ganz kurz, also ich benutze das ja auch immer, aber ich stelle mir immer wieder die Frage, statt eines normalen Musikunterrichtes, sollte Musik nicht praktisch sein?
SPEAKER_03Ja, aber da ist eben die Möglichkeit, die machen es halt so, weil es gibt ja Kinder, die wollen kein Instrument lernen, die haben dann ihren normalen Musikunterricht und die anderen gehen halt dann in ihren Blaserklassenunterricht. Ich habe das jetzt auch bei mir bei der Blaskapelle Durwang angefangen. Ich gehe jetzt halt nebenbei mache ich halt eine kleine Bläsergruppe mit vier Bläsern, die dann freitags nach ihrem normalen Unterricht bei mir noch ein Blasinstrument lernen. Aber auch nur, weil ich zur Schule gegangen bin und gefragt habe, hey, können wir das machen? Also, was du jetzt gesagt hast, dass es im Lehrplan steht, ist mir in meiner aktiven Laufbahn auch noch nie über den Weg gelaufen.
SPEAKER_00Also ich recherchiere mal im Hintergrund, ob das noch stimmt. Nicht, dass ich jetzt irgendwas Blödsinniges erzähle. Aber genau das darauf wollte ich hinaus. Ich erkenne das auch nur, dass es immer nur von der Richtung Verein, Richtung Schule geht. Ich habe das selten bis nie gehört, dass die Schule mal auf die Idee kam, den Verein zu suchen. Auf der anderen Seite, wir reden die ganze Zeit nur von ländlich. Ich bin ja in der Stadtschule, ich wüsste jetzt nicht aktiv, zu welchem Orchester ich gehen sollte. Das ist ja dann das nächste. Also in der Stadt hast du das andere Problem, dass du da vielleicht, zwar die Lehrkräfte hast, aber du kannst wenig beschlecht eine Vereinskultur aktiv mitbringen, weil du entweder nicht weißt, ob es jemanden gibt oder es gibt zu viele, dann heißt es wieder, aber warum geht der nicht dahin und dahin? Also du weißt, was ich meine.
SPEAKER_03Und wenn man dann auch darauf, falls diese Kooperationsbereitschaft ja da wäre, Verein, Schule, die besuchen sich gegenseitig, sind wir ja wieder beim Problem, wer soll diese Bläserklasse leiten, wenn nicht zufällig der Musiklehrer an der Grundschule ein Blasinstrument spielt? Weil einer vom Musikverein, wie soll jemand, der jetzt von mir aus in einer großen Firma im Wechselschichtbetrieb ist, regelmäßig eine Bläserklasse vormittags im normalen, strukturierten Schulalltag unterbringen und die betreuen?
SPEAKER_00Ja.
SPEAKER_03Geht ja auch nicht.
SPEAKER_02Also ich glaube, der Idealfall wäre so, wenn wirklich Vereine, Vereinsvorstände, Schulleiter, Schulleiterinnen auf gleicher Augenhöhe sich da treffen und da versuchen das Bestmögliche irgendwie zu finden. Sei es zeitlich, sei es personell, sei es finanziell, mit Fördervereinen oder sonstigen Sachen. Also es gibt schon, es gibt ja auch Modelle, die auch gut laufen und die man auch mit Sicherheit auch auf andere Schulen überstülmen könnte. Also ich bin mir jetzt nicht sicher, aber ich glaube, diese Grundschule, wo wir jetzt eben das seit acht Jahren machen, das war sogar ein Modellversuch, ein Modellprojekt im Landkreis Rodendorch-Ansbach. Und ich bin mir aber nicht sicher, ob das jetzt weiter verfolgt worden ist. Kann ich echt nicht sagen. Müsste ich mich jetzt einmal auch erkundigen. Aber wie gesagt, das ist also, das wäre ein wünschenswerter Fall, den man eigentlich in ganz Bayern oder auch in ganz Deutschland machen könnte. Weil die Zeiten sind ja gegeben. Und es kommt ja auch, es ist ja auch die Frage, ab 2025, bitte korrigiere mich, ist ja auch dann letztendlich die Ganztagessschulpflicht, die eingeführt, auch in Bayern. Dann wird dieses ganze Problem ja noch mehr verschärft. Weil die Kinder sind ja kasaniert im Endeffekt. Von frühest um 7.50 Uhr bis 17.30 Uhr im schlimmsten Falle. Wann sollen sie dann noch ihren Freizeitaktivitäten nachgehen? Sei es Sport, sei es Feuerwehr, sei es Musik, sei es Tanz oder wie auch immer. Da haben wir ja erst doch ein großes Problem ja vor uns.
SPEAKER_00Ich habe ganz schnell mal recherchiert, ich lese mal nur Auszüge daraus vor. Lehrplan Plus in Bayern, Punkt 4, Punkt 3, Vernetzung mit weiteren Bildungspartnern. Jede Grundschule entwickelt ihr individuelles Profil vor dem Hintergrund der Potenziale und Bedürfnisse vor Ort. Im Umkreis jeder Schule gibt es zudem Bildungsangebote in der Trägerschaft außerschulischen Partnern, zum Beispiel von Vereinen, Verbänden, Stiftungen und von Betrieben. Also es ist schon auch irgendwo verankert, dass das ja eigentlich erwünscht sei oder gefordert sei. Die nächste Frage ist halt, das ist ja immer so mit so einem Lehrplan, da steht ja alles Mögliche drin, ist es realistisch, weil, und da muss ich jetzt natürlich die Schule auch so ein bisschen in Schutz nehmen, es ist natürlich ein zusätzlicher, organisatorischer Verwaltungsakt, unabhängig jetzt mal vom Finanziellen, da sind wir uns ja alle einig, den eine Schule so ja automatisch nicht leisten kann, weil dann kommt der Musikverein, dann kommt der Sportverein, dann kommt die Feuerwehr vielleicht. Also dann kommen alle, die was machen wollen. Wer soll das A organisieren und die Kapazität haben wir in der Schule auch nicht mehr. Also, wenn ich schon sehe, wie viel Orga ich allein als Lehrer mache, dann weiß ich jetzt gerade auch nicht, wie ich das noch aktiv leisten sollte. Also ihr versteht, glaube ich, das Problem an der Sache.
SPEAKER_03Ja. Das ist ja das Schöne oder auch das würre teilweise, es gibt so viele Sachen, die irgendwo niedergeschrieben sind, über die wir uns gerade unterhalten. Egal, ob das eben, wie wir angefangen haben, mit Bildungsrecht, mit den Sachen vom Bayerischen Musikrat, der ganz schreibt, das Musische hat ein besonderes Anrecht auf Berücksichtigung und Förderung, dann sagst du, dass es im Lehrplan drinsteht, als drehen wir uns eigentlich immer im Kreis. Wir diskutieren jetzt Sachen, die eigentlich schriftlich fixiert sind, aber keiner setzt sie um.
SPEAKER_00Weil sich wahrscheinlich keiner dafür verantwortlich fühlt. Also weißt du, die Politik schiebt es auf die Schule und die Schule schiebt es wahrscheinlich auf die Politik zu. Genau.
SPEAKER_02Sorry, ich will nur ganz kurz einen Andreas da kurz noch Antwort geben, weil du das was im Chat rein geschrieben hast. Ich finde es eigentlich schon, dass die Schuler, die dann in einem Schulorchester drin sind, auch letztendlich soziale Bindungen im Ort oder im Verein rundherum haben sollten. Das war eigentlich auch mein Grundgedanke, warum ich bei mir im Gymnasium das Wahlfach Plassochester eingeführt habe. Dass die aus dem Verein eben rauskommen, also ihr könnt vom Verein mit mir ins Schulorchester reinbringen, das mein Schulorchester natürlich auch zu einer Qualität beiführen. Und das, was sie bei mir auch lernen, wieder mit raustragen. Und ganz ehrlich, bei mir, der Nachbarverein, der hat jetzt 20-jähriges Jubiläum dieses Jahr und die Hälfte aller deren Spieler, die kommen bei mir aus meinem Blassochester raus. Und das sind alles mittlerweile Leistungsträger, die ihr Goldabzeichen gemacht haben, teilweise auch Schulmusik studiert haben. Und die sind heute noch, also die kommen immer wieder auf mich zu und sagen, ah, super klasse Zeit und sie bereuen da keine Minute, dass die bei mir im Orchester waren, ja. Und ich glaube schon, dass es dringend notwendig ist, wenn das Angebot da ist, eines Schulorchesters, einer Big Band, einer Chor-Klasse, dass diese Teilnehmer da das schon nach draußen auch tragen, in den Vereinen rein. Und vielleicht wird ja aus diesen Einzelnen dann auch wieder irgendwelche Funktionsträger und Leistungsträger, die irgendwann mal ein Chor übernehmen oder eben mal Registerproben abhalten im Verein. Also das ist wünschenswert und das sieht man immer wieder, nicht immer, aber man freut sich halt doch, wenn es dann so ist, Andreas.
SPEAKER_00Also vor allen Dingen die Frage war ja, gibt es denn überhaupt noch die Notwendigkeit, einem externen Orchester beizutreten? Ich glaube schon, weil gerade im ländlichen Raum sterben uns sonst die Vereine weg. Und wenn die Vereine nicht mehr da sind, funktioniert es also vielleicht hätte es auch überzwungen, funktioniert das Dorfleben auch nicht mehr. Also das ist ja ein gesellschaftliches Problem. Und es wird immer schwerer, definitiv, auch weil du gesagt hast, G8 und Ganztagsschulen. Definitiv, ich verstehe das. Wenn ein Schüler sagt, okay, ich komme um 5 Uhr heim, ich will da nicht nochmal um sieben, halb acht in die Probe gehen. Also ich kann alle Seiten verstehen. Jetzt ist nur die Frage, okay, wir haben jetzt schon festgestellt, okay, eigentlich politisch gesehen ist es fixiert. Da kommen wir nicht mehr drum rum. Eigentlich steht überall drin, dass wir was, dass es ein Recht ist, dass es gemacht werden sollte. Es passiert gerade nicht. So, was könnten wir als Musiker, als Vereine, als Verbände tun, um den angesprochenen Stellenwert zu erhöhen, damit die Nachfrage wieder höher wird?
SPEAKER_03Das ist natürlich eine, ja, was können wir machen? Wir gehen auf die Straße und demonstrieren für unser Recht. Nein.
SPEAKER_00Nein, aber ich meine jetzt mal unabhängig, okay, wir können natürlich immer um das Problem kreisen und sagen, okay, alles ist doof und das funktioniert alles nicht, aber wir müssen ja auch irgendwie gucken, dass die Vereine funktionieren. Darum geht es mir. Wir müssen ja gucken, dass das Musikernachwuchs nachkommt. Darum geht es mir. Also wie können wir erstmal garantieren, weil Andreas vorhin schon gesagt hat, gerade durch die Pandemie ja auch viele vielleicht weggebrochen sind, weil sie festgestellt haben, oh ja, so ein freier Freitag ist ja auch ganz nett. Also was können wir tun, damit der Stellenwert der Musik wieder attraktiver wird? Jetzt mal unabhängig von diesem ganzen politischen und finanziellen. Dass das mit reinspielt, da sind wir uns alle einig. Aber was können wir vielleicht als Verein oder auch als Verbände tun, damit einfach mehr Leute wieder überhaupt Lust haben, ins Orchester zu gehen?
SPEAKER_03Ja, wir müssen natürlich als allererstes einmal schauen, dass vielleicht die Vereinsvorsitzende auch oder Vereinsvorsitzenden den Kontakt zu ihren Schulen suchen und vielleicht solche Lösungen erarbeiten, in Zusammenarbeit mit der Schule oder anderweitig. Die Verbände, ja als Verbände, wenn ich jetzt schaue mit dem Musikbund, wir versuchen ja viel anzubieten, sei es Bläserklassenausbildung, sei es Dirigentenkurse. Das Angebot ist ja da. Das größte Problem ist, glaube ich, einfach, die Verknüpfung zu finden. Dass man wirklich aktiv zu seiner Schule vor Ort hingeht und sagt, hey, wir als Musikverein brauchen euch, braucht ihr uns vielleicht auch? Können wir irgendwas zusammenbauen? Egal wie klein die Ortschaft ist. Und dann muss man natürlich schauen, okay, wie kann ich das mit Lehrpersonal irgendwie hindrehen, dass man was Vernünftiges zusammenbaut.
SPEAKER_02Ich glaube auch, das Dreieck, das magische Dreieck ist eigentlich der Lehrer oder die Musikschule oder das Ausbildungszentrum, ich nenne es mal so, dann Kooperationspartner letztendlich die entsprechende Schule, Grundschule, Mittelschule, Realschule, Gymnasium, wie auch immer, oder Gesamtschule. Und letztendlich dann in dem gleichen Zug natürlich auch die Kommune mit reinziehen. Weil meistens läuft das über Fördervereine, ja, wenn irgendwelche Anschaffungen über Fördervereine, die Leute sind ja auch sehr engagiert und machen unzählige Veranstaltungen, dass irgendwas eben dann finanziell zusammenkommt, um das dann, um die Kosten letztendlich dann geringer zu halten. Aber ich glaube, das magische Dreieck, das muss auf jeden Fall versucht werden, aufrechtzuhalten. Oder generell so ins Gespräch zu kommen. Und nur so funktioniert es, denke ich. Und natürlich auch, ich sage mal, es gibt natürlich Vereine, die wollen gar keine fremden Leute im Verein. Es gibt Vereine, die machen ihre eigene Ausbildung, die wollen niemanden anders drin haben und da bildet er einen Nächsten aus. Das ist natürlich auch so eine Sache. Also da muss man natürlich auch schon ein bisschen über den Tellerant hinausschauen und vielleicht doch andere Wege gehen im Ausbildungskonzept. Weil das kenne ich auch von verschiedensten Vereinen, die lieber nur noch mit sieben Leuten spielen, anstatt in aktive Jugendarbeit gehen. Und das ist natürlich auch eine Sache. Man muss einfach nach außen gehen und einfach den Kontakt suchen, sei es zu freien Musiklehrern oder Musiklehrerinnen oder sei es zu den Musikschulen, die ja auch manchmal oder meistens eigentlich auch vor Ort sind. Gut, es sind vielleicht 10 Kilometer, 20 Kilometer, 25 Kilometer, aber sie sind da. Und diese Möglichkeiten werden natürlich auch nicht genutzt von den Vereinen. Oder nicht immer genutzt, ich sag's mal so.
SPEAKER_00Okay, ich höre jetzt, wenn du das sagst, du hast ganz viele Stimmen in meinem Kopf und Argumente, die ich schon so oft gehört habe, dann kommt ja, aber wir können uns das nicht leisten. Also es fängt ja dann auch zum Beispiel mit einem ausgebildeten Dirigent an. Da müssen wir jetzt noch nicht mal in die Einzelausbildung gehen, das fängt ja schon mit einem ausgebildeten Dirigent an, wo mir dann immer gesagt hätte, ja, wir würden gerne, aber das können wir uns nicht leisten.
SPEAKER_02Also ich kann es aus meinem eigenen, also was ich selber erlebt habe, eben, ich habe ein Orchester im Endeffekt mit 28 Jugendlichen da gehabt. Ja, und dann habe ich dann bei diesem Schulfest argumentiert, habe ich umgedreht, da war der Landrat da, da war der Bürgermeister da von den ganzen Gemeinden. So Leute, jetzt habt ihr hier 28 motivierte junge Mädels und Jungs sitzen, macht was draus. Ganz egal wie. Ich habe mich nicht in den Vordergrund gestellt, sondern gesagt, sucht es, versucht diese Gruppe zusammenzuhalten und dann habt ihr was, wo ihr drauf aufbauen könnt. Jedes Jahr. Weil so funktioniert es eigentlich auch, ne? Dass ich einmal eine Gruppe habe und dann wird es jedes Jahr mit neuen Musikern bestückt oder im Chor, dass ich jedes Jahr immer die Leute neu bestückt. Letztendlich hat es wirklich ein halbes Jahr gedauert, bis die Vereine in Aktion gekommen sind. And let's end up gescheitert an Geld. Weil sie eigentlich kein Geld ausgeben wollten für den, der das alles leidet, sich die Mühe macht eben für Noten, für jugendgerechte Noten and so im Sand verlaufen. Und mittlerweile, dieses Orchester momentan, glaube ich, nur noch aus acht oder neun Jugendlichen. Schade. Vertane Chance, sehe ich das. Und darum eben, man sollte vielleicht auch vertrauen an Leugner, die solche Konzepte im Koffer haben, die sowas schon gemacht haben. Da ist halt eben diese, was ich schon gesagt habe, manche Vereine, die trauen eben sowas nicht. Die trauen es einem nicht zu, dass man sagt, okay, man hat ein Konzept, man macht was und man kann da was auf die Beine stellen, weil es ist ja schon vielfach optimal auch gelaufen. Und ja, das mit den Dirigenten ist so eine Sache, ja, es gibt ja vom Norddeutschen Musikbund oder von den Verbänden gibt es ja diese Dirigierausbildungen, die ich auch für gut befinde. Letztendlich ist es halt immer so ein Sachen auch der Anwendung. Man kann was in der Theorie lernen, aber letztendlich muss man es halt auch anwenden können. Und wie du schon sagst, es gibt viele, viele ehrenamtliche Chorleiter, es gibt sehr viele ehrenamtliche Bandleiter, die das wirklich aus Herzengagement machen und dafür auch gar kein Geld verlangen. Das sind nach wie vor viele. Aber der professionelle, also der professionelle Lehrer, der davon lebt, der muss halt Geld verlangen. Und ich vergleiche es immer so, wenn ein Landwirt sein 500 PS Deutsch Bulllock in die Werkstatt tut, da kostet halt einfach die Arbeitsstunde, kostet 150 Euro. Und da wird auch nicht überlegt, mache ich das oder mache ich es nicht, weil er braucht es ja, sein Gerät. Es sind zwar komplexe, okay, aber diese Diskussion möchte ich jetzt gerne aufmachen, für welches Geld mancher Musiklehrer eigentlich unterrichten draußen.
SPEAKER_00Ja, ja, klar.
SPEAKER_02Da komme ich jetzt wieder zum Discounter zurück, das ist so.
SPEAKER_00Da gibst du dir vollkommen recht.
SPEAKER_02Aber das wäre ein eigener Podcast, glaube ich.
SPEAKER_00Definitiv, den mache ich die selber noch.
SPEAKER_03Ja, um nochmal auf das Thema zurückzukommen, was müssen wir machen? Also ich glaube, wir müssen irgendwie in die Köpfe der politischen Entscheidungsträger auch vor Ort. Also ich rede als Gemeinderat Bürgermeister. Bei uns ist ja zum Beispiel die städtische Musikschule 10 Kilometer weiter, bietet ja sogar den Gemeinden an, Kooperationsgemeinde zu werden. Die müssen halt dann ihren gewissen Opolus zahlen, damit der Musikunterricht auch finanziert ist. Nur die wenigsten Gemeinderäte sehen das ein, dass man das eigentlich braucht. Ich bin da auch immer in die Diskussion mit denen. Wieso braucht man das vor Ort? Ja, das hatten wir ja bisher auch noch nie gehabt und ihr macht auch mit Musikfreien sowieso ein bisschen Ausbildung. Und das ist, glaube ich, das ganze Problem. Es gibt dann Nachbargemeinden, die sind in diesem Kooperationspaket mit drin und haben sich da eingekauft, aber manche eben nicht. Also das ist so auf gut dünkende Gemeinderäte und Bürgermeisterfuß das Ganze.
SPEAKER_00Ich hatte vorhin eine Überlegung, weil, ich weiß nicht, ob du es gesagt hast oder Andreas, dass das ja auch, dann liegt es wieder an Fördergeldern oder Fördervereinen. Gibt es von den Verbänden irgendeine, weiß ich nicht, irgendeinen Kurs, irgendeine Schulung für Vorstände? wie man sowas aufziehen könnte. Also ich könnte mir vorstellen, ganz kurz, der Gedanke, ich könnte mir nämlich vorstellen, dass es schon auch Vorstände gäbe, die sowas angehen, aber natürlich diesen riesen bürokratischen Akt, wie ziehe ich überhaupt was auf? Wie komme ich am besten an Fördergelder, wie kann ich Werbung machen? Also einfach, dass das irgendwie, und wenn es vielleicht nur einmal im Jahr irgendwie so ein Treffen ist von Vereinen, die A wissen wollen, wie es läuft, und b, dass Vereine ihre Konzepte mal vorstellen, damit man weiß, okay, ich kann mich daran langhangeln, ohne das Rad neu zu erfinden.
SPEAKER_03Das Problem mit diesen ganzen, wie du jetzt sagst, Fortbildung. Wir machen ja auch im Musikbund mittlerweile Fortbildung allgemein für Vereinsvorsitzende, neu im Vorstand, egal wie das ganze Zeug heißt. Das Komische bei allen Fortbildungen, egal ob das für Vereinsvorsitzende oder auch Instrumentalspieler ist, wer geht zu den Fortbildungen? Die eine Gruppe ist die, die es eh schon kann.
SPEAKER_00Ja, ja.
SPEAKER_03Und die anderen, bei denen es eigentlich nicht läuft, die gehen ja gar nicht hin.
SPEAKER_00Ja, ja, mir ist das schon klar. Ja. Okay, Schachmatt. Ja, du hast ja recht, das ist ja immer so. Ich bin ja auch schon von Vereinen weggegangen, weil ich gesehen habe, dass die Vorstandschaft das überhaupt nicht will. Also dieses wir machen jetzt was anders als die letzten 30 Jahre. Nö, machen wir nicht.
SPEAKER_03Also ich glaube, wenn ein Vorstand gewillt ist oder eine Vorstandschaft gewillt ist, sowas durchzusetzen, dann gehen die auch wahrscheinlich aktiv zur nächsten Musikschule und informieren sich, weil, also ich kenne, glaube ich, keine Musikschule, die nicht bereit ist, so eine Kooperation mit einer Partnergemeinde einzugehen. Das machen, glaube ich, alle, wenn die Gemeinde aktiv zur Musikschule hingeht.
SPEAKER_00Könnte der Weg auch andersherum aussehen?
SPEAKER_03Dass die Musikschule zur Gemeinde geht. Machen die Musikschulen wahrscheinlich auch, also ist es bei uns, die Musikschulen haben sogar schon aktiv angefragt, ob die Gemeinde nicht gewillt ist, eine Kooperation einzugehen. Und dann kommen wir wieder zu dem Thema, nee, brauchen wir nicht, kostet Geld.
SPEAKER_02Ganz genau. Also die Argumentation ist dann meistens so, dass das Geld, die sagen dann eher, ja, das Geld, das geben wir dann lieber in Musikverein, anstatt die sich dann letztendlich dann, und die machen dann ihr eigenes Ding mit eigenen Lehrern oder eben intern dann. Und die sehen das gar nicht, also sehen das, ja, die brauchen das nicht, wie der Hau schon gesagt hat.
SPEAKER_03Also ich bin da gerade auch bei mir daheim wieder eigentlich an der Arbeit, das Ganze ein bisschen anzuschieben. Man muss als Musikverein dann halt auch, oder die Musikschule mit dem Musikverein vielleicht kommunizieren. Also zu mir zum Beispiel die Musikschule, die eigentlich die Kooperation mit der Gemeinde möchte, ist noch nie aktiv zum Musikverein gegangen und hat mit Musikverein geredet und sagt, hey, ihr habt doch so ein bisschen Jugend, wollt ihr das nicht vielleicht ein bisschen größer machen? Wir könnten das. Wenn eure Gemeinde bei uns in die Kooperation mit reingeht, könnten wir das richtig groß aufziehen. Also oftmals fehlt es nur an kleinen Kommunikationsecken. Also es müssen sich halt eigentlich nur drei Parteien statt zwei an einen Tisch setzen. Wenn nur die Gemeinde und die Musikschule sich an einen Tisch setzt, ohne Musikverein funktioniert es nicht. Wenn der Musikverein und die Gemeinde sich an einen Tisch setzt, funktioniert es auch nicht. Wenn alle drei an einen Tisch setzen, Musikschule, Gemeinde und Musikverein, dann könnte es funktionieren. Und jeder seine Vorteile daraus zieht und sieht, okay, der Musikverein sieht A Musikschule, die Musikschule bietet mir das und das. Ich muss halt einfach miteinander reden. Ich glaube, das ist ein Riesenproblem, dass viel zu wenig in diese Richtung miteinander gesprochen wird.
SPEAKER_02Also ich kann jetzt ja nur wieder auch aus meinen persönlichen Erfahrungen widersprechen. Diese Gespräche finden schon statt. Es ist sogar so, dass wir auch mit den Musikvereinen im Gespräch waren, dass wir als Lehrer bei denen in die Probegebäude reinkommen. Also dass letztendlich die Schüler schon gar nicht mehr fahren müssen in die Stadt hinein. Also das heißt, wir kommen extern raus und unterrichten da vor Ort. Aber selbst dieses Angebot wird teilweise eben nicht angenommen.
SPEAKER_03Weil dann wahrscheinlich der Musikverein wieder alleine dasteht und sich denkt, wie soll ich als Musikverein diesen Musikschulunterricht finanzieren, weil dann die Gemeinde nicht mit im Boot war, die dann eigentlich der Kooperationspartner sein müsste auf dem Papier.
SPEAKER_02Ja, weil die Gemeinde war schon mit dabei. Also bei dem einen explizitenden Fall. Aber ja, wie du schon sagst, es müsste eigentlich immer so ein Dreiergespräch sein. Eben dieses magische Dreieck, was ich vorhin schon angesprochen habe. Und dann würde vieles mit Sicherheit besser laufen. Und wie gesagt, wie du schon sagst, manche Sachen, die laufen halt schon 30 Jahre so und diese Sachen müssen halt gebrochen werden. Manchmal funktioniert das.
SPEAKER_00Aber ja. Aber das sind ja dann immer die Entscheider. Aber dann denke ich mir immer, okay, ist das so eine Ego-Sache dann von Vereinsvorständen?
SPEAKER_03Oftmals. Oder nicht unbedingt vielleicht auch gewachsen aus dem Verein selber. Wenn ich jetzt zum Beispiel den örtlichen Musikverein in dem Ort, wo ich wohne, anschaue, die hatten die letzten 25, 30 Jahre nie das Bestreben der Jugendausbildung aufzubauen. Der Verein ist so gewachsen, vor 40 Jahren wurde der gegründet mit der Generation Alter von meinem Vater, war einfach ein spielbarer, ein spielfäher Haufen. Die haben 40 Jahre gespielt, aber jetzt sind die halt alle sehr alt. Und merken jetzt, oh, wir haben die letzten Jahre irgendwas vergessen.
SPEAKER_00Ja, das kenne ich ganz oft. Was ich auch erlebt habe, und das sind, ja, da steige ich immer aus, weil ich es nicht nachvollziehen kann. Das war in meinem Blasorchester, das ich vorher dirigiert habe, also nicht aktuell, wir hatten eine Kooperation mit einem Nachbarverein, weil wir gesagt haben, okay, wir müssen die Jugendkapellen zusammenlegen. Und das wurde dann irgendwann, kam eine neue Vorstandschaft dran, wurde es aufgebrochen, machen wir nicht mehr. Weil dann könnten ja vielleicht Leute von uns dann zu euch ins Orchester gehen. So, und dann denke ich mir, ja, okay, das natürlich kann das passieren, aber es kann ja auch andersherum passieren. Das wird sich immer die Waage halten, weil immer da, wo die Freunde halt sind, gehen sie halt hin, meine Güte. Oder ich muss meinen Verein so attraktiv aufstellen, dass sie halt zu mir kommen wollen. Das ist halt das andere. Aber deswegen gebe ich doch keine Kooperation auf, dass ich ein spielfähiges Jugendorchester habe. So, jetzt gräbst halt jeder mit 10, 11, 12 rum statt mit 25 bis 30. Und das sind für mich einfach nur so Ego-Nummern, wo ich mir denke, okay, das konnten wir vielleicht vor 20 Jahren machen, aber wir sind jetzt in einer anderen Zeit, wo jeder gucken muss, dass das einfach am Laufen bleibt. Und wenn irgendwann das darauf hinausläuft, dass die zwei Vereine halt zusammengehen, weil halt nicht mehr so viel Jugend da ist. Aber dieses, wir ziehen das so durch bis zum letzten Mann, das kann ich nicht verstehen.
SPEAKER_03Dasselbe Problem hatten doch die Sportvereine auch immer. Aber die sind ja mittlerweile schon so weit und machen Spielgemeinschaften, gemeinsame Jugendteams, alles mögliche und trotzdem haben die noch ihre spielfähige erste Mannschaft. Aber ja, das ist, da ist wahrscheinlich die Musik einfach 10 bis 15 Jahre hinter dem Sport oder der Entwicklung.
SPEAKER_00Ich würde gerne noch eine Frage vorhin vom Chat aufgreifen. Da kam die Frage, ob das sinnvoll ist, dass man die Regieranfänger in Jugendblasorchester schickt. Oder ob man da nicht eigentlich genau die Fachkräfte bräuchte, die schon können. Und die Kids dann gut ranführen und motivieren, damit sie ins Stammorchester rüberwechseln.
SPEAKER_03Ja, das ist eine schwere Frage. Natürlich bräuchte man für Jugendorchester gerade die ausgebildeten Pädagogen. Die andere Frage ist natürlich dann auch, wann gibt man jemand die Chance, irgendwas zu dirigieren? Irgendwann muss man ja mal anfangen. Andi, das ging dir so, das ging mir so, irgendwann wird man halt in das Heifeschbecken reingeworfen und ja, du bist jetzt Dirigent. So ungefähr. Mach das.
SPEAKER_00Aber ich glaube, die einzige Lösung da ist, also ich sehe den Aspekt, dass natürlich da, das ist ja auch wie in Schule und generell in Bildung. Ich finde auch, dass eigentlich im Kindergarten und so da der Erzieher sein sollten, die mega motiviert sind und gut bezahlt sind. Weil darauf baut das der Ganze auf und wenn die dann zu mir ins Gymnasium kommen, kann ich auch nichts mehr ändern. Also was vorher halt versäumt worden ist. Und so sehe ich das im Jugendblasorchester auch. Auf der anderen Seite bin ich auch bei deiner Sache. Irgendwo muss ja jemand mal eine Chance bekommen zu wachsen. Und niemand stellt sich in ein Stammorchester oder seltensten Fall jemand, der noch nie eine Gruppe geleitet hat, weil das geht meistens nach hinten los. Die einzige Chance sehe ich tatsächlich, dass da auch wirklich eine Vorstandschaft ist, die halt da auch ein Auge drauf hat und nicht einfach so, okay, wir geben dir eine Chance und dann laufen mal drei Jahre, vier Jahre. Ohne mal zu reflektieren, läuft es gerade oder läuft es nicht.
SPEAKER_03Das wäre jetzt wieder Sache von Matthias Jos Qualitätsmanagement.
SPEAKER_00Genau, genau. Ja, weil ich, also das ist für mich die einzige Lösung, weil du musst ja tatsächlich Plätze schaffen, damit Nachwuchskräfte sich mal ausprobieren können, um zu gucken, taugt das mir überhaupt oder auch mal festzustellen, okay, Dirigieren sieht nach außen in alles leicht aus, aber es ist ja mehr als nur der Dirigierstab da rum zu schwingen, sondern ich muss ja auch eine Beziehungsarbeit leisten und es geht ja nicht nur ums Musikalische. Um dann zu wachsen oder zu sagen, okay, es ist nicht meins. Auf der anderen Seite muss man natürlich gucken, dass so Leute halt so ein Jugendorchester dann nicht auch verhunzen, dass die Leute abhauen.
SPEAKER_02Aber ich glaube, es befruchtet auf jeden Fall beide Seiten. Wenn jetzt aus dem Orchester, also aus dem Jugendorchester, auch ein Jugenddirigent rauskommt, der natürlich auf Augenhöhe, vom Alter her, das ist kein größerer Abstand letztendlich, wenn ich jetzt einen Jugenddirigent habe, so mit 16, 17, 18 Jahren, and der dann die nachkommende Generationen, sagen wir zwei, drei Generationen da auch mit aufwachsen lässt und selber da rein wächst. Ich glaube, das ist auf jeden Fall allemal besser, wenn dann auch ein Coaching da ist, vielleicht mit einem Stammdirigent, das wäre wünschenswert vielleicht. Und man hat auch da, ich glaube, viel bessere Chancen, die Motivation hochzulassen, den Spaß im Vordergrund auch zu sehen, weil er einfach näher am Alter auch dabei ist, wenn du so einen jungen Dirigenten hast. Ganz egal, welche Fehler jetzt da macht, ob er falsch einzählt oder was weiß ich. Das sind halt so Sachen, das muss er halt auch lernen. Und ich finde es finde es schon gut, wenn es aus eigenen Reihen da Leute kommen und die sind immer zu unterstützen. Also ich habe da immer, ich habe da kein Problem. Hatte ich auch, da kamen dann welche zu mir und wie soll ich das machen, wie kann ich das machen, welche Stücke soll ich nehmen. Dafür habe ich immer ein offenes Ohr für sowas, weil sowas muss man unterstützen.
SPEAKER_00Ja, weil das ist ja auch befruchtend für das Stammorchester. Muss man ja auch ganz ehrlich sagen. Und das, was jetzt dir vorgeschlagen ist, wäre natürlich auf jeden Fall super, das hast du jetzt auch gerade so ein bisschen erwähnt, so ein Tandemmodell. Vielleicht fahrende Dirigent, coacht den Dirigieranfänger und guckt da immer so ein bisschen und übergibt es dann auch, wenn man merkt, okay, du hast jetzt genug Erfahrung, den Rest musstet ihr halt selber machen. Also wissen wir alle, Erfahrung sammeln müssen wir alle selber. Da kann dir ja noch jemand nebendran sagen, das musst du so machen. Dinge muss man einfach auch mal ausprobieren.
SPEAKER_03Ja, das wollte ich jetzt gerade auch sagen, dass man vielleicht dann, dass eben der erfahrene Dirigent aus dem Stammorchester von mir aus alle vier Wochen einfach mal auch in die Probe geht und schaut, was macht denn mein Zauberlehrling gerade und coacht den halt ein bisschen. Dann kann das schon funktionieren.
SPEAKER_02Ganz kurz noch, wie eine Anekdote. Also ich hatte auch ein richtig großes Jugendorchester, ich hatte die Freude, ein richtig großes Jugendorchester mal zu leiden und da hatte ich 70 Jugendliche da. Da hatte ich acht Waldhörner, 16 Klanetten, drei Tuben, vier Tuben, acht Posaunen und so. Und da war ich der Erste, wo dann letztendlich eingeführt hat mit dem Orchester eingeführt, dass Elternteile mit dabei sind. Ich war total fix und fertig nach dieser Stunde Probe, weil dem einen fällt der Ständer um, der andere fällt das Saxophon um, der andere ist schlecht. Herr Brunzel, ich habe keine Noten, können Sie mal kopieren, können Sie mal schauen oder können Sie mal das Original wieder rausholen. Ich war der Erste, wo das eingeführt, dass Eltern dabei sind, mich da unterstützen. Und sowas wäre dann letztendlich für so einen Jugenddirigentner vielleicht auch nicht schlecht, dass man so bei einer normalen Probe den Jugenddirigenten mit beizieht und dann mit einarbeiten lässt. Oder eben bei so einem Jugendorch Hester, wenn man 15 Leute da sitzen hat, der eben da unterstützend damit daneben ist. Wie der Haushalt sagt, alle drei Wochen, alle vier Wochen ist ja eigentlich machbar. Und der Wille ist dann mit Sicherheit auch da bei den Funktionären.
SPEAKER_00Das trifft sich ganz gut, weil ich ganz am Anfang kam auf die Frage, was Blasmusiker vielleicht gerade jetzt am Anfang mehr brauchen. Eine hervorragende Ausbildung oder eine motivierte Vereinskultur, die auch musikalische Kreativität zulässt. Was glaubt ihr das wichtiger?
SPEAKER_03In meinen Augen geht beides nicht ohne das andere. Weil ich kann noch so kreative Arbeit leisten, wenn keiner das dann umsetzen kann. Und auf der anderen Seite kann ich noch so gut ausgebildet sein, wenn ich das Ganze dann nirgends einbringen kann.
SPEAKER_02Richtige Wort, also da kann ich mich nur anschließen. Das eine funktioniert nicht mit dem anderen. Ohne dem anderen. Und da da, ich glaube, da krängelt jetzt das System, weil manche Vereine einfach die Jugendarbeit, die sehen es so, okay, der Bool oder das Mail wird halt ausgebildet, aber ich muss mich so drum weiter gar nicht kümmern. Der kommt dann irgendwann so in 5, 6 Jahren und dann setzt er sich mit her, dann macht er die erste Probe mit, mit einer Polga, mit dem Walter, dann bekommt die zweite Probe kommt er noch einmal, und bei der dritte Probe kommt er immer nicht mehr, weil einfach das Programm nicht gefällt. So sieht es aus. Oder so kann es aussehen. Muss nicht, aber so kann es aussehen, weil sie einfach jetzt nicht von Anfang an mit integriert worden sind. Oder man hat sich einfach nicht um den Schüler und die Schülerin gekümmert, integrativ. Das ist ja auch so ein Problem, was die Musikvereine haben, die nach wie vor haben. Das Einpflegen eben eines eines Schülers oder einer Schülerinnen. Wie mache ich das, wenn ich jetzt kein Jugendorchester habe? Das hat ja auch nicht jeder Verein.
SPEAKER_00Nee, aber ich fände, das ist immer eine schwere Aufgabe. Ja. Weil dann gehen ja die Meinungen immer auseinander und ich kriege das auch jetzt so in der außen rum immer mit, ja, okay, wir müssen unser Niveau extremst runterschrauben. So. Dann spielt man dreiviertel Jahre lang nur noch Jugendblasorchesterliteratur, was den Älteren widerstrebt. Machst du es nicht, ist es das andere zu schwer, dem anderen, den Jugendlichen, ist es zu traditionell, den anderen ist es zu neu. Also schweres Thema, da müsste man, glaube ich, tatsächlich auch mal eine extra Folge drauf machen. Wie integriert man Jugendliche in Blaster? Ja, ist das wirklich einfach ein schweres Thema und ich glaube, da wird es auch nie die Allheilösung geben. Ich würde gern so ein bisschen langsam zum Schluss kommen, aber das noch so ein bisschen abrunden. Und die Frage, die ich mir stelle, ist, ich weiß nicht mehr, wo ich es rausgezogen habe, aber da wird musische Bildung als kulturelle Teilhabe, kulturelle Vielfalt, Inklusion beschrieben und es schafft Integration, verbindet Generationen, alles das, was wir wissen. Wenn wir uns jetzt die Situation angucken, wir haben jetzt zwei Jahre Pandemie dahinter hinter uns und stecken da immer noch so irgendwie drin, haben jetzt Krieg in Europa, relativ viele Flüchtlinge. Ist das nicht jetzt der Zeitpunkt, wo wir noch mehr das fördern sollten, um eine offenere Gesellschaft zu kriegen, um Menschen mit an Bord zu holen, verständnisvoller miteinander umzugehen?
SPEAKER_02Ja, das ist jetzt auch eine Frage der Fragen. Ich denke mal, generell wünscht man sich eine Multikuldi nationale Zusammenarbeit und tun. Und es wird auch so sein. Und es muss auch so sein. Ich denke es wird auf jeden Fall, es wird eine riesengroße Herausforderung, was letztendlich wieder an dem Engagement des Einzelnen hängt. Wie das funktionieren kann. Es wird zwar vielleicht wieder dokteriert mit Richtlinien von oben heran, aber letztendlich die Umsetzung dessen liegt wieder bei dem Einzelnen. Sei es der einzelne Musiklehrer oder sei es der einzige Vereinsvorstand oder die Schulen, die Kommunen.
SPEAKER_03Ja, das sind wir schon wieder beim Thema. Beim Grundthema. Also ich denke, dass gerade unsere Musikvereine, Blasorchester, egal was, die perfekte Plattform sind für Integration. Das ist richtig. Ich habe da vor zwei, drei vor zwei Wochen was gehabt, irgendwo was gesehen von einem eben ukrainischen Flüchtling, der irgendwo halt gestrandet ist und der in der Ukraine Trompete gespielt hat und hat jetzt irgendjemand erzählt und der hat ihm dann eine Trompete geschenkt. Und der Junge war super. Der war damit schon einiges geholfen. Und ich sage es auch immer zu jedem meiner Schüler, die dann wegziehen. Zum Studium, egal was, sage ich immer, such dir ein Blasorchester in der Umgebung, dann hast du sofort Anschluss. Wenn der Musikverein offen ist, natürlich muss man als Musikverein auch offen sein und die Leute aufnehmen. Das ist ja auch immer so ein Problem, wo wir auch gerade schon hatten, die alteingesessen, wir spielen schon immer so und es gibt die eine Spatte, aber normalerweise sind die ganzen Musikvereine, die ich kenne, sehr offen. Und wenn es bei mir irgendjemand anruft und sagt, du, ich spiele das und das Instrument, kann ich mal in eine Probe kommen. Ich hole den mit dem Auto ab, wenn es sein muss. Und setze den da rein und meistens werden die auch aufgenommen. Und ich glaube, da können wir jetzt super Arbeit leisten, was das Ganze Integrative angeht, egal ob das jetzt auch Flüchtlinge sind oder neu zugezogene oder Kinder integrieren, egal was. Das schöne Musikverein ist doch auf das Generationsübergreifende, als ich war, wie ich im Musikverein angefangen habe, war der neben mir 40 Jahre älter. Wann sitzt denn bitte mal jemand mit acht Jahren neben einem 48-Jährigen und macht genau dasselbe? Das passiert eigentlich nur beim Musikvereinen.
SPEAKER_00Oder ist unter Umständen sogar besser als der 48-Jährige und kann auch mal sagen, guck mal, so läuft's. Naja, du lachst, aber das ist ja so. Also es muss ja nicht immer sein, dass der Ältere besser ist. Ja, also Punkt ist, wir brauchen irgendwie mehr Kommunikation auf allen Ebenen. Die Musikschulen und Kommunen müssen sich dringend mit den Vereinen mal hinsetzen. Wir müssen uns vielleicht tatsächlich auch untereinander mehr austauschen, wie sowas funktionieren kann. Und ja, vielleicht kann man da irgendwie tatsächlich irgendwie, auch wenn es immer dieselben sind, die kommen, ich gebe dir da recht, noch mehr Plattformen geben, wo man, wo man zeigen kann, wie es läuft. Also es gibt ja schon genug Menschen, die sich da drum umtun. Die Alexandra Link versucht neue Sachen da reinzubringen. Also es tut sich ja was. Aber ich, also neben dem Finanziellen, da bin ich voll bei euch, glaube ich, scheitert es auch ganz oft an Kommunikation und einfach auch mal am Risiko, an der Risikobereitschaft zu sagen, wir machen das jetzt einfach mal und gucken, was am Schluss rauskommt. Und ja, also ich denke, wir haben relativ viele Felder mal abgedeckt und aufgezeigt, wo es hängt und wo es krankt. Natürlich könnten wir da jetzt noch zwei Stunden weiterreden und wahrscheinlich kommen wir immer beim gleichen Punkt raus, nämlich das finanziell ist so ein Punkt. Ich bedanke mich, dass ihr zwei euch Zeit genommen habt. Ich bedanke mich bei den Gästen, die die Fragen auch mit den Fragen hier mitgesteuert haben. Ich hoffe, ich habe keine Frage übersehen. Und ja, vielen, vielen Dank.
SPEAKER_02Bitteschön. Bitteschön und vielen Dank für die Einladung.
SPEAKER_00Sehr gerne. Das war also die 50. Folge. Das waren jetzt zwei Jahre On-Air, der Blasmusik-Podcast. Und ich hoffe, ihr konntet bei dieser Folge genauso viel wieder mitnehmen, wie ich neue Sichtweisen, neue Denkanstöße bekommen, was Ausbildung im ländlichen Raum oder insgesamt überhaupt heißt, welche Schwierigkeiten wir haben. Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der dadurch jetzt angeregt wurde, andere Wege zu gehen. Wenn dem so sei, dann würde ich mich total freuen, wenn ihr mich mal anschreibt und sagt, hey, ich habe da ein ganz tolles Konzept. Wenn ihr natürlich jetzt sagt, da sind ganz, ganz viele Sachen gar nicht angesprochen worden, schreibt mich bitte auch an. Ich freue mich sehr gerne über Feedback. Ich weiß, so eine Folge, gerade so ein Thema, ist immer schwer, jeden glücklich zu machen. Wahrscheinlich kommen auch wieder ganz viele, die sagen, ja, du hattest nur Gäste aus dem südlichen Bereich. Das stimmt, das liegt aber daran, dass ich da mehr Leute kenne. Und wer jetzt sagt, er möchte doch gerne auch mal zu so einem Thema oder er hat ein ganz anderes Thema für sich, das er gerne mal in dem Podcast auch diskutieren und besprechen möchte, der kann sich auch gerne melden. Gerne Gästevorschläge, Themenvorschläge, auch über die Apple Podcasts, Kommentarfunktion oder Bewertungsfunktion. Da geht es nicht unter. Ich möchte mich bei euch bedanken für die letzten zwei Jahre, für die Treue an Zuhörern, für die ganz tollen Feedbacks, für das ganz viele Lob. Ich habe bisher mehr Lob als Kritik bekommen. Das freut mich natürlich, wobei ich auch immer offen bin für Kritik, für Themenwünsche, für Wunschvorschläge, für Gäste. Und ich freue mich, dass es bald weitergeht. Und die drittstaffel steht schon an. Die ist schon vorgeplant. Da gibt es ganz, ganz tolle Gäste, ganz große Namen der Blasmusikszene haben schon zugesagt, dass sie vorbeikommen werden. Da freue ich mich auf jeden Fall. Ich möchte mich für die Musik bei Dirk Mattes bedanken. Wer jetzt noch weiterhören will, dem sei mein Patreon-Kanal ans Herz gelegt. Da gibt es zusätzliche Folgen über die Musik des Lebens von meinen Gästen mit Hörbeispielen. Es gibt Thekengespräche, da treffe ich mich regelmäßig mit Bekannten und Freunden, die auch schon teilweise im Podcast waren. Wir besprechen Themen rund um die Blasmusik, vielleicht auch ein bisschen intimer, ein bisschen persönlicher, ein bisschen länger, ein bisschen kürzer. Es gibt ein, zwei sehr persönliche Folgen auch von mir. Und auch da wird demnächst einiges kommen. Patreon ist ein Exklusivbereich, der kostet 5 Euro im Monat und ist aber jederzeit kündbar. Ich freue mich, wenn ihr in der dritten Staffel dabei seid und wünsche euch bis dahin eine gute Zeit. Macht's gut, bleibt gesund, euer Andi.